Frauen gegen Quote. Mal wieder.

von Charlott

Zum 20. Geburtstag schenkt sich das Magazin „Focus“ einen ganz besonderen Titel: „Wir wollen keine Frauenquote!“. Und da es natürlich nicht so fein ist, wenn Männer das herausposaunen, hat die Redaktion eine Reihe von „starken Frauen“ ™ aufgetan, die Stellung beziehen.

Die erzählte Geschichte hören wir ständig. (Und wurde von Feminist_innen schon genau so häufig auseinandergenommen und kritisiert.) Frauen seien „die Gewinner am Arbeitsmarkt“, schließlich ist die Erwerbstätigkeit auf 72% gestiegen. Warum sich das nicht auch in den Führungsetagen widerspiegelt? Frauen studieren eben das Falsche (meint: nicht Arbeitsmarktkonform genug). Und da das Versagen eindeutig bei den Frauen liegt, ist eine Quote auch unnütz. Schließlich wollen die „erfolgreichen Frauen“ ™ nicht „vom Leistungsprinzip lassen“. Katharina Wagner gibt sich sicher:

Die Mädels meiner Generation haben eine solche Quote überhaupt nicht nötig.

Ganz vorn mit dabei, also auch auf dem Titel: Kristina Schröder. Dass diese keine Befürworterin einer Quote ist, hat sie schon häufig und gern an prominenter Stelle kundgetan. Da lässt sie auch diese Gelegenheit nicht aus. Egal wie obskur es wirkt, wenn eine Ministerin, die entscheidenen Einfluss hat, neben einem Untertitel prangt, der ankündigt: „Starke Frauen rebellieren gegen Staatsdiktat und Gleichmacherei“. Zu den anderen Frauen stellte Lara Fritzsche bei Twitter fest:

Im Innenteil merkt dann noch Veronica Ferres an, die übrigens Germanistik, Theaterwissenschaft und Psychologie studiert hat:

Die Quote diskriminiert Männer und schadet uns Frauen.

Davon abgesehen, dass ich ja ganz heimlich glaube, dass es eine Veronika-Ferres-Quote in deutschen Fernsehproduktionen gibt, bin ich angenervt von der Debatte. Immer wieder die gleichen „Argumente“, immer wieder Energie die reingesteckt wird um dagegen zu argumentieren. Auch von mir. Dabei bin ich nicht einmal die größte Freundin einer Quote, so wie sie derzeitig diskutiert wird, bleibt doch die Frage, welche Frauen überhaupt unter welchen Bedingungen profitieren und in welchem System, zu sehr am Rande. Viel lieber würde ich mich mit weitergehenden Ideen auseinandersetzen, denn gerade feministische Ökonomiekritik macht sehr viel mehr als Quotendiskussionen.

Doch die Bilder, die re_produziert werden, mit jedem neuen Artikel, mit jedem Titelbild, welches aus all den Zeitungskiosken entgegenstrahlt, sind mächtig. Darum noch einmal ganz klar: Diskriminierung hat immer etwas mit Macht zu tun. Die aktuelle Wirtschaft funktioniert auch jetzt nicht nach dem/ einem Leistungsprinzip – eine Quote könnte das also auch gar nicht ändern. Aber es bleibt auch bezeichnend wie groß der Widerstand ist und wieviel Raum dieser einnimmt gegen Forderungen, die nicht einmal sonderlich radikal sind.




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Eintrag geschrieben: Montag, 14. Januar 2013 um 14:05 Uhr unter Medienkritik, Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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9 Kommentare

  1. Frau Doktor sagt:

    Wenn ich mir das Titelbild so anschaue, scheint eine Quote für arisch-blonde, heteronormativ geschlechtlich performende, Körpernormen konforme ERscheinung bei Frauen* dagegen aber schon ok zu sein. Das sieht ja aus wie ein Join the BDM-Plakat. Das ist in seiner Konformität ja widerlicher als so manches Lifestyle- und Frauen-Magazin.

  2. mel sagt:

    jo. beschäftigen wir die kleinen feminisInnen mal mit ner popligen frauenquote für aufsichtsräte für 2023 – damit sie abgelenkt werden, eigene konzepte (weiter) zu entwickeln. während gerade dieser frauen-in-aufsichtsrat-anteil sich seit einigen jahren eh schon rasant entwickelt. vor allem im vergleich zu anderen führungspositionen. da brauch man auch nicht die lohndiskussion zu führen. sollen sie eben aufsteigen, wenn sie mehr verdienen wollen – die denke. da wirkt die diskutierte quote eher noch bremsend.

    aufmersamkeitsdieb diese diskussion.

  3. @ Frau Doktor, ja in den abgebildeten Riegen der „HighSociety“ hat man blond gesträhnt, Sylt gebräun und sehr schlank zu sein. Dazu noch Long Champ Tasche und Kashmir-Pulli um die Schultern gewickelt.

    Frau Wagenknecht hatte da mal etwas weises gesagt, so in etwa: auch wenn wir immer denken, dass alle die Möglichkeit haben den Gipfel zu erreichen, so ist es im echten Leben wie bei einer Himalayabesteigung: manche werden zu einer Basis mit dem Heli geflogen, manche fangen im Tal an.

    Diese Damen werden definitiv mit dem Heli geflogen!

  4. […] Charlott: Frauen gegen Quote. Mal wieder. […]

  5. hannah sagt:

    genialer post von fabienne vesper
    http://vesper.eu/fabieblog/focus/

  6. […] zum Thema bei der Mädchenmannschaft, siehe auch die gesammelten Reaktionen in den […]

  7. Ela sagt:

    Die Frage, „welche Frauen überhaupt unter welchen Bedingungen profitieren“ ist genau der richtige Ansatz: Eine gesetzliche Frauenquote ist eine Quote (ausschließlich) in den obersten Führungsetagen börsennotierter Konzerne. Der Gleichstellung der Geschlechter leistet das kaum einen brauchbaren Beitrag.

    Ging es tatsächlich um Gleichstellung von Frauen, die über die bloße Gleichberechtigung laut Grundgesetz hinausgeht, würden Frauenquoten für alle Führungsebenen nötig und sinnvoll sein: Aufsichtsrat, Vorstand, Bereichsleiter, Teamleiter. Denn hier arbeitet die breite Masse der erwerbstätigen Frauen und ist trotzdem in den zahlreichen Führungspositionen unterrepräsentiert.