Feuerrote Fingernägel

von Susanne

Es ist einer dieser faulen Tage nach Weihnachten. Ich liege auf dem Sofa herum und lackiere mir die Fingernägel rot. Mein dreijähriger Neffe setzt sich neben mich und beobachtet mich interessiert. Er steckt in einer Feuerwehruniform, die er zu Weihnachten geschenkt bekommen und seitdem nur noch zum Schlafen ausgezogen hat.

Plötzlich streckt er seine Finger aus und fordert: „Ich auch.“
„Welchen soll ich dir denn anmalen?“, frage ich ihn.
„Alle“, antwortet er.

Mir ist klar, dass man es komisch finden kann, wenn ein Dreijähriger mit zehn rot lackierten Fingernägeln herumläuft. Also verhandle ich mit ihm: „So kleine Kinder wie du kriegen nur zwei Nägel lackiert.“ Er bleibt dabei, dass es alle sein müssen. Ich bleibe dabei, ihm nur die Daumen zu lackieren. Als sie rot sind, sage ich: „Jetzt musst du pusten!“ und schraube die Nagellackflasche wieder zu.
„Nächstes Weihnachten will ich so was auch bekommen, dann male ich alle an“, sagt der dreijährige Neffe.

Am Abend kommt Besuch. Ein Feuerwehrmann! Der Neffe ist rasend aufgeregt: Endlich ein Kollege im Haus! Endlich kann er mit einem Fachmann die wichtigen Fragen klären: „Wie lang ist der Schlauch?“, „wie viele Feuerwehrmänner passen in ein Auto?“, „fährst du auch Feuerwehrboot?“ Mitten im Gespräch streckt er ihm stolz seine rot lackierten Daumen entgegen: „Schau!“ „Mit roten Fingernägeln kannst du aber kein Feuerwehrmann werden“, sagt der Feuerwehrmann. Der Neffe verstummt. Er schaut auf seine Hände, auf den Feuerwehrmann und wieder auf seine Hände. Dann steht er vom Tisch auf, kommt zu mir herüber und sagt: „Abmachen.“

Wir gehen ins Bad, und ich versuche ihm zu erklären, dass er auch beides haben kann: rote Fingernägel und einen Job als Feuerwehrmann. „Weißt du, das Wichtigste ist, dass du stark genug bist, einen Feuerwehrschlauch zu halten und mutig genug, in ein brennendes Haus zu gehen. Die Fingernägel sind egal.“ Der Neffe überlegt. Er denkt an den Feuerwehrmann im Wohnzimmer, dem die roten Fingernägel nicht gefallen, dem er selbst aber gefallen will. Unbedingt. Der Lack muss runter, er besteht darauf. Mit einem Wattebausch und etwas Nagellackentferner schrubble ich seine beiden Daumennägel wieder rosarot, und er stürmt zurück zum Feuerwehrmann, seine Zukunft besprechen.

Ich muss an den kleinen Sohn einer Freundin denken, der bis zu seinem vierten Geburtstag nichts lieber trug als glitzernde und bunt glänzende Armbänder. Er hatte eine Holzschatulle, in der er all seine Schätze aufbewahrte, und jeden Morgen suchte er sich einen davon aus, streifte ihn über sein kleines Handgelenk und fühlte sich wie der schönste Mensch der Welt. Bis er, an seinem vierten Geburtstag, seine Kindergartenfreunde einlud, all seine Armbänder anlegte – immerhin war dies ein besonderer Anlass -, woraufhin ihm einer der Knirpse im Laufe des Nachmittags sagte, Armreifen seien nur was für Mädchen. Der Sohn der Freundin trug seine Armbänder nie wieder.

Am nächsten Morgen beim Frühstück schaut der kleine Neffe zu mir herüber, kaut nachdenklich an seiner Brezel und betrachtet meine Fingerspitzen. Dann streckt er seine kleinen Hände in die Luft, hält mir seine Finger entgegen und ruft: „Bitte nachher wieder rot machen. Aber alle!!“

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)




Tags:

Eintrag geschrieben: Freitag, 7. Januar 2011 um 10:39 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



44 Kommentare

  1. Janni sagt:

    Beruflich habe ich eine Zeit lang das Zusammentreffen von Vater und seinem ca. 3jährigen Sohn betreut. An einem Tag hatte er jeden Fingernagel pink, weil er es so schön bunt fand, wie seine Pflegemutter aussah. Der Vater war stinksauer und fuhr die Pflegemutter an, ob sie aus seinem Jungen ne Schwuchtel machen wolle. Ich konnte ihn „beruhigen“, dass Kinder einfach bunte Sachen lieben. Dummkopf

  2. Phrixus sagt:

    Gott, selten sowas Trauriges gelesen wie die Sache mit den Armbändern. Viele Mädchen machen heute selbstverständlich „Jungssachen“ und setzen das auch selbst durch, aber noch immer bleibt vielen Jungs nur Scham, wenn sie merken, dass sie „Mädchenkram“ mögen. Kein Wunder bei Reaktionen wie der des von Janni erwähnten Vaters. Umso mehr ein Hoch auf Eltern wie die Mutter, die ihren Sohn Mädchenkleider tragen ließ, wenn er das wollte, und ihn darin bestärkte, nix auf die Meinung der anderen zu geben. Wunderbarerweise hatte das keinen Einfluss auf irgendwelche sexuellen Orientierungen, wer hätt’s gedacht.

  3. lena sagt:

    Hallo,
    ich habe bereits ähnliche Situationen mit Nagellack und meinem 5-jährigen Sohn erlebt und hab dann aber gleich den Männern, die ihm sein Junge-sein wg. lackierter Nägel absprechen wollten eine fiese Diskussion aufgezwungen und ihnen ungefragt erklärt, dass mein Sohn dazu erzogen werde alles sein zu dürfen. Ich finde es wichtig, dass Kinder solche Diskussionen miterleben auch wenn sie sie vielleicht noch ganz verstehen. Jedenfalls bekommen sie mit, dass sich jemand für ihr so-sein einsetzt. Deswegen erstaunt es mich auch sehr, dass du, Susanne die Definitionsmacht des Feuerwehrmannes erst im Badezimmer infrage gestellt hast und nicht in dessen Anwesenheit, damit er merkt wie dumm und fies solche scheinbar kleinen Äußerungen sind und in welche unnötigen Identitätskonflikte Kinder damit gestürzt werden.

  4. Thomas sagt:

    Da zeigt sich, wie massiv solche Geschlechtersegregationen im Kindesalter wirken und man sich als Erwachsener kaum traut, „gegen den Strom zu schwimmen“, weil man es dem Kind auch nicht schwer machen will.

    Ich kann mich so vage daran erinnern, dass ich auch mit dem Nagellack meiner Mutter „experimentiert“ habe (Sarkasmus an : vielleicht ist diese Begrifflichkeit ja „jungengerechter“, s. die These von Schmetterlingen und Ponys, Sarkasmus aus) und das Puder nannte ich Bei-Bei, weil ich den Namen nicht kannte, aber ausprobieren wollte.

    Ich beobachte viele solcher vorbehaltsloser Interessen und Experimentierfreudigkeiten, solange keine Vorstellungen gepredigt werden, was Jungs zu tun haben und was Mädchen.

  5. vorsicht sagt:

    die Definitionsmacht des Feuerwehrmannes erst im Badezimmer infrage gestellt hast

    die botschaft an das kind lautet in diesem falle: der MANN hat recht, die frau und mutti gibt klein bei. das weibliche attribut wird klammheimlich entfernt, damit der junge ein richtiger mann sein kann.

    gut gemacht!?

  6. Thomas sagt:

    @Vorsicht :

    M.E. kann man diese Zwickmühle besser verstehen, wenn man entweder selbst Kinder hat bzw. sich in die Schwierigkeiten und Notständigkeiten der Kinder gut einfühlen kann, um sie vor Unglückserlebnissen zu schützen.

    Ein Grund mehr, die Frage gesellschaftspolitisch zu transportieren und transparent zu machen. Schmetterlinge und Ponys sind da m.E. kontraproduktiv.

  7. vorsicht sagt:

    @Thomas gesellschaftspolitsch transparent gemacht bedeutet es: frau (feministin) traut sich nicht, dem mann zu widersprechen, weil er die deutungshoheit inne hat und sie ihm diese auch zubilligt.

  8. Thomas sagt:

    @Vorsicht : Was ist Dein Ziel?

  9. jj sagt:

    Lena, vorsicht,

    ich finde es genau richtig, wie Susanne reagiert hat. Streit über rote Fingernägel sind das letzte, was Kinder brauchen. Und wenn sie anfangen, sich als Jungen und Mädchen zu identifizieren, und deswegen ab irgendeinem Punkt anfangen, in-group und out-group Merkmale zu finden, auch dann brauchen sie vor allem Sicherheit und keine harte Geschlechterdiskussion. Was Susanne gemacht hat, war doch perfekt – sie hat die Fingernägel überhaupt nicht mit Weiblichkeit oder Geschlechterkram in Zusammenhang gebracht, sondern einfach nur gesagt, daß man mutig sein muß, um Feuerwehrmann zu sein.

    Was Lena und Vorsicht vorschlagen halte ich dagegen für wenig produktiv. Sobald ein Kind merkt, daß es zu Streit kommt, wenn es etwas macht, was den Konventionen widerspricht, wird es nur noch mehr darauf achten, Konventionen zu beachten. Ich find’s ok, dem Feuerwehrmann in Abwesenheit des Kleinen zu erzählen, daß das nicht so nett war, dem Jungen seine Fingernägel zu vermiesen, aber auf keinen Fall vor dem Jungen Streit anfangen. Daß der Einfluß des Feuerwehrmannes nicht so überwältigend war, sieht man doch an der Reaktion am nächsten Tag.

  10. Thomas sagt:

    jj:

    „– sie hat die Fingernägel überhaupt nicht mit Weiblichkeit oder Geschlechterkram in Zusammenhang gebracht, sondern einfach nur gesagt, ..“

    Eben.

    Manche sehen es, manche sehen es nicht, und manche wollen gerne etwas anderes sehen.

  11. Thomas sagt:

    @Lena :

    Ich denke auch, dass bereits im Kindergarten ein massiver „Gruppendruck“ an Rollenerwartungen besteht. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich 2004 meiner Tochter ein Auto mit Fernsteuerung geschenkt habe und sie sagte „es ist mir egal ob die anderen über mich lachen, wenn ich mit Jungenspielzeug spiele“.

    Damals ist es mir nicht einmal richtig aufgefallen, erst vor Kurzem, als ich mir das Weihnachtsvideo ansah.

    Ich glaube, dieses Brett ist ziemlich dick.

  12. vorsicht sagt:

    ein lohnenswertes ziel wäre z.b.:

    Damals ist es mir nicht einmal richtig aufgefallen

    dass ähnliches nicht erst nach 6 jahren auffällt.

  13. FetzCat sagt:

    Schon mal drüber nachgedacht, dass es Berufsgruppen gibt, in denen Nagellack aus hygienischen Gründen verboten ist? zb. Krankenpflegepersonal oder auch Personen in der verarbeitenden Lebensmittelindustrie (Köche, Haushälterinnen usw)
    Ach ja und es gibt auch bereits Feuerwehrfrauen, aber ich hab noch keine mit lackierten Nägeln gesehen. ;-)

  14. Katzentatze sagt:

    Mein Sohn wird demnächst vier Jahre alt und hat schulterlange Haare. Im Kindergarten haben alle Jungs den selben 4mm Haarschnitt, aber das ist ihm egal. Außer Pony schneiden ist nichts drin und das finde ich auch okay so. Zu Hause trägt er häufig einen Zopf, weil die Haare eben beim Malen etc. stören.

    Neulich trug er zum ersten Mal einen Zopf im Kindergarten. Reaktion, durch die Bank weg, von Kindern und auch einigen Erzieherinnen (die dies im Nachhinein abstreiten): Zopf ist was für Mädchen.

    Mein Sohn war am Boden zerstört und will sich seitdem auch zu Hause keinen Zopf mehr machen lassen.

    Es ist traurig solche Reaktionen zu sehen, ich finde es vor Allem auch traurig für die anderen Kinder. Wenn ich von anderen Müttern höre „Mein Sohn darf nicht mit Puppen spielen, der wird doch zur Schwuchtel!“ wird mir schlecht.

    Ich bin als Mädchen nur in Jungssachen rum gelaufen, habe am liebsten mit Autos gespielt und draußen Höhlen gebaut und mich lieber mit Jungs als mit Mädchen verabredet. Hat e smir geschadet? Nein, im Gegenteil! Leider wird das bei Mädchen immer noch eher akzeptiert als bei Jungs-wie kann man einen kleinen Menschen, der sich doch gerade erst entfaltet, schon so einschränken?

    Ach so: Mein Sohn hatte auch schon lackierte Fingernägel. Da kamen kaum Kommentare-villeicht lag’s an der Farbe (schwarz)?

  15. stephen sagt:

    Sagt mal seid ihr auch so tollerant wenn es um kleine Mädchen geht? Ist Fingernägel lackieren und sich schminken dann auch OK? Oder ist das dann wieder ein Beweis für eine Gesellschaft die Frauen von Kindesbeinen an sexualisiert?

  16. Thomas sagt:

    @Stephen :

    Beispiele aus einer Alltagsdiskussion, die das Thema Geschlechterrollen nicht so kritisch reflektieren :

    http://www.ioff.de/showthread.php?t=368805&page=2

    z.B. die Feststellung :

    „..als Mädchen kann man nicht früh genug lernen mit nem Bügeleisen umzugehen.“

    Ich denke, die Frage ist selbstredend beantwortet.

    Ich habe auch einfach mal meine Tochter um kompetente Auskunft gebeten, was denn so mit 4 Jahren im Kita gemacht wurde :

    Die Mädchen haben gerne mit Erde oder Sand gespielt, Burgen gebaut. Schminken war da kein Thema. Manche, nicht grundsätzlich alle Jungen haben da ebenfalls mit im Sand gebaut. Mädchen haben genauso mit Klötzchen gebaut wie Jungs. Eine geschlechterspezifische „Neigung“ gab es da also nicht. Das „Prinzessinnenalter“ kam nach Information meiner Tochter erst mit 6 oder 7, nach der „Erziehung“ und nach ein paar Karnevalsfesten mit entsprechender Verkleidung. Verkleidungen für Jungs waren ab 3 bis 10 Cowboy, Polizist, Feuerwehrmann. Ab 10 kamen auch schonmal Punker dazu. Ab dem gleichen Alter waren bei Mädchen vermehrt Hexenverkleidungen oder Blumenmädchen und viele Farben zu sehen.

    Die Jungens haben eher Bobbycars im Kita gefahren. Mädchen und Jungs haben sich gut vertragen und die Situation war irgendwie viel leichter und lockerer.

    Heute (mit 12) scheinen manche Jungs sich nicht richtig zu trauen, zu den Mädchen hinzugehen und einfach wie früher was zu sagen. Lediglich vor den anderen Kumpels wird untereinander „megagroß“ getan.

    So wurde mir die Praxis um Umfeld meiner Tochter beschrieben.

  17. palü sagt:

    hm, meine tochter, bald 4, hat mich gerade heute um nagellack gebeten. ich habe das abgewürgt, weil es mir nicht gefällt, wenn kinder sich zum spaß die fingernägel lackieren. der schminkkoffer, den sie mal geschenkt bekam, ist mittlerweile auch im müll gelandet. und meinem sohn, wenn er dereinst nach schminke fragt, werde ich das gleiche sagen. und bis dahin wird er die mädchenstrumpfhose und die glitzerhausschuhe seiner schwester auftragen – ich bin gespannt, wann die ersten kommentare kommen.

  18. Judith sagt:

    @palü
    warum gefällt es dir nicht, wenn kinder sich zum spaß die fingernägel lackieren oder sich schminken?

  19. Paula sagt:

    Das verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich habe auch mal im Kindergarten gearbeitet, und die paar mal, als ein Mädchen (bzw. einmal ein Junge) mit lackierten Fingernägeln ankamen und ich den entfernen musste (weil es im Kindergarten nicht gestattet war zwecks „Ich will auch!“-Vermeidung), habe ich immer gefragt, wer es gemacht hat und warum.

    In den meisten Fällen wollten sie entweder mitmachen, wenn Mama sich schick gemacht hat, oder es war ein Co-Projekt von älteren Geschwistern, die ihre kleineren sonst viel zu oft ausgrenzen. Das hat in dem Alter selten etwas mit Sexualisierung und „anderen (Männern) gefallen wollen“ zu tun, sondern einfach mit Spaß, Neugier und vielleicht sogar Stolz, dass man so sein durfte wie die Großen.

  20. Sabrina sagt:

    Sind Nagellacke und -entferner eigentlich immer noch so aggressiv? Ich hab das letzte mal vor ca. 10 Jahren selbst welchen benutzt und mein erster Gedanke auf die Frage „Warum verbieten?“ wäre, dass das Zeug durchaus gesundheitsschädigend sein kann. Ich meine dabei nicht mal unbedingt die Nägel selbst, sondern eher die Dämpfe, die bei mir z.B. fiese Asthmaattacken triggern können. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es da Eltern gibt, die sich mit ähnlichen Bedenken herumschlagen.

  21. palü sagt:

    judith und paula, das ist bei mir eher ein bauchgefühl als ein bewusst gefälltes, durchrationalisiertes urteil. ich muss dazu sagen, dass mir selbst nagellack auch bei erwachsenen nicht gefällt, vielleicht spielt das ja rein. das argument, dass lackierte fingernägel im kindergarten aber einen massenlackwunsch auslösen können, zieht aber auch schon ziemlich gut.

    an gesichtsbemalung für kinder, die dann tiere oder vampire oder sonstwas darstellt, finde ich auch nichts bedenkliches. aber es gibt bereiche, in denen kinder erwachsene einfach nicht nachmachen müssen – hüftjeans für 5jährige finde ich genauso doof.

  22. Dirk sagt:

    Stell Dir vor es brennt Und die Feuerwehr kom mt: Der erste Feuerwehrmann hat rote Fingernägel, der Zweite Bart und Lippenstift, der Dritte Schnäuzer und eine schöne Perlenkette……

  23. Neeva sagt:

    Ja und? Nichts davon hindert die Feuerwehrleute am Löschen, also wen interessierts?

  24. Dirk sagt:

    Das will ich Dir sagen: Es passt einfach nicht. Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer, Bänker sollten einfach so auftreten, dass man den Eindruck gewinnt, dass Sie sich „mit voller Hingabe ihrem Beruf widmen“. So heisst das auf Beamtendeutsch. Und da steckt auch ein guter Gedanke dahinter.

  25. Neeva sagt:

    Tja, rationalen Leuten geht es darum, ob die Arbeit gut gemacht wird. Wenn natürlich der _Eindruck_ wichtiger ist, lässt du deine brennende Wohnung besser von Werbeplakaten löschen.

  26. Nele sagt:

    @ Dirk:
    Oh und weiblich konnotierte Accessoires (rote Fingernägel, Lippenstift, Perlenkette) lassen Menschen weniger kompetent und arbeitsfreudig erscheinen…?!

  27. Dirk sagt:

    Also Feuerwehrmänner mit roten Fingernägeln würden mir Angst machen.
    Feuerwehrfrauen dagegen würde ich übrigens mit oder ohne rote Fingernägel für kompetent halten.
    5jährige Jungs mit roten Fingernägeln machen mir wiederum keine Sorgen !
    Lehrerinnen für Katholische Religion finde ich normal toll. Auch mit Perlenketten. Sogar mit Lippenstift. Aber nicht wenn sie eine Burka tragen würden……
    Uniformen, Rollen, Regln haben manchmal einfach Sinn!

  28. klingonische oper sagt:

    Also Feuerwehrmänner mit roten Fingernägeln würden mir Angst machen.

    Was genau macht dir daran Angst?

  29. Paula sagt:

    @Dirk:

    Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer, Bänker sollten einfach so auftreten, dass man den Eindruck gewinnt, dass Sie sich “mit voller Hingabe ihrem Beruf widmen”.

    Wie genau meinst du das? Darf es in diesen Berufsfeldern keine Freizeit geben, in denen man sich u. A. die Fingernägel lackiert? Darf man als Feuerwehrmann nicht in der freien Zeit bunt geschminkt in einer Travestie-Show auftreten? Du würdest es nicht einmal wissen, denn wenn er bei dir Löschen kommt, trägt er zu 99,9% Handschuhe und „versteckt“ seine „Inkompetenz“ vor dir. ;) Und wieso hältst du ALLE Feuerwehrfrauen für kompetent? Etwa auch ALLE Polizistinnen?

  30. Thomas sagt:

    Ich kann mir persönlich schwer vorstellen, ob rote Fingernägel, Damenbart, Lippen- und Kajalstift überhaupt direkt auf Anhieb sichtbar wären angesichts der Feuerwehr-Ausrüstung :

    http://www.draeger.de/DE/de/applications/fire_fighting/?cid=global&hash=0

    @Sabrina : Wenn ich das richtig sehe, besteht Nagellackentferner vorwiegend aus Aceton :

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nagellackentferner

    http://de.wikipedia.org/wiki/Aceton

    „Toxikologie :
    Auf der Haut verursacht Aceton Trockenheit, da es die Haut entfettet. Deshalb sollte man betroffene Stellen nach Kontakt einfetten. Inhalation größerer Dosen erzeugt Bronchialreizung, Müdigkeit und Kopfschmerz. Sehr hohe Dosen wirken narkotisch.“

    Ist also sicher nicht gut, die Dämpfe einzuatmen. Für Kinder schon gar nicht. Bedenken sind da also m.E. durchaus angebracht.

  31. Judith sagt:

    nicht nur in nagellackentferner sondern auch in nagellack selber ist ein haufen kram drin, der nicht gerade umwelt- und gesundheitsfreundlich ist. das ist für mich der bisher einzige plausible grund kinder damit nicht unbedingt spielen zu lassen.

    auf dem nagellackentferner, den ich gerade zur hand habe, ist ein „leicht entflammbar“-Zeichen drauf, dass spricht zumindest dagegen, dass sich feuerwehrmänner oder -frauen im einsatz den nagellack korrigieren, falls das jemand befürchtet.;-)
    aber ich glaube darum ging es susanne in ihrer geschichte nicht wirklich…

  32. posiputt sagt:

    wirklich traurig, wie pistolenschussschnell behauptet wurde, rote fingernaegel stuenden einer feuerwehrmaennlichen taetigkeit im weg. ob es nun sinnvoll ist, einen streit anzufangen (waere es vielleicht auch mit einem ernstgemeinten, nicht vorwurfsvollen, nach moeglichkeit nuechternen einwand getan?) oder den widerspruch auf spaeter zu verschieben, finde ich schwierig zu beurteilen. grundsaetzlich, idealistisch, bin ich aber der meinung, dass es kindern sicher nicht schaded, wenn sie frueh lernen, konflikte und widersprueche offen zu benennen und sich nicht ihre beduerfnisse und vorlieben madig machen zu lassen. ist doch schoen, die grundlage fuer eine spaetere emanzipation als mensch legen zu koennen. go nagellack!

  33. Keks sagt:

    Ich finde es super, wenn Kinder einfach mal experimentieren und probieren. Ohne Neugier wäre die Welt um einige Erfindungen ärmer.

    Da ich jetzt aber eh etwas zu spät für die Diskussion bin, noch schnell nebenbei: Es gibt inzwischen auch acetonfreien Nagellackentferner :)

  34. Dirk sagt:

    Das mit dem Feuerwehrmann Verwirrung zu stiften. Also. Wikipedia schreibt zu Uniformen ganz richtig:

    Durch das Tragen der Uniform soll das Individuum seinen Beruf oder seine
    Aufgabe verkörpern und seine Aufgabe als Funktionsträger besonders in den Vordergrund stellen.

    Wenn also ein Feuerwehrmann oder Polizist oder Bankangestellter mit rot lackierten Fingernägeln seinen Beruf ausübt, dann hätte ich den Eindruck, das neben seinem Beruf und seiner wichtigen Aufgabe als öffentlicher Funktionsträger andere Dinge im Kopf hat.

    Und deshalb war die Aussage des Feuerwehrmannes, mit lackierten Fingernägel dürfe der Junge nicht bei der Feuerwehrmann werden , ein bisschen doof aber sachlich ganz richtig.

    Übrigens war die Aussage der Tante auch doof: Nagellack und Feuerwehr ist unmöglich. Und sie hätte den Jungen auch anders trösten können.

  35. Helga sagt:

    @Dirk: Dass ein Polizist oder Feuerwehrmann seine Nägel lackiert, hat doch damit, ob er seinen Beruf ernst nimmt, nichts zu tun. Und wenn es bei Frauen unproblematisch ist, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder müssten Männer es nicht hinkriegen, ihr Äußeres und ihren Beruf zu trennen oder Frauen mit lackierten Fingernägeln haben eigentlich doch anderes in ihrem Kopf als ihre Arbeit. Beides glaube ich nicht.

  36. Dirk sagt:

    @ Helga
    „Durch das Tragen der Uniform soll das Individuum seinen Beruf oder seine
    Aufgabe verkörpern und seine Aufgabe als Funktionsträger besonders in den Vordergrund stellen.“ Es geht um den Eindruck, den der Feuerwehrmann oder Polizist erweckt. Wie er auf seine „Kunden“ wirkt. Auch um Rollen. Nicht um seine Kompetenz.

  37. Nadine sagt:

    @Dirk

    Wie wirkt denn ein_e Uniformträger_in mit lackierten Fingernägeln auf seine_ihre „Kunden“? Welchen Eindruck machen lackierte Fingernägel? Welche Rollen werden reproduziert?

    Interessante Fragen. Genauso wie diese: Warum haben sich als „weiblich“ konnotierte Codes als nachteilig für die Rolle, die Kund_innenwirkung und den Eindruck auf Außenstehende etabliert? Ansonsten gern mal die Diskussion unter dem Thread verfolgen.

  38. klingonische oper sagt:

    Warum haben sich als “weiblich” konnotierte Codes als nachteilig für die Rolle

    Tja, warum wohl. Weil ein „richtiger Mann“ in Uniform bitte keinen Zweifel an seiner Geschlechtszugehörigkeit aufkommen lässt. Und damit sind wir dann doch wieder beim Thema: Stereotype, die Kindern von Erwachsenen vermittelt werden.

  39. Thomas sagt:

    „Und damit sind wir dann doch wieder beim Thema: Stereotype, die Kindern von Erwachsenen vermittelt werden.“

    Das sehe ich genauso. Und das nicht zu knapp. Es gibt viele praktische Beispiele, das Thema dieses Diskussionsstranges ist eines von vielen möglichen Varianten. Meine Tochter sagte übrigens auch, ein Junge mit langen Haaren oder Zöpfen im Kindergarten, der braucht Nerven wie Drahtseile.

    „Warum haben sich als “weiblich” konnotierte Codes als nachteilig für die Rolle..“

    M.E. eine Kernfrage des Geschlechterthemas. Habe gerade dazu ein Buch dazwischen mit unerwartet interessanten und literaturbelegten Fakten zu „männlich/weiblich“, zwar nicht mehr auf dem neuesten Stand (1995), trifft aber viele Dinge auf den Nerv. Hab ich aber erst zur Hälfte durch.

  40. Thomas sagt:

    Hier mal wieder eine unerwartete Quelle, die mir früher als radikal vermittelt wurde :

    „Das Geschlecht ist ja die zentrale Kategorie, über die Personen definiert werden. Es werden Ihnen, weil sie männlich oder weiblich sind, Eigenschaften unterstellt, die sie zunächst einmal gar nicht unbedingt zeigen (s. Beispiel von Susanne „rote Fingernägel“). So bewerten Eltern gleiche Verhaltensweisen ihrer Kinder oft unterschiedlich – je nachdem, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. So erfährt das Kind, „dass gleiches Verhalten noch lange nicht gleiches ist. Es kommt immer darauf an, welches Geschlecht das Kind hat…Es müsste statt der Kinder das betrachtende und damit gleich interpretierende Auge des Erwachsenen untersucht werden..“(Grabrücker, 1989, S. 240).“

    (Quelle : Sexuelle Gewalt, S. 69, Anita Heiliger/Constance Engelfried, 1995)

    „Woesler de Panafieu setzt sich mit den Dialismen auseinander, die unsere patriarchale Kultur prägen wie : Geist-Materie, Rationalität-Irrationalität,…,Männlich-weiblich (vgl. Woesler de Panafieu, 1990). All diese Begriff werden einem Geschlecht zugeordnet und mit den entsprechenden Bewertungen verbunden, d.h. alle mit Weiblichkeit assoziierten Begriffe erhalten eine Abwertung, alle auf Männlichkeit bezigenen eine Höherbewertung. Harding nennt diesen Vorgang Geschlechtersymbolismus. (vgl. Harding, 1990).“ (ebd., S.67).

    Manche wenige Positionen mögen dort diskussionsfähig sein und vielleicht heute in schwächerer Form wirken, sind aber als Erklärungsansätze/-versuche gekennzeichnet und m.E. gut nachvollziehbar.

  41. klingonische oper sagt:

    alle mit Weiblichkeit assoziierten Begriffe erhalten eine Abwertung, alle auf Männlichkeit bezigenen eine Höherbewertung

    Und warum ist das so?

  42. Thomas sagt:

    Ein Erkläruingsansatz : Das rührt scheinbar aus der Zeit, wo man/frau noch nicht wusste, wie es zur Schwangerschaft kommt. Man schrieb der Weiblichkeit „magische Kräfte“ zu, aus sich heraus ein Kind zu „zaubern“. Diese Aberglauben und ursprünglich matrilinearen Strukturen wurden herausgearbeitet bei Karin Jäckel in „Befreiungsbewegung für Männer“ (bezieht sich dabei auf Quellen von Walker) genauso wie Prof. Hollstein, „Geschlechterdemokratie“ S.94 wie auch Simone de Beauvoir, S.92 in „Das andere Geschlecht“. Diesem Erklärungsansatz zufolge wurde Frauen gerne die Feldarbeit zugeteilt, damit die „magischen Kräfte“ sich auf eine gute Ernte auswirken. Die „Männlichkeit“ bewährte sich in der Außen- und Kulturarbeit, erfuhr eine Aufwertung, die „innere“ Weiblichkeitsarbeit eine Abwertung. Lt. Hollstein auf S. 94 (s.o.) wurden diese Umstände von Elisabeth Badinter durch historische Funde belegt.

    So kommt es auch m.E. scheinbar auch dazu, dass Pilotinnen im Cockpit als „Maggi-Kochstudio“ bezeichnet werden und Männer, die in Kitas oder Grundschulen arbeiten wollen, als „Weicheier“.

    Der Erklärungsansatz erscheint mir schlüssig und hallt m.E. in unserem Kulturkreis noch nach.

    Die „Angst vor der Weiblichkeit“ äußert sich als abergläubisches Relikt in solchen Phänomenen z.B. :

    http://maedchenmannschaft.net/16-jaehrige-spricht-mit-jungs-wird-dafur-lebendig-begraben/#comment-24985

  43. Simone sagt:

    Mein Sohn ( 9 ) ist mal zu Karneval als Mädchen gegangen, mit Miniröckchen und hautfarbenen Feinstrumpfhöschen von seiner älteren Schwester.
    Ihm hat es gefallen und er er hat danach die Feinstrumpfhose weiter unter seiner Hose getragen. Ich finde dabei nichts schlimmes, er fand es halt schön!
    Also hab ich ihm dann regelmäßig Feinstrumpfhosen unter der Jeans tragen lassen.
    Heute ist er mittlerweile 13 und zieht immer noch sehr gerne hautfarbene Feinstrumpfhosen drunter an, Zuhause auch schonmal nen Röckchen dazu. Er findet es sehr bequem und hat sich ansonsten bisher aber normal entwickelt!
    Er mag das Tragegefühl halt, warum sollte ich es ihm verbieten?
    Solange er draußen nicht im Röckchen rumläuft, finde ich es schon o.K..
    Unter der Hose sieht ja keiner, daß er Strumpfhosen anhat.

  44. Bjoern sagt:

    Als ich folgendes gesehen hab, hab ich sofort an diesen Text hier denken müssen und daher, wenn auch einen Monat zu spät, was zum Lachen….

    http://www.thedailyshow.com/watch/wed-april-13-2011/toemageddon-2011—this-little-piggy-went-to-hell