Feminist Fun Friday: Die „Aus den Aufzeichnungen eines Trolls“-Edition

von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 11 von 14 der Serie Feminist Fun Friday

Trolle haben es ja nicht mehr so leicht heutzutage: Früher, ja früher, da war alles besser, da konnte man sich plump in irgendwelche Internetdebatten oder Kommentarspalten einschalten, destruktiv und nervtötend daher quatschen, sogar das ein oder andere Mal mit den anvisierten Zielpersonen oder -gruppen direkt in Kontakt treten und im Glücksfall ewig lange am Zeitfresserrad drehen – es musste nur der Laber Rhabarber-Köder gut genug ausgelegt werden, und wenn angebissen wurde, dann begann auch schon das große Fest. Der Troll war in seinem Element, fühlte sich mit Aufmerksamkeit überhäuft, im Mittelpunkt des Geschehens, interagierte mit seinen verhasstesten Gegner_innen, konnte so viel klugscheißen dass kein Klopapier der Welt ihn jemals hätte stoppen können, fühlte sich auf dem Zenit seiner rhetorischen Bösartigkeit verdient angekommen! Hach, das waren noch Zeiten!

Zeiten wie aus einer goldenen, längst vergangenen Ära, als es vor allem unter Feminist_innen noch nicht so en vogue war, zu ignorieren und zu blockieren und schneller als „Troll“ überhaupt buchstabiert werden kann auf das Mülleimer-Symbol in Blog-Backends zu klicken. Heute, heute aber herrscht Langeweile. Da, wo früher ein Minenfeld war, auf dem der Troll es gewohnt war, Topfschlagen zu spielen (auch, weil früher blockieren-und-ignorieren öfter noch als heute als „Zensur“ verschrien war), ist heute nichts als verbrannte Erde. Der Troll sucht nun also nach anderen Möglichkeiten, mit Feminist_innen in Kontakt zu treten, um dem liebgewonnen Ping-Pong der Vergangenheit wieder Leben einzuhauchen. Er schreibt zum Beispiel depperte Mails. Ein Prachtexemplar der letzten Wochen las sich dann auch so:

[Übrigens: Falls der Feminist Fun Friday bei euch GIF-Alarm auslöst, findet ihr hier eine Anleitung, um diese zu deaktivieren.]

Seit  kurzem bin ich mit einer sehr starken selbstbewussten frau zusammen

für die Feminismus sehr wichtig ist

sie möchte auch von mir das ich mich dafür engagiere

wozu ich auch gerne bereit bin

ich soll mich selbständig informieren und Vorschläge einbringen

was ich dazu beitragen kann in Beziehung und außerhalb leider bemerkte ich schnell das das gar nicht so einfach ist

können Sie mir tipps geben lg




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Eintrag geschrieben: Freitag, 3. April 2015 um 19:00 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. Betti sagt:

    Hahaha, wie viele Eurer Leserinnen jetzt halb belustigt, halb ängstlich, dass es IHRER gewesen sein könnten, ihre Boyfriends fragen, ob die Mail von ihm ist – mich inbegriffen :D….

  2. Anika sagt:

    Und? Habt ihr ihm Tipps gegeben?