Feminismus hinter der Burka
von BarbaraDie Debatte über das Befinden von muslimischen Frauen in Deutschland und über den Islam an sich geht ja schon einige Zeit lang. Besonders die deutschen Feuilletons machen sich hier stark, etwa Thomas Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung:
“Die Muslime müssen sich von der Scharia lösen, sie müssen den politischen Islam ächten und sich vorbehaltlos zur Bürgergesellschaft und (zu) deren Rechten und Pflichten bekennen”, sagte die Berliner Soziologin Necla Kelek in der vergangenen Woche. “Es gibt keinen anderen Weg, außer man setzt auf Konfrontation.”Sie bemerkt offenbar nicht, dass die Forderung, die Muslime hätten dem Vertrauen in ihre religiösen Autoritäten und Führer abzuschwören, schon die Konfrontation ist, mit der sie erst droht.
Die Äußerungen von Necla Kelek gefallen auch der Psychologin Brigitte Rommelsbacher nicht, die ihr und anderen in der taz vorwirft (wir haben berichtet), sie würden den Islam zugunsten des Christentums abschaffen wollen:
Militanter hingegen gibt sich etwa Necla Kelek. Sie hält “den” Islam nicht für reformfähig und möchte ihn insgesamt zugunsten des Christentums abschaffen. Denn während “das Alte Testament und der Koran”, so Kelek, “Geschichten von Blut und Gewalt erzählen, ist das Neue Testament eine Botschaft der Liebe und Hoffnung”. Diejenigen, die angesichts der “Kriminalgeschichte des Christentums” Zweifel an dieser Lesart haben, wenden sich dann doch eher einer säkularistischen Position zu, die alle Religionen als patriarchal verurteilt und in ihrem Einfluss auf ein Minimum reduziert sehen möchte.
Da meldet sich dann noch der Freitag und schimpft über den antimuslimischen Feminismus, zu deren Vertreterinnen Necla Kelek und Seyran Ates gezählt wird:
Was den postkolonialistischen Feminismus so unangenehm macht, ist aber nicht nur seine Neigung zur Psychologisiererei, sondern vor allem die Tatsache, dass muslimische Frauen in ihm gar nicht vorkommen. Gebraucht werden sie lediglich als Stichwortlieferanten, sei es als selbsterklärte „Opfer“ oder irregeleitete „Verführte“ westlichen Denkens.
Der wohl erhellendste Beitrag in der Debatte stammt von der Publizistin Hilal Sezgin. In der Frankfurter Rundschau fasst sie das, was bisher geschrieben wurde, zusammen:
… erst jetzt ist Deutschland im Feminismus geeint, wo es nur um eine Teilmenge der Bevölkerung geht. Da liegt der Verdacht nahe: eben weil es nur eine Teilmenge ist und diese Prise Feminismus dem allgemeinen deutschen Michel nichts abverlangt.
Nachtrag: Beim Posten ist dieser letzte Absatz irgendwie verloren gegangen, deshalb noch mal:
Ich gebe Hilal Sezgin recht: Es wird hier auch im “Namen des Feminismus” argumentiert, weil es gerade passt. Frauen, die in Burkas eingesperrt sind, sollen geschützt werden. Also weg mit den Burkas, weg mit den Minaretten, am besten per Gesetz. Doch sind Verbote, die den Ausschluss aus der bestehenden Gesellschaft mit sich bringen, der richtige Weg? Wie fühlt sich eine Frau unter einer Burka? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ihr Leben sicherlich nicht besser wird, wenn man ihr verbietet, mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu reisen (eine Idee von Frankreichs Präsident Sarkozy). Wenn Frauenrechte gewahrt werden sollen, dürfen Frauen auch nicht in ihrem Recht auf Teilnahme an der Gesellschaft eingeschränkt werden. Und so plädiere ich für Vorsicht, für Langsamkeit. Für Unterstützung und für den Dialog.
Facebook | | Tags: Hilal Sezgin, Islam, Medienthemen, Necla Kelek
Eintrag geschrieben: Donnerstag, 4. Februar 2010 um 9:14 Uhr unter Der Feminismus ist schuld, Frauenfakten. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







Hervorragende Zusammenfassung und Pointe!
Ich werde mir wieder mehr angewöhnen von Feminismen zu sprechen …
Ich verstehe diese Zusammenfassung nicht. Und auch nicht die Pointe.
Ich hätte hier auch ein bisschen expliziteren Kommentar
vertragen können. Mir ist die Aussage dieses Beitrags
nicht ganz klar geworden.
Und immer derselbe feige Dreh, wenn es um das Thema Islam/ismus geht:
Necla Kelek fordert Ächtung des politischen (!) Islam, unterstellt wird ihr die Forderung nach Abkehr vom religiösen Islam. Wie ein Bekenntnis zum politischen (!) Islam allerdings konform gehen kann mit unseren westlichen politischen Grundüberzeugungen (hart erkämpft), unserer Bürgergesellschaft, unserer Verfassung (das ist Keleks Anliegen), darauf glaubt der Autor dann gar nicht mehr eingehen zu brauchen. Wie praktisch.
Und dann: Kelek möchte nicht den Islam abschaffen um das Christentum einzuführen, sie stellt Inhalt und Thesen der zentralen Schriften gegenüber! Dabei trennt sie sauber zwischen altem und neuem Testament, eine Trennung, die Rommelsbacher wie alle Kulturrelativierer nicht hinbekommt. Man könnte sonst nicht weiter Grausamkeiten sich gegenseitig neutralisieren lassen, jeglicher (Denk-)Verantwortung bloß. Und auch die Gleichsetzung des NT mit “dem Christentum” (und dessen Geschichte) ist eine (Gutmensch-Denkschablonen-) Selbstverständlichkeit die Rommelsbacher unterschiebt, die Kelek aber mitnichten vordenkt.
Wie infam da immer wieder absichtlich falsch hin gehört wird, um … ja warum eigentlich? Um nicht genau hinsehen, Verantwortung nicht spüren zu müssen, und weil Kolloboration im Angesicht großer Angst schon immer ein probates Versteckmittel war – auch vor sich selbst!?
Ich weiß ja nicht, ob eine streng verschleierte Frau wirklich Bestandteil der bestehenden Gesellschaft ist.
Verschleierte Frauen sehe ich, hier in München, eigentlich nur beim Einkaufen und sonst … lass mich nachdenkenn..
nirgends. Beim Einkaufen sind sie dann auch meist nur in Gruppen unterwegs.
Ich bin jedenfalls froh, dass es Frauen wie Necla Kelek und Seyran Ates gibt, die kritische dem Islam gegenüberstehen,
obwohl sie damit des öfteren ihr eigenes Leben in Gefahr bringen. Dabei würde ich die beiden nicht als “anti-islamisch” sondern
eher “islamkritisch” bezeichnen.
Necla Kelek und Syeran Ates sind nicht islamkritisch, sondern antiislamisch und das aus gutem Grunde. Sie haben nämlich den Islam am eigenen Leib erfahren und sind daraus schlau geworden.
Die Abspaltung ganzer Bevölkerungsgruppen vollzieht sich auch ohne Verbote und die islamischen sind dabei ganz vorne.
Das einzige was hilft ist Aufklärung, harte Kritik (ohne den deutschnationalen Kram, der in den Medien immer mitschwingt) und die Entlassung der ganzen sozialpädagogischen Elendsverwalter, welche den homosexuellen Jungen aus dem Jugendclub konfrontieren, wenn er vom Rest gemobbt wird, anstatt für ihn einzutreten.
Zum gefühlt 2385671246. Mal access denied: Kommentare die gegen die Netiquette verstoßen, werden gelöscht.
@Barbara
Necla Kelek trennt garnichts, sondern wirft alles in einen topf, rührt ein mal kräftig um und schöpft dann “das Christentum” ab. Sie hat weder von judentum ne ahnung, noch von christentum, noch von islam. Sie hat eigene erfahrungen – das bestreite ich überhaupt nicht. aber die nimmt sie für’s ganze.
im übrigen bedient sie auch gleich noch immer noch vorhandene christliche anti-judaistische stereotype mit: das AT erzähle geschichten von blut und gewalt – ja, auch… und wir können dann auch gleich noch einen blick ins NT werfen, das allein schon in seinem titel gewalt zum ausdruck bringt. sorry, aber da hat ja der von Kelek so heftig abgelehnte islam mehr vom judentum verstanden!
deshalb mal zu deiner meinung von der sauberen trennung zwischen AT (für mich ‘tanach’) und NT: Kelek hat nicht begriffen, dass das christentum eine jüdsche sekte ist. und zwar eine von der gewalttätigen sorte. und das von anfang an.
Jesus war ein Revolutionär der sich gegen “das Gesetz der Väter” aussprach. Das NT, welches die Geschichte Jesus’ und seine Verkündigungen überliefert, sollte also eigentlich für sich stehen. Die darin enthaltene “Mission” wurde in seiner provozierenden Radikalität damals nicht richtig begriffen und auch heute von denen, die sich Christen nennen nicht. (Und das sage und behaupte ich als überzeugte Atheistin…)
Nähmen die Christen jedoch die Bibel / das NT genauso wörtlich wie ihrerseits die Moslems den Koran, so wird man darin – wer will das bestreiten – eben keinen Aufruf zum Massenmorden finden, nichts, womit sich zügellose Grausamkeiten rechtfertigen und begründen lassen. In dieser Hinsicht ist das NT im Vergleich eindeutig das ungefährlichere Buch.
Und wie gesagt: “Das Christentum” ist nicht identisch mit dem Buch, auf welches es sich beruft. Menschen sind und waren immer schon (auch) ignorant, verführbar, grausam, engherzig…. – sobald Spiritualität sich institutionalisiert und zu Religion wird kippt das Gute ins Böse. Religionen sind Brutstätten der Gewalt und ja, das war auch im Christentum nicht anders.
Aber: Anders als der Islam hat das Christentum das Zeitalter der Aufklärung durchlaufen, musste sich humanistischen Idealen beugen, seinen Allmachtsanspruch aufgeben. Die Gewalt des Christentums als Religion ist heute weitgehend gezügelt (flammt allerdings immer wieder auf, – siehe Evangelikale), mit Verweis auf die Bibel lobt die Kirche all die menschenfreundlichen Rechte und Werte ja inzwischen sogar als eigene Errungenschaft. Das stimmt geschichtlich zwar nicht, ist aber zumindest inhaltlich mit den Thesen “der Schrift” vereinbar.
Fazit: Das NT ist ein Buch der Befreiung, der Koran ein Hassbuch. Alle (monotheistischen) Religionen haben gewalttätiges Potential. Der Islam kann dieses, anders als das Christentum, zitatreich begründen. Der Islam beugt sich nach eigener Definition, eigenem Absolutheitsanspruch keiner säkularen Macht und stellt damit, anders als das (heutige) Christentum einen Angriff auf bestehende politische Systeme dar.
All dessen müssen wir uns klar sein, auch wenn es so gar nicht schick ist, sich mit Religionen zu befassen. Schließlich haben wir ja gelernt, dass das alles Privatsache ist und sehr persönlich (und deshalb vielleicht auch ein bisschen peinlich…) Und so werden uns die hart errungenen Freiheiten möglicherweise noch den Hals brechen, wenn wir sie nicht zu schätzen wissen und nicht mit ihnen umzugehen verstehen. Augen verschließen, das wird nicht helfen. Kulturrelativismus auch nicht.
Anything goes? Nein, eben nicht!
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@Barbara: mt. 10,34???!!!!?? und mit der apokaypse des johannes ist auch schon viel schaden angerichtet worden in der welt. und welch wunderbaren geschichten stehen in der hebräischen bibel, dem sog. AT! ich wollte keinesfalls auf sie verzichten – auch nicht auf die gewalttätigen – auch sie erzählen vom leben.
entscheidend in dieser diskussion scheint mir eher der umgang mit den “heiligen texten” zu sein. wie sind sie zu lesen, zu deuten? wie verhalten sie sich zu ihrer entstehungssituation und wie zu heute?
und da sollten wir christInnen nicht mit steinen werfen – in unseren gemeinden und teilweise auch in unseren verlautbarungen geht es keinesfalls immer so aufgeklärt und jesuanisch zu, wie wirs vielleicht gern hätten. mit dem NT wird etwa begründet, dass homosexuelle lebensgemeinschaften rechtlich nicht der ehe gleichgestellt werden dürfen – obwohl theologisch sich die sache schon längst ganz anders darstellen könnte und müßte!!!
also vorsicht mit dem fingerzeig auf andere!
also noch mal und @Barbara:
Jesche war kein revolutionär. bestenfalls, falls er nicht eine synthetische figur ist, war einer einer unter reichlich vielen, die sich am öffentlichen diskurs in Judäa beteiligten.
was irgendwelche sog. evangelisten daraus gemacht haben – no na! das ist durch und durch redigiert. und kanonisiert. wobei etliches rausflog.
ansonsten halte ich dein geschriebenes nicht für atheistisch. sondern schlicht und ergreifend für von keinerlei sachkenntnis getrübt.
@Anna
den qor’an im gegensatz zum NT als “hassbuch” zu bezeichnen ist auch nicht gerade ein diskussionsniveau. sondern klaftertief drunter.
wenn ich hier also solchen quatsch lesen muß, dann muß ich diese art von atheismus auch als das bezeichnen können, was es ist: dummes zeug.
und am ende kommt dann noch das platteste aller scheinargumente, nämlich kulturrelativismus. klasse. der papst würde ich über Barbaras posting freuen. warum, ist in seiner regensburger rede nachzulesen.
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Ich habe jetzt leider nicht alle Kommentare gelesen (war dann doch etwas viel:)), aber so einige Dinge, die hier in den Raum gestellt wurden sind, fand ich dann doch etwas überraschend. Nein, nicht überraschend, aber wiederholt erschreckend.
Menschen sollten aufhören in Schubladen zu denken. Es wird von der armen Frau unter der Burka gesprochen, der man die Freiheit geben sollte. Von welcher Frau sprecht ihr bitte? Von der,die ihre Freiheit durch die Burka erlangt hat? Die,die aus Überzeugung der Religion einen selbsterwählten Weg geht und sich von der Intoleranz und nicht vom Islam unterdrückt fühlt?
Unser westliches Denken sagt uns: Alles,was verschleiert ist, ist negativ. Niemand würde sich selber verschleiern wollen.
Tausende von Frauen werden also gezwungen ihr Kopftuch zu tragen?
Wir müssen den Gedanken wegwerfen, welcher uns nur eine Sichtweise erlaubt. Alles hat mehrere Sichten und so auch der Islam: Die meisten Menschen leben den Islam aus Überzeugung und Gottesliebe und so auch muslimische Frauen. Ich streite nicht ab, dass es leider auch Fälle gibt, in denen Frauen dazu gezwungen werden sich zu bedecken. Aber was kann der Islam dafür? Sagt der Islam “zwingt eure Frauen dazu, dass sie sich verschleiern”? Nein. Wieso bitte bekommt dann der Islam die Schuld für das, was die Menschen aus ihm machen? Gott gab uns den Qurân und wenn die Menschen den Qurân falsch auslegen und verweden,was kann der Islam dafür?