Feminismus auf ukrainisch, feat. DJ Hell

von Meredith

In der Ukraine wächst eine feministische Bewegung heran. Die jungen Frauen, die sich femen nennen, haben nach eigenen Angaben nichts Geringeres vor, als „die größte und einflussreichste Frauenbewegung Europas zu werden“.

Bild via flickr

Bild via flickr

femen konzentriert sich derzeit vor allem auf Aktionen unter dem Slogan: „Die Ukraine ist kein Bordell“, mit denen gegen Sextourismus in ihrem Land mobil gemacht werden soll. Denn Prostitution ist in der Ukraine strafbar, aber nur für die Huren und Zuhälter. Freier haben kein Problem und besuchen das Land daher massenweise. Diesen Misstand, sowie die hohe Rate sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen, prangern die femen-Ladys an, vor allem mit auffälligen Performances und Demonstrationen.  Sie stellen sich halbnackt auf die Straße und malen sich Preisschilder auf die Körper, spielen Szenen mit Freiern nach und verursachen viel Wirbel.

Unter anderem hat der Münchner DJ Hell jetzt der Gruppe seine Unterstützung zugesagt, und das auch gleich mit vollem Einsatz demonstriert – auf jetzt.de gibt es heute ein Interview mit ihm, in dem er von seiner Performance in Kiew erzählt:

Am Freitagabend fanden die Events auf dem Majdan-Platz im Zentrum von Kiew statt: Tanzgruppen traten auf, es gab eine Modenschau und einige Mädchen klebten sich Preisschilder auf die nackte Haut. Für die Fotografen haben sie auch in Trikots der ukrainischen und polnischen Nationalmannschaft posiert. 2012 findet die Europameisterschaft in beiden Ländern statt und das ist natürlich ein Schwerpunkt der Kampagne. Die Polizei stand während des Spektakels einfach daneben und beobachtete alles, ohne einzugreifen – das hat mich positiv überrascht.

Mitunter ist es wirklich amüsant, was alles aus der Perspektive eines Partykönigs an so einer Veranstaltung besonders wichtig ist. So erzählt Hell von der After-Party der Demo, bei der die femen-Mädels alle auf der Gästeliste gestanden hätten und die dann zu einem rauschenden Fest wurde. Da kann man die Lippen spitzen und nach der Ernsthaftigkeit fragen – man kann aber auch darüber nachdenken, dass es vielleicht wirklich gar nicht so weit hergeholt ist, dass Feminismus eben auch Spaß machen kann. Denn an der Seriösität von femen lässt sich, bei allen Bikinis und Hotpants, nicht zweifeln, dafür ist deren Anliegen zu offensichtlich real. Und am Ende mobilisiert die Leute derzeit eben wenig so sehr wie eine gute Party. Oder wie seht ihr das?




Tags: , , ,

Eintrag geschrieben: Freitag, 29. Mai 2009 um 10:52 Uhr unter Aktivismus. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



6 Kommentare

  1. Nele sagt:

    Danke für den Artikel – ich finde es erstmal toll, dass es Unterstützung aus Deutschland für die Femen gibt.
    Zu der Frage: Natürlich darf Feminismus Spaß machen – und Partys sind doch toll – solange es nicht dabei bleibt.
    Worüber ich gerade gestolpert bin ist der folgende Satz in dem jetzt.de Artikel vom letzten Herbst: „Wir sind aber keine Feministinnen“, sagt sie. „Männer sind uns stets willkommen!“
    Aber die Überschrift hier lautet: „Feminismus auf ukrainisch“
    Meine Fragen dazu:
    – Dürfen wir diese Bewegung „feministisch“ nennen, wenn die Akteurinnen selbst das nicht tun?
    – Können sich die Ukrainerinnen wirklich nicht vorstellen, dass Feminismus auch mit Männer geht?
    – Oder hat es vielleicht eher andere Gründe, dass sie sich nicht als Feministinnen identifzieren wollen?
    – Sollten wir als „westliche“ Feministinnen nicht viel mehr in Dialog mit solchen Aktivistinnen treten, um herauszufinden, was für die das Problem mit dem Wort / der Bewegung „Feminismus“ ist?

  2. Meredith sagt:

    naja, auf der webpräsenz von femen steht ja

    We plan to become the biggest and the most influential feminist movement in Europe.

    von daher..
    und ich glaube die aussage über den feminismus in dem interview sagt mehr über hell’s haltung zu der sache aus, als über das, was die ukrainerinnen denken..

  3. Nele sagt:

    Danke für den Hinweis. Den Satz finde ich irgendwie auch seltsam, weil es sich so anhört als richte sich das gegen andere feministische Bewegungen in Europa, was ich mir kaum vorstellen kann.
    Was ich zitiert habe, hatte aber mit Hell noch garnichts zu tun. Das kam aus dem jetzt.de-Artikel, von dem Hell erst inspiriert wurde die Femen zu unterstützen. ( http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/453752 )
    Sollten die sich als feministisch verstehen, wäre allerdings die Frage, wie dieser Satz in den Artikel kommt. Vielleicht hat der Autor des Artikels da etwas frei hinzugefügt. Oder es hakt an der Übersetzung. Oder die sind sich untereinander auch nicht einig.

  4. haben fertig sagt:

    „Denn Prostitution ist in der Ukraine strafbar, aber nur für die Huren und Zuhälter. Freier haben kein Problem und besuchen das Land daher massenweise.“

    Das ist in der Tat perfide Gesetzgebung: Ein Deckmäntelchen der Moral drüber werfen, aber die Devisen nimmt man natürlich gerne mit.
    Die Ukraine sollte deshalb die Prostitution freigeben. Es besteht offensichtlich ein Markt, man kann so eine Menge legaler Arbeitsplätze schaffen, die vor allem gesetzlich regulierbar sind. Keine „Du-ficki-ficki-sonst-auf-die-Fresse“-Diktatur der Zuhälter mehr, sondern mehr Selbstbestimmung für die Nutten. Das wäre gelebter Feminismus. Und alles andere Schwachsinn, der Geist ist eh aus der Flasche.

  5. jo sagt:

    Hahaha, super, jemand sollte herr hell mal den begriff feminismus erklären.

    Ich zitiere: “ Sind die Femen-Aktivistinnen denn alle überzeugte Feministinnen?“
    „Hell: Nein, es gibt auch mehrere männliche Teilnehmer, (…) Das hat nichts Verbissenes oder Männerfeindliches. “

    party on!

  6. Prinzipiell finde ich den ungewöhnlichen Auftritt nicht schlecht. Themen wie Zwangsheirat, Armutsprostitution, Gewalt gegen Frauen, sex. Mißbrauch verdienen gerade in der Ukraine mehr Aufmerksamkeit.

    Die pauschal negative Einstellung gegen Pornographie kann ich allerdings nicht teilen. Da sollten sie sich eher – wie z.B. früher die meisten Feministinnen in Nordeuropa – für bessere Pornographie und für bessere Produktionsbedingungen einsetzen.