Fast ein Viertel weniger - für die Familie

von Barbara

Die EU-Kommission sorgt für Fakten: Im Schnitt werden Frauen in Deutschland um 22 Prozent schlechter bezahlt als Männer, sagte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla in einem Interview mit der Welt. Und weiter:

“In Deutschland liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen um rund 22 Prozent unter dem der Männer. Damit gehört Deutschland zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen.”

Das liegt keinesfalls an ihrer Qualifikation:

“Obwohl die Frauen in der EU besser ausgebildet sind als Männer, sind sie schlechter bezahlt, ihre beruflichen Karrieren sind kürzer und verlaufen langsamer.”

Der Grund für die ungleiche Bezahlung ist nicht überraschend: Viele Frauen arbeiten Teilzeit, was ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt schmälert. Und warum machen sie das? Wegen der Familie.

“Elternschaft senkt die Erwerbsquote von Frauen dauerhaft, die von Männern dagegen überhaupt nicht - das ist nicht länger akzeptabel.”

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18 Kommentare zu “Fast ein Viertel weniger - für die Familie”

  1. Goofos schreibt:

    Ja, im Schnitt, und was bedeutet das? Ich finde den Satz “Obwohl die Frauen in der EU besser ausgebildet sind als Männer, sind sie schlechter bezahlt,…” in der Form etwas weit hergeholt von dem guten Mann. Fakten hören sich für mich doch etwas anders an und es fehlen wie so oft einfach die blanken Zahlen zu der Statistik. Behaupten kann man viel.

  2. jj schreibt:

    “Elternschaft senkt die Erwerbsquote von Frauen dauerhaft, die von Männern dagegen überhaupt nicht - das ist nicht länger akzeptabel.”

    Was soll denn das heißen, “nicht länger akzeptabel”??? Ich finde es ja toll, wenn man möglichst viele individuelle Wahlmöglichkeiten schafft, aber es ist aus meiner Sicht genauso falsch, Frauen, die nicht arbeiten wollen wieder auf den Markt zu zwingen, wie diejenigen, die arbeiten wollen subtil davon abzuhalten. Das ist ein zu heikles politisches Terrain für Verallgemeinerungen.

  3. Peter schreibt:

    Der Mann heisst Spidla, nicht Spila. Und die zentrale Aussage der EU Studie lautet:

    “Dabei geht es jedoch nicht um unterschiedliche Bezahlung für gleiche Arbeit”

    Es gibt keine systematische Minderbezahlung von Frauen bei gleicher Arbeit.

    Eine weitere Kernaussage lautet wie im Blogtext zitiert:

    “Elternschaft senkt die Erwerbsquote von Frauen dauerhaft, die von Männern dagegen überhaupt nicht - das ist nicht länger akzeptabel.”

    Als Abhilfe gibt es ja zwei Optionen (also ausser der, keine Kinder zu bekommen):

    Variante 1: Es werden Regelungen geschaffen, welche den zeitlichen Aufwand der Elternschaft auf beide, Vater und Mutter aufteilen. Also beispielsweise den gesetzlichen Zwang, dass jeder von beiden jeweils 1,5 Jahren Erziehungsurlaub nehmen muss und im folgenden beide maximal 75% arbeiten dürfen.

    Variante 2: Es wird eine Betreuungsinfrastruktur geschaffen, die es ermöglich, Kinder 6 Wochen nach der Geburt in Vollzeit-Fremdbetreuung zu geben. Beide, Vater und Mutter können dann Vollzeit arbeiten gehen.

    Variante 1 scheidet nach Vorstellung der EU Kommission aus, denn es geht, laut Spidla darum, dass durch die hohe Teilzeitquote der Wirtschaft wertvolle Produktivität verlorengeht.

    Als Lösung bleibt Variante 2, in einigen Ländern bereits umgesetzt. Nur in DE (und AT) wird bisher das Leitbild der Vollzeit-Mutter noch aufrechterhalten.

    Doch der Druck durch die EU wächst langsam aber stetig. Auf den Staat, endlich die Infrastruktur bereitzustellen und - jedes Ding hat seine zwei Seiten - auf die Mütter, sich endlich von ihren Kindern zu trennen und Vollzeit arbeiten zu gehen.

    Das kann man gut finden oder auch nicht, aber es wird kommen. Denn die Belange der Wirtschaft haben in Brüssel höchste Priorität.

  4. Goofos schreibt:

    Danke, die Erklärung hat mir mal weitergeholfen :) Nur eins, ist mit Betreuungsinfrastruktur KiTa’s gemeint?

  5. illith schreibt:

    ich finds ja echt etwas fahrlässig, dass in den ganzen TV-nachrichten das “22% weniger” nicht näher aufgeschlüsselt wird.
    das kommt nämlich sonst echt so rüber, als würden frauen für den gleichen job einen 22%ig niedrigeren lohn auf dem gehaltszettel stehen haben, als der herr kollege, der genau das gleiche macht….

  6. sporadischer Leser schreibt:

    @ illith

    natürlich soll es so rüberkommen, um weiter gegen Männer hetzen zu können und am besten, die Löhne “angleichen”, also senken zu können.

  7. Penny schreibt:

    Der eigentliche Witz an der Sache ist ja der, dass Frauen, die Kinder bekommen und weiter Vollzeit arbeiten, während ihr Mann oder Partner zu Hause bleibt, trotzdem weniger verdienen als Männer, deren Frauen zu Hause bleiben. Denn beim Mann wird absurderweise von vielen noch erwartet, dass er ja jetzt der Ernährer ist, da muss er schon ein bißchen mehr verdienen, der Gute. Bei Frauen gehen viele davon aus, dass sie nur dazuverdient.
    Es gibt Unterschungen (wurde letztens in der Zeit veröffentlicht, ich hab jetzt keine selbige, das rauszusuchen), dass das Gehalt von Männern (im Schnitt natürlich) deutlich steigt, wenn sie heiraten und/oder Kinder bekommen. Bei Frauen ist es genau andersherum (und der Vergleich war jetzt nicht Teilzeit/Vollzeit/nach 5 Jahren Pause…)
    Außerdem fragt niemand (jedenfalls habe ich das bislang noch nicht erlebt) einen Vater im Bewerbungsgespräch, wie er die Kinderbetreuung organisiert hat. Ich werde das IMMER gefragt. Und wenn ich sage, dass ich einen Hausmann daheim habe, sorgt das auch regelmäßig für Irritation. Von Frauen UND Männern.

  8. Matze schreibt:

    @illith: Genau so wurde das heute morgen oder gestern abend auch im Radio gesagt: Dass Frauen 22% weniger verdienen als ihre Kollegen. *augenroll*

    Am gleichen Abend las ich auch, dass jeder Deutsche 90 Tafeln Schokolade im Jahr isst. Wenn ich jetzt nur 80 Tafeln esse, bin ich dann kein Deutscher mehr?

    Okay, ich schweife ab, aber: Sobald Statistiken ins Spiel kommen, wirft der Journalismus jegliche Intelligenz von Bord. Wobei, vielleicht reichen auch schon Zahlen …

  9. Thomas schreibt:

    Es ist allerhöchste Zeit diesen Ergebnissen und den Kritiken systematisch auf den Grund zu gehen. Immer wieder liest man über Gründe Kinderbetreuungsauszeit, Berufswahlorientierungsprozesse, eine OECD-Studie Männer arbeiten 30% mehr als Frauen u.v.a.m.

    Wo liegt denn jetzt die Wahrheit und wer stellt sie heraus? Ich habe kein Interesse an ungerechter Bezahlung von Frauen aber auch nicht an Statistiken die immer wieder Anlass zu kritischen Auseinandersetzungen geben.

    Erwähnenswert ist die Tatsache dass Frauen im Teilzeitbereich angeblich 22% mehr als Männer verdienen sollen.

    Zum Thema unterbrochene Erwerbsbiographien : In nordischen Ländern legt man eher wert auf Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Vereinbarkeit Familie/Beruf und interessiert damit eher Akademikerinnen. Bei uns wird meist der politische Standpunkt vertreten finanzielle Anreize fürs Kinderkriegen zu geben. Ob das sinnvoll ist und wer damit bedient wird ist sicher diskussionsfähig.

  10. Antje schreibt:

    @ Penny:

    Hier eine aktuelle Untersuchung die zeigt, dass Vaterschaft im Vergleich zu Nicht-Vaterschaft zu mehr Gehalt führt…

    Pollmann-Schult, Matthias, Martin Diewald: “Auswirkungen der Familiengründung auf den Berufsverlauf von Männern.”, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie59(2007) Nr. 3, S. 440-458

    Es grüßt
    Antje

  11. Penny schreibt:

    @ Antje:
    Super, vielen Dank!

  12. Anna schreibt:

    @Penny und Antje:
    Hängt das mit dem höheren Gehalt der frischen Väter nicht auch damit zusammen, dass die fast immer dann auch mehr arbeiten?
    Da hab ich nun leider nicht die passende Studie an der Hand, aber soweit ich weiß, stocken Männer tendenziell Stunden auf, wenn sie Väter werden, weil sie ja nun eine Familie versorgen müssen und so (auch wenn das nicht explizit erwartet wird oder so geplant war).
    Was natürlich dann die Spirale weiter dreht, auch was den Punkt angeht, wieviel Zeit man mit seinem Kind verbringt. Je mehr Papa arbeitet, desto mehr hängt Mama in der Haushaltswindelwechseln-Routine fest und desto mehr wird sie das zb auch am Wochenende machen.

  13. Antje schreibt:

    In der oben genannte Studie wird keine Effekt einer höheren Stundenanzahl bei Vätern im Vergleich zu Nicht-Vätern auf die Höhe des Gehalts festgestellt!

    Die Ursache liegt in großen Teilen im Ereignis der Vaterschaft selbst. Ob dies zurückzuführen ist auf einen erhöhten Druck, das Familieneinkommen zu sichern oder die Vaterschaft an sich die Aufstiegsmöglichkeiten erhöht konnte nicht beantwortet werden.

    Die Autoren oben genannter Untersuchung nehmen an, dass Männer die planen ein Kind zu bekommen, vor, aber schon im Hinblick auf die geplante Elternschaft, ihre “Investitionen” in die Erwerbskarriere steigern.

    Das Argument, dass Väter nach der Geburt ihre Arbeitszeit erhöhen kenne ich aber auch und in anderen Texten wird das auch immer noch angeführt, interessant ist vielleicht an dieser Stelle, dass nur 3% aller Väter in D. im Jahr 2002 in Teilzeit (davon lediglich 1/3 aus persönlichen oder familiären Gründen!) arbeiteten. (Rüling, Anneli, Karsten Krassner, Peter Grottian: “Geschlechterdemokratie leben. Junge Eltern zwischen Familienpolitik und Alltagserfahrungen”, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 2004, Nr. 19, S. 11-18).

    Und falls sich jemand wundert, dass ich hier immer Texte zitiere: ich schreibe gerade meine Examensarbeit zum Thema “Egalitäre Paare”.

    Es grüßt
    Antje

  14. Lilith schreibt:

    Über Statistiken kann ich nichts sagen. Ich kann nur mit meinen persönlichen Erfahrungen dienen und ich kenne inzwischen auch einige Frauen mit ähnlichen Erfahrungen. Es gibt Firmen, die Mütter nach dem Mutterschutz oder der Elternzeit die Rückkehr an den Arbeitsplatz verwehren. Mit den übelsten Tricks. Mich wollte man auch zur Elternzeit drängen und mein Arbeitsplatz war nach dem Mutterschutz mit einem Mann besetzt, der auch ca. doppelt so viel verdient - bei weniger Arbeit und besseren Arbeitsbedingungen (er bekam z.B. einen Assistenten, den man mir vorenthielt).
    Die Firma läßt sich die Angelegenheit in den nächsten 3 Jahren weit über 200.000 € zusätzlich kosten. Die Summe ergibt sich aus dem höheren Entgelt meines Nachfolgers und dem mir angebotenen “Mindestentgelt”, der für die mir zugedachte neue Arbeitsstelle pro Jahr mindestens 35.000 € zu hoch ist. Bei solchen Dimensionen wäre mein Entgelt eine Spende und kein Lohn für Arbeit.
    Meine Vorgesetzten schädigen also mit ihrem Verhalten nicht nur mich, sondern auch die Firma. Aber es gilt scheinbar das Prinzip zu verteidigen, wonach eine Mutter nicht arbeiten soll.

  15. frauen_versteherin schreibt:

    Wenn die werdenden Väter ganz schlau sind, setzen sie vor der Geburt eine Gehaltserhöhung durch und gehen dann zwölf Monate in Elternzeit. Das wäre doch mal was….

    Elterngeld: Väter kümmern sich gern um Nachwuchs - aber nur kurz
    © ZEIT online

    Auszug:
    Die meisten Männer nehmen sich laut Statistik allerdings nur eine kurze Auszeit für ihren Nachwuchs. So bevorzugten von den erwerbstätigen Vätern zwei Drittel eine Babyzeit von zwei Monaten. Nur jeder zehnte kehrte dem Arbeitsplatz für ein Jahr den Rücken. Hingegen blieben fast 90 Prozent der berufstätigen Frauen zwölf Monate daheim.

  16. jj schreibt:

    @Antje,

    “Und falls sich jemand wundert, dass ich hier immer Texte zitiere: ich schreibe gerade meine Examensarbeit zum Thema “Egalitäre Paare”.

    Das finde ich mal ein spannendes Thema. Kannst Du schon mehr erzählen? Und gleich mal eine Frage: Beziehst Du auch die Fragestellung ein, ob und wenn inwieweit sich die Attraktion/sexuelle Anziehung als Basis der Beziehung dabei verändert? Nehmen die Frauen ihren Partner auch noch als Mann wahr, wenn die (wirtschaftliche) Sicherungsfunktion teilweise/ausschließlich von ihr erbracht wird? Egal, was man zu dem Thema liest, aber diese aus meiner Sicht essentielle Perspektive wird eigentlich nie beleuchtet…

    @frauenversteherin

    “Wenn die werdenden Väter ganz schlau sind, setzen sie vor der Geburt eine Gehaltserhöhung durch und gehen dann zwölf Monate in Elternzeit. Das wäre doch mal was….”

    Aus meiner Sicht ist es für Männer viel härter als für Frauen, überhaupt Erziehungsurlaub zu nehmen, weil es gegen mehr Widerstände durchgesetzt werden muß. Die 12/14-Monatskiste ist also grds. nicht falsch, um bei Unternehmen eine Notwendigkeit zu erläutern. Allerdings muß man halt auch sagen, daß zwei Monate arbeiten und zwei Monate Erziehungsgeld unter Umständen eben nicht vergleichbar sind. Bei einem befreundeten Paar hat sie ihm erklärt, daß es Schwachsinn sei, zwei Monate auf sein Justiziarsgehalt zu verzichten und im Unternehmen Widerstände zu bekämpfen, nur damit er für weniger Geld zwei Monate zu Hause bleiben könne.

  17. Anna schreibt:

    @Antje:
    Danke.

    (Und ich finde es super, dass Du Studien und Zahlen an der Hand hast!)

  18. Wäre ja mal ein Anfang… « Barcelona für fast ein Jahr schreibt:

    […] In der EU werden vier soganannte Top Jobs für dicke Kohle frei. Und weil es vielleicht ganz fair wäre, zumindest einen der Jobs mit einer Frau zu besetzen, gibt es eine Unterschriftenkampange. Da wir ja alle so schön gleich sind und gleich verdienen… […]

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