Familie ist, was ihr draus macht

von Susanne

Mit Kommissionen ist das ja so eine Sache: Es gibt viele, sie schreiben viele Berichte. Die werden dann mehr oder weniger in der Presse besprochen und anschließend schnell vergessen. Weil die Empfehlungen zu teuer sind. Weil der Politikbetrieb lieber weiter an ältere Berichte glauben mag. Oder. Oder. Oder.

Nun hat aber die von der Robert-Bosch-Stiftung einberufene Expertenkommission „Familie und demographischer Wandel“ gleich einen ganzen Katalog von Forderungen vorgelegt, was sich in der deutschen Familienpolitik ändern sollte – weg vom Mama-Papa-Kind-Hund-Modell, hin zu Solidaritätsgemeinschaften, die auch staatlich unterstützt werden. Momentan wird ausschließlich die Ehe explizit als Familienform durch Steuererleichterungen gefördert. Dass soll sich ändern, sind sich die Experten einig, deshalb:

  • muss das unmittelbare Umfeld gestärkt werden;
  • sollte sich Familienpolitik zuallererst auf der kommunalen Ebene entfalten;
  • muss das zivilgesellschaftliche Engagement für Familien auf proaktive staatliche Anreize treffen;
  • sollten neue Lebensgemeinschaften – gerade auch unter Älteren und im Mehrgenerationenverbund – rechtlich abgesichert werden;
  • sollte die Leistung für und in den kleinen Lebenskreisen durch steuerliche Erleichterung oder auch ein Grundeinkommen honoriert werden;
  • sollte sich Stadtentwicklung an familienpolitischen Belangen orientieren;
  • sollte der vergleichende Austausch und das Lernen von anderen gesucht und erleichtert werden.

Die Kommission, namentlich Kurt Biedenkopf, Hans Bertram und Elisabeth Niejahr, hat online nicht nur ihren Bericht veröffentlicht, sondern außerdem Gastbeiträge verschiedener Sozialwissenschaftler, die alle auf der Webseite der Robert-Bosch-Stiftung nachgelesen werden können.

Deren Überlegungen und Forderungen dürften wegweisend für unser zukünftiges Verständnis von Familie sein. Spannend bleibt nur, ob und wie schnell die Politik auf die Erkenntnisse der Wissenschaftler_innen reagiert. Bis jetzt ist – zumindest auf Regierungsebene – die Kleinfamilie ja weiterhin der allgemein anerkannte status quo, die Realität aber schon viel weiter, wie man an unzähligen privaten Initiativen sieht.

Oder? Wie lebt ihr denn so? Und wie wollt ihr später mal leben? Mit anderen Familien unter einem Dach? In einer WG? Mit euren Eltern in einem Mehrgenerationenhaus? Oder doch ganz „klassisch“, nur mit Kindern und eurem angeheirateten Menschen?




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 22. Juli 2009 um 10:57 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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10 Kommentare

  1. Emily sagt:

    Also ich persönlich würde nur mit meinem Partner und eventuell Kindern zusammenleben wollen.
    Nicht dass die anderen Formen nicht auch gut klappen können, aber ich ertrage einfach nicht zu viele Menschen um mich rum. Seit ich alleine wohne, bin ich so entspannt wie schon lange nicht mehr.
    Ich finde, jeder sollte so leben können, wie er es gerne möchte.

  2. ff sagt:

    mmh momentan lebe ich mit meinen eltern (verheiratet) und meiner schwester zusammen
    später würde ich mit meinem partner, sofern ich ienen habe, zusammenlebe wollen und auch kinder haben
    ich möchte unbedingt den kontakt zu meinen eletrn halten, aber ich glaube ich würde nicht mit ihnen unter einem dach leben wollen, zumal ich wohnungen gegenüber häuzsern sowieso bevorzuge
    mit meienr schwester habe ich eine enge verbindung und möchte sie auch später anh bei mir haben, wobei ich aber fürchte, dass es auch nicht funktionieren würde, wenn unsere familien direkt zusammenleben würden, aber so richtung nachbarn wär ganz toll
    man muss ja auch nicht im selben ahus wohnen um sich zu unterstützen
    zumal es doch schön wäre wenn auch das nachbarschaftliche verhältnis allgemein wieder enger würde…

    na wie auch immer

    viele grüße

  3. Emily sagt:

    Nachbarschaftliches verhältnis wieder enger? Ich weiß nicht…
    Warum sollte ich groß etwas mit Leuten zu tun haben, nur weil sie zufällig im selben Haus wohnen wie ich? Ich finde, Pakete annehmen und hallo sagen reicht.
    Ich hatte mal ne Nachbarin, die sich sehr um alles gekümmert hat, was mit den Leuten im Haus ist, und die ist mir einfach nur auf die Nerven gegangen, mit ihrer Aufdringlichkeit und ihren ständigen Fragen.

  4. Miriam sagt:

    Ich finde das eine für mich nicht so einfach zu beantwortende Frage. Zum einen merke ich, dass ich meinen Rückzugsraum brauche, aber auf der anderen Seite auch gewisse dörfliche Strukturen meiner Kindheit vermisse. Von daher käme eine riesige WG wohl eher nicht für mich in Frage, aber eine Hausgemeinschaft mit verschiedenen Generationen, bei der klar ist, dass ein gewisses Interesse der gegenseitigen Anteilnahme vorhanden ist, fände ich schon reizvoll. Und das sollte dann schon über „Päckchen annehmen oder Hallo sagen“ hinausgehen, z.B. sich mit Zucker aushelfen, mal gemeinsam kochen, die Kinder abgeben bzw. übernehmen,… aber es müsste eben auch genug Freiraum für mich geben, mich zurückzuziehen.

  5. Emily sagt:

    Dann sollten wir hoffen, dass du nicht mich als Nachbarin bekommst, was.^^

  6. ff sagt:

    ja das stimmt die nachbarschaft kann auch unangenehm sein
    aber es ist schade dass man sich generell so wenig für andere interessiert
    man muss sich ja nicht mit jedem verbrüdern
    nett wäre schon sich wenigstens zu grüßen

  7. Ich muss sagen, ich bin auch ein Mensch der sehr viel Freiraum braucht. Derzeit wohne ich mit meiner Schwester in einer 40m2-Wohnung. Das geht, weil wir uns sehr nah sind und uns super verstehen (und jede die Macken der anderen kennt und akzeptiert ;) ).

    Sehr wichtige Faktoren sind für mich, mit *wem* ich zusammenlebe (Familie, Freunde, die ich schon kenne, oder neuzusammengewürfelte Zufalls-WG; ob es einfach „passt“) bzw auch *wie* – auf größerem Raum verteilt geht wieder mehr. Auf alle Fälle brauch ich aber mein eigenes Zimmer. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, mit einem Partner das Schlafzimmer zu teilen und keinen „ausschließlich-mein-Reich-Bereich“ zu haben. Unter der Voraussetzung eines „Mindestmaßes“ an Privatsphäre fände ich den Gedanken, in einer Art Community/Gemeinschaft zu leben, aber schon spannend.

    Bezüglich des Grüßens – bei uns im Haus (6-stöckiges Wohnhaus in der Stadt) wird schon gegrüßt und „Lift-Smalltalk“ betrieben und so.
    Aber für meinen Freund, der (seeehr) vom Land kommt, ist es immer eine Umstellung, die Leute auf der Straße nicht zu grüßen, wenn er mich besucht. Interessanterweise reagieren die Menschen da immer ganz irritiert oder scheinen sich irgendwie verarscht vorzukommen, wenn sie „einfach so“ gegrüßt werden.

  8. deleted mind sagt:

    …dass sich ausgerechnet zu diesem Thema bisher noch keine Männer gemeldet haben..!?

    Wie die neuen Formen des Zusammenlebens aussehen werden? Räumlich und örtlich vieleicht noch weitgehend so, wie heute. Nur dass sich die Anzahl der sozialen Netzwerke vervielfachen werden- nicht nur im virtuellen Raum, zwecks Kommunikation, sondern auch für die Betreuung nicht pflegebedürftiger, alter Menschen beispielsweise- die sich dann wiederum im Gegenzug um die Kinder kümmern, während die jüngeren Eltern voraussichtlich beide berufstätig sein werden. Die Rollenbilder, wie wir sie heute kennen, werden bereits innerhalb der nächsten fünfzehn Jahre nicht mehr existieren, denn sie machen nicht nur ökonomisch keinen Sinn mehr. Ich sehe eine dichte Vernetzung der Generationen auf uns zu kommen; auch eine dichtere Vernetzung verschiedenster sozialer Gruppen. Erwerbslose, die zum Beispiel gemeinnützige Arbeit bis hin zur Altenbetreuung übernehmen.

    In ländlichen Gebieten wird es vermehrt wieder Kommunen geben, eine Art selbstversorgender Kollektive, die mehrere Generationen beherbergen, in denen jede(r) Einzelne eine Aufgabe hat- auf mehr oder weniger freiwilliger- und trotzdem verbindlicher Basis.

    Die Kleinfamilie, die übrigens ein Konstrukt aus der Spätphase der industriellen Revolution ist- und im Verlaufe der Wirtschaftswunderjahre (der zweiten Industrialisierungsphase) zum Reproduktionsleitbild unserer Gesellschaft geworden ist, wird voraussichtlich auch weiterhin existieren, denke ich. Ohne Trauschein allerdings. Familie und Ehe sind ja nicht dasselbe. Aber daneben wird es eine Vielzahl von anderen, gesellschaftlich absolut akzeptierten Formen des Zusammenlebens geben.

    Man wird zusammenrücken müssen, denn die sozialen Ressourcen sind begenzt (Überalterung der Gesellschaft / Sozialstaat). Soviel zeitlich frei gestaltbare Individualität wie heute wird es nicht mehr geben: Die Mehrheit der Menschen wird stärker in das gesellschaftliche Leben miteinbezogen werden müssen, davon bin ich überzeugt.

    Ich persönlich plane, meine Eltern, wenn sie denn nicht mehr alleine leben können (und wollen), in meinem Haushalt zu integrieren- Platz dafür ist genug vorhanden.

  9. steve, the pirate sagt:

    Ich würde, wenn ich Kinder habe am liebsten in einem Mehrfamilienhaus wohnen, in welchem auch meine Eltern/schwiegereltern./… wohnen. So kann man den Älteren helfen und die können wiederum mal auf die Kinder aufpassen. (so, wie es schon deleted mind oben beschreibt)
    Allerdings sollten es schon einzelne Wohnungen sein, wo man die Tür zumachen kann, wenn man gerade seine Ruhe haben will.

  10. shein sagt:

    Die Kleinfamilie ist alles andere als meine bevorzugte und angestrebte Lebensform, aber einen Gedanken zu ihrer Entstehung finde ich trotzdem interessant: dass sich diejenigen, die sich in einer Kleinfamilie organisier(t)en, auf diese Weise von der sozialen Kontrolle durch die Mehrgenerationenfamilie befreien konnten – wobei klar ist, dass sie sich damit gleichzeitig in andersgeartete Zwänge begaben, aber trotzdem ist das sicherlich ein nicht zu unterschätzender Faktor. Das Leben in größeren verwandtschaftlichen, d.h. nicht freiwillig gewählten, Zusammenhängen ist sicherlich etwas, was die individuelle Freiheit extrem einschränkt und insofern eine große Herausforderung für die Einzelnen darstellt. Interessant wäre es für mich herauszufinden, inwieweit ich bereit und in der Lage bin, mich dieser Herausforderung in *freiwillig* gewählten Zusammenhängen (größere WG, Hausprojekt o.ä.) zu stellen.