Exotisch, wild, unberechenbar, einfach „anders“

von Magda

Auf Womanist Musing wurden vor ein paar Tagen Bilder vom Top-Model Naomi Campbell veröffentlicht, welche in der September-Ausgabe des Harper’s Bazaar (ein US-amerikanisches Modemagazin) veröffentlicht werden sollen. Der Fotograf Jean-Paul Goude muss angetan sein von Schwarzen Frauen und Dschungel-Darstellungen – so hat der Titel seines 1982 erschienenen Buches den klangvollen Namen „Jungle Fever“, welches auf dem Cover eine Schwarze Frau in einem Käfig zeigt. Auf Womanist Musing fragt man sich dementsprechend:

How do you make a Black woman appear attractive when the world privileges Eurocentric beauty?

You turn her into the exoctic African wild „other“.

(zu deutsch: Wie lässt du eine schwarze Frau attraktiv erscheinen, wenn die Welt eurozentrische Normen der Schönheite bevorzugt? Du machst aus ihr eine exotisch-wild, afrikanische „Andere“)

Seht selbst:

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Wilde „Dinge“?

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Das Spiel mit den Affen – die Assoziation von Schwarzen mit Affen hat in den USA eine lange Tradition; so gibt es z.B. Studien darüber, dass auch heute noch viele US AmerikanerInnen Schwarze mit Affen assoziieren (siehe scienceblog.com). Dies geht zurück auf eine rassistische (Wissenschafts-)Geschichte, in der man z.B. die Unterschiedlichkeiten von Schwarzen und Weissen an Hand von verschiedenartigen Schädelformen belegen wollte, die Schädelformen von Schwarzen mit denen von Affen verglich und somit angeblich den Beweis dafür fand, dass sie weniger menschlich waren und Tieren näher standen.

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Die Darstellung von Schwarzen und insbesondere Schwarzen Frauen als wilde Tiere oder als exotisch anmutende Wesen mit tiefer Naturverbundenheit ist in der Tat nichts Neues. Jezebel machte schon letzte Woche darauf aufmerksam, dass sich solche stereotypisierende Darstellungen anscheinend immer wieder wiederholen und verglich Bilder, die jeweils in den 1980ern und aktuell geschossen wurden. Die Thematiken sind ähnlich geblieben – Schwarze Frauen werden als gefährliche und unberechenbare Wilde dargestellt, die gezähmt werden müssen – z.B. in Käfigen oder in Ketten.

In einem früheren Post habe ich schon mal die Problematik eines Schönheitsideals diskutiert, welches Weißsein privilegiert. Interessant ist hier, dass – wenn man überhaupt Schwarze Models auf Laufstegen / Modestrecken sieht – jene häufig stereotype Themen bedienen, die ganz bestimmte, vermeintlich „schwarze Charakteristika“ reproduzieren, so wie z.B. Naturverbundenheit, Ungezähmtheit, übersexualisierte Darstellungen etc.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 20. August 2009 um 10:04 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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12 Kommentare

  1. Ulrike Pansen sagt:

    Mhmm, schwarze Menschen das Etikett der Wilden aufzudrücken um so Produkte zu vermarkten, erinnert mich stark an das Buch/Film „Die weisse Massai“.

  2. Hanna sagt:

    Ja, und deswegen hat man im Dresdner Zoo einen Affen „Obama“ genannt…

  3. access denied sagt:

    „Ja, und deswegen hat man im Dresdner Zoo einen Affen “Obama” genannt…“

    Das wiederum glaube ich nicht.
    Obama mutierte zum Liebling Deutschlands, ungeachtet seiner Hautfarbe. Und das wollte die Tierpflegerin wohl ausnutzen. Nun hat der Affe einen afrikanischen Namen, was wohl niemand stört…
    Man kann nur davor warnen, sich der niederträchtigen Zuneigung der Deutschen hinzugeben. Denn sie knüpft an die Bedingung der Unterordnung unter deutsches Gedankengut. So sind alle Juden willkommen, die Deutschland für Geschichtsaufgeklärt erklären und Israel verurteilen, aber Leute wie Friedman oder Bubis werden gehasst. Es gibt noch ein paar Vorzeigeschwarze, dass war’s dann aber auch schon. Und wehe, man tut etwas, was die Deutschen nicht mögen (so wie Knut, der Karpfen riss). Dann ist es ganz schnell vorbei mit der Zuneigung.

  4. […] sich auch die Mädchenmannschaft mit Rassismus beschäftigt – vorliegend einer Fotoserie des Models Naomi […]

  5. Claire sagt:

    gegen den rassismus in dieser fotostrecke möchte ich gar nichts einwenden, das finde ich genauso fragwürdig.

    ich möchte aber ergänzen, dass – auch wenn es sich um ein unglückliches zitat handelt – der titel „wild things“ vermutlich auf das lied verweisen soll (http://www.youtube.com/watch?v=4qHX493bB3U).

  6. Roland sagt:

    „Man kann nur davor warnen, sich der niederträchtigen Zuneigung der Deutschen hinzugeben. Denn sie knüpft an die Bedingung der Unterordnung unter deutsches Gedankengut.“

    Hmm. Und das ist jetzt nicht ein klitzekleinesbißchen vorurteilsbehaftet?

  7. access denied sagt:

    „Hmm. Und das ist jetzt nicht ein klitzekleinesbißchen vorurteilsbehaftet?“

    Das ist Empirie und lässt sich nicht leugnen.

  8. Hanna sagt:

    Ich glaube nicht, dass es Zufall war, dass ausgerechnet das neue Affenbaby Obama genannt wurde. Es wurden sicherlich zahlreiche andere Tiere in der Zeit geboren. Warum wurde also nicht die neue Ente, der Wolf oder eine Echse Obama genannt…? Naja, der Affe heißt jetzt Okeke.

    Generell sollte man bei kollektiven Zu- oder Abneigungsbekundungen aufhorchen. Denn diese sind bestimmt nie so homogen gestrickt wie von den Medien suggeriert und vielen Leuten vereinfachend dargestellt wird. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, weswegen Obama gemocht und dann wieder manche Juden nicht oder auch gerade doch gemocht werden. Pauschalisierungen machen es sich hier zu einfach. Manchen Leuten ging z.B. Bärbel Schäfer vielleicht schon auf den Geist, bevor sie zum Judentum konvertierte.

  9. access denied sagt:

    Bärbel Schäfer wurde aber als nervige Moderatorin wahrgenommen, nicht als nervige Jüdin.
    Man muss natürlich immer von verschiedenen Ansichten ausgehen, ich beziehe mich nur auf Mehrheitsstimmungen.

  10. access denied sagt:

    Nicht als nervige Jüdin, welche den deutschen Selbstfrieden stört, sollte das heissen.

  11. Inga sagt:

    Beim Beurteilen dieser Fotos sollte Naomi Campell nicht vergessen werden!
    Mit ihrer überzogenen Darstellung, in der sie genüßlich in die Klischee-Kerbe schlägt, legt sie eben solche Vorurteile, die ihr beschreibt, bloß.
    Wer Naomi nicht als Autorität über ihre Darstellung akkzeptiert, macht sie genauso zum Objekt wie die haarsträubenden Beispiele aus der Wissenschaftsgeschichte.