Europaparlament verhindert 100% männliche Besetzung des EZB-Direktoriums

von Franziska

Salut,

heute habe ich eine kleine Erfolgsgeschichte in Sachen Durchbrechung der Männer­dominanz in wichtigen Ent­scheidungsgremien zu berichten.

Seit einigen Monaten ist einer der sechs Sitze im Direktorium der Euro­päischen Zentralbank (EZB) frei. Die Europäische Zentralbank mit Sitz in Frankfurt ist für die Geld­politik in der Euro­zone zuständig. Sie sorgt für die Stabilität des Euro und bekämpft die Inflation im Euroraum. Zurzeit ist sie die wohl wichtigste Akteurin in der Eurokrise. Geführt wird die EZB vom so­ge­nannten Direktorium, das neben dem Präsidenten, dem Italiener Mario Draghi, aus vier weiteren Männern und keiner einzigen Frau besteht. Der freie Platz sollte nun mit dem Belgier Yves Mersch besetzt werden. Also noch ein Mann in ein bereits 100%ig männlich be­setztes Gremium.

Zum Glück hat hier das Europaparlament und speziell sein Wirt­schafts­aus­schuss noch ein Wort mitzureden. Bevor jemand ins Direktorium der EZB ernannt werden kann, muss er vor dem Europa­parlament vor­sprechen und dessen Zu­stimmung einholen.

Die Abgeordneten im Wirtschafts­ausschuss protestieren schon seit Monaten, dass das EZB-Direktorium ein „Altherren-Club“ sei. So fordern sie schon seit Mai, dass wenigstens eine Frau in die engere Auswahl für den freien Posten kommt. Nach Meinung der Abgeordneten kann es nicht sein, dass in der EZB als wichtigstem Entscheidungsträger in der derzeitigen Krisensituation über das Schicksal Europas entschieden wird, und keine keine einzige Frau dabei ist. Mit einem Brief an die Finanzminister_innen (PDF) haben die Ab­ge­ord­neten ihrer Forderung Ausdruck verliehen. Die Damen und Herren Minister haben diese Forderung jedoch bislang ignoriert und einfach Yves Mersch nominiert. Jetzt hatten sie auf das Ja vom Eu­ro­pa­parlament gehofft: Am Montag sollte Mersch im Wirtschafts­ausschuss bestätigt werden. Die Ab­ge­ord­neten haben jedoch einstimmig entschieden, dies nicht zu tun und die An­hörung von der Tages­ordnung nehmen lassen.

Somit bleibt die Stelle bis auf Weiteres offen und wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Frauen in der Auswahl berücksichtigt werden.

Viele Grüße aus Strasbourg,

eure Franziska






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3 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Was ich immer sage, die Frauenquote sehe ich als sinnvolles Instrument, hier eindimensionale Clübchen etwas umzugestalten und m.E. etwas auf den neuesten Stand zu bringen.

    Und zum Thema Kompetenz statt Quote o.ö., hier noch m.E. ein paar kleine Argumentationsbonbons:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article13756425/Aufsichtsraete-sind-oft-zu-alt-und-unqualifiziert.html

    „Viele Aufsichtsräte deutscher Top-Unternehmen sind zu alt, zu einseitig und teils zu wenig qualifiziert: ..“

    Hilfreich m.E. sind auch diese Hinweise, die ich hier gefunden habe:

    http://www.steinbach-partner.de/deutsch/aktuelles/news-presse/steinbach-partner-handelsblatt-27042012.html

    „…Bisher werden die rund 450 Frauennamen, die das regierungsseitig unterstützte Projekt listet, zwar nicht besonders intensiv nachgefragt, ….“

    Interessant ist m.E. auch dieser Aspekt:

    „Was Wissenschaftlerin Michèle Morner herausfand, bestätigt sich hier: Gesucht wird nach neuen Aufsehern im Netzwerk der Vorstände – auch die auf Kontrolleure spezialisierten Headhunter tummeln sich dort.“

  2. Johannes sagt:

    Leider gibt’s woanders Rückschläge: http://www.dw.de/dw/article/0,,16243218,00.html

  3. aha sagt:

    franziska, kannst du mir erklären, wo jetzt der fortschritt liegen soll, wenn nun eine frau an der optimalen zurrichtung der menschen für die zwecke des wirtschaftsstandorts EU mitwirken kann, also an einer politik die z.B. menschen in südeuropa in die armut treibt?

    der emanzipatorische progress scheint ähnlich groß der tatsache zu sein, dass in den meisten armeen seit einiger zeit auch frauen ihren beitrag zum imperialismus leisten können…