„Es wurde offensichtlich, dass neben den diskriminierenden Gesetzen, die alle Asylsuchende betreffen, Frauen und Kinder noch andere Probleme haben.“ Women in Exile & Friends im Interview, Teil 1.

von Charlott

In den letzten Jahren durch viele Aktionen, aber auch sich verschärfenden Zuständen, mehr in den Fokus gerückt: Proteste von Geflüchteten. Die Organisation „Women in Exile & Friends“ nimmt die spezifischen Lebensumstände von geflüchteten Frauen und Kindern in den Blick. Ich habe mit Elisabeth Ngari und Dorothea Lindenberg in einem ersten Teil über die Organisation und ihre Ziele gesprochen. In den nächsten Tagen erscheint ein zweiter Teil über eine kommende Aktionstour und wie diese unterstützt werden kann. Unten ist das Interview auch in Englisch zu finden.

Wann habt ihr Women in Exile gegründet und aus welchem Anlass?

Im Jahr 2002 haben viele Aktivistinnen aus unterschiedlichen „Heimen“ in Brandenburg in der gemischten Flüchtlingsselbstorganisation FIB (Flüchtlingsinitiative Brandenburg) gekämpft. Es wurde aber offensichtlich, dass neben den diskriminierenden Gesetzen, die alle Asylsuchende betreffen, Frauen und Kinder noch andere Probleme haben. Diese Probleme liegen vor allem auch an dem zwangsmäßigen Gemeinschafts-Unterbringungssystem, welches einher geht mit fehlender Privatssphäre, sexueller Belästigung und Gewalt in den „Heimen“.

Einige der Aktivistinnen kamen so auf die Idee eine Initiative zu gründen, die Frauen einen Raum gibt zusammenzukommen. Hier konnten sie ihre Ängste sowie Bedürfnisse ausdrücken, und sie konnten versuchen politische und soziale Lösungen zu finden. So haben sie sich also zusammen gefunden und beschlossen sich selbst als die Gruppe „Women in Exile“ zu organisieren.

Wie viele Personen sind bei euch aktiv und was macht ihr?

Unsere Organisation hat sich entwickelt: Women in Exile e.V. wurde 2011 in Potsdam gegründet und ist nun als non-profit Organisation anerkannt. Im gleichen Jahr haben wir die Gruppe „Women in Exile & Friends“ gegründet. Heute führen wir die meisten unserer Aktivitäten, wie unsere Kampagne „Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!“ in diesen Gruppen. Wir beziehen uns aufeinander und arbeiten zusammen ungeachtet all unserer Unterschiede wie Alter, Religion, Status, Sexualität und andere Faktoren. Heute kann man nicht genau sagen, wie viele von uns bei Women in Exile aktiv sind, ehrenamtlich den Verein unterstützen oder wie viele „Friends“ ohne Fluchthintergrund sind. Insgesamt aber etwa 10-15 Frauen. Wir bemühen uns, dass die Gruppe zu etwa gleichen Teilen aus Frauen mit und ohne Fluchthintergrund besteht. Aber im Verhältnis zu dem, was wir planen, sind wir nie genug… Ihr seid also eingeladen mitzumachen!

Was wir machen:

  • Wir besuchen die „Gemeinschaftsunterkünfte“ in Brandenburg, um Flüchtlingsfrauen proaktive Unterstützung aus der Sicht der Betroffenen anzubieten, um Informationen darüber auszutauschen, was gerade los ist, und um Informationen über die Bedürfnisse von Frauen, die in den „Heimen“ leben, zu erhalten.
  • Wir nehmen an verschiedenen Vernetzungstreffen teil, um zusammen mit anderen antirassistischen und feministischen Gruppen Aktionen zu planen.
  • Wir demonstrieren, geben den Medien Interviews und halten Reden auf politischen Veranstaltungen, um die Gesellschaft mit den Problemen und Forderungen von Flüchtlingsfrauen zu konfrontieren.
  • Wir organisieren Seminare und Workshops für Flüchtlingsfrauen, die sie dabei unterstützen, Perspektiven zu entwickeln, um ihre schwierige Lebenssituation zu verbessern, für ihre Rechte im Asylverfahren kämpfen und sich gegen sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung zu verteidigen.
  • Und auf unserer Webseite stellen wir in vielen Sprachen Informationen für asylsuchende Frauen und andere Aktivist_innen zusammen. Auf Deutsch und Englisch informieren wir außerdem aus feministischer Perspektive über aktuelle flüchtlingspolitische Ereignisse und Aktionen.
  • Seit Herbst 2013 geben wir mit ähnlicher Zielsetzung einen (vorerst nur) deutsch- und englischsprachigen Newsletter heraus, der auch zur Mobilisierung von asylsuchenden Frauen zu unseren Aktionen dient.

Das Interview auf Englisch:

When did you found Women in Exile and for which reasons?

In 2002 many women activists from different “Heims” (asylums) in the state of Brandenburg were fighting in the mixed refugee self organization FIB (Flüchtlingsinitiative Brandenburg).  It became obvious that apart from the discriminative laws faced by all asylum seekers, women and children were facing problems of a different kind. These problems are due to the compulsory collective accommodation system such as lack of privacy, sexual harassment and violence in the “Heims”.

Among some women activists this brought up the idea of organizing an initiative to give women a forum to meet together. Here they could express their fears and needs, and try to seek for solutions politically and socially So they got together and decided to organize themselves as the group “Women in Exile”.

How many people are involved with Women in Exile and what do you do exactly?

Our organization developed: Women in Exile e.V. was founded in Potsdam in 2011 and is now recognized as a non-profit association and in the same year we built the group ’Women in Exile & Friends’. Today we conduct most of our activities, like our campaign titled “No Lager for Women! Abolish all Lagers!” in this groups. We relate to each other and are working together regardless of all differences like age, origin, religion, status, sexual orientation or other factors. So today one can not say how many of us are active in Women in Exile, or volunteer for the e.V. or how many are friends without refugee background, maybe all together about 10-15 women. We endeavour to ensure that the group consists of about an equal number of women with and without a refugee background. But in relation to the plans we are having, we are never enough… So you are welcome to join!

What we do:

  • We visit the “collective accommodation” in Brandenburg to offer proactive support to refugee women from the perspective of those affected, to exchange information on what is going on and to gather information on the needs of women living in Heims.
  • We attend different networking meetings, planning actions together with other antiracist and feminist groups.
  • We demonstrate, give interviews to the media and speeches in meetings to let society know of the problems faced by refugee women and the demands of refugee women.
  • We organize seminars and workshops for refugee women to improve their difficult living situation and develop perspectives to fight for their rights in the asylum procedure and to defend themselves against sexist violence, discrimination and exclusion.
  • And on our website, we provide information in several languages for refugee women and other activists and inform about current events and actions concerning refugee policy from a feminist point of view in German and English. Since autumn 2013 and with a similar objective, we have been publishing a (for the time being only) German- and English-language newsletter, which also serves to mobilize women asylum seekers for our actions.



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Eintrag geschrieben: Dienstag, 17. Juni 2014 um 9:00 Uhr unter Aktivismus. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. Magda sagt:

    Charlott, Danke für dieses Interview, ich freue mich auf den zweiten Teil!