Erdbeerwochen

von Anna

Samstagabend, „Genial Daneben“. Sie wusste hinterher selber nicht mehr, wie sie darauf gekommen war, aber auf einmal referierte Hella von Sinnen über Tampons, abgerissene blaue Fädchen, Empfindlichkeiten im Genitalbereich und Menstassen. Insgesamt sprang da zumindest für mich mehr als ein guter Lacher heraus.
Allgemeiner gesehen wurde da allerdings ein Themenbereich berührt, bei dem ich wie so oft recht zwigespalten bin. Und was liegt bei einem untenrum-Thema näher, als erstmal zu hören, was Charlotte Roche dazu zu sagen hat? Vor ein paar Jahren war Charlotte bei „Zimmer Frei!“, und sprach im Interview darüber, dass sie es ganz furchtbar fände, dass Frauen, wenn sie um einen Tampon bitten („Du, hast du mal ’nen Tampon?“) das nur geflüstert in einem Ton tun, als hätten sie etwas sehr schlimmes verbrochen („Du, ich hab gerade ein Kind umgebracht!“).
Wo sie Recht hat, hat sie Recht! Allerdings, und das ist der Knackpunkt, habe ich manchmal die Befürchtung, ich gehöre doch eher zur Kindstöter-Fraktion.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich würde mich wirklich nicht als verklemmt betrachten. Aber es gibt gewissen Themen, die ich mit niemandem teilen möchte. Dazu gehört meine Menstruation.
Natürlich, als es damit los ging, da wurde vieles ausführlich mit den Freundinnen besprochen. Wir warteten gemeinsam auf die Menarche und gemeinsam trauten wir uns auch, Tampons zu kaufen. Irgendwann trat aber auch in diesem Punkt Normalität ein. Heutzutage sehe ich selten bis nie Anlass, über meine Regel zu sprechen. Umso irritierter bin ich, wenn Frauen um mich herum mit diesem Thema anders umgehen. Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich eine der wenigen bin, die sich in der Kaffeepause nicht über Blutungsstärken unterhalten möchte? Ich habe den Eindruck, es gibt Frauen, die gegen einen obligatorischen Aufenthalt in einer Menstruationshütte wirklich nichts einzuwenden hätten.

Woher kommt meine Abneigung, mich zu diesem Thema ausführlich zu äußern? Nun, zum einen finde ich schlicht und einfach, dass das prinzipiell keinen was angeht. Dieses Gefühl resultiert nicht aus irgendeinem Klemmschwester-Impetus heraus, nein, ich lege schlicht und einfach Wert auf meine Intimsphäre.

Allerdings spielt noch ein anderer Aspekt hinein:
Oft habe ich den Eindruck, Frauen, die so ausführlich über ihre Regel sprechen, tun dies, um Mitleid und vor allem vermehrte Toleranz für ihr Verhalten einzufordern.
Ich finde es, mit Verlaub, schlicht und einfach unangebracht, Äußerungen oder Handlungen, die man tätigt mit „ach, ich hatte da meine Tage, weißt ja, wie wir Frauen da sind“ oder „uhhh, das lag nur am PMS, dass ich da so drauf war“ zu rechtfertigen. Viele Frauen erwarten in diesen Punkten gerade von anderen Frauen totales Entgegenkommen. Nein, ich bin nicht bereit, das zu geben. Versteht das nicht falsch: wer sich mir Wärmeflasche ins Bett verkrümeln will, soll das tun. Wirklich, ich habe Verständnis und ich kann auch gerne Schmerztabletten vorbei bringen und einen Tee kochen.
Mein Verständnis hört aber dann auf, wenn Frauen sich daneben benehmen, unkonzentriert oder gar aggressiv sind und so ein Verhalten mit einem einfachen Hinweis auf ihre Tage oder ihr PMS beiseite wischen wollen.

Auch aus diesem Grund behalte ich meinen aktuellen Zyklusstand meist für mich: Ich möchte ernst genommen werden. Wenn ich sauer oder genervt bin, dann bin ich das nicht, weil ich meine Tage habe oder bekomme, sondern weil es einen Anlass gab. Ich möchte respektiert werden und habe den dringenden Eindruck, Frauen verschenken durch den Hinweis auf ihren Zyklus oft eine Menge an Respekt.

Es kann nicht sein, dass wir ein „die hat/bekommt wohl ihre Tage“ als zutiefst diskriminierend empfinden und uns gleichzeitig selber diskriminieren, so tun, als seien wir Sklavinnen unserer Hormone, die die gesamte Kontrolle über unser Verhalten übernommen haben. Mal ehrlich, würden wir bei einem Mann unangebrachtes Verhalten mit dem achselzuckenden Hinweis auf „das war eben das Testosteron, ich kann einfach nicht anders“ akzeptieren?

– Eben!




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 31. März 2009 um 13:52 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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55 Kommentare

  1. elbu sagt:

    Das stimmt. Manches ist too much information, mir ist meine Intimsphäre auch wichtig und PMS/“meine Tage“ als Entschuldigung geht höchstens zu Hause (und das auch nur manchmal).
    Aber trotzdem ärgere ich mich auch immer wieder, dass die Frage nach dem Tampon (auch für mich) für viele so peinlich ist. Also entweder im Flüsterton oder gar nicht geschieht. Nach anderen Hygieneartikeln – wie Taschentüchern oder Klopapier – fragen Menschen meist ungeniert. Ohne sich deswegen lange über Rotzkonsistenz und Blasenfüllstand zu unterhalten. Die Lösung läge glaube ich darin, die Mens zu entmystifizieren.

  2. Rattenmaus sagt:

    Ein bisschen unfair find ich das jetzt schon. Klar ist es doof wenn jemand sein schlechtes Verhalten einfach mit verallgemeinernden Aussagen über menstruierende Frauen wegwischt. Aber ich, als einzelne Frau, kenn mich doch, und weiß wie ich mich fühle wenn ich meine Tage hab. Und ich weiß aus Erfahrung dass ich da oft einfach anders drauf bin. Ich will dann wirklich nicht meine Hormone vorschieben wenn ich mich dann dumm benehme, aber wieso ist „Sorry, ich hatte meine Tage…“ eine unangebrachtere Entschuldigung als „Sorry, ich hatte Kopfschmerzen…“. Klar ist die Menstruation keine „Krankheit“, aber wenn man bedenkt wie viele Frauen und Mädchen während ihrer Regel regelmäßig (haha.) Schmerzen und andere Zeichen von Unwohlsein haben… da ist „ich hatte meine Tage“ eben synonym für „es ging mir schlecht“.

    Und dass Du deine Menstruation für reine Privatssache hälst ist ja schön und gut, aber ich finde nicht dass das irgendjemand anders in seiner Auffassung von der Privatheit der *eigenen* Regel beeinflussen muss.

    Wenn mir einmal im Monat der Rücken weh tut, die Gebärmutter krampft und ich Durchfall kriege, dann ist das was worüber ich – in gewissen Kreisen – völlig schamlos motze(n dürfen will). Das hat nichts damit zu tun dass ich mich hinter Klischees verstecke, oder Aussagen über andere Frauen treffe, das geht um *meine* Tage, und die nerven, und da halt ich nicht verschämt den Mund.

  3. Juli_K sagt:

    @ Rattenmaus: Ich leide jeden Monat unter brutalen Schmerzen und bin meistens auch einen Tag lang richtig krank, kann also nicht arbeiten. Aber für mich ist das etwas völlig anderes als meine Periode als Vorwand für „unangemessenes“ Verhalten vorzuschieben. Das Eine ist, einen Tag krank zu sein (das kann man auch wegen Bauchschmerzen, Migräne etc.). Aber das Andere ist, sein Verhalten durch eine geschlechtsspezifische Sache wie die Periode zu entschuldigen. Dann brauche ich mich nämlich nicht wundern, wenn beim nächsten Mal jemand anderes zu mir sagt: „Hatteste wahrscheinlich deine Tage“, weil ich mich über etwas aufgeregt habe oder so.

    Ich denke, zwischen diesen beiden Dingen (Schmerzen & Verhalten) muss man unterscheiden. So habe ich Anna aber auch verstanden. Und dann muss man auch noch mal etwas zwischen privatem und beruflichem oder weiterem Umfeld unterscheiden.

  4. christina sagt:

    Tatsächlich ein zwiespältiges Thema! Einerseits verachte ich Frauen wie meine ehemalige Kollegin x (du weißt, wer du bist!!), die auf der Toilette des Buchladens, in dem wir beide arbeiteten, Tampons und Binden VERSTECKTE, weil unser männlicher Chef seinen Besuch angemeldet hatte. Andererseits muß ich akzeptieren, dass andere Frauen offenbar viel größere Probleme mit ihrer Periode haben als ich selber. Also sowohl stärkere Schmerzen als auch Hemmschwellen, darüber zu sprechen… ich halte nichts davon, die Tage als Generalentschuldigung vorzuschieben, egal ob man gereizt, fahrig, aggressiv oder unkonzentriert ist. Aber gegen eine Entmystifizierung der Menstruation, d.h. auch das Thematisieren von Schmerz, den eine Hälfte der Menschheit so nicht kennt, spricht ja wohl auch nichts.

  5. Judith sagt:

    kann Anna da nur zustimmen.
    mich ärgert es wenn leute sich selber für unzurechnungsfähig erklären. das sollte man lieber (oder lieber nicht) einem richter überlassen.

    wie juli beziehe ich mich tatsächlich auch *nur* auf das entschuldigen von *verhalten*.

    stell mir gerade so vor..

    „boah, ne ich wollte dich echt nie heiraten, wer bist du überhaupt? ich kenn dich gar nicht. muss wohl dran liegen, dass ich meine tage hatte, als wir letze woche im standesamt waren..menno.“

    oder „entschuldigung, spreche ich mit der vw-werkstatt? ja? ja, ich hab letze woche ein auto bei ihnen gekauft, aber leider war ich temporär unzurechnungsfähig, hatte nämlich meine tage, hab’n gutachten von meiner frauenärztin, nein, ich brauch nämlich gar kein auto, hab auch gar keinen führerschein, aber wenn ich meine regel hab, bin ich einfach nicht ich selbst. so sind wir frauen eben. sie wissen schon: die hormone“

  6. Juli_K sagt:

    @ Judith: Haha!

  7. Judith sagt:

    bei einem ex-freund von mir hat die mutter in einem ansonsten männer-haushalt (mann und drei söhne) ihre tampons und binden in einer schublade im schlafzimmer(!) versteckt, um sie dann total umständlich aber super-diskret jedes verdammte einzelne mal heimlich einzeln mit ins bad mitzunehmen. dieses vorgehen hat sie mir mal mit hochrotem kopf unter vier augen erläutert, als ich sie tatsächlich mal gefragt hatte, ob sie unter umständen ein tampon für mich hat. ja, das war echt mal eine kindstöterin mit einem ordentlich schlechtem gewissen. is allerdings ein krasses extrem.

  8. Chris sagt:

    meine güte. warum bekommt ihr denn wegen allem komplexe und meint euch beweisen zu müssen?

    das ist einfach eklig. wenn ich durchfall hab, schrei ich auch nicht übern tisch, ob jemand tabletten gegen flatulenz hat.

    das hat nichts damit zu tun, dass man euch nicht respektiert oder ihr untermenschen seid, sondern weils einfach ne ziemlich unappetitliche geschichte ist.

    und ich lass auch keine kondome aufm tisch liegen, wenn mein chef vorbeikommt, obwohl das etwas natürliches ist.

  9. rattenmaus sagt:

    @Chris:
    Versteckst du auch die Klopapierrollen wenn dein Chef bei dir aufs Klo muss?

    @Juli_K:
    So wie du das beschreibst, stimme ich dir natürlich zu. Ich hatte auch eher Situationen gemeint wie „Sorry dass ich gestern so patzig war, Freundin/Freund/Mama, aber ich hatte meine Tage/furchtbare Kopfschmerzen und war deshalb gereizt, es lag nicht an dir und ich habs auch nicht so gemeint.“
    Wobei ich mir jetzt auch nicht mehr sicher bin ob solche Situationen im Text mitgemeint waren, aber ich fands halt ein bisschen zu allgemein gehalten.

  10. Anna sagt:

    Rattenmaus:
    Es sind beide Situationen gemeint :)
    Klar ist das im Privaten was anderes, da gebe ich dir vollkommen recht. Und so wie du das beschreibst, ist das auch meist schon okay (alles können auch Kopfschmerzen nicht entschuldigen! – sage ich als Migränepatientin).
    Was ich vor allem meine ist, dass der Nachsatz, den du schreibst: „…war deshalb gereizt, es lag nicht an dir und ich habs auch nicht so gemeint” oft nicht vorkommt. Sondern eben nur: „Du, dass ich gestern schräg drauf war, das lag an meiner PMS. Du weißt ja, wie das ist bei uns Frauen.“ Und das reicht mir nicht als Erklärung und Entschuldigung, egal mal obs Kopfschmerzen, Menstruation oder ein Beingips ist. Es gibt aber Frauen, die genau das erwarten.

  11. SoE sagt:

    „meine güte. warum bekommt ihr denn wegen allem komplexe und meint euch beweisen zu müssen? das ist einfach eklig.“

    Komplexe? Beweisen? Eklig?

    Wahrscheinlich sind es solche Leute wie Chris, die Frauen davon abhalten, unverkrampft mir ihrer Regel umzugehen.

    Kondome braucht man auch seltener im Büro (und da darf der Chef wohl auch zu Recht fragen, wie man seinen Arbeitstag verbringt), Taschentücher dagegen schon, die versteckt man doch auch nicht.

    Allgemein ist der größte Unterschied dabei wohl zwischen Leuten die viel über ihre Beschwerden reden und denen, die auch Kopfschmerzen, Schnupfen und ihre gezerrte Wade nicht an die große Glocke hängen. Das Besondere an der Regel ist dann, dass die Hälfte der Bevölkerung mittel bis kein Wissen darüber hat. Was man nicht versteht, macht einem häufig Angst. (Frauen finden es ja auch nicht toll, wenn ein Mann, der nicht ihr Partner ist, bei ihrem Anbick eine Erektion bekommen).

    Da würde es sicher helfen, wenn Frauen insgesamt damit offener umgehen. Damit eben klar wird, dass einige große Schmerzen haben, während andere nur ein Zwicken spüren, manche sich fast eine Woche damit tragen und es bei anderen nach zwei Tagen vorbei ist. Ansonsten wissen wir ja bei Freunden und Kollegen auch, wer Heuschnupfen und Allergien hat, wer eine Brille braucht und wer Angst vor Spinnen hat und nehmen entsprechend Rücksicht (oder eben nicht).
    Rülps- und Furzwitze sind lustig, aber wehe eine Frau hat ihre Blutung…

  12. Mariposa sagt:

    Für mich ist Menstruation keinesfalls eine „ziemlich unappetitliche Sache“ wie Chris behauptet, für mich war und ist und bleibt es etwas besonderes, weil ich es großartig finde dass ich Kinder bekommen kann und ich mich deshalb über meine Tage trotz !!! aller Schmerzen und allen unschönen Begleiterscheinungen freuen kann! Dieses Blut ist zur Ernährung eines Embryos gedacht! Ich will die Periode nicht „mystifizieren“, aber ich sehe da doch einen großen Unterschied zu anderen Körperflüssigkeiten.
    Was den Umgang mit der Menstruation und dem Sprechen darüber angeht, na ja, da ist eben jede Frau anders und die Scham- und Schmerzgrenzen sind eben bei jedem Menschen sehr unterschiedlich gezogen, da ist Toleranz auf der einen und Taktgefühl auf der anderen Seite gefragt, oder? Wir sind nicht alle gleich, und das ist gut so.
    Ich rede sehr gerne über meine Tage, aber natürlich nicht mit jedem.
    Frau sollte sich da schon im Klaren darüber sein, dass das beim Gegenüber u.U. seltsam ankommen kann. Ins Detail gehe ich deswegen nur mit Freundinnen, aber darüber dass ich gerade menstruiere, informiere ich meine Umgebung meist schon. MIR hilft es auch, wenn mir andere sagen „hey, ich hab meine Tage“, denn dann weiss ich dass sie schlecht drauf ist und ich ihre schlechte Laune nicht persönlich nehmen muss. PMS = Unzurechnungsfähig ist natürlich quatsch. Auch mit Kopfschmerzen bleibt man schliesslich geschäftsfähig. So.
    Mir geht es, wie erwähnt, während meiner Tage meist nicht gut, oft muss ich auch Tabletten nehmen. Ich versuche trotzdem immer zur Arbeit zu gehen und mich nicht allzusehr einzuschränken, habe aber vollstes Verständnis für jede die deswegen zuhause bleibt.
    Psychisch bin ich während der „Erdbeerwoche“ meistens in einem ganz komischen Weltschmerztief, fang bei jedem Scheiss an zu heulen und kann alles nur noch schwarz sehen. Mir selbst, aber auch meinem Freund z.B. hilft es enorm, wenn ich mir dann vor Augen führe dass das nicht ich bin, sondern die Hormone und dass es vorübergeht. So ein Zelt fänd ich von Zeit zu Zeit übrigens schön, wenn auch nicht gezwungenermassen.
    Aber, wiegesagt, ich habe zu meinem Körper und zu meiner Menstruation ein sehr positives Verhältnis, kann und will daran nix eklig finden, sie ist anstrengend und begleitet mich durch einen nicht geringen Teil meiner Lebenszeit, also will ich sie nicht verstecken, und Tampons ebensowenig.

    Von Männern wünsche ich mir mehr echtes !!! Verständnis und Interesse für und an diesem Vorgang, statt Frauen mit „ach die hat ja wieder ihre Tage…“ in die „muss ich nicht ernstnehmen – Ecke“ abszuschieben.
    Ach und, @Chris: Ich hatte zwei männliche Mitbewohner die sich jeden Morgen über die Konsistenz ihres Stuhlgangs unterhielten, während ich frühstückte. Das fand ich durchaus vor allem in der epischen breite unangebracht, aber mal in die Runde fragen ob wer Tabletten gegen Durchfall hat, was ist da dabei?
    Finde, wir brauchen vor allem mal ein bisschen unverkrampfteres Verhältnis zu unserem Körper, ohne dass es gleich exhibitionistisch werden muss….
    Huch, ist das ein langer Kommentar geworden, ich hör jetzt auf….

  13. Chris sagt:

    @rattenmaus: gutes argument.

    @SoE: seh ich anders. aber ich finde auch keine rülps und furzwitze lustig, da hab ich auch scheinbar anderen umgang. ich erzähl meiner umwelt nichts davon, wenn mir grade der linke hoden zwickt und ich will auch nichts von menstruationsbeschwerden wissen. wenn jemand wirklich für den moment leidet, muss sie natürlich nichts verschweigen, aber zum alltagsthema muss das meiner meinung nach nun wirklich nicht werden.

    @mariposa: also wenn ich jemanden nach einer durchfalltablette fragen würde, dann nur so dass es nur derjenige mitbekommt. aber wie gesagt, ist wohl alles eine frage des umfelds. so fäkaliengespräche gibts in meinen umkreis auch nicht. ich interesse mich nicht für den vorgang, aber wenn meine freundin schmerzen etc hat bin ich natürlich mit verständnis dabei und hör mir das auch gerne (!) an. ich hab auch keine probleme für sie tampons zu kaufen. aber von frauen, mit denen ich nicht schlafe, will ich absolut gar nichts über ihren genitalbereich wissen.

    oder soll ich jeder bekannten von meinen spermien erzählen, weil die der samen des lebens sind?

    bei allem emanzipationsdrang sollte man die kirche auch mal im dorf lassen ;)

  14. SoE sagt:

    bei allem emanzipationsdrang sollte man die kirche auch mal im dorf lassen ;)

    DAS ist so ein Beispiel wo ich Smileys hasse. Erst einen dummen Spruch bringen (Ich finds ja toll, wenn die Frauen die gleichen Rechte haben und unabhängig sind, aber doch bitte nicht zuviele und nicht sofort) und dann mit einem Smiley :)) alle wieder versöhnen, wir haben uns doch alle lieb und ist nicht böse gemeint…

    Auch wenn Emanze heute immer noch ein Schimpfwort ist, Emanzipation an sich sollte man nicht verunglimpfen: http://de.wikipedia.org/wiki/Emanzipation

  15. bikifrau sagt:

    @ chris: sorry aber die menstruation mit ner sache wie durchfall zu verlgeichen geht einfach mal gar nicht. egal wie ekelich man/frau das findet. das eine is halt „normal“ gehört im großen und ganzen zum leben einer frau dazu, das andere, der durchfall kommt von schlechtem essen oder sowas und nich ca alle drei wochen.

  16. Chris sagt:

    Ich habe diesen Beitrag eben gelöscht.
    Chris, wenn du hier mitdiskutieren willst, dann lies dir bitte unsere Netiquette durch. Beleidigungen werden hier nicht geduldet, genausowenig wie eine Herabsetzung des Feminismus oder der Emanzipation an sich. Im Übrigen hat SoE Recht mit ihrem Hinweis darauf, dass ein überflüssiger Spruch das auch mit einem Grinsegesicht dahinter ein überflüssiger Spruch bleibt. Eine Aussage, die nur mit Smiley stehen bleiben kann, sollte am besten gar nicht erst getätigt, mindestens aber nochmal ordentlich überdacht werden.

    Für die Mädchenmannschaft: Anna

  17. Mariposa sagt:

    @Anna: Danke. Genau. Wir lassen die Kirche nicht im Dorf!!!!

    Chris, Du scheinst nicht so richtig verstanden zu haben worum es hier geht, bzw. meinen Beitrag auch nicht wirklich genau gelesen zu haben.
    Natürlich soll niemand unfreiwillig zu einer Konverstion über Körperflüssigkeiten gezwungen werden, aber eben auch nicht zu verschämtem Schweigen. Und übrigens besteht Menstruation keinesfalls nur aus Schmerzen… Na ja, schätze auch mal, dass das Interesse an körperlichen Vorgängen insgesamt sehr unterschiedlich auf die Menschen verteilt ist, Biologen, Mediziner, Krankenpflger usw. sind da z.B. oft völlig schmerzfrei und bringen Körpern gegenüber ein gewisses naturwissenschaftliches Grundinteresse mit. Aber ich kann z.B. mit dem Fäkalienhumor in vielen Ami – Filmen auch nichts anfangen, das kann ich schon verstehen.
    Nur ist das mit der Menstruation schon nochmal was anderes…
    Und das mit dem Smiley hat was anbiedernd – gönnerhaftes… „na klar, wir nehmen euch Frauen zwar nicht ernst, aber son bisschen Emanzipation dürft ihr schon haben, aber nur ein bisschen, gelle?“
    Da kann das Motto nur sein: Burn down the Dorfkirche!!!

  18. Lune sagt:

    Am besten ist es man benutzt Menstässchen- dann muss man nicht mehr darüber nachdenken in welchem Ton man um einen Tampon bittet. ;-)
    Die kann man auch ohne Bedenken (da sie nicht saugen) einen Tag früher einsetzen.
    Ansonsten… ich FÜHLE mich aber manchmal als Sklavin meiner Hormone.
    Das bin nicht ICH, wenn ich vor der Mens wegen jedem Scheiß denke man möchte mir was böses.
    Klar, bis zu einem gewissen Grad kann ich das nach außen hin nicht zeigen, denn es spielt sich ja innen ab- aber ich fühle ich trotzdem fremdgesteuert.
    Gut nur, dass ich nicht die Pille nehme, dann stünde ich die ganze Zeit unter dem Einfluss dieses Monsterhormons. ;-)

  19. kousheru sagt:

    ich weiß ehrlich nicht, weshalb der bogen von „über blutungen sprechen“ zu „sich mit seinen tagen für alles entschuldigen“ so leicht gezogen wird.
    persönlich muß ich sagen, meine tage sind teil meines täglichen lebens als frau, über lange zeit meines lebens. und über so einen alltäglichen bestandteil werde ich auch weiterhin sprechen und ja, auch bei der kaffeepause!
    wenn ne kollegin müde füße hat und ihr wer ne salbe empfiehlt – warum sollte das was anderes sein?
    da bin ich diesbezüglich voll auf einer linie mit frau roche! ich will mich nicht für meinen körper schämen und wenn er 1x im Monat „Erdebeeren“ (?) von sich gibt, dann tut er das, dann ist das richtig so und für mich gibt es keinen grund, einen mantel des schweigens darüber zu breiten.

  20. C-3PO sagt:

    „Das bin nicht ich“ stimmt einfach nicht. Auch während der Menstruation bleibt eine Frau sie selbst, nur in einem anderen Zustand als sonst, vielleicht irgendwie dünnhäutiger und verletzlicher. „Die Hormone“ oder PMS als Grund anzuführen für für verändertes Verhalten, halte ich für falsch. Wir sind alle keine Automaten und dürfen auch mal unsere Ruhe haben wollen, einfach so und ohne Grund. Wenn die Rückzugsmöglichkeit dann nicht gegeben ist, kommt evtl. schlechte Laune. Und wenn man mies drauf ist, sagt man eben auch mal eher, was einem schon immer ein bisschen stinkt.

    Die Männer bleiben von solchen Stimmungsschwankungen auch nicht verschont. Mein Liebster hat beispielsweise jeden Abend „seine Tage“. Der will einfach eine Weile in Ruhe gelassen werden. Wenn das nicht geht, wird er schnell stinkig. Der kommt mir deswegen auch nicht mit pseudowissenschaftlichen Theorien über seinen Hormonspiegel an, sondern sagt einfach dass er seine Ruhe will.

    Die Schmerzen stehen auf einem anderen Blatt. Ich denke inzwischen, die können sogar sinnvoll sein. Früher konnte ich vor Schmerzen nicht arbeiten und habe es mir dann deswegen zu Hause „gemütlich“ gemacht (Badewanne, Flasche Wein — entkrampft, Massage, Schlafen, oder auch viel Laufen). Jetzt habe ich keine Schmerzen mehr. Mir fehlt ein gutes Argument zum zu Hause bleiben. Das Bedürfnis, für mich zu sein ist aber trotzdem da. Also kommt die verbale Verteidigungsmannschaft in Stellung und verteilt Saures an meine Umgebung. (Die Munition stammt aus dem reichen Fundus meines angesammelten Frusts.)

  21. Judith sagt:

    ich halte eine aussage wie „das bin nicht ich“ auch für äußerst bedenklich.
    sowohl von einem partner als auch von einem mitarbeiter würde ich mir schon wünschen, dass er oder sie , gefühlsschwankungen hin oder her, für sein verhalten/seine launen verantwortung übernimmt.
    wenn jemand auf grund psychischer belastungen/erkrankungen „nicht er selbst ist“, steht das auf einem anderen stern. und dann würde ich allerdings auch hoffen, dass derjenige versucht, etwas dagegen zu unternehmen.

  22. Lucie sagt:

    Frauen, die sich auf Frauen-Klischees ausruhen und versuchen, sich damit möglichst mühelos durchs Leben zu lächeln oder auch zu jammern, können irrsinnig nervig sein und bestätigen eben auch leider immer wieder diese Klischees.

    Aber bevor ich meine Tage kriege, dann bin ich total reizbar, alles geht mir auf die Nerven, dann ist mir zum Heulen, ich fühle mich als würde ich sowieso nichts hinkriegen, alles geht schief, und keiner liebt mich! Das nervt mich und macht keinen Spaß und ich versuche damit umzugehen und meine Laune so wenig wie möglich an meinen Mitmenschen auszulassen, indem ich mir immer wieder vor Augen halte, dass das alles nicht so schlimm ist – sind nur die Hormone…
    Aber ebensowenig wie ich keine Lust habe, immer nur peinlich-berührt-flüsternd nach einem Tampon zu fragen, will ich mich als Frauen-Klischee-bestätigende Jammerliese zu sehen, nur weil meine Hormone mich plagen. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass ich überreagiere und hinterher sagen muss: Tut mir leid, heute ist mein Reizniveau ziemlich niedrig… krieg meine Tage. Ist vielleicht keine Entschuldigung, aber eine Erklärung. Daran sehe ich nichts feministisch-verdammenswertes!

  23. Lucie sagt:

    ok, den Satz noch mal:

    Aber ebensowenig wie ich Lust habe, immer nur peinlich-berührt-flüsternd nach einem Tampon zu fragen, will ich mich als Frauen-Klischee-bestätigende Jammerliese sehen, nur weil meine Hormone mich plagen.

    Sorry…

  24. Mariposa sagt:

    @ C-3PO & Judith

    „Das bin nicht ich“ meinte ich nicht so global, sondern mehr auf den absoluten Weltschmerz bezogen der mich zu Beginn meiner Tage meist überfällt und der bei mir weit über „schlecht gelaunt“, „reizbar“ und so weiter hinausgeht. darauf bezogen kann ich nur wiederholen dass es mir da SEHR hilft mir klar zu machen dass der Grund für dieses Tief hormoneller Art ist und nicht bedeutet dass die Welt sich tatsächlich in einen trostlosen Ort verwandelt hat oder ich behandlungsbedürftige Depris entwickle. Ich kann diese Gefühle dann einfach besser einordnen, statt mich zu fragen „oh mein Gott was ist mit mir los“ kann ich mir sagen „ach so, mal wieder Erdbeerwoche, alles klar, kein Wunder, DESWEGEN fühle ich mich so“
    Plattes vereinfachendes Beispiel: ich bin einfach NICHT die Frau die bei „Tiatnic“ heult. Während meiner Tage schon. Und da will ich dann sagen können: DAS bin einfach nicht ich, das sind meine Hormone!!! :-)
    Also ich verstehe LUNE da vollkommen, diesen „fremdgesteuert“ Effekt kenne ich auch sehr gut, das ist auch beim mir tatsächlich ein Grund dafür, dass ich die Pille nicht nehme.

  25. Mariposa sagt:

    Nachtrag:
    Das hat NICHTS damit zu tun dass ich mein Verhalten gegenüber anderen damit entschuldigen würde oder „keine Verantwortung “ dafür übernehme, oder mich hinter einem Klischee verstecke oder was auch immer, da kann ich auch nicht nachvollziehen wieso hier so schnell vom einen aufs andere geschlossen wird, das sind für mich immer noch zwei sehr verschiedene Paar Stiefel.
    nochmal @ CPO – 3: Nein, natürlich sind wir keine Automaten und fehlende Rückzugsmöglichkeiten erzeugen schlechte Laune. Aber ich spüre für mich einfach einen sehr starken Unterschied zwischen dieser schlechten Laune und dem homonellen Stimmungstief während meiner Tage.
    @ Judith: Es sind eben KEINE psychischen Erkrankungen / Belastungen.
    Genau das ist ja der Punkt, und ich finde da eher den Rückschluss den Du nahe legst bedenklich, nämlich ein hormonelles Stimmungstief das über das von Dir empfundene Normalmass hinausgeht in die Sphäre der psychischen Krankheit verweisen zu wollen!
    Ich bin ein fröhlicher Mensch, aber an zwei Tagen im Monat verwandle ich mich in ein Jammertal. So ist das eben, und damit muss ich versuchen möglichst gut klar zu kommen, so wie meine Umgebung mit mir auch. Meistens liegen da aber Eigen- und Fremdwahrnehmung weit auseinander, will heissen, die Mehrheit meiner Kollegen/Freunde merkt überhaupt nicht dass ich anders drauf bin.

  26. Judith sagt:

    @Mariposa:
    mit „auf einem anderen stern“ meinte ich genau das: ich wollte hormonelle schwankungen eben NICHT in die sphäre psychischer erkrankungen rücken, sondern sie IM GEGENTEIL von diesen abgrenzen.
    extrem verkürzt ausgedrückt meine ansicht:
    regelmäßige hormonelle schwankungen=> „man selbst“
    versus
    psychische störungen=>was anderes, außergewöhnliches=>“weniger man selbst“, behandlungsbedürftig.
    mir ist nicht ganz klar, wie du das exakte gegenteil von dem verstehen konntest, was ich geschrieben habe.

  27. Lune sagt:

    Ich meinte aber VOR der Mens. ;-)
    Meine Blutung selber erlebe ich ohne jede Beschwerden, ohne Schmerzen, Stimmungsschankungen und ich mag meine Mens. Gerade heute morgen habe ich mich unglaublich gefreut, dass es los ging, jetzt kann ich meine schönen neuen Stoffbinden einweihen. :-)
    Und es mag bedenklich sein, zu sagen, dass das nicht „ich“ bin VOR der Mens, aber das sage ich auch um mich selber zu schützen- in der Zeit mache ich mir immer wieder bewust, dass diese ganze Genervtheit von innen kommt und nicht die ganze Welt sich gegen mich verschworen hat.
    Versteht denn keiner was ich meine? :(

  28. Mariposa sagt:

    @Lune, doch ich glaube schon, dass ich verstehe was Du meinst!

    @Judith: na ja, DANN hättest Du doch auch das Gegenteil von dem verstanden was ich ursprünglich mit „ich bin nicht ich, wen…“ meinte, oder nicht?
    Ich glaub, HIER liegt unser Missverständniss:
    Für mich: regelmässige hormonelle Schwankungen =
    regelmässiges Auftreten von Phasen in denen ich mich NICHT als ich selbst wahrnehme. Ich bestehe hier auf ein „NICHT man selbst“ – Gefühl.
    Da das aber das „normale“, weil eben immer wieder auftretende und damit dazugehörende Gefühl ist, bzw. von Dir so eingeordnet wird, scheinst Du das regelmässige Nicht – ich sein wiederum unter das „Ich-sein“ bzw. das „man-selbst“ zu subsumieren… interessant…
    ich bin dann ich, wenn ich nicht ich bin, also.
    Wenn Du es so sehen willst, gehören die Phasen in denen ich mich nicht wie ich selbst fühle natürlich auch zu mir, aber das würde für die psychische Störung m.E. auch gelten. Und es trifft nicht ganz den Punkt von dem was ich sagen wollte.
    Ich hoffe, Lune versteht mich :-)
    so, jetzt aber genug der Menstruationsphilosophie, ich verabschiede mich aus dieser Diskussion, von meiner Seite ist glaube ich alles gesagt.

  29. Lune sagt:

    Danke- und ja, ich verstehe dich auch. :-)
    Ich weiß nicht wie die Threaderstellern verhütet, aber vielleicht verhütet sie mit der Pille? Dann ist man ja hormonell sozusagen ruhiggestellt und unterliegt nicht mehr diesen hormonellen Phasen.

  30. Anna sagt:

    Hallo Lune,
    ich empfinde Spekulationen über meine Verhütung als recht übergriffig, vor allem, wenn es so leicht herablassend geschieht wie in deinem Kommentar. Das hat den gleichen despektierlichen Grundtenor wie „ach lass sie reden, die hat bestimmt ihre Tage“ und ist nicht okay.
    Ob ich die Pille nehme oder genommen habe oder irgendwann nehmen werde tut hier recht wenig bis gar nichts zur Sache.
    Es gibt übrigens durchaus Frauen, die nicht hormonell verhüten und die verschiedenen hormonellen Phasen trotzdem sehr gut aushalten, mit sich selber ausmachen oder vielleicht auch gar nicht bemerken.
    Anna

  31. Lune sagt:

    Es war nicht herablassend gemeint, sondern eine ernsthafte Überlegung.
    Und natürlich gibt es Frauen die nicht hormonell verhüten und kein PMS haben, das habe ich ja auch nicht bestritten- aber andersrum zu bestreiten, DAS es diese Frauen gibt ist ok? ;-)

  32. Miriam sagt:

    Lune, ich hab deinen Kommentar auch als recht grenzwertig empfunden… So wie ich Annas Artikel verstanden habe, geht es nicht darum, PMS abzustreiten, sondern darum, dass sich Frauen keinen Gefallen damit tun, wenn sie ein Fehlverhalten mit „Ich hatte PMS“ entschuldigen.
    Seit ich schwanger bin, bin ich manchmal auch ziemlich erschreckt darüber, wie sehr mich Gefühlsschwankungen im Griff haben können, ich erkenne mich da teilweise auch nicht wieder und mögen tue ich mich schonmal gar nicht, wenn ich realisiere, dass da scheinbar mal wieder die Hormonkeule zugeschlagen hat. Aber trotzdem bin ich ein erwachsener Mensch, der für sein Handeln selbst verantwortlich ist. Ich enpfinde es als ziemlich respektlos, wenn mein Liebster dann sagt: Jaja, ich weiß ja, die Hormone… Ich will ernst genommen werden, auch wenn ich gerade ausraste wegen irgendeiner banalen Kleinigkeit. Wenn ich dann 1 Stunde später zu Kreuze krieche, weil ich selber einsehe, dass ich mich vollkommen grundlos aufgeregt habe, dann stehe ich aber für mein Fehlverhalten gerade, ich entschuldige mich. Ich fände es vollkommen daneben, dann zu sagen: Hey, da musst du die nächsten Monate mit klar kommen, ICH kann nix dafür!
    Und im beruflichen Umfeld würde mir schonmal gar nicht in den Sinn kommen, Hormonschwankungen für mein Verhalten verantwortlich zu machen, ich bin doch kein Kleinkind, welches sein Verhalten null unter Kontrolle hat…

  33. Anna sagt:

    Danke, Miriam. Du hast (wie fast alle anderen auch) den Punkt genau erkannt und dem ist auch nichts hinzuzufügen.

  34. Sappi sagt:

    Ich finde es angebracht, Menstruationsbeschwerden in gleichem Masse als Entschuldigung für eigenes Verhalten zu verwenden, wie andere körperliche oder psychische Beschwerden auch. Die Menstruation sollte diesbezüglich keinen besonderen Status haben. D.h., wenn jemand starke Menstruationsbeschwerden hat, kann das durchaus ein Entschuldigungsgrund für schlechtes Verhalten sein (wenn man andere Beschwerden ähnlichen Ausmasses auch als solchen akzeptieren würde). Wenn eine Frau, der es wirklich gerade sehr schlecht geht wegen ihrer Menstruation, das wegen des Tabus darum herum sich nicht zu erwähnen traut, finde ich das ungut (es gibt ja Frauen, die wirklich enorm leiden und denen ich eine Sonderbehandlung während ihrer Tage gönne).
    Normale hormonelle Schwankungen dagegen gehören zum Leben wohl einfach dazu und man hat eine Verantwortung, damit vernünftig umzugehen. Insofern können sie nicht als Entschuldigung gelten, da bin ich mit Anna ganz einverstanden.

    Die Menstruation sollte allerdings auch keinen besonderen negativen Status haben, den sie leider immer noch hat. Frauen sollten über die Menstruation reden können, ohne komisch angeschaut zu werden (natürlich muss keine darüber reden, die nicht will, sie sollte aber tolerieren, dass andere darüber reden). Das Detaillevel muss dabei wohl individuell ausgehandelt werden, aber Menstruation sollte sicher nicht generell ein Tabuthema sein. Man muss nicht komisch drauf sein, nur weil man sich manchmal über Blutungsstärken unterhält.

  35. kugelschreiber sagt:

    … ich will „als frau“ nicht als körperlich defizitär wahrgenommen werden. daher käme es mir gar nicht in den sinn, diese körperfunktion ins gespräch zu bringen.

    vor allem möchte ich nicht von anderen frauen in geiselhaft genommen werden: „wie es bei uns frauen ist“. nee, bei mir isses nicht so. definitv nicht.

  36. Hanna sagt:

    Was ist denn bitte an der „Koerperfunktion“ Menstruation „defizitaer“, wenn man keine Beschwerden hat?

  37. Sappi sagt:

    Selbst wenn man Beschwerden hat, ist nichts Defizitäres an der Menstruation. Gebären ist schliesslich auch nicht defizitär, obwohl es durchaus beschwerlich sein kann.
    Man kann eine Körperfunktion gleichzeitig als etwas „Gutes“ sehen und doch auch anerkennen, dass sie nun mal schmerzhaft sein kann. Ich sehe da keinen Widerspruch.

  38. Hanna sagt:

    Im Prinzip gebe ich Dir da recht, Sappi. Nur kenne ich einige wenige Maedls, bei denen die Beschwerden leider nicht mehr im Bereich des Ertraeglichen sind (Erbrechen, Ohnmacht, Taubheitsgefuehle im Beinbereich, Depressionen, etc). Ob tatsaechlich ein Problem vorliegt, also die Beschwerden nicht mehr akzeptabel sind, und man aerztlich behandelt werden muss, muss jede Frau mit Beschwerden selbst entscheiden.

    Deinem vorherigen Beitrag („Ich finde es angebracht, Menstruationsbeschwerden in gleichem Masse als Entschuldigung für eigenes Verhalten zu verwenden, wie andere körperliche oder psychische Beschwerden auch.“) stimme ich uebrigens auch zu!

    Aber die Menstruation zu verschweigen, weil man nicht als „nicht als körperlich defizitär wahrgenommen werden“ will, obwohl man vllt nicht mal geringe Beschwerden hat, wie Kugelschreiber es beschrieb, finde ich, ist nicht OK. Denn das ist eben ein grosser Teil des Menstruations-Tabu-Problems. Dass man nicht immer und ausfuehrlich ueber die Menstruation reden moechte, muss natuerlich genauso OK sein, wie ueber sie reden zu wollen. ABER: Die Menstruation ist kein Defizit!

  39. Neeva sagt:

    Jetzt möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben: Ich sehe zwei völlig getrennte Probleme, die nur gemeinsam haben, dass sie sich auf die Monatsblutung beziehen.

    1) Das Thema ist unheimlich schambehaftet. Egal ob man jetzt das Wort „unrein“, „defizitär“ oder „unhygienisch“ benutzt, die Absicht ist die Gleiche: Frau hat sich gefälligst für diese Körperfunktion zu schämen und sie möglichst zu verbergen. Wenn ich über die Gründe spekulieren wollte, würde ich auf eine tradierte allgemeine Feindschaft gegenüber dem weiblichen Körper tippen, die sich auf die greifbaren Unterschiede zum männlichen Körper einschiesst.

    2) Es gibt eine Denkart, die mit verquasten „biologischen“ Begründungen Frauen als von Natur aus wankelmútig und irrational ansieht. Diese Denkart stürzt sich begeistert auf die – bei manchen Frauen – vom Zyklus verursachten Stimmungsschwankungen und nimmt sie als „Beweis“ für die Richtigkeit der Ansicht. Dummerweise gibt es einen Haufen Frauen, die sich Teile dieser Argumentation zu eigen machen, weil es manchmal bequem ist. „Das musst du jetzt aushalten, da kann ich nichts für, das sind die Hormone.“

    Und ich bin echt dafür beides zu bekämpfen.

  40. Sappi sagt:

    @Hanna: Klar, wenn möglicherweise ein medizinisches Problem vorliegt, sollte man das nicht einfach als Teil der Menstruation akzeptieren, das wäre sogar gefährlich. Das wollte ich auf keinen Fall herunterspielen. Weniger Tabu um die Menstruation herum würde es vielleicht auch erleichtern, nicht mehr normale Symptome als solche zu erkennen.
    Aber auch wenn alles im normalen Bereich liegt, kann ja die Menstruation schon ziemlich beschwerlich oder jedenfalls einschränkend sein (und daran hatte ich bei meinem Beitrag gedacht). Ich bin ganz deiner Meinung, dass man eben darüber sprechen können sollte, ohne irgendwie als defizitär zu gelten und ich finde es ziemlich seltsam, wenn die Menstruation als ein Defizit aufgefasst wird. Es ist eben (mit der Ausnahme von echten medizinischen Problemen) einfach eine normale, wenn auch manchmal unangenehme Körperfunktion.

  41. kousheru sagt:

    eben. es ist normal.
    persönlich finde ich einfach, daß die gesellschaft sich so langsam mit der wirklichekeit von menstruation auseinandersetzen sollte. da gehören gespräche dazu – und warum nicht auch öffentlich?
    gerade männer haben oft null ahnung, was da mit einem weiblichen körper abgeht (frauen oft auch nicht) und DAS ist ja das problem.
    ich finde, man sollte sehr wohl sagen können „boss, hab heute übelst meine tage, kann nicht kommen!“
    das gilt als unangebracht. aber warum? weil in einer patriarchalischen gesellschaft weiblichkeit (wie auch die mens) nix zu suchen hat (das wollen wir ja ändern, nicht?), weil weiblichkeit/mens dann eben als defizitär gilt, es DARF keine entschuldigung sein, damit man den oft unwissenden männern kein futter zum unangebrachten verhalten à la „höhöhö die hat wohl ihre tage, so wie sie drauf ist!“ gibt.
    aber ist es UNSERE aufgabe, sexistische bemerkungen nicht zu provozieren? sehe ich eigentlich nicht so!
    viele männer würden solche witze wohl nicht reißen, wüßten sie mehr bescheid (und eben dem kann durch offenes reden abgeholfen werden!) und ihre sicht auf frauen, die z.b. wegen starker blutungen nicht zur arbeit können wäre dann auch nicht so herablassend.
    ich vertrete also mal die gegenthese: ich bin total dafür, daß frauen während/vor der periode v“ermehrte Toleranz für ihr Verhalten ein(zu)fordern.“ weil es manchmal einfach fair ist, das zu gewähren.
    klar nehmen es manche vllt. als „einfache entschuldigung“ für jeden scheiß, aber das hat mit der sache per se nix zu tun. es wird immer leute geben, die sich mit übertreiben durch irgendwelche zipperlein narrenfreiheit erkaufen wollen.
    aber wieso zum geier soll ICH bitte dafür verantwortlich sein, MEINE natürlichen vorgänge zu verschweigen/diskret zu behandelt, damit die herren der schöpfung nicht irritiert werden? damit ich ernst genommen werde? bin ich nicht ernst zu nehmen, wenn ich offen über meine regel spreche??? das ist doch unlogisch!

  42. palü sagt:

    hm, ich habe irgendwann angefangen, im notfall aus klopapier tampons zu drehen – damit ich niemanden fragen muss. es wäre mir höchst unangenehm, dass jemand weiß, dass ich gerade meine regel habe. ein allgemeines gespräch über dieses thema kann interessant sein, aber in der konkreten situation möchte ich keine mitwisser haben.
    verständnis von anderen für diesen miesen zustand einzufordern, käme mir deswegen nie in den sinn, das gilt aber ebenso für alle anderen arten von schmerzen.

  43. kugelschreiber sagt:

    hi nochmal,

    ich glaube, ich habe mich missverständlich ausgedrückt …

    ich sehe den weiblichen körper eben nicht als defizitär an, auch wenn die menstruation lästig sein kann. daher möchte ich nicht von anderen frauen in diese ecke gedrängt werden, wo für menstruation und andere zipperlein toleranz eingefordert wird. ich brauche für mich „als frau“ keinen schutzraum und keine extrawürste. es nervt mich extrem, wenn ICH mir texte anhören muss à la „die hat wohl ihre tage“. und ja, dass solche sprüche verschwinden, ist frauensache. wird aber nicht gelingen, indem man um verständnis für das „mangelwesen frau“ wirbt.

    übrigens gibts heutzutage einige möglichkeiten, ein fast mensfreies leben zu führen.

  44. mariposa sagt:

    @Kugelschreiber: Das wirft doch die irgendwo in der Diskussion schon mal aufgetauchte Frage auf, WER für das „In die Ecke drängen“ verantwortlich ist – derjenige der sich äußert, oder derjenige der unangemessen darauf reagiert? Anders gesagt: Muss ich den Mund halten, aus Angst „abgestempelt“ zu werden? Natürlich ist das in der Realität nicht immer derartig schwarz-weiss, deswegen wäge ich auch ab, wem ich was und wie detailliert über mich und meine Körperfunktionen erzähle… aber oft entscheide ich mich dafür und nicht dagegen :-)
    „Die hat wohl ihre Tage“ im Sinne von „so wie die sich aufführt, das kann man ja nicht ernst nehmen, Frauen halt“ ist NATÜRLICH genau das, was verschwinden muss. Wird es aber meiner Meinung nach eben genau nicht wenn das Thema weiterhin verschämt tabuisiert wird.
    Auf schwangere Frauen wird doch auch Rücksicht genommen, und meiner Meinung nach zu Recht, ebenso sollte es einfach NORMALer werden sagen zu können „sorry hab meine Tage bin heute nicht ganz auf dem Damm“ … ohne beides als Krankheit oder gar „Mangel“ zu begreifen.

    Ein „mensfreies Leben“ stellt für mich persönlich den falschen Weg dar.
    Ich liebe meinen Körper, die Menstruation ist trotz aller Unannehmlichkeiten ein Teil davon, mich erschreckt eher die Tendenz,
    dass viele Frauen ihren Körper auf diese Weise zu bekämpfen versuchen.
    Natürlich möchte ich das trotzdem nicht verurteilen, wie ich in meinem vorherigen Beitrag schon schrieb: Wir erleben unsere Mens alle sehr verschieden und wir gehen eben sehr verschieden damit um, deswegen sollten wir uns alle ein bisschen lockerer machen und andere Positionen respektieren.

    Eine artverwandte Diskussion gabs übrigens auch mal auf dem Mädchenblog…

    http://maedchenblog.blogsport.de/2008/12/10/die-ewig-mythische/

  45. Hanna sagt:

    @ Kugelschreiber

    Ich muss Mariposa recht geben. Auch deshalb, weil Menstruationsbeschwerden bei einigen Frauen eben kein „Zipperlein“ sind. Das ist nicht bei allen Frauen so, deshalb bin ich auch gegen das Verallgemeinern. Aber bei manchen ist die Menstruation – trotz Defizitfreiheit aus medizinischer Sicht (in Ausnahmefaellen kann allerdings ein medizinisches Problem vorhanden sein, aber das habe ich ja schon vorher erwaehnt) – eben beispielsweise mit Schmerzen verbunden, die selbst den Gang zur Toilette fast zu einer Unmoeglichkeit machen. Wenn man unter Schmerzen leidet, finde ich es nicht zu viel verlangt, dass man in Ruhe gelassen werden moechte, bis die Schmerztabletten wirken. Das ist doch bei Schmerzen aus anderen Gruenden genauso.

    Wenn man aber nicht die Menstruationsbeschwerdenfreiheit als einzig akzeptablen Standard festsetzen wuerde, wie sie nur bei Maennern ausschliesslich vorkommt – denn bei Frauen gibt es ja potentiell immer beide Moeglichkeiten: Beschwerden haben, oder nicht haben – , dann gaebe es auch keinen Anlass Frauen als defizitaer zu bezeichnen, wenn sie Beschwerden haben. Dann waere der Zustand „Menstruationsbeschwerden“ nur einer von vielen Moeglichen „normalen“ Zustaenden, in dem Menschen sich nunmal befinden koennen.

  46. kugelschreiber sagt:

    „Das wirft doch die irgendwo in der Diskussion schon mal aufgetauchte Frage auf, WER für das “In die Ecke drängen” verantwortlich ist – derjenige der sich äußert, oder derjenige der unangemessen darauf reagiert?“

    die „schuld“, falls man davon reden kann, liegt nicht im heute begründet. frauen wurden (und werden) seit jahrhunderten wegen ihrer körperlichkeit benachteiligt.
    ich für meinen teil werde diesem gedankengut nicht vorschub leisten indem ich private angelegeheiten vor mir hertrage. zu diesen m.m.n. privaten angelegenheiten gehört übrigens nicht nur die menstruation.

    „Anders gesagt: Muss ich den Mund halten, aus Angst “abgestempelt” zu werden?“

    müssen tust du nichts. allerdings hatte meine oma einen spruch für solche fälle in petto, der lautete: du blamierst die ganze innung. und das sollte man sich in der tat überlegen, ob man auf kosten vieler seine befindlichkeiten an unpassender stelle thematisieren möchte. der mensch und auch der mann neigt nun mal zum generalisieren.

    „“Die hat wohl ihre Tage” … ist NATÜRLICH genau das, was verschwinden muss. Wird es aber meiner Meinung nach eben genau nicht wenn das Thema weiterhin verschämt tabuisiert wird.“

    noch vor 50 jahren waren männer und auch frauen der ansicht, frauen könnten nicht autofahren. das hat sich geändert, wie wir wissen. aber nicht, weil frauen das nichtfahrenkönnen zelebrierten, sondern weil sie selbst dieses vorurteil außer kraft gesetzt haben (zum großen teil).
    ich bin durchaus der ansicht, dass frauen diverse gründe haben können, um nicht gut drauf zu sein. aber die schlichte tatsache, frau zu sein und zu menstruieren, sollte nicht dazu gehören. diesen ehrgeiz gönn‘ ich mir.

    „Auf schwangere Frauen wird doch auch Rücksicht genommen, und meiner Meinung nach zu Recht, …“

    wir reden hier aber nicht von rücksicht, sondern von diskriminierung. und wenn wir mal ganz ehrlich sind, grenzt viele vermeintliche rücksicht auf schwangere auch an diskriminierung.

  47. Mariposa sagt:

    @Kugelschreiber

    Es sei Dir so viel Ehrgeiz gegönnt wie es Dir gut tut, aber die Aussage frau blamiere die „ganze Innung“ wenn sie über ihre Tage spricht, gehört tatsächlich in Omas Zeiten und nicht ins 21. Jahrhundert, zumindest nicht bei uns. Ich schreib mir hier die Finger fusselig, um einen differenzierten Blick auf Frauen und ihre Menstruation aufzuzeigen, aber gegen die Gleichmacherkeule mit „der ganzen Innung“, komme ich damit natürlich nicht durch. Frauen sind halt doch – alle gleich :-)
    Neee, sorry, ich für meinen Teil werde sicher nicht all den bösen generalisierenden Männern in einer Art vorauseilendem Gehorsam den Gefallen tun sie nicht mit gewissen biologischen Tatsachen zu konfrontieren in dem ich so tue als hätte ich keine Blutungen oder sogar indem ich diese mit Hormonmitteln tatsächlich abschaffe und auch die holde Weiblichkeit wird damit leben müssen dass ich meine Befindlichkeiten auf ihre Kosten in die Welt trage (natürlich nur in stundenlangen bluttriefenden Gesprächen…vorsicht, ironie…)
    Ich weiss dass die Unterdrückung der Frau eine laaaange Geschichte hat, aber wenn wir es nicht auch mal schaffen nach vorn zu blicken und für die Zukunft zu leben und für eine Welt wie WIR sie wollen, dann wird das
    das nie was werden, vor allem nicht wenn wir aus Angst vor generalisierenden Männern unsere entzückendenen kleinen Erdbeermünder zusammenkneifen und – schweigen. So, jetzt bin ich endgültig vom Thema abgekommen …. wo waren wir…
    Das mit dem Autofahren finde ich ein prima Beispiel, daran kann man wunderbar unsere Meinungsverschiedenheiten aufzeigen:
    „Fahren lernen“ würde nämlich für MICH einen souveränen Umgang mit der Menstruation bedeuten, was beinhaltet ganz nomal darüber sprechen zu können (ohne es zu müssen) OHNE ein „Nicht-fahren – können“ (eine andere Formulierung für den vormals von Dir erwähnten „Mangel“, nicht wahr?) zu „zelebrieren“. Ich würde gerne das Vorurteil ausser Kraft setzen dass es unmöglich sei über Menstruation zu sprechen und gleichzeitig ernst genommen zu werden. Das erreichen wir aber nicht in theoretischen Führerscheinübungen sondern nur mit Fahrpraxis.
    Was ich mir im übrigen wünsche ist tatsächlich in erster Linie mehr Rücksicht, ernstgemeintes Verständnis STATT Diskriminierung. Du hast sicher Recht mit den Schwangeren, es ist manchmal eine Gratwanderung
    zwischen Rücksicht und Diskriminierung. Deswegen schrieb ich auch dass weder Menstruation noch Schwangerschaft Krankheiten sind… ich stehe aber trotzdem für eine Schwangere im Bus auf, ich hoffe Du verstehst was ich meine.
    Doch, ich glaube frau darf wegen der schlichten Tatsache ihre Tage schlecht drauf sein, soviel Nachsicht gönn ich mir (ohne dass das bedeuten würde ich liesse meine „Launen“ an anderen aus.) Im übrigen kann ich da nur nochmal auf Hannas letzten Beitrag verweisen, mit der ich in diesem Punkt völlig einer Meinung bin – es gibt Frauen, die Höllenschmerzen haben, sich tagelang erbrechen, nicht schlafen können etc.. Das ist kein Spass, und zu allem Übel soll sie sich dann nichts anmerken lassen um die Innung nicht zu blamieren? Nein, danke.

  48. Ariane sagt:

    Mir fällt dabei gerade eine WG ein, in der ich vor Jahren wohnte. Jedesmal wenn eine bestimmte Mitbewohnerin Besuch angekündigt hat, also Kumpels von der Uni, machte sie echt ein Affentheater und bat uns andern es ihr gleichzutun, nämlich alle geschlechtsspezifischen Badezimmerutensilien unsichtbar zu verstecken. Dazu rechnete sie die 3 Packungen OBs und die Antibabypillen. Darauf angesprochen, was das für einen Sinn hat, meinte sie, das sei alles Intimsphäre. Ehrlich, wenn ich mich aber in die Haut eines Mannes zu versetzen versuche: Ich würde es viel mehr mit der Angst zu tun bekommen, wenn ich das Bad einer 4-Mädel-WG betrete und dort keinerleid OBs oder Binden zu finden sind.

    Eine Bekannte nach einer OB zu fragen, ist für mich überhaupt kein Problem, eine Fremde schon. Vielleicht bin ich auch nur zu schüchtern, ich hau auch nicht fremde Leute um eine Zigarette an.
    Wann ich meine Tage habe, welche Probleme damit exakt verbunden sind, diskutiere ich mich andern Frauen, wenn es angebracht ist. Auch mit eng befreundeten Männern, wenn es von Belang ist. Etwa wenn ich das Schwimmen absage (eine Zeit lang war ich aus gesundheitlichen Gründen zu Bindentragen verdonnert, hat sich zum Glück mittlerweile erledigt). Jedoch hätte ich nie dem Chef gesagt, ich nehme am Betriebsausflug nicht teil, weil mich meine Tage quälen. Der Hinweis auf gesundheitliche Gründe reicht. Die Männer denken sich eh das ihre dabei.

    @ Mariposa
    Es ist eben eine Gratwanderung zwischen Diskriminierung und Übervorteilung der Frauen. Gleich wie ich einmal nur kurz angesprochen habe, man sollte über das Thema, welche Vorrechte schwangere Frauen und Mütter bekommen sollen, diskutieren, statt es zu tabuisieren, da es doch eine Folge einer freien Entscheidung ist – und ich den Zorn der Mutterinstinkt-Fraktion auf mich gezogen habe – gilt das auch für Regelbeschwerden. Die Regel ist keine Krankheit, in der Regel ist frau dabei aber arbeitsfähig. Eine bedeutende Minderheit der Frauen fehlt aber im 4-Wochen-Zyklus auf der Arbeit, man kann daraus sogar ihren exakten Zyklus nachberechnen. In alter Gentleman-Manier machen einige Chefs da kein Aufsehen. Wenn er aber rein betriebswirtschaftlich die Situation betrachtet, könnte er sich fragen, ob ein Mann nicht effizienter arbeitet, weil diese Fehltage wegfallen. Oder auch anders gesagt: Darf sich eine Frau diesen Luxus erlauben, ihre natürlichen Regelbeschwerden auszuliegen. Gerade wenn sich die Frage konkret stellt, falls die mit Pilleneinnahme diese Beschwerden reduzieren könnte, also an diesen Tagen arbeitsfähig wäre? So weit dahergeholt ist es nicht, es ist Konsens, bei normalen Kopfschmerzen Aspirin zu schlucken und zu arbeiten. Ich sage wieder, man soll darüber diskutieren! Es ist keine Forderung von mir, allen Frauen mit Regelbeschwerden die Pille, am besten im Langzyklus, zwangszuverordnen. Gibt es aber keine Verpflichtung, wenn man eine Arbeitsstelle annimmt, auch alles zumutbare zu tun, um an möglichst vielen Tagen arbeitsfähig zu sein? Oder ist das Ausliegen der natürlichen Regelbeschwerden ein Frauenrecht?

  49. Sappi sagt:

    @Kousheru: Genau! Gut formuliert.
    Das mit dem Übertreiben ist tatsächlich bei allen möglichen Zipperlein ein Problem. Ich glaube auch, dass die Menstruation gerade nicht übermässig stark als Entschuldigung für schlechtes Verhalten benützt wird. Ich höre solche Beschwerden sehr selten als Entschuldigung im Vergleich zu „habe Kopfweh“, „habe zu wenig geschlafen“ u.ä…

  50. Ariane sagt:

    Kennt jemand auch überzeugte NFP-Anwenderinnen? Eine Freundin stellt ihren ganzen Zyklus online ins Internet, inkl. Herzchen für die Tage, an denen sie Sex hatte, weltweit zugänglich. Man kann sich informieren, was hatte XX gestern früh für eine Temperatur und wie fest ist der Schleim? Wie häufig hat sie Sex, wann mit, wann ohne Kondom :-) Für mich grenzt das schon an Exhibitionismus.

  51. Neeva sagt:

    Steht der Klarname dabei? Etwas anonym ins Internet zu stellen, ist doch ein bisschen was anderes als es jemandem persönlich zu erzählen.
    Ich führe meinen Zykluskalender zwar ganz altmodisch auf Papier, aber ich kann nachvollziehen, dass man seinen Körper quasi wissenschaftlich beobachtet und dazu gehört halt die Dokumentation.

  52. Ariane sagt:

    Nein, mit Nickname, kann ihn aber ihr zuordnen, weil sie es mir mal gezeigt hat.
    Den Zyklus im Computer auszuwerten kann Sinn geben. Was hat es aber für einen Sinn, ihn inkl. aller Information online zugänglich zu machen?

  53. Neeva sagt:

    Was hat es für einen Sinn, die Partyschnappschüsse und Urlaubsfotos inkl. Information über Hobbies online zugänglich zu machen?
    Wobei bei Nfp die Online-Gemeinschaft vermutlich hilft, bei der Stange zu bleiben. So wie bei WeightWatchers oder Sportgruppen. Es gibt doch auch Portale, wo man eintragen kann, was man alles gemacht hat, und sich dann vergleichen und Durchschnitte usw. ausrechnen.
    Gerade beim weiblichen Zyklus trauen sich vielleicht nicht alle, offline andere Frauen zu fragen, ob das, was sie bei sich beobachten, normal ist.
    Was ja, wie wir festgestellt haben, eines der zentralen Probleme mit der Menstruation ist. (Das Nicht-Trauen)

  54. fetorówka obrzydlnica sagt:

    Moment – ich soll also nicht öffentlich darüber reden? Damit Männer keine Witze machen? So weit kommt’s noch.
    Ich soll also prinzipiell so tun, als sei ich Perioden-frei?
    Wird nicht gerade im Feminismus kritisiert, dass frau sich „wie ein Mann“ verhalten muss, um in der Männergesellschaft akzeptiert zu werden???
    Ist es nicht besser, sehr wohl darüber, gerade mit Nichtmenstruierenden, Gespräche zu führen und diesen Teil natürlicher Weiblichkeit in die Gesellschaft zu integrieren, die sie so lange für schmutzig und als No go erklärt hat?

    Intimsphäre ist doch genau das: eine persönliche Angelegenheit. Und Persönlichkeiten sind verschieden (was ja so toll ist! :-) und es gibt introvertierte und extrovertierte Persönlichkeiten. Und je nachdem wird denn halt auch die eigene Intimsphäre eher intro- oder eben extrovertiert behandelt.
    Warum soll da jetzt eins davon schlechter sein?
    Ein Feminismus, der – statt meine Persönlichkeit zu unterstützen und zu helfen, sie zu entwickeln und zu befreien – mir was vorschreibt, dem trau ich nicht, sorry.

  55. kugelschreiber sagt:

    „Damit Männer keine Witze machen? So weit kommt’s noch.“

    danke, du redest über deine menstruation und ich bekomme den witz an den kopf geworfen.

    das wäre so möglich.

    vielen dank.