Empowerment, Solidarität und Visionen: Migrantische Selbstorganisationen (MSO) und intersektionale Vereinsarbeit

von Gastautor_in

Dieser Gastbeitrag stammt vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg (mrbb). Der mrbb vertritt etwa 80 Migrant_innenselbstorganisationen (MSO) in Berlin und Brandenburg. Anfang Juni startete das mrbb-Projekt „MSO Inklusiv!, das Mehrfachzugehörigkeit und intersektionale Ansätze innerhalb von MSO stärken und festigen will. In diesem Text stellt der mrbb das Projekt vor. Links zu den teilnehmenden Organisationen findet ihr am Ende des Textes.

Wie sieht inklusive Vereinsarbeit aus? Wie können wir gemeinsam gegen Mehrfachdiskriminierung von Lesben, Schwule, Trans* und Inter* Menschen kämpfen, die Teil unserer Communities und Familien sind? Beim Auftakt von „MSO inklusiv!“, einem neuen Projekt vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg, präsentierten Anfang Juni 2015 sechs Migrant_innenselbstorganisationen aus ganz Deutschland ihre Antworten. Das Ergebnis war ein Raum voller spannender und kritischer Visionen und Konzepte über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt aus einer Schwarzen und PoC-Perspektive in unseren Vereinen. In den kommenden Monaten sollen die Entwürfe zu richtigen Projekten wachsen. Dafür bietet das Projekt „MSO inklusiv!“ den MSOs finanzielle Unterstützung und inhaltliche Begleitung.

Logo von MSO InklusivWorum es geht und worum nicht

Bei „MSO inklusiv!“ geht es nicht darum das rassistische Bild des „sexistischen und homophoben Migranten“ zu korrigieren. Es geht darum gerade die Verschränkungen von Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit zu thematisieren und unsere Vereine darin zu stärken, dass wir Mehrfachdiskriminierung in den Fokus unserer Vereinsarbeit stellen. Es geht darum Räume und (finanzielle) Möglichkeiten für Projekte von Migrant_innenselbstorganisationen zu den Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu schaffen. Projekte in deren Mittelpunkt die Perspektiven von LSBT*I* of Color und Schwarzen LBST*I* stehen. Im Laufe des Jahres sollen die verschiedenen Vorhaben Vernetzungen und Austausch über Strategien intersektionaler Vereinsarbeit zwischen den MSOs ermöglichen und festigen.

Fokus: Empowerment & Sichtbarkeit, Solidarität

Die Bandbreite der Projektvorhaben und die Unterschiedlichkeit der teilnehmenden MSOs für 2015 zeigt, dass sich dieser Ansatz auszahlt: Alle Projekte sind eng an die unterschiedlichen Vereinsstrukturen und Communitybedarfe gekoppelt und beinhalten einen eigenen Zugang zum Thema LSBT*I*. Sechs verschiedene Projekte werden 2015 von Vereinen aus Berlin, Dortmund und Frankfurt (Main) realisiert. Geplant sind unter anderem der Aufbau queerer Arbeitsgemeinschaften innerhalb der MSOs, die Planung von Konferenzen und Workshops zum Thema LSBT*I*, Multimediaprojekte über Schwarze LSBT*I* Biografien und Lebensrealitäten in Deutschland, sowie die Ausbildung von Jugendlichen als Multiplikator_innen zu den Themen Homo- und Transfeindlichkeit in ihren Verschränkungen mit antimuslimischem Rassismus. Alle teilnehmenden MSOs arbeiten seit Jahren in den Bereichen Antidiskriminierung und Empowerment ihrer Communities und zu einem großen Teil auf der Basis ehrenamtlicher Arbeit. Mit „MSO inklusiv!“ wollen wir auch deutlich machen, wie wichtig die finanzielle Unterstützung von Migrant_innenselbstorganisationen ist. Ohne Gelder können wir unsere Arbeit nicht leisten und diese Gesellschaft nicht mitgestalten. Auch unsere Visionen verdienen Unterstützung.

Wertvolle Arbeit und andauernde Kämpfe

Dass es ein Projekt wie „MSO inklusiv!“ gibt, baut auf den Erfahrungen und Kämpfen queerer Berliner Migrant_innenvereine wie LesMigras und Gladt e.V. auf, die seit Jahren für die Stimmen von Menschen eintreten, die Mehrfachdiskriminierung erfahren. Sie machen immer wieder deutlich, dass Rassismus nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft massiv existiert, sondern auch in der weißen queeren Szene. Im Rahmen von „MSO inklusiv!“ wollen wir ihre wertvolle Arbeit unterstützen, weitertragen und noch mehr Räume zum Austausch über intersektionale Vereinsarbeit schaffen. Der Auftakt 2015 war erst der Anfang einer spannenden Reise gemeinsam mit unseren Vereinen, Communities und Familien. Wir sind bereit und gemeinsam gehen wir weiter.


Facebook-Seite von MSO Inklusiv! für aktuelle Updates zum Projekt

Bisher teilnehmende Projekte:
Bund der alevitischen Jugend in Deutschland e.V.
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.
JOLIBA – Interkulturelles Netzwerk in Berlin e.V.
StreetUniverCity Berlin e.V.
Jugendtheaterbüro Berlin der Initiative Grenzen-Los!
Arabische Eltern Union e.V.






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