Elternprobezeit

von Barbara

(c) www.babybedenkzeit.de/ Als Teenager las ich eine Menge Romantic-Thriller, übersetzt aus dem US-Amerikanischen. Mit Knutschgeschichten von Nancy und Nick und Julie und Jerry und einem Schulprojekt, im Rahmen dessen Anne und Andrew ein rohes Ei mit nach Hause bekamen für zwei Wochen Schulferien, Attrappe für ein gemeinsames Baby. Das Ei musste gepflegt werden, und wer es nach den Ferien wieder heil mit in die Schule brachte, bekam eine Eins.

Ein ähnliches Projekt ist die “Elternprobe” in Brandenburg, über die die Taz berichtet. Hier erleben Teenager, wie es sich anfühlt, Eltern zu sein. Ein Armband zeichnet auf, ob die über einen Computer gesteuerten Babies gut betreut werden - ob immer gewickelt, gefüttert und Köpfchen gehalten wird. Nach der Probezeit sehen die Mädchen erschöpft aus - denn auch die Baby-Simulatoren melden sich in der Nacht.

Die Idee, mit programmierten Puppen ungewollten Teenagerschwangerschaften vorzubeugen, stammt von einem amerikanischen Ehepaar. 1993 baute Rich Jurmain zu Hause den ersten Babysimulator, inzwischen werden die RealCareBabys auf der ganzen Welt animiert. Zwei deutsche Pädagoginnen, Edith Stemmler-Schaich und Uta Schultz, bauten in Delmenhorst Mitte der 90er Jahre das Projekt “Babybedenkzeit” auf. In Städten wie Rostock, Freiburg, Koblenz und Wiesbaden gibt es heute so genannte “Babybedenkzeit”-Kompetenzzentren und bundesweit über 300 Einzelprojekte.

Eine gute Vorbereitung für den Ernstfall? Ich denke schon, besonders in Kombination mit der sexuellen Aufklärung, die die Projektmitarbeiterinnen im Rahmen der “Elternprobe” auch immer wieder vornehmen. Wichtig finde ich, dass auch Jungs sich trauen, bei einem solchen Projekt mitzumachen - denn ihr Anteil an einer Teenage Pregnancy ist immerhin 50 Prozent.

Der Vorteil des rohen Eies? Im Vergleich zum Babysimulator beginnt es, schlecht zu riechen. Wie so manche Windel.

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5 Kommentare zu “Elternprobezeit”

  1. Thomas schreibt:

    Da gibt’s ne Southpark-Folge zu. Allerdings missbraucht Ms. Garrison das Projekt um beweisen zu wollen dass Schwule keine Kinder erziehen können.

  2. Katrin schreibt:

    ich habe dazu schon öfters Reportagen aus den USA gesehen und fand es immer ein wenig skurril. Aber wenn es hilft.

  3. hn schreibt:

    also ich kann den Vorteil da nicht erkennen — die Kinder bekommen alle Nachteile (Übermüdung, ständig nerven…) aufgehalst, ohne die Vorteile (ein echtes Kind eben) zu haben? Wer will denn das? Würde das nicht eher dazu führen, dass sie sich denken “Bevor die mir so eine dämliche Puppe aufhalsen, produzier ich lieber ein echtes Kind.”?

  4. Anna schreibt:

    Es geht bei solchen Programmen vor allem darum, den Kindern, die deswegen Kinder bekommen, weil sie sonst keine positiven Zukunftsaussichten haben bzw denken, dass das so ist (sehr verkürzt, ja ich weiß) klar zu machen, dass ein Baby eben nicht nur was süßes zum Schmusen ist, das meinem Leben (wieder) einen Sinn gibt.

    Finde ich vom Ansatz her sinnvoll, allerdings hier mal die Frage, ob Langzeitstudien, Kontrollgruppen etc aus den Ländern vorliegen, in denen es diese Programme schon länger gibt?

  5. mamajunaen schreibt:

    Ich finde dieses Projekt durchaus sinnvoll und stimme Anna voll zu. Mich würde an einer Langzeitstudie interessieren, ob diese Teenager als Erwachsene dann komplett auf Kinder verzichten. Eben wegen dieser Negativerfahrung plus den dann noch dazukommenden Bedenken, wie z.B. finanzielle, berufliche Gründe… Dann ginge der Schuß wohl eher nach hinten los.

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