Einige Links zur Schwangerschaftsgewichtsdebatte

von Lisa
Scan_bauch

(Collage: Fuckermothers)

Den Anfang (der aktuellen und medial wahrgenommenen Debatte) bildete der Text ‚Unguter Hoffnung‚ von Lara Fritzsche im ‚SZ-Magazin‘. Darin kritisiert sie weibliche Schönheitsideale, die zunehmend auch – als Frauen wahrgenommene – Schwangere betreffen, und problematisiert, dass es immer mehr Mütter mit Essstörungen gibt. Am interessantesten fand ich diesen Ausschnitt zu den vielen Widersprüchen der Verhaltensnormen: „Schwangere Frauen sind ja Empfängerinnen vieler verschiedener – sich zum Teil widersprechender – Rollenanforderungen. Neben schlank bleiben gilt es ja auch, dem Nachwuchs keine wichtigen Nährstoffe zu verweigern. Sie sollen alle vier Wochen zur Vorsorge bei der Gynäkologin, (…), sollen bei der Arbeit Bescheid sagen, wann sie wieder arbeiten kommen, sollen Gelder beantragen, Krippenplätze organisieren, nicht blöde rumglucken und immer schön fickbar bleiben. Aber, ganz wichtig, das Wunder annehmen, sich auch mal fallen lassen, die Weiblichkeit umarmen und ständig in sich reinhören. Eine liebevolle Mutter werden eben.“

Danach entstand der Hashtag #alsichschwangerwar auf Twitter, auf dem verschiedene Menschen ihre Schwangerschaftserlebnisse und damit verbundene Normen beschreiben.

Glücklich Scheitern‚ berichtet von ihren eigenen Erfahrungen und allgemeinen Gedanken zu ‚Körpern und Schwangeren‘. Dabei kritisiert sie auch einige Reaktionen auf Fritzsches Artikel, unter anderem Argumentationen, die „mit fraglichen definitionen von über- und normalgewichtig um sich werfen. oder frauen, die die schuld bei heidi klum und co. suchen, die kurz nach der geburt wieder mit schlanken körpern in die kamera lächeln. da mag ich  nicht mitmachen. für mich wird lediglich wieder mal deutlich: der körper einer frau ist nie ihre privatsache. der einer schwangeren erst recht nicht. die schuld bei denen zu suchen, die sich diesem diktat unterwerfen (beispiel heidi klum & co, aber auch den frauen, die aus angst vor den veränderungen vor einer schwangerschaft zurückschrecken) finde ich nicht weiterführend. so gar nicht. die mechanismen, die hinter diesen anrufungen und erwartungen an (schwangere) weibliche körper stecken stets bewusst machen und sich vor augen führen, das kann helfen. gegenseitige unterstützung statt bewertung, kritik an medialen, utopischen bildern und co – das wünsch ich mir mehr.“

In eine ähnliche Richtung geht auch der Beitrag von ‚Dr. Mutti‘ namens ‚ich habe heute keinen dummen Spruch für dich‚: „Models im Allgemeinen und Heidi Klum im Besonderen sollen dafür verantwortlich sein, dass Schwangere sich mit einer Vielzahl verunsichernder oder beleidigender Sprüche konfrontiert sehen? Kann das wirklich sein? An dieser Stelle sollte einem doch etwas faul vorkommen. Das Problem ist nicht Heidi Klum. Das Problem ist eine Gesellschaft, in der man sich herausnimmt, über Frauen und ihre Körper, und ganz besonders über schwangere Frauen und ihre Körper, zu reden, als wäre es ein öffentliches Ereignis, zu taxieren und zu bewerten, ungefragt Tipps zu verteilen, zu verurteilen, beschämen oder beleidigen. Vielleicht ist Heidi Klum ein Opfer dieses gesellschaftlichen Diskurses, vielleicht ist sie auch nur ein Profi, die ihren Beruf ernst nimmt und deshalb viel investiert, um ihr Kapital – ihren normschönen Körper – zu pflegen. Warum muss sie dafür verurteilt werden, von anderen, “normalen” Frauen? Auch Heidi Klum ist letztlich nur eine Frau, die mehrfach schwanger war, und die in und nach diesen Schwangerschaften Entscheidungen für sich und ihren Körper getroffen hat. Und diese sind zu respektieren – auch von anderen Frauen. (…) Es geht also nicht darum, ob eine Frau dick oder dünn ist. Es geht darum, dass das Privatsache ist und man sich einfach verkneifen sollte, ungefragt dazu Stellung zu beziehen.“

Auf ‚Umstandslos‚ berichtet Autorin Eva von zwei ‚Highlights‘ ihrer Schwangerschaft: „1. Mein eh schon unsympathischer Arbeitskollege, der mir erstaunt mitteilte, dass mein Bauch ganz schön dick ist. (Ach wirklich? Wäre mir gar nicht aufgefallen!) Und 2. der wildfremde Typ, der mir an der Bushaltestelle die Hand auf den Bauch legen wollte, und dabei seinem Freund erzählte, dass ihn das Wunder des Lebens immer wieder begeistert. (Nein, danke! Ich fass dir ja auch nicht an dein – sonst wohin, Arschloch!)“

Jerrys Welt‚ erzählt vom umgekehrten Phänomen, dem Wunsch zuzunehmen: „In der Schwangerschaft nahm ich knapp 12 kg zu, danach wog ich so 54 kg bei knapp 1,69 … ach Mensch glaubt mir  ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr.
Das Gewicht konnte ich aber leider nur  n halbes Jahr halten.“ Sie berichtet auch von einigen blöden Sprüchen, die sehr dünne Frauen oft hören müssen: „Es gibt die unterschiedlichsten Reaktionen. Der Klassiker ist jedenfalls ‚Ich wünscht ich hätte deine Figur!‘ Oder wenn ich sage das ich zunehmen möchte ‚Ich geb dir ein paar meiner Kilos‘ oder ‚Kindchen iss doch mal vernünftig‘ oder ‚Kein Arsch, kein Tittchen so flach wie Schneewittchen!‘ .. oder auch als ich letztes Jahr beim Orthopäden war wegen meinem Rücken, und der Arzt bin ich doch ehrlich darauf ansprach ob ich Magersüchtig sei (die Art und Weise war sehr unverschämt), zudem kommt das dies nicht das erste  Mal war.“

Was ich mich – auch durch ein Gespräch mit ‚AufZehenSpitzen‘ – allerdings schon länger frage ist, was es für Möglichkeiten des Umgangs es mit solchen blöden Kommentaren und Verhaltensweisen gibt. Was ist die beste Erwiderung, wenn einem die sympathische Kollegin das zweifelhafte Kompliment macht, man hätte bis auf den Bauch ja gar nicht zugenommen? Wie lässt sich im Alltag ab besten gegen die Auf-den-Bauch-Fasser_innen vorgehen? Und wie auf das nicht immer unbedingt neutrale Verhalten und ungewollte Einmischungen von Ärzt_innen reagieren?




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 13. Februar 2014 um 9:00 Uhr unter Körper, Medienkritik, Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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