Ein bisschen Sehnsucht …

von Anna

Vor so ungefähr zwei Jahren hatte ich Besuch von meiner Cousine. Die war damals 12 Jahre alt und ein fast fertiger Teenie. Bei einer der obligatorischen Shoppingtouren kaufte sie unter anderem das gerade erschienene neuste Buch einer bestimmten Reihe und außerdem das Hörbuch zum ersten Band. Ab da versank sie fast jede freie Minute in besagtem Wälzer. Natürlich wollte ich wissen, worum es in diesen Büchern ging. Vampirgeschichten seien das, meinte sie, und zwar sehr spannende.

Aufmerksame LeserInnen werden vielleicht ahnen, worum es ging: Richtig, dieser Cousinenbesuch war mein erster Kontakt mit der Twilight-Saga.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich lieh mir damals das Hörbuch aus, um einen Eindruck zu bekommen. Twilight war sowohl mir als auch den Menschen um mich herum völlig unbekannt. Meine Cousine hatte noch andere Teenager-Bücher dabei, bei denen es um Vampire und Liebe ging, ich meinte also einen neuen Trend zu erkennen. Ich selber habe sämtliche Grundschulfaschingsfeiern im Vampirkostüm verbracht, fremd war mir diese Welt also nicht. Nur bei mir hatte sich das alles dann recht schnell verwachsen, außer „Der Kleinen Vampir“ gab es nichts wirklich altersgerechtes zu dieser Zeit.

Jetzt, zwei Jahre später, ist Twilight wohl fast jedem und vor allem jeder ein Begriff! Das liegt natürlich auch an der Promo für den entsprechenden Film. Aber nicht nur. Denn es ist nicht der Film, der Freundinnen tagelang quasi nicht ansprechbar macht, es ist nicht der Film, der Kolleginnen in wilde Diskussionen in der Kantine ausbrechen lässt und es ist nicht der Film, der seitenlange Diskussionen in Internetforen – wohl gemerkt keine reinen Fanforen – hervorruft. Nein, es sind die Bücher, die im Moment reihenweise um mich herum verschlungen werden.

Obwohl ich sowohl eine Affinität zum Thema selber als auch zu leichter Unterhaltung habe, stehe ich sehr ratlos vor diesem Phänomen. Ich kenne nur den ersten Band und diesen auch nur als Hörbuch. Als ich jedoch bei amazon die empörten Rezensionen las, dass dieses leicht gekürzt sei, war ich ein wenig erleichtert, denn gegen Ende war ich dieser doch recht simplen Boy meets Girl-Story ein bisschen müde gewesen. Daran konnten auch die ganzen spannenden Abenteuerelemente nichts mehr ändern, sowohl sprachlich als auch von den Handlungssträngen her hatte ich zwar einen interessanten Einblick gewonnen, aber begeistert war ich nicht.

Ich fand es seltsam, dass Bella, die eigentlich als sehr klug und taff geschildert wird, immer wieder in „bitte rette mich“-Szenen geschrieben wurde, man fragt sich irgendwann, wie sie überhaupt 17 Jahre alt werden konnte ohne ein tödliches Unglück oder mindestens ein Leben im Rollstuhl. Dann Auftritt des starken und tapferen Helden Edward, der sie unerschrocken aus der Gefahr holt und natürlich hinterher eindringlich-väterlich ermahnt, besser auf sich aufzupassen. Bis zur nächsten Rettung. Szenen nach diesem Muster wiederholten sich immer wieder und das wohl auch in den anderen Büchern, wie mir in Blick in die Zusammenfassungen verriet. Natürlich verlieben sich Edward und Bella, Bella will mehr als nur Händchenhalten, doch Edward, der unnahbare Held, muss stark bleiben. Ja, nicht mal richtig küssen kann er sie, aus Angst, sich nicht „beherrschen“ zu können. Dies ist in meinen Augen allerdings ein guter Kniff der Mormonin Stephenie Meyer: Denn die Frage „Sex vor der Ehe“ stellt sich so gar nicht, aus Edwards Angst heraus, im Überschwang der Gefühle die Kontrolle zu verlieren. Bella, das unvernünftige, höchst emotionale Ding, möchte jedoch nichts mehr, als gebissen werden, aber der gewissenhafte Edward widersteht. Natürlich. Die Leserin „Bidisha“ nennt in einer Onlinerezension auf independent.co.uk den letzten Teil der Reihe „sick-makingly sexist“.

So weit, so schön das Teenie-Buch. Was aber macht die Faszination dieser Bücher für erwachsene Frauen aus? Was bringt gestandene Endzwanzigerinnen (und nach den amazon-Rezensionen auch diverse Mütter) dazu, sich mit Bella zu identifizieren („Bidisha“: „Bella Swan lives to serve men and suffer”) und wenigstens ein paar Tage lang ein wenig für Edward zu schwärmen? Der einzige Unterschied zu Millionen Teenagern scheint nur zu sein, dass diese sich wohl kaum so explizit ausmalen, was sie alles mit Edward machen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten…

Ist das nur Eskapismus? Oder haben wir, allem Feminismus zum Trotz, in uns doch eine tiefe Sehnsucht nach einem Beschützer, einem, der immer da ist, um uns – im Wortsinne – aufzufangen? Der immer das richtige tut und sagt, uns körperlich und charakterlich überlegen ist und das auch immer wieder demonstriert? Nach einem, der vernünftig genug für uns beide ist, so dass wir emotional und unvernünftig sein dürften und der nebenbei noch total geheimnisvoll ist, ein Mann, den man erstmal „knacken“ muss? Wenn nein, woher kommt diese Begeisterung dann? Und wenn ja, sagt das nicht mehr über unsere Emanzipation aus als das jahrelange Emma-Abo?

Mädels, erklärt’s mir bitte!

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Bonustrack




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Eintrag geschrieben: Montag, 16. Februar 2009 um 18:39 Uhr unter Kultur, Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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40 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Bei den Müttern dachte ich bislang immer, dass das der perfekte Schwiegersohn sei, weil eben ungefährlich und dennoch in der Lage, die Tochter zu beschützen. Bei Teenies ebenso ein schönes Schwarmobjekt, das immer da ist und perfekt, aber keine Ansprüche hat, nicht mal Sex fordert, also wirklich voll für die Phantasie da ist.

    Bei normalen Frauen aber… vielleicht wollt ihr ja alle insgeheim Männer, die im Sonnenlicht funkeln?

  2. Lune sagt:

    Ich weiß auch nicht was es ist- aber ich habe das Buch innerhalb von einer 6 stündigen Zugfahrt verschlungen und habe es seit dem noch mehrmals gelesen.
    An sich finde ich aber, dass es gar nicht so sehr um dieses dauernde „retten“ geht, sondern das es einfach eine schmachtende Liebesgeschichte ist.
    (Die anderen drei Bände fand ich aber nicht so gut, bzw. dann doch etwas sehr extrem.)

  3. Cher sagt:

    Das mit dem Funkeln, dass isses. *sparkleboytoy* Und Robert Pattinson, der hat den Snukligkeitsfaktor.

    Irgendwie muss man ja aus dem auslaufenden Harry Potter Hype Kapital schlagen.
    Dass sich so viele (erwachsene) Frauen mit Bella identifizieren können liegt, denke ich daran dass die zum Weibchen erzogen wurden/werden und sich selber gar nicht zu trauen sich zu verteidigen, sondern lieber den starken Arm des Mannes/Vampires um sich gelegt wissen, jederzeit bereit sich vor sie zu werfen.

  4. greta sagt:

    Und wie wärs mit alles überwindender, absoluter, bedingungsloser Liebe? In einer Zeit, in der alle so individualisiert, so entscheidungs- und umentscheidungsfrei sind wie der unseren, gehen die Sehnsüchte eben in Richtung Gemeinsamkeit und vor allem Verlässlichkeit. Sicher sein, gewollt zu werden. Sicher sein, was (oder wen) man will. Wünschen wir uns das nicht alle? heimlich wenigstens, ein bißchen? Und dann noch mit einer Prise Fantasy, damit man sich nicht mit den öden diesseitigen Problemen rumschlagen muss. Mal im ernst, da kann ein Buch noch so mittelgut geschrieben, noch so fragwürdig in seiner Botschaft sein. Das zieht dann eben trotzdem. Sogar bei Emmaleserinnen.

  5. Lara sagt:

    Meine Bekanntschaften mit Twilight beschränken sich in etwa auf das, was ich von Harry Potter mitgenommen habe und ich glaube, dass man hier auch den Vergleichspunkt setzen sollte. Grundsätzlich würde ich behaupten, dass die Anziehungskraft vor allem in Bewegung und Stille liegt, d.h. in dem Wechselspiel von permanenter Bedrohung und dem Wissen um Sicherheit, bzw. Beherrschung (davon abgesehen: die literarische Fähigkeit es so umzusetzen, dass es nicht ganz so platt herüber kommt). Das ist im Grunde genommen das Schema jeder „Superheldan“-Geschichte wir wissen und man sollte sich genau anschauen, wann Superheldengeschichten Konkunktur haben, nämlich meistens wenn Menschen auch ein erhöhten Bedarf an Sicherheit haben (gemeint sind Geschichten mit Charakteren die das Geschehen überblicken und jede noch so schwere Situation überstehen; wir wissen, dass sie siegen, wir wissen nur nicht wie, so kann Sicherheit und Spannung koexistieren).
    Ich habe deshalb bedenken, dass es hier vor allem um die Identifikation mit den Charakteren geht. Ich habe mich auch nicht mit Harry Potter identifiziert und trotzdem die ersten drei Bände mit Begeisterung gelesen. Dass von Seiten dos Autora in solchen Fällen nicht selten auf Klischees zurückgreift muss auch nicht verwundern, denn viele Lesa haben gar kein großes Interesse etwas revolutionär Neues zu lesen (ich sage bewusst „lesen“ – denn das Schema Mann rettet Frau ist eben ein sehr bekanntes im Diskurs der Belletristik).
    Ich finde daher, man sollte nicht zuviel in das Buch interpretieren. Am Ende ist es eher ein Harryp Potter Abklatsch, der funktioniert, weil die Leute „weiterlesen“ wollen. Aber nungut, ich habe nur reingelesen und kann daher kein wirkliches Urteil darüber abgeben.

    Zwei Sachen vielleicht noch: Wenn ich das richtig sehe handelt es sich nicht um eine offizielle Rezension des Independent, sondern einen Beitrag eines Mitglieds der Onlinegemeinde. Falls ich das richtig sehe, wäre ein entsprechender Vermerk gut, ansonsten ist das etwas verwirrend (ich war zumindest verwirrt solche Formulierungen beim Independent zu lesen).

    „Ist das nur Eskapismus? Oder haben wir, allem Feminismus zum Trotz, in uns doch eine tiefe Sehnsucht nach einem Beschützer, einem, der immer da ist, um uns – im Wortsinne – aufzufangen?“

    Vielleicht sollte man konsequenterweise im Stile des Satzes weiter oben…

    („Jetzt, zwei Jahre später, ist Twilight wohl fast jedem und vor allem jeder ein Begriff!“)

    …auch hier von „einem Beschützer bzw. einer Beschützerin“ sprechen. Ich meine, es geht hier vorrangig um Sicherheit, nicht um den Mann.

  6. Anna sagt:

    Lara, danke für den Hinweis, ich check das gleich nochmal mit The Independent.
    —————–
    Du scheinst Recht zu haben… Ich hatte das bei Wikipedia gefunden (wo auch steht „The Independent“ in einer Reihe mit anderen „offiziellen“ Besprechungen) und habe mir zwar den Originalartikel natürlich noch durchgelesen, aber das „außenrum“ wohl zu wenig beachtet. Bei Bidisha scheint es sich wirklich mehr um einen Nick denn ein Redaktionsmitglied zu handeln. Sorry dafür, ich änder das gleich mal noch.

  7. Matze sagt:

    Es ist auch denkbar (bis wahrscheinlich), dass es sich bei „Bidisha“ um die in den Kommentarforen kontrovers diskutierte Bidisha aus dem guardian handelt.

    Siehe zum Beispiel hier zum Twilight-Film.

    Und irgendwo im online-guardian war auch ein Artikel darüber, warum selbst Feministinnen für *den* Inbegriff des patriarchalen Mannes, nämlich Fitzwilliam Darcy, schwärmen.

    Was uns zur Frage bringt: Ist Edward Cullen der neue Mister Darcy?

  8. Matze sagt:

    Falls jemand den Darcy-Artikel lesen möchte:

    Hier ist er.

    Und noch ein Nachtrag: Sind die eigenen sexuellen Fantasien, auch wenn sie beinhalten, von einem „starken Mann“ beschützt oder unterworfen zu werden, nicht eigentlich egal für den eigenen Feministinnenstatus?

  9. katha sagt:

    wobei mr darcy der eindeutig interresantere mann ist ;), ich weis ehrlich gesagt nicht was an edward mit seinem ewigem pflichtbewußtsein und seiner klammerei so toll ist (es gibt übrigens auch durchaus interressantere vampire) mal von den etwas merkwürdigen moralvorstellungen von frau meyer ganz abgesehen, und ich wollte auch keinen edward als schwiegersohn, weil ich nicht wollen würde dass sich meine tochter so unterdrücken läßt.

  10. Lune sagt:

    Aber wo wird Bella denn unterdrückt?
    Ich muss ein ganz anderes Buch gelesen haben, denn wie ich es gelesen habe setzt sie am Ende irgendwie doch immer ihren Kopf durch. :D

  11. katha sagt:

    ja aber was muss da jedesmal erst passieren, ich sag nur ’nein werwölfe sind zu gefährlich‘

  12. jj sagt:

    Anna,

    ich antworte jetzt mal als Mädel ;)

    „Natürlich verlieben sich Edward und Bella, Bella will mehr als nur Händchenhalten, doch Edward, der unnahbare Held, muss stark bleiben. Ja, nicht mal richtig küssen kann er sie, aus Angst, sich nicht „beherrschen“ zu können.“

    Ist doch das klassische Argument potentieller männlicher Soziopathie, ausgelöst durch weibliche sexuelle Trigger, das von Konservativen Philosophen, Mullahs und (mit einem Umweg über „the personal is political“) von Radikalfeministinnen vertreten wird. Männliche Sexualität wird von beiden Lagern als proto-gewalttätig problematisiert, die Unterschiede liegen nur in den Mechanismen ihrer sozialen Kontrolle. Wie heißt es so schön im Tanz der Vampiere – „Die unstillbare Gier“.

    „Ist das nur Eskapismus? Oder haben wir, allem Feminismus zum Trotz, in uns doch eine tiefe Sehnsucht nach einem Beschützer, einem, der immer da ist, um uns – im Wortsinne – aufzufangen?“

    Ich denke, da gibt es eine einfache, und eine Reihe komplexer Antworten: Die einfache – ja. Die Essenz von Männlichkeit wird von Frauen in dem Buch des Brigitte Chefredakteurs auf die Formel „Wir müssen uns bei Euch sicher fühlen können – und das kriegt ihr nicht mehr hin“ reduziert. Frauen suchen Männer, die größer sind als sie, starke Männer, die ihre wenn auch zivilisatorisch irrelevant gewordene relative physische Verwundbarkeit schützen. Die komplizierteren Antworten sind eben komplexer und beinhalten, daß das in verschiedenen Varianten letztlich eben auch für Männer gilt. Wir suchen doch genau so jemanden, bei dem wir uns fallen lassen können, wenn sich das auch eher nicht auf den Sicherheitsaspekt bezieht.

  13. Schnatterinchen sagt:

    „Sind die eigenen sexuellen Fantasien, auch wenn sie beinhalten, von einem “starken Mann” beschützt oder unterworfen zu werden, nicht eigentlich egal für den eigenen Feministinnenstatus?“

    So wie ich Feminismus und Emanzipation verstehe, gibt es da keine Interferenzen. Ich muss mir als Frau mein Wahlrecht ja nicht erst durch eine bestimmte Verhaltensweise „verdienen“, das wär ja noch schöner. Der Sinn von Menschenrechten besteht doch darin, dass sie für alle Menschen gelten, egal wie diese aussehen oder was sie in ihrer Freizeit treiben.

  14. Cassandra sagt:

    Zu der „Nicht-beißen-Sache“; Vielleicht ist es ja auch so, dass der junge Vampir Angst vor dem Beißenbeim Küssen hat, weil er fürchtet, Bella könnte emanzipiert – da als Vampirin gleich an Kraft und Schnelligkeit – sich von ihm Abwenden.
    Klar; eine Vampirin braucht keinen väterlichen Beschützer und ihre Beziehung wäre gleichgestellt. Oha, das wäre des Grauen des jungen Vampires *hehe*.

  15. Sonnenschein sagt:

    Ich war im Kino, natürlich fasziniert von den beiden schönen Menschen. Doch, ich wurde das Gefühl nicht los, dass hier das alte Thema von Vampirismus, den Frauen gegenüber sehr deutlich zum Ausdruck kam, und, die Autorin sich einen „standhaften“ Jüngling/Retter zusammen fantasierte.
    Nicht nur meiner Generation suggerierten die Eltern, den „besseren“ Schwiegersohn, gleichgültig, wie dieser in seiner Emotionalen Intelligenz entwickelt ist/war!
    Mit Erschrecken sehe ich die Begeisterung als Rückschritt, was unsere Emanzipation angeht.

  16. Schnatterinchen sagt:

    Sonnenschein: „Mit Erschrecken sehe ich die Begeisterung als Rückschritt, was unsere Emanzipation angeht.“

    Das heißt, ich kann als Frau nur dann „richtig“ emanzipiert sein, wenn ich meine sexuellen Phantasien einer Selbstzensur unterziehe?

  17. Sonnenschein sagt:

    @Schnatterinchen: Schöne Fantasien!

  18. A.M. sagt:

    Hm… Als Mann war es mir immer vollkommen wumpe, das Buffy ständig ihren Freund retten musste… Aber wahrscheinlich bedarf dazu einfach Souveränität.

  19. Schnatterinchen sagt:

    Sonnenschein, was heißt „Schöne Fanatasien!“ Dass Du sie blöd findest, oder? Ist das jetzt eine Bestätigung meiner Vermutung, dass ich aus Deiner Sicht als Frau nicht emanzipiert sein kann, wenn ich bestimmte Tagträume habe?

  20. Matze sagt:

    A.M.: Nur, um Missverständnissen vorzubeugen: Du meinst ihren *platonischen* Freund Xander, oder?

  21. Ungeheuer sagt:

    Vermutlich ist Xander gemeint, und da gerade Buffy ins Spiel kommt..
    dieser mysteriöse unnahbare Typ Eward…wurde doch gerade in Buffy schon ein mal in der Rolle von Angel komplett durchgespielt…(und bekam dann ja sogar nen miserable Spinoff..)…

    Es gibt auch eine Folge von „target woman“ die sich mit dem Twilightgedöns befasst:
    http://current.com/items/89591135/sarah_haskins_in_target_women_vampires.htm

  22. Anna sagt:

    Ungeheuer, klick mal auf den Bonustrack oben :)

  23. ungeheuer sagt:

    Ui..was sehen meine verschrumpelten Augäpfel–das hab ich in der tat übersehen..

  24. Kathi sagt:

    @A.M. – nein, das hat mit Souveränität nix zu tun, sondern damit, dass Geschichten, in denen Frauen dauernd Männer beschützen müssen, sehr, sehr rar sind, die umgekehrte Variante aber häufig wie Sand am Meer und deshalb schon allein wegen der Frequenz viel mehr auf den Wecker geht.

    Ich will ja hier bei Gott niemandem seine Sexphantasien madig machen (Sexphantasien sind ja in den seltensten Fällen komplett unproblematisch), aber immer nachher kritisch reflektieren, bitte.

    Kein Problem, wenn jemand gerne über Bella liest, so lange sie dann nicht zum Role Model wird. Und es ja nun auch nicht so, dass das Liefern von Role Models die einzige Funktion von Geschichten wäre.

    Die Diskussion, warum Bella kein Role Model sein sollte, finde ich aber schon wichtig. Ich glaub nämlich schon, dass das für manche Leserinnen nicht ganz so klar ist.

  25. Sonnenschein sagt:

    @Kathi: Was Geschichten anbelangt, ist Dein Erkennen richtig, aber im „realen“ Leben retten – ohne Anführungszeichen – viele Frauen, gleichgültig welchen Standes, ihre Männer und zwar in den verschiedensten Variationen. Fantasiegeschichten darüber sind nicht en vogue! Könnte vielleicht das Sytemimage, Männlichkeitsimage, auch von Seiten der Schriftstellerinen ankratzen?
    @Schnatterinchen: Habe überhaupt nicht gegen Fantasien jeglicher Art – nur – wie Kathi sehr treffend schreibt, sind diese genauesten zu reflektieren. Unser Dasein hat doch auch noch sehr viel mit nicht reflekierter Erziehung zu tun!

  26. x sagt:

    @Anna, Ungeheuer
    — ich finde den Bonustrack nicht… HILFE!

    und weiss zufällig irgendwer, wieso der letzte Teil „sick-makingly sexist“ ist? Ich bin neugierig, aber nicht neugierig genug, das Lesen zu wollen….

  27. Anna sagt:

    x, ganz oben unter meinem Text, da steht „Bonustrack“, das ist ein link zu der Target Women Folge, die Ungeheuer ebenfalls verlinkt hat.

    Wegen deiner andereren Frage hilft dir vielleicht die Zusammenfassung in der englischen Wikipedia weiter?

  28. Andreas sagt:

    ..das ausgerechnet dieser regressive bible-belt-Schmarrn hier ‚diskutiert‘ wird, wundert mich am allerwenigsten.

  29. x sagt:

    Danke, Anna!

    War ein Missverständnis…. habe ca. 20 Minuten auf der target women Seite vergeblich nach einem Bonustrack geklickt…. dachte es bezog sich auf einen Bonustrack von Sarah H. und wollte den nicht verpassen (*blush)

  30. SoE sagt:

    @ Andreas: Die Frau ist nicht aus dem bible-belt, sondern Mormonin. Machts nicht besser…

    Irgendwo hat schon mal jemand auf eine Rezension einer ehemaligen Mormonin verlinkt, die darin all die Klischees und das Frauen/Männerbild der Religion erkannt und zerpflückt hat. Ist wahrscheinlich der unterhaltsamste Weg, sich Twilight zu nähern.

  31. MaxFragg sagt:

    Darf ich?

    Okay, hier wurden zwar die mädels gefragt, aber mann kann diese bücher auch lesen, also will ich nun mal meine sicht der dinge schildern.

    Im grunde ist es doch einfach, was wir hier haben ist eine hippe version von rosamunde pilcher, denn das, was liebesgeschichten früher oder in einschlägiger kitschliteratur so einfach machte und die leser dennoch bindet ist immer ein motiv, die standesschranken, auf welcher seite hierbei die frau steht ist im grunde doch unerheblich (zumindest meiner meinung nach), entscheidend ist, dass Edward als Vampir im grunde die rolle des adeligen inne hat, mit all dem altmodischen das dort mitschwingt, und das ihn soviel interessanter macht als einen 08/15 bonzen.

    Dass ist natürlich ein seltsames erfolgsrezept und ich ermutige alle es blöd zu finden, aber dennoch unterhält mich das zweite buch zur zeit recht gut ;-).

    ach und Edward kann auch für mich keine identifikationsfigur sein, also die geschlechterrollen bitte nicht zu ernst in der story nehmen, umgekehrt würde sie genau so funktionieren

  32. A.M. sagt:

    Eben. Außerdem glaube ich nicht, dass irgend jemand Bella als Role Model nimmt. Man kann doch auf den männlichen Protagonisten stehen, ohne gleich sein zu wollen, wie die weibliche Protagonistin, oder?

    Und nein, ich meinte nicht nur Xander – falls sich noch jemand an Riley, den muskelbepackten Versager erinnert…

  33. illith sagt:

    wer sich der twilight-thematik noch mal von anderer seite nähern will: hier entlang (bilder rechts und unten).

    disclaimer: es wird davon abgeraten, irgendwelche links auf der seite zu klicken, wenn man ein normal-sensiblen mensch ist. (srsly)

  34. Cher sagt:

    „Eben. Außerdem glaube ich nicht, dass irgend jemand Bella als Role Model nimmt. Man kann doch auf den männlichen Protagonisten stehen, ohne gleich sein zu wollen, wie die weibliche Protagonistin, oder?“

    Sicher, man kann alles.
    Wenn ich allerdings an mich und meine Freundinnen mit 13/14 denke hätten wir bestimmt die ein oder andere Sache aus Twilight in unser RL mitgenommen.
    Dann hätte ich jetzt vielleicht einen bevormundenden Stalker als Partner und wäre selbst eine ziemlich neurotische Kuh.

  35. Kathi sagt:

    @ Illith’s Link:

    Ich würde nicht nur vom Anklicken der weiterführenden Links abraten, sondern durchaus von der Seite an sich: Man kann Twilight ja so viel kritisieren wie man will (ich les üblicherweise die Verisse mit Genuß), aber so dann lieber bitte wieder nicht.

    Auszug:
    „All of Meyers photos try to hide how overweight she actually is. Maybe if she spent some time jazzercising and less time writing vampire fanfiction, her husband would actually touch her and she wouldn’t have to dream about Edward fucking Bella all day long.“

    Die Autorin damit anpatzen wollen, dass sie angeblich übergewichtig sei?
    Den männlichen Hauptdarsteller als Faggot bezeichnen?

    Selten sowas Mühsames gelesen – krampfhaft edgy und sehr, sehr unlustig. Twilight ist eine so dankbare Zielscheibe, hier beim Spotten zu versagen – dazu gehört schon einiges.

    Da fühlt man sich ja fast schon wieder bemüßigt, die Bücher in Schutz zu nehmen. So problematisch diese Phantasien, die hier bedient werden, auch sein können, sie sind dennoch legitim und verdienen durchdachtere Kritik und witzigere Parodien.

  36. Ich denke, Phantasien jeglicher Art müssen ernst genommen werden. Reflektiert werden aber nicht unbedingt problematisiert werden.

    Die Thematik des Vampirs kenne ich eher aus den Büchern von Anne Rice und Laurell K. Hamilton. Ich habe immer persönlich das Gefühl gehabt, dass Vampire „Männlichkeit“ im wahrsten Sinne des Wortes potenzieren. Ich kann es mir nicht genau erklären, aber auf mich haben sie immer die Wirkung von Phallen auf 2 Beinen. Kann aber auch viel eigene Interpretation sein. Jedenfalls ist da eben die starke körperliche Überlegenheit, die physischen und psychischen Kräfte, das fabelhafte Aussehen, die Erfahrung und das Wissen, welches man sich über Jahrhunderte hinweg aneignet, plus des höflichen Verhaltens vergangener Zeiten. Gut, persönlich stehe ich nicht darauf, aus der Jacke geholfen zu kriegen etc. aber das hat viele Fans und bei einem Überkerl würde ich da zumindest beim ersten Date drüber hinweg sehen.

    Nunja, der Vampir ist aber nicht nur kultiviert und hübsch auszusehen, nein, er ist auch noch eine Bestie. Er ist der liebevolle Totschläger, der Menschen reißt, auch uns reißen könnte, es aber nicht tut, weil er uns mag. Und doch ist er gefährlich. Er kann uns beschützen, er kann uns weh tun. Wir spielen mit der Gefahr. Klingt wie Abenteuer ohne Ende…

    Und da gibt es dann diesen Edward, der im Grunde die domestizierte Version von oben genanntem ist. Doch wie das bei wilden Tieren so ist, auch wenn sie gezämt sind, sind sie nicht minder gefährlich. Ich glaube es ist auch dieser Kontrast, der Thrill, der die Edward-Geschichte zumindest vielen kleinen Mädchen schmackhaft machen kann.

    Ob das gut oder schlecht ist, alles, weiß ich nicht. Ich denke, solange man Realität und Fiktion unterscheinden kann, darf es auch erlaubt sein, von Vampiren, Piraten, Raubrittern und ähnlich gefährlichen Kerlen zu träumen.

  37. illith sagt:

    @kathi:
    daher verwies ich ja auch extra auf diverse cartoons, karikaturen und bilder auf der seite zum thema (die ja nicht von den urheberInnen der site selbst stammen).

  38. MI sagt:

    Ich zitiere mal aus dem Buch:

    [Bella zum Lover]
    »Ich gebe es gerne zu, dass ich nicht viel Erfahrung mit Beziehungen hab«, sagte ich. »Aber ich finde es falsch … wenn ein Mann und eine Frau einander nicht ebenbürtig sind. Es kann nicht immer der eine sein, der plötzlich auftaucht und die andere rettet. Sie müssen sich gegenseitig retten können.«

    Wo bitte beißt sich das mit der Femi-Einstellung? Es untermauert sie doch geradezu!

    Ganz offensichtlich ist der Authorin des Beitrages zum Buch, indem sie übrigens bemerkenswert flehentlich versucht Feminismus und eigenen Willen derart zu verknüpfen, als sei eine gewisse gegenseitige(!) Abhängigkeit von Männlein und Weiblein verwebt und als absolut nicht duldbar darstellt (und wenn dann müssten die Frauen wenigstens lenkend sein) exakt diese Passage im Schnellleseverfahren durchgerutscht. Sie entspricht nämliuch genau ihrer Intention.

    Nunja, der geneigte Leser mag sich seinen Reim drauf machen.

    Warum ausgerechnet die Generation Frauen (und nicht Harry-Potter-Fans, auch wenn es für sie die Empfehlung gab diesen Schmachtkram zu lesen) diesen Büchern „zu Füßen liegt“: es erinnert sie an ihre erste Liebe, die sie fast ebenso abgöttisch liebten und darin nun ein aufwärmen alter (verschütteter? – in dieser derzeit rauen Welt) Emotionen darstellt. Einer Welt, als sie noch nichts mit Geschlechterkrieg oder Feminismus am Hut hatten, soindern einfach verzaubert waren von der ersten Liebe. Wie heranwachsende Männer übrigens ähnlich, wer das Buch aufmerksam liest bemerkt das.

    Manchmal sind Antworten so einfach.

    Gruß
    MI

  39. […] zu beobachten, dass die subtile zersetzende propaganda, die von „twilight“ ausgeht, zu verwirrung und unangebrachter selbsthinterfragung führen […]

  40. […] Eskapismus: Ein bisschen Sehnsucht […]