Ein argentinischer Quilt

von Barbara
Dieser Text ist Teil 11 von 20 der Serie Die Feministische Bibliothek

Ein wirklich schönes Buch, der erste Roman von Maria Cecilia Barbetta, “Änderungsschneiderei Los Milagros” (S. Fischer, 2008). Es erzählt die Geschichte einer jungen Argentinierin, Mariana Nalo, die in der Änderungsschneiderei ihrer Tante arbeitet. Maria, begeistert verliebt in ihren Freund Gerardo, ist Feuer und Flamme für eine neue, junge Kundin, die das Hochzeitskleid ihrer Mutter für die bestehende umarbeiten lässt. Dann kommt eine überraschende Wendung.

Das Buch ist unendlich liebevoll gestaltet; jedes Kapitel wird durch eine Illustration erweitert, die mit Jefferson Starships Song “White Rabbit” zu tun haben oder mit Schnittmustern und Stoffproben. Auch mit der Typografie wird gespielt, manchmal sind die Sätze wie in Gedichtform gesetzt, manchmal erinnern sie an Comics.

Die Argentinierin Barbetta, die Deutsch als Fremdsprache studiert hat, hat den Roman auf Deutsch geschrieben. Es ist eine erstaunlich dichte Sprache, die sie gewählt hat, so reich an Bildern, dass sie manchmal richtig trunken macht. “Patchwork-Roman”, nannten einige Pressestimmen das Buch. Auf den Erlanger Poetentagen saß sie neben mir und Ulrike Draesner auf einem Podium zum Thema “Junger Feminismus”.

Sie habe die letzten drei Jahre aufgrund der Arbeit an ihrem ersten Roman quasi in einer Höhle verbracht, erzählte Barbetta. Als sie über die Zeitungen von dem neuen Feminismus erfuhr, “fremdelte” sie mit all dem. War ihre feministische Sozialisierung doch über Freundinnen gekommen, die Gender Studies studiert hätte und ihr die “zweite Welle” der Frauenbewegung nahe gebracht hätte. Die neue Welle, die sich cool, schlau und sexy bezeichnet, wäre ihr fremd. Vor allem, da es in ihrer Heimat Argentinien nicht einmal eine erste Welle gegeben hätte: Katholizismus und Militärdiktatur bis in die Achtziger seien da wohl hinderlich gewesen.

Durch dieses “Höhlige”, das Barbettas Leben in den letzten Jahren ausgezeichnet hat, lässt sich ihre besondere Sprache noch mehr verstehen. Sie wählte für ihren Roman die Worte einer Kunst-Sprache, keiner gesprochenen Sprache.

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