Die Quote in der EU

von Franziska

Salut,

die Diskussionen um eine verbindliche Frauenquote in den Chefetagen der Unternehmen reißen nicht ab. Im Frühjahr/Sommer 2010 bricht die Telekom ein Tabu und führt eine Frauenquote in Führungspositionen ein. Man hätte das noch als Werbestrategie um weibliche Kunden abtun können.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Doch mittlerweile haben Eon, Bosch, Daimler und BMW nachgezogen. Dann spricht sich im Juni 2010 die Justizministerkonferenz für eine Frauenquote in Führungs­positionen aus. Und was macht die Bundesregierung? Sie will bis 2012 prüfen, wie weit die Gleichstellung von Männern und Frauen in Führungspositionen vorangekommen ist. Bis dahin setzt sie auf die Selbstregulierung des Marktes und freiwillige Verpflichtungen. Inzwischen haben Norwegen, Spanien, Frankreich und die Niederlande erfolgreiche Quoten – wie lange will Deutschland noch dieser Entwicklung hinterherhinken?

Während sich unsere Ministerinnen Schröder und von der Leyen nicht einigen können und Angela Merkel sich klar gegen eine Quote ausgesprochen hat, scheint es auf europäischer Ebene langsam aber sich voran zu gehen. Am 1. März hat sich Justizkommissarin Viviane Reding mit den Vorständen der größten börsennotierten Unternehmen in der EU (u.a. BASF, Guerlain, Dexia, Strabag…) getroffen und diese aufgefordert, bis zum 8. März 2012 ein „Frauen-in-die-Vorstände-Versprechen” zu unterzeichnen, durch das sich die Unternehmen selbt verpflichten, auf freiwilliger Basis den Anteil von Frauen in ihren Vorständen zu erhöhen.

Dies soll vor allem dadurch erreicht werden, dass ausscheidende Vor­stands­mitglieder durch qualifizierte Frauen ersetzt werden. Sollten bis zum Stichtag im März nächsten Jahres nicht genügend Unternehmen dieses Versprechen abgegeben haben, wird Reding nach eigener Aussage eine ver­bindliche Quote durch EU-Vorschrift einführen. Diese soll 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 betragen.

Und auch Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier hat jetzt einen Vorschlag vor­gelegt. Am 5. April veröffentlichte die Europäische Kommission ihr Grünbuch zu „Corporate Governance“, in dem Barnier die Unternehmen auffordert, Führungs­positionen großer europäischer Unternehmen mit Personen aus verschiedenen Nationen, geeigneten beruflichen Fähigkeiten sowie gleichmäßig gemischt mit Männern und Frauen zu besetzen.
Weiblichere Chefetagen erhöhten die „kollektive Intelligenz“, so Barnier. Zudem sei es an der Zeit, den einseitig männlichen Führungsstil mit weiblichen Eigenschaften zu modifizieren. Auch das sei eine Lehre, die Europa aus der Finanz- und Bankenkrise ziehe.

Bis zum 22. Juli dieses Jahres hat nun jede_r Gelegenheit, Vorschläge zum Grünbuch einzureichen.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 27. April 2011 um 9:00 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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17 Kommentare

  1. Verena sagt:

    Der Link zum pdf. funktioniert noch nicht. Franziska liefert den im Laufe des Tages noch nach und wir bauen ihn dann schnell ein.

  2. LLaura sagt:

    Die Telekom hat damit tatsächlich vor allem Marketing gemacht. Die Allianz hat sich das gleiche 30%-Ziel schon in 2008 gesetzt.
    Leider muss man bei beiden daran zweifeln kann, dass sie das auch wirklich hart durchziehen solange keine echten Sanktionen drohen.
    Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

  3. black sagt:

    Zur Telekom folgender Interessanter Artikel:

    „Das Quoten-Fiasko“

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,748411,00.html

  4. black sagt:

    Ob die Frauenquote in Norwegen tatsächlich „erfolgreich“ war, ist übrigens stark umstritten. Viele Unternehmen haben ihre Rechtsform geändert um die Quote zu umgehen.

    Ausserdem werden – um die Quote mathematisch zu erfüllen – viele Aufsichtsratssitze jetzt von sehr wenigen Frauen gleichzeitig besetzt. Für das Phänomen hat (laut Medien) sich das Wort „Goldröcke“ eingebürgert.

    http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E20CD2F73B7EF4ECCBD2155EEA6924E00~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  5. elektrosmog sagt:

    Das Lieblingsbuch aller Feministinnen ist „Die kleine Raupe Nimmersatt“ :P

  6. Name (notwendig) sagt:

    @ black: Ist Herr Merz für Dich auch ein Goldrock? Wenn nein, warum nicht?
    http://www.heise.de/tp/artikel/23/23170/1.html

  7. LLaura sagt:

    Lieber black,

    das ist nicht umstritten, das wird von einigen Erzkonservativen mit verdrehten Argumenten bezweifelt.
    Die Änderung der Rechtsform von einigen wenigen Unternehmen geht auf eine gleichzeitige Änderung im schwedischen Aktien-Gesellschaftsrecht einher. Die Bezog sich meines Wissens auf die Buchführung und Veröffentlichungspflicht. Einfach googeln.
    Mittlerweile hat sich die Frauenquote in Spitzenpositionen auch bei den nicht öffentlichen (also nicht betroffenen) Unternehmen fast an die gesetzliche Quote angeglichen. Einfach mal googlen.
    Wie Name schon klar machte, haben in allen Ländern mit ähnlichen Wirtschaftsstrukturen einzelne Personen mehrere Aufsichtsratsmandate inne.
    Einfach mal googeln.

    Ich finde daher Goldrock ein tolles Kompliment!

  8. miri sagt:

    @elektrosmog: Das Lieblingsbuch aller Feministinnen ist „die Hälfte der Welt“ !!!!
    Und nein, bis wir das erreicht haben sind wir nicht satt und auch nicht leise.

    Mich nervt langsam nur diese ganze behelfsargumentation. Las gerade, ich glaube es war in der SZ
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/frauen-auf-dem-arbeitsmarkt-gezwungen-zur-teilzeit-1.1090041

    einen Artikel darüber, dass viele Teilzeitfrauen mehr arbeiten wollen würden wenn sie könnten, und dass da ein großes Potential läge um was gegen den Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt zu tun. Fazit:
    „Das Forschungsinstitut räumt jedoch ein, dass es schwierig sei, die Wünsche in diesem Umfang umzusetzen. Außerdem sei eine flächendeckende Kinderbetreuung nötig, damit sich Frauen im Beruf stärker engagieren könnten“

    Und hier nun die Begründung „weiblicherer Fürhrungsstil“, höhere „kollektive Intelligenz“… alles schön und gut, aber ich finde es völlig legitim zu sagen: Nicht, weil dadurch irgendwas intelligenter oder besser wird, oder „wir lassen die Frauen mitmachen, wenn wir gerade mal wieder Fachkräfte suchen“, NEIN:
    Weil es das Recht der Frauen ist. Und weil Kinderbetreung höchstens zu 50% Frauensache sein sollte.
    Her mit der Quote. Her mit besserer Kinderbetreuung. Mehr Väter an die Wickelfront.
    Das, was uns zusteht. Nicht mehr, nicht weniger, liebe Raupe Nimmersatt!

  9. Leider verstehen viele (Männer) noch immer nicht, dass Gleichberechtigung ein Gradmesser der Modernität von Staaten und Organisationen ist. Der Wiener Soziologe Peter Jedlicka hat unlängst ein Paper dazu veröffentlicht („Gender Balance“ – mit Google leicht zu finden).

    K.Weghaupt

  10. black sagt:

    Liebe Llaura,

    auch eine Ansicht, die angeblich „nur von Erzkonsvervativen“ bestritten wird ist umstritten und damit nicht unstreitig. Ich bezweifle aber, dass nur Erzkonservative das norwegische Modell kritisieren. Entsprechende Kritik gab es u.a. im Spiegel und der taz.

    Wenn nur eine kleine Gruppe von Frauen eine Vielzahl von Aufsichtsratssitzen inne hat, mag das diesen Frauen gegönnt sein. Statistisch stimmt dann sogar die Quote. Aber der reale Frauenanteil erhöht sich damit nicht. Einfach mal nachrechnen.

    Ich finde die Bezeichnung „Goldrock“ auch nett.

    PS: Google ersetzt das eigene Denken nicht

  11. Thomas sagt:

    @Miri : Die üblichen maskulinistischen Trollpostings. Mein Rat : Löschtaste.
    @Karin Weghaupt : Peter Jedlicka ist mir aus der progressiven Männerliteratur angenehm bekannt. z.B. Männercoaching – hervorragend geschrieben.
    Gender Balance und Geschlechterdemokratie sind auch ein Gradmesser für den Wohlstand einer Nation und wie gut es Frauen UND Männern geht.

    Leider wird dies hierzulande nicht vermittelt und auch nicht verstanden.

    Fr. Dr. Scheub hat dies in „Heldendämmerung“ eindrucksvoll beschrieben.

    Warum wohl :

    http://www.bda-online.de/www/arbeitgeber.nsf/id/DE_Presseschau

    „Wirtschaft sperrt sich gegen Frauenquote
    Der Kampf um die Quote wird seit Monaten geführt: zwischen Politik, Wirtschaft und den Gewerkschaften. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt lehnt sie weiter strikt ab. „Eine starre, gesetzliche Quote zur Förderung von Frauen in Führungspositionen ist falsch“, sagte Hundt dem Hamburger Abendblatt. Das Ziel, mehr Frauen in Chefetagen zu beschäftigen, lasse sich nicht gesetzlich erzwingen.“

    Hier greifen wirklich sehr oberflächliche Schlagworte, denn die Quote erzwingt ja Verbesserungen per Gesetz. Hierzulande ist die Politik im Hinblick auf die Wirtschaftslobby meiner Erfahrung nach sehr kuschelweich.

    Ohne Quote ändert sich nichts – schon gar nicht manch erzkonservative Unternehmenskultur mit konservativen Renitenzen, die vorzugsweise Männern schaden und Frauen systematisch benachteiligen.

    Die Quote muß über die EU-Schiene reingedrückt werden, zum Vorteil von Frauen und Männern, damit Machtinszenierungen in die Tage gekommener Betonköpfe beschnitten werden und progressiver Wind durch die Top-Etagen weht. Ich kann versichern, gutes Zureden und freundliche Einvernehmlichkeiten wirken nicht. Und in den oberen Etagen sollte angesetzt werden. Eine „freiwillige“ Selbstverpflichtung würde diese nur entlasten und verschonen und die unteren Hierarchien tatsächlich benachteiligen, wie von Manchen gerne behauptet.

    Ein weiterer Vorteil eines „Improvements by Decret“

  12. Thomas sagt:

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/kuendigung-wegen-der-elternzeit-der-abgelehnte-mustervater-1.513123

    By the way : Meinen Recherchen zufolge ist der sog. „Fachkräftemangel“ hierzulande nur auf spezifische Bereiche zutreffend (z.B.Medizin) und ist m.E. medial überstigmatisiert bis ggf. sogar lanciert.

    Es gibt erzkonservative Kräfte, die vor nichts mehr Angst haben als von einem Kippen des Arbeitsmarktes von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt.
    Denn hier könnten Bewerberinnen und Bewerber unangenehme Forderungen durchsetzen. Abhängigkeitsverhältnisse durch Hartz & Co. implementiertes Prekariat sind die letzten Jahre sehr liebgewonnen worden, um Belegschaften gefügig zu machen.

    http://eltern.t-online.de/kuendigung-nach-elternzeit-kind-da-job-weg-fiese-tricks-der-arbeitgeber/id_44618848/index

    Vor Argumenten wie „unternehmerische Entscheidung“ und „betriebsbedingt“ ziehen alle entscheidenden Stellen den Schwanz ein. Und kaum ein Arbeitgeber ist so dumm eine Kündigung mit „Elternzeit“ zu begründen. Dafür gibt es spezielle Fachkanzleien.

    Frau Brantner : Ich schlage vor, hier auf EU-Ebene ggf. parteiübergreifend Loyalitäten zu suchen (ggf. Frau Dr. Koch-Mehrin?) und hier die Quotenforderung als EU-Richtlinie voranzutreiben mit der in der Umweltgesetzgebung üblichen Vorgehensweise „Umsetzen in nationales Recht bis, sonst…“. Diese Vorgehensweise zeigt meiner Erfahrung nach schnell Früchte, kuschelweiches Zureden nicht.

  13. Auf europa ist doch verlass, während die neoliberal-erzkonservative bundesregierung die frauenquote aussitzt, um sozialen sprengstoff zu erzeugen.
    Übrigens: Grün-rot in Baden-Württemberg plant ein geschlechtergerechtes Landtagswahlrecht.

  14. Thomas sagt:

    Nur zur Info :

    http://www.odgersberndtson.de/de/presse-events/events/artikel/2-forum-deutschlands-chefinnen-3321/

    Odgers Bernson ist ein anerkannter Personalberater, der in der WIWO am 11.10.2011 unter einem Ranking der erste 100 aufgeführt wurde. Das Thema mehr Erfolg und Wachstum der Unternehmenskulturen durch Vielfalt in Aufsichtsräten UND Vorständen ist voranzutreiben, um ein paar veraltete Zöpfe mit veralteten Vorstellungen abzuschneiden. Daraus resultiert mehr Lebens- und Arbeitsqualität und damit Zufriedenheit für Alle.

  15. Lucia sagt:

    Liegt es an der „Grünen“ Franziska, weil ihre Partei die für sie lohnende Partizipation mit der männlichen Hegemonie hat, dass hier nur Lobgesänge über die Quotenregelung ertönen?

    Die m.E. zu nichts Weiterem taugt, als die Ressource Frau für Profitsteigerung zu erschließen, weil die Ressource Mann nicht mehr die gewünschten Profite erzielt. Zumal ja für kapitalistische Unternehmen nichts anderes zählt.

    Und nein Thomas, daraus resultiert nicht mehr Lebens- und Arbeitsqualität und damit Zufriedenheit für alle, denn davon profitieren nicht alle Frauen sondern nur eine Frauen-Elite, die außerdem sicherlich nicht denselben Lohn erhält als die Männer-Elite, obwohl sie wahrscheinlich den Profit steigern kann. In der Sprache des Kapitalismus ist das Wort Nächstenliebe nämlich unbekannt.

    Und btw. sind 40% kein Beleg für Gleichberechtigung, das wären nur 50%. Und dass die nicht gleich eingeführt werden, dafür gibt es eigentlich nur einen Grund, den dadurch drohenden Machtverlust der männlichen Hegemonie und die wird 50% niemals zu lassen.

    Buch-Tipp: Gisela Notz, Feminismus. Basiswissen, PapyRossa Verlag, Köln 2011, 132 S., 9,90 Euro. Darin bemängelt sie fundiert:

    Die Frauenbewegung hat sich in akademische Zirkel zurückgezogen. »Genderstudies« füllen Konferenzen und Universitäten. Nach den sozialen und arbeitsmarktpolitischen Problemen der großen Mehrheit der Frauen aber wird kaum gefragt. Außerdem merken hierzulande mehr und mehr Frauen, daß die Rede von gleichen Partizipationschancen kaum mehr als ein leeres Versprechen war.

    Die kapitalistische Realität lässt schön grüßen.

  16. Lucia sagt:

    Etwas mehr über das Buch „Feminismus“ von Gisela Notz habe ich HIER gebloggt.

  17. namenlos sagt:

    Klar, schon wieder das Märchen, dass Frauen bessere Menschen/Manager… sind:

    „Zudem sei es an der Zeit, den einseitig männlichen Führungsstil mit weiblichen Eigenschaften zu modifizieren. Auch das sei eine Lehre, die Europa aus der Finanz- und Bankenkrise ziehe.“

    Man hat an Quelle ja gesehen, wie toll sich eine Frau Schikidanz gemacht hatte.

    Und natürlich erwähnt kaum einer Bettina von Österreich:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_von_Oesterreich

    Alles klar, alles nur von Männern verursacht und Frauen die alles wieder gerade biegen nur durch ihre weibliche Überlegenheit. Das ich nicht lache!