Die „Opferindustrie“ bittet zum Faktencheck!

von Gastautor_in

Der folgende Aufruf ist ursprünlich bei der Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt erschienen. Wir dürfen ihn hier als Crosspost veröffentlichen.

Nur ein minimaler Anteil aller angezeigten sexuellen Gewalttaten führt zu einer Verurteilung. Konträr dazu behaupten Jörg und Miriam Kachelmann im Spiegelinterview (41/2012) es gäbe gar eine „Opferindustrie“. Frauen hätten ein „Opfer-Abo“ und im Fall einer Anklage würde ihnen immer geglaubt. Das Gegenteil ist der Fall! Sichtbar z.B. an dem jüngsten Prozess, in dem das Essener Landgericht den Angeklagten freisprach, obwohl er zugab, das „Nein“ der 15jährigen Nebenklägerin missachtet zu haben.

Die Aussagen von Jörg und Miriam Kachelmann sind schlichtweg falsch – und zudem gefährlich, weil sie durch einflussreiche Medien wie den Spiegel und die Günther Jauch Talkshow verbreitet werden. Damit wird der Mythos der Frau als Falschbeschuldigerin und eine traditionelle Täter-Opfer-Umkehr neu belebt. Diese Mythen sind mitverantwortlich dafür, dass Vergewaltigungen in den seltensten Fällen überhaupt angezeigt werden, die Prozesse für die Betroffenen eine Zumutung sind und wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Am kommenden Mittwoch führt Kachelmann in Frankfurt einen Schadensersatz-Prozess gegen Claudia D., die Nebenklägerin im Vergewaltigungsprozess.

Kommt zum Gericht und lasst uns gemeinsam ein sichtbares Gegengewicht gegen Kachelmanns in den Medien propagierte Tatsachenverkehrungen bilden! Unterstützung durch eigene Plakate und Hilfe bei der Verteilung von unseren Faktencheck-Flyern ist ausdrücklich erwünscht!

Außerdem sammeln wir Unterschriften mit Forderungen an den Bundesgerichtshof, dessen Gesetzesauslegungen Freisprüche in Vergewaltigungsprozessen trotz bewiesenen „Nein“s möglich machen.

Wo? Landgericht Frankfurt, Gebäude E  (Gerichtsstraße 2, Nähe Konstablerwache)
Wann? 31.10.2012 (Mittwoch), 9.30 Uhr (bitte früher kommen! Wir sind ab 8:45 vor Ort)

Vorschläge für Plakatbeschriftungen:

  • Rote Karte für Vergewaltigungsmythen
  • Wo kann ich ein „Opfer-Abo“ abonnieren?
  • Vergewaltigungsmythen nützen nur Vergewaltigern

Anmerkung: Die einstweilige Verfügung gegen Jörg Kachelmann, dass er nicht mehr den vollen Namen Claudia D.s auschreiben dürfe (wir berichteten darüber), wurde vor einigen Tagen aufgehoben!




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Eintrag geschrieben: Montag, 29. Oktober 2012 um 9:18 Uhr unter Aktivismus, Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. hannah sagt:

    hallo ihr lieben,

    leider kann ich nicht kommen, aber ich denke an euch. viel erfolg!!!

    LG, hannah

  2. IfGbsG sagt:

    danke, Hannah!

    kurz zur Ortsangabe noch eine Info: Gebäude E ist richtig, das ist allerdings in der Hammelsgasse 1.

    Wir freuen uns auf euer Kommen!

  3. Nemesis sagt:

    Bericht in der Frankfurter Rundschau über den Kachelmann-Prozess, es gibt auch schon einen widerlichen Kommentar.

    http://www.fr-online.de/panorama/kachelmann-fordert-schadensersatz-prozess-wird-vertagt,1472782,20753316,view,DEFAULT.html

  4. Laura sagt:

    Von einer „Opferindustrie“ zu reden ist unglaublich. Die Realität sieht wirklich anders aus und mit solchen gefährlichen Ansagen werden Frauen die vergewaltigt werden ins falsche Bild gerückt. Ich weiß nicht, was in diesen Menschen vorgeht, aber das ist wirklich unfassbar!

  5. Kantorka sagt:

    Ach ja, das Buch ist jetzt „ausgewähltes Buch der Woche“ auf zeit.de, blinkt rechts vor sich hin. Blüagh, dabei war mir doch schon schlecht von den Kommentaren unter dem Artikel über das Rassismusproblem in Deutschland.

  6. IfGbsG sagt:

    und hier unser bericht von dem protest/faktencheck beim kachelmann-prozess:

    http://fuer-gerechtigkeit.jimdo.com/prozessbeobachtung/kachelmann-schadensersatzforderung/1-rote-karte/

    das hier war der inhalt unseres faktenchecks:
    http://fuer-gerechtigkeit.jimdo.com/start/faktencheck/

    danke an die mädchenmannschaft für die unterstützung!!

  7. […] über dem Nominierungsaufruf der Jury lag. Ein Kommentar von „Verschiedenen“ bei der Mädchenmannschaft, der dort der Intitiative zugeschrieben wird, hat die Gefahr gesehen, davor gewarnt — und […]