Die Neue und das Geld

von Barbara
Dieser Text ist Teil 1 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Neues Jahr, neue Familienministerin: 2010 – Kristina Köhler! In den ersten Wochen ihrer Amtszeit hat sich die 32-jährige promovierte Soziologin in der Hauptsache mit dem politischen Erbe ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen beschäftigt: Es geht ums Geld, um die staatliche Unterstützung von Eltern, die Kinder haben.

So macht sich Köhler für den Ausbau des Elterngelds stark. Das soll künftig weniger bürokratisch angefordert werden können. Großartig! Nicht wenige junge Mütter und Väter finden es kompliziert und anstrengend, Formulare auszufüllen oder verpasstes Einkommen nachzuweisen. Schwierig ist auch, dass das mit dem Elterngeld erst dann angegangen werden kann, wenn das Kind geboren ist. Haben junge Eltern, besonders die stillenden Mütter, nach der Geburt wirklich so viel Zeit? Machen die nach der Geburt ausgeschütteten Glückshormone tatsächlich nervlich stabil?

Rumtrödeln beim Elterngeld ist aber auch nicht gut, denn: “Der Antrag muss nicht sofort nach der Geburt des Kindes gestellt werden. Rückwirkende Zahlungen werden jedoch nur für die letzten drei Monate vor Beginn des Monats geleistet, in dem der Antrag auf Elterngeld eingegangen ist”, so der freundliche Hinweis des Familien-Wegweisers von Kristina Köhlers Ministerium. Hoffentlich wird das bei der Ent-Bürokratisierung auch bedacht.

Neben weniger Bürokratie beim Antrag will das Familienministerium mehr Monate für Väter, denn die Väter sind, so Köhler in einer ihrer ersten Reden als Ministerin, die “Kostentreiber im positiven Sinne”. Durchschnittlich 20 Prozent der Väter nehmen Elternzeit. Köhler kommentiert optimistisch, dass nun die gesellschaftlich kritische Schwelle überschritten und der “Weichei-Verdacht” entkräftet sei.

Etwas realitätsnäher ist die Übersicht der verschiedenen Elterngeld-Väter nach einer Studie der Böckler-Stifung von 2009: Der Großteil der Väter gehört zu den “Vorsichtigen”, die nur ein bis zwei Partnermonate nehmen, gern in Anschluss an die Geburt und oft auf Wunsch der Frau. Tja, aller Anfang ist schwer. Und deshalb macht Köhler 2010 gleich noch mal 80 Millionen Euro mehr locker und kündigt ein Teilelterngeld an, das Teilzeitarbeit neben Elterngeld erlaubt.

Neben diesen positiven Neuerungen bleiben noch ein paar Dinge offen. Zum Beispiel die Klärung der Frage, wieso heißen die früheren “Partnermonate” jetzt “Vätermonate”? Das impliziert ja regelrecht, dass die Väter nur mal kurz daheim bleiben, die Mütter aber den großen Teil der Elternzeit nehmen.

Weiterhin sollte geklärt werden, was kommt nach der Elternzeit? Auch mit einer funktionierenden Kinderbetreuung muss immer wieder ein Elternteil beim Kind bleiben, zum Beispiel wegen Krankheit. Und das ist in den meisten Fällen die Mutter; auch wenn sich hier ein Wandel ankündigt, wie etwa verschiedene DAK-Studien melden: In Mecklenburg-Vorpommern blieben vor zwei Jahren 10,1 Prozent der Männer daheim, in Brandenburg sind es 11,5 Prozent, im Saarland 8,1 und in Bayern 8 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 7,4 Prozent. Da könnte sich schon noch was ändern – und das hat auch mit der viel beschworenen Gleichstellung von Frau und Mann im Arbeitsleben zu tun. Ein Thema, das auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht. Wenn auch nur kurz.


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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 3. Februar 2010 um 9:51 Uhr unter Alltag, Der Feminismus ist schuld, Familienleben. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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33 Kommentare

  1. Andreas sagt:

    Keine Ahnung, wieso Politiker Steuern von Leuten einsammeln, um die dann mit einer Auflage, wie die zu verwenden sind, wieder an dieselben Leute zu verteilen ( ah ja, nach Abzweigung einiger Gelder, die gebraucht werden, um den Verwaltungskopf hierfür zu finanzieren ).

    So etwas scheint mir das Elterngeld zu sein – meiner Meinung nach dürfte es das gar nicht geben, und da es das gibt, nutzt der Staat offenbar nicht alle Möglichkeiten, um Steuern zu senken und überflüssige Politiker loszuwerden.

    Besser wäre es doch, die Eltern konsequent gleichberechtigt zu machen – ich plädiere dafür, dass Mütter den Vätern mindestens drei Jahre Unterhalt zahlen müssen, genauso, wie es umgekehrt schon längst rechtens ist.

    Das würde steuerfinanzierte Vätermonate überflüssig machen und die Verantwortung fürs Kinderfinanzieren wieder dorthin verweisen, wo es hingehört – zu den Eltern.

  2. Neeva sagt:

    @Andreas
    Unterhaltspflicht gilt schon immer in beide Richtungen. Nur so als Hinweis.

  3. Andreas sagt:

    @Neeva:

    Ja, aber nicht als etwas, was unabhängig von Lebensverhältnissen einforderbar ist; das einzige, was sicher ist, ist, dass Väter die Mütter drei Jahre finanzieren müssen, ob sie wollen, oder nicht. Ich fände es gut, wenn halt jeder zwei Jahre vom anderen einfordern könnte …

  4. stadtpiratin sagt:

    danke für den guten Einblick in die Details der Elterngeld-Regelung – was mich aber prinzipiell an der Sache stört ist, dass sich Frau Köhler an dieser Form der Herdprämie aufzuhängen scheint (die in den meisten Fällen ja noch immer zu beruflicher Untätigkeit der Frau führt), wohingegen sich der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2011 irgendwie schon von alleine umsetzen lassen soll. Trotz aller Sorgen der Kommunen. Dabei halte ich ein ausreichendes Angebot an externer Kinderbetreuung für viel wichtiger, um berufliche Gleichberechtigung von Frauen zu erreichen, da sich im Übrigen gesellschaftliche Gewohnheiten bezüglich der Elternzeit wesentlich langsamer ändern.

  5. Andreas sagt:

    @stadtpiratin:

    Folgt auf dem Markt “externe Kinderbetreuung” nicht eher das Angebot der Nachfrage?

  6. Helga sagt:

    @Andreas: Bis heute muss man spätestens mit der Geburt eines Kindes in Westdeutschland seine Anmeldungen an Kitas/Kindergärten/Krippen verschicken, weil die Plätze so verdammt selten sind. Den gesetzlichen Anspruch auf einen Platz den es demnächst geben sollte, wollen die Kommunen wieder abschaffen, weil sie wahrscheinlich nicht genügend Plätze haben werden… Nein, auf dem Markt der Kinderbetreuung ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot. Das ist auch nicht ein Markt wie das Joghurtregal im Supermarkt, dessen Sortiment in einem Tag angepasst werden kann. Der Kindergarten braucht Räume (das ist sehr schwierig in D), dann gibt es Sicherheitsauflagen, qualifiziertes Personal muss gefunden werden und die Liste geht weiter.

  7. Sabine sagt:

    @stadtpiratin

    Kann Frau Köhler denn überhaupt “Bundeskindergärten” einrichten? Oder ist das Ländersache?
    Ich meine der Bund kann allenfalls Unterstützungszahlungen vorsehen, weil das Gebiet ansonsten in der Zuständigkeitskompetenz der Länder liegt.

  8. Neeva sagt:

    Das Angebot bei der Kinderbetreuung kommt überwiegend von öffentlicher Seite. (Kommunen) Unter anderem deshalb, weil die Nachfrage so riesig ist, dass private Kinderbetreuung auch für bessergestellte Eltern kaum zu finanzieren ist.

    Und zum Unterhalt: Das Einzige, was sicher ist, ist dass ein berufstätiger, nicht kinderbetreuender Expartner dem kinderbetreuenden Expartner Unterhalt zahlen muss. Die ersten drei Jahre ist der kinderbetreuende Partner nicht gezwungen, berufstätig zu sein, danach wird in Stufen immer mehr Berufstätigkeit gefordert.

    Interessanterweise entscheiden sich die Männer im Regelfall für die Berufstätigkeit und fürs Zahlen, anstatt ihre Jobs zu kündigen, die Kinder in Empfang zu nehmen und fürderhin von der Exfrau Unterhalt zu fordern. Könnten sie ja, es gibt da keine juristischen Hürden.

  9. stadtpiratin sagt:

    @Sabine: der hochfliegende (und durchaus wichtige) Plan vom Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ist auf Ebene der Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode entstanden. Dass Kinderbetreuung Ländersache ist, ist das eine – dass den Kommunen in Form der Unterstützungszusagung Gehör geschenkt werden muss, ist das andere. Fatal wäre eine Weigerung der Länder, angesichts drohender Klagen die Umsetzung auf den St-Nimmerleins-Tag zu verschieben, doch Kristina Köhler doktert lieber an der Herdprämie als sich zu diesem Thema maßgeblich zu äußern.

  10. Sabine sagt:

    @Neeva

    “Interessanterweise entscheiden sich die Männer im Regelfall für die Berufstätigkeit und fürs Zahlen, anstatt ihre Jobs zu kündigen, die Kinder in Empfang zu nehmen und fürderhin von der Exfrau Unterhalt zu fordern. Könnten sie ja, es gibt da keine juristischen Hürden.”

    Klar gibt es da juristische Hürden. Du kannst dich nicht einfach entscheiden deinen Job zu kündigen und die Kinder zu nehmen. Sorge- und Umgangsrecht bevorzugen den, der bisher die Kinder bekommen hat. Wenn dies die Frau ist und sie sonst nichts grob falsch macht, dann hat sie die Kinder sicher. Kündigt er dann seinen Job und verlangt die Kinder, dann passiert folgendes:

    1. Er bekommt die Kinder nicht
    2. Ihm wird sein bisheriges Gehalt fiktiv zugerechnet und er muss nach diesem nicht mehr existenten Gehalt Unterhalt zahlen.

    Aber ein interessanter Gedanke: Sollte es so geregelt sein, dass man sich von seiner Unterhaltspflicht wegen Kinderbetreuung befreien kann, indem man anbietet die Kinder zu sich zu nehmen? Oder wie wäre es damit, dass derjenige (auf Antrag) die Kinder bekommt, der diese am besten mit seiner Berufstätigkeit vereinbaren kann? Da wäre der andere dann frei sich auf den Beruf zu konzentrieren (folge wäre natürlich eine strikte Erwerbsobliegenheit für den Kindesunterhalt).

  11. Neeva sagt:

    Ok, dann muss man die Entscheidung früher ansetzen, bei der Aufgabenverteilung vor der Trennung.
    Mich regen nur die Männer auf, die beständig über die Belastung durch Unterhaltspflichten u.ä. jammern, gerne in Kombination mit dem Vorwurf, Frauen (Mütter) hätten es ja so einfach und würden einfach so Geld bekommnen, während sie entsetzt ablehnen würden diesem ach so bequemen Lebensententwurf zu folgen.

  12. Sandra W. sagt:

    Kindergartenplätze gäbe es schon längst genug wenn in Deutschland nicht immer alles so aufwendig und teuer sein müsste. Es muss ein speziell für den Kindergarten gebautes Haus sein, es müssen in jedem Raum Teeküchen sein plus noch eine extra Küche, es muss dies jenes das und dass, in anderen Ländern gibt es für jedes Kind einen Platz im Kindergarten, nur ist das dort auch finanzierbar weil man sich auf die eigentliche funktion des Kindergartens besinnt: Ein Ort an dem Kinder sich Kinder ein paar Stunden aufhalten und miteinander spielen.

  13. Andreas sagt:

    @Neeva:

    Wieso sollte da die Aufgabenverteilung vor der Trennung normativ sein?

    Manche Männer trennen sich extra von Ihren Frauen, um eine andere Aufgabenverteilung durchzusetzen, etwa, um sie zum arbeiten zu animieren.

    Aber egal – ich persönlich fände es gut, wenn man eine derartige Unterhaltspflicht einfordern kann, sobald es passt – auf die Forderung nach einer neuen Aufgabenverteilung damit zu antworten, dass es eine alte gibt, ist, gelinde gesagt, etwas absonderlich …

  14. Andrea_s sagt:

    @Helga:

    Kann Dir leider nicht antworten, die Zensur scheint mal wieder zuzuschlagen?

  15. Andrea_s sagt:

    @Neeva:

    Macht wenig Sinn, die Forderung nach Abänderung der Aufgabenverteilung davon abhängig zu machen, dass es mal eine andere gegeben hat, nicht wahr?

    Hätte es keine andere gegeben, bräuchte man die schliesslich nicht abändern zu wollen – mir ging es darum, dass diese Abänderung sogar einforderbar ist, bei gewährleisteter Finanzierung ( durch den werten Gatten,Ex-Gatten was auch immer ).

    Welche Rolle da jetzt irgendeine ominöse Zeit vor irgendeiner Trennung spielt, ist mir da nicht ganz klar …

  16. Andrea_s sagt:

    @Helga:

    Ich versuch’s mal doch:

    Deine Beschreibung passt auf die westdeutsche Großstadt, in der ich lebe, nicht – hier gibt es Kinderbetreuung im Überfluss und niemand muss lange warten, bis er sein Kind untergebracht hat, es sei denn, die Arbeitszeiten sind wirklich sehr schlecht.

    Im übrigen glaube ich auch, dass die Infrastruktur, die es braucht, den Joghurt ins Kühlregal oder den Strom in die Steckdose kommen zu lassen, durchaus größer und komplexer ist als die, die es braucht, die Kinderbetreuung zum Kind kommen zu lassen.

    Insofern frage ich mich dann schon, ob es vielleicht für kleinere Kommunen so ist, dass Kinderbetreuung etwa ein Verlustgeschäft ist und die investierten Kosten durch die Frauen, die entsprechend arbeiten gehen und Steuern zahlen halt nicht wieder hereinkommen? Das glaube ich nun nicht!

    Und, falls das stimmt, bleibt doch eigentlich nur noch die Nachfrageseite – ich glaube ja gerne, dass viele Frauen nur zu gerne auf Plätze warten. Aber eventuell sind es einfach nicht genug?

  17. Helga sagt:

    Nein Andreas, der Spam-Ordner. Zensur ist eine Prüfung durch staatliche Stellen. Wir betreiben hier ein privates Blog, das eine Sorgfaltspflicht hat und keinerlei Verpflichtung, jeden Kommentar zu veröffentlichen. Das ganze machen wir unentgeltlich in unserer Freizeit. Wenn du hier weiter kommentieren willst, bitte etwas mehr Geduld, weniger Anschuldigungen und mehr Respekt!

  18. Andrea_s sagt:

    @Helga:

    Mein Kommentar hier bezog sich z.B. auf drei Punkte:

    a). Es kann nicht Aufgabe von Politiker sein, Leuten vorzuschreiben, wie sie ihr selbst verdientes Geld zu verwenden haben – also sollte das Elterngeld weg.
    b). Es sollte besser darauf geachtet werden, dass Eltern gleichberechtigt sind und die Transferzahlungen nicht nur hauptsächlich von Männern an Frauen fliessen – was sie nachweislich tun, s. Unterhalt, Witwenrente, Arbeitslosengeld II, Frauenfördermassnahmen, Krankenkassenbeiträge etc.
    c). Meiner Meinung nach ist, was die Kinderbetreuung angeht, die Nachfrageseite unterentwickelt, was unter anderem an den horrenden Transferzahlugen liegt, die Frauen erhalten, ohne je eine Gegenleistung antreten zu müssen.

    Bei allem Respekt – mir ist zwar klar, dass ich mit den Meinungen a-c mir hier sicher keine Freunde mache ( nun, ich bin unter anderem durch meine beiden Töchter auf diesen Blog aufmerksam gemacht worden und mit denen fliegen auch die “Fetzen” *lach* );

    Wie Du allerdings darauf kommst, ich würde “ungeduldig”, “angeschuldigend” oder “respektlos” auftreten, ist mir schleierhaft – es sei denn, Du bist nicht in der Lage, andere Meinungen als Deine gelten zu lassen.

    Also, wie Du schon schriebst – es ist euer privater Blog. Wenn Du nicht möchtest, dass ich hier poste, kannst Du das einfach sagen, und schon bin ich weg.

    So long …

  19. Helga sagt:

    http://maedchenmannschaft.net/die-neue-und-das-geld/#comment-24334 – wir schauen regelmäßig in den Spamfilter, gleich „Zensur” zu schreien ist ungeduldig, anschuldigend und respektlos.

  20. Sabine sagt:

    @Neeva
    “Mich regen nur die Männer auf, die beständig über die Belastung durch Unterhaltspflichten u.ä. jammern”

    Also ich habe da schon Mitgefühl, weil ich es auch aus dem Freundeskreis kenne. Da brechen Existenzen zusammen. Die Familie zerfällt, die Frau zieht mit den Kindern zu ihren Eltern zurück und ist 400 km entfernt. Man sieht sie nur noch am jedem zweiten Wochenende und der Vater lebt vom Selbstbehalt von 900 €, obwohl er täglich arbeiten geht. Von diesen 900 € muss man auch noch die Besuchswochenenden finanzieren. Die Exfrau hat dann im schlimmsten Fall noch einen neuen Partner und lebt gut von dessen Gehalt.

    Das da Aggressionen bestehen kann ich schon nachvollziehen.

    Das ist übrigens bei Frauen, die zahlen müssen auch der Fall. Es bringen wohl leider die Umstände mit sich.

    Wie man das ändern kann weiß ich auch nicht. Kinder kosten ja schließlich Geld. Vielleicht sollte man den anderen Partner, der die Kinder betreut, früher in die Pflicht nehmen auch Barunterhalt zu zahlen (zumindest als Anrechnungsposten, er kann ja nicht an sich selbst zahlen).

  21. Neeva sagt:

    @Sabine
    Der zweite Teil meiner Aussage war der wichtige.

    Männer in der von dir beschriebenen Situation tun mir ehrlich leid, insbesondere wenn sie eine starke Beziehung zu den Kindern hatten.
    Allerdings tun mir auch die Frauen leid, die – vielleicht weil der Vater ihrer Kinder sie dazu gedrängt hat – wegen der Kinder aufhören zu arbeiten und nach der Trennung von Hartz 4 leben, weil der Vater sich arm rechnet oder einfach nicht zahlt.
    Es wird im Regelfall unschön, wenn Familien auseinanderbrechen, weil die Partnerschaft der Eltern nicht funktioniert. Es gibt Männer UND Frauen, die mit ihren Partnern richtig Pech haben und auf allen Seiten dramatische Einzelfälle.

    Ich denke man kann zumindest die finanzielle Seite dieser Problematik entschärfen, indem beide Eltern arbeiten und eigenes Geld haben. Es wäre sicher auch sinnvoll erbrachte Leistungen in der Kinderbetreuung auf den Unterhalt für die Kinder anzurechnen.

    @Andreas, vielleicht strukturierter als heute morgen:
    Ich meine, dass der Unterhalt zahlende Expartner trotz seiner nicht so schönen Situation im Regelfall auf lange Sicht besser dran ist, als ein kinderbetreuender Expartner, der jahrelang aus dem Berufsleben ausscheidet. Ein Job bedeutet ja nicht nur das momentane Gehalt, sondern auch Sozialversicherungsansprüche und berufliche Weiterentwicklung.
    Und wenn man es als absolut ungerecht empfindet eventuell mal Unterhalt zahlen zu müssen, gibt es eine sehr einfache Möglichkeit das zu vermeiden: Man entscheidet sich Vollzeit die Kinder zu betreuen. Dann hat man nach einer eventuellen Trennung auch Anspruch auf Unterhalt. Diese Entscheidung steht auch Männern offen.

  22. Andreas sagt:

    @Neeva:

    Warum so kompliziert? Warum nicht einfach: Zahlt A an B so und so lange Unterhalt ( maximal zwei oder drei Jahre ), um Kinder zu versorgen, hat A das Recht, von B genauso lange oder sogar in gleicher Höhe Unterhalt zu verlangen, um Kinder zu versorgen?

    Dann ist die Situation beider absolut gleich, keiner ist ein höheres Risiko für einen Arbeitgeber, was die Möglichkeit des Aussetzens angeht und wir brauchen nicht darüber spekulieren, wer denn nun das bessere oder schlechtere Los gezogen hat.

    Ich sehe das als wesentlich bessere Möglichkeit an, als das Elterngeld, weil, wie gesagt, Menschen dadurch nicht vorgeschrieben wird, wie sie das selbstverdiente Geld einzusetzen haben, die Transferzahlungen von Männern an Frauen dadurch endlich mal ganz saftig herabgesetzt werden und zweitens es einen ganz erheblichen Anreiz für Frauen gibt, Geld verdienen zu müssen.

    Ich meine, das Elterngeld ist ( von unseren Regierungsfeministinnen ) eingeführt worden, damit Männer in gleicher Weise ihren Arbeitgebern als Risiko erscheinen, wie dies Frauen tun ( des Aussetzens wg. ), dabei immer schön auf die Randbedingung achtend, dass dieses Ziel nur bei weitgehender Kostenfreiheit für Frauen sowie Weitergeltung aller Transferzahlungen an Frauen zu erreichen ist.
    An die Väter und die Beziehung zu ihren Kindern wurde dabei doch wirklich zuletzt gedacht – ganz anders, als bei meinem Vorschlag. Der allerdings Frauen eine Menge kosten würde … aber quid pro quo ….

  23. Stridel sagt:

    Das Teilzeitelterngeld halte ich für eine sehr gute Neuerung. Sinnvoll wäre darüber hinaus ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, nachdem der Anspruch auf das Teilzeitelterngeld ausgelaufen ist, also nach dem 28. Monat. In den meisten Bundesländern ist der Rechtsanspruch erst nach dem 3. Geburtstag gegeben.

    Bei dem ganzen Gewese um die “Herdprämie” sollte auch nicht vergessen werden, dass es vor der Einführung des Elterngeldes auch Erziehungsgeld gab. In der gleichen Höhe wie die “Herdprämie”. Was daran neu und toll ist, muss mir nochmal jemand erklären.

    @ Andrea_s: Du forderst, dass Frauen “auch” zahlen sollen. Davon mal abgesehen, dass die Währung, in der Frauen zumeist bezahlen, “Zeit” und nicht “Euro” heißt, müssen ebendiese Euros ja auch irgendwo herkommen. Die Lösung für Dein Problem ist recht einfach: such Dir eine Frau, die einen eigenen Beruf hat, von dem sie leben kann und setze Dich dafür ein, dass sie nach der Geburt eurer Kinder wieder in den Beruf einsteigt.

    Insgesamt stimme ich Dir aber zu, dass der Betreuungsunterhalt viel flexibler geregelt werden müsste. Etwa so, wie Sabine oben vorgeschlagen hat (z.B. grundsätzlich hälftige Betreuung und Betreuungsunterhalt für den Verdienstausfall während der Betreuungszeit. Den muss dann die/der zahlen, die/der mehr verdient). Allerdings solltest Du auch nicht vergessen, dass Väter oft freiwillig den Ernährer geben und sich deshalb nach der Trennung nicht wundern sollten, wenn ihre Kinder keine Beziehung zu ihnen haben. Das soll nicht heißen, dass sie selbst an der Situation schuld sind.

    P.S.: Das undifferenzierte Aufrechnen von Transferleistungen halte ich für maskulinistische Propaganda – da stehst Du doch drüber, oder?

  24. Stridel sagt:

    Achja (sorry, wenn ich den Strang jetzt total vollspamme): Es sollte auch nicht vergessen werden, dass das Elterngeld ursprünglich eingeführt wurde, um die besserverdienenden Frauen – die Leistungsträgerinnen in FDP-Sprech – zum Kinderkriegen zu animieren. Der dahinterstehende Gedanke lag m.E. eher darin, zu verhindern, dass in Deutschland weiterhin die “Falschen” Kinder bekommen, und nicht so sehr darin, alte Rollenmodelle zu durchbrechen.

  25. Sabine sagt:

    @Neeva

    “Ich denke man kann zumindest die finanzielle Seite dieser Problematik entschärfen, indem beide Eltern arbeiten und eigenes Geld haben. ”

    Das befreit den Vater dann vom Unterhalt für die Frau, selbst wenn die Frau aber voll arbeiten geht muss der Vater Kindesunterhalt zahlen, wenn das Kind bei ihr wohnt, sie aber nur, wenn sie deutlich mehr verdient als er. Bei gleichen Einkünften zahlt er allein, wenn das Kind bei ihr wohnt.

    “Es wäre sicher auch sinnvoll erbrachte Leistungen in der Kinderbetreuung auf den Unterhalt für die Kinder anzurechnen.”

    Welche Leistungen sollten denn nach deiner Meinung angerechnet werden? Also zB zB die Eintrittskarte fürs Schwimmbad am Wochenende bei einem besuch und die Tage, in denen er Umgangsrecht hat?

  26. Neeva sagt:

    Und bei gleichen Einkünften, wenn das Kind beim Vater wohnt? Dann müsste die Mutter doch zahlen, oder?

    Mit angerechneten Leistungen meine ich, dass beispielsweise ein Vater, bei dem das Kind nicht wohnt, der es aber jede Woche 3 Nachmittage betreut, wodurch die Mutter leichter arbeiten gehen kann, weniger Unterhalt zahlen sollte, als ein Vater der nur alle vier Wochen einen samtäglichen Zoobesuch anbietet.
    Die Frage ist halt, ob Expartner dieses Maß an Kooperation aufbringen.

  27. Sabine sagt:

    @neeva

    Klar. Dann muss sie zahlen. Aber ist das ein gerechtes System? Klar, wenn ein Partner durch die Kinderbetreuung am Arbeiten gehindert wird, dann paßt es. Aber wenn beide arbeiten, dann würde ich es gerechter finden, wenn beide im Verhältnis ihrer Einkünfte zahlen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass viele plötzlich sehr Kooperativ werden, wenn sie dadurch Kindesunterhalt sparen können. Ich vermute allerdings, dass viele derer, die gegenwärtig die Betreuung des Kindes übernehmen, dass ablehnen würden. Eine Klage würde man gegenwärtig verlieren, denn beim umgangsrecht wird in der Regel nur ein Besuch an jedem zweiten Wochenende unter Verteilung der Feiertage zugesprochen. Eine Urlaubsanrechnung (also eine Kürzung des Unterhalts, wenn das Kind zB während der Ferienzeit zwei Wochen bei dem Unterhaltszahler ist) wird auch nicht vorgenommen

  28. Andreas sagt:

    @Stridel:

    Das ist gar nicht mein Problem und wir diskutieren auch nicht meine Person – ansonsten sind wir uns einig, dass es nicht um Schuldzuweisungen etc. geht. Und was die Transferleistungen angeht – auch dabei geht es nicht um Aufrechnerei, sondern darum, dass sie DA sind. Und wie immer, wenn etwas DA ist, hat das zwei Wirkungen, entweder, kann man sagen, ist es nötig, um ansonsten bestehende Ungerechtigkeiten auszugleichen, oder aber, kann man genauso sagen, diese Zahlungen schaffen erst die Ungerechtigkeiten.

    Findest Du es z.B. gut, wenn Alleinerziehende nach einem Plan der Bundesregierung spezielle Fördermassnahmen ( in die, hundert zu eins zu wetten, alleinerziehende Männer mal wieder nicht reindürfen ) erhalten, damit sie wieder im Arbeitsleben Fuß fassen?

    Ja, wenn Du meinst, damit würde nur ausgeglichen, dass Frauen sich um die Kinder gekümmert haben ( also Zeit aufgewendet haben ). Nein, wenn Du meinst, Frauen lassen sich auf Grund solcher Förderungen überhaupt erst darauf ein, solange den Beruf zu unterbrechen.

    Da ich tendenziell der zweiten Meinung zuneige, halt ich die Gesamttransferleistung von einem Geschlecht zum anderen sehr wohl für eine ziemlich aussagekräftige Größe, was Geschlechterdemokratie angeht – klar, Frauen investieren Zeit. Oder sie kehren in den Beruf zurück. Die Wahlfreiheit existiert auf der anderen Seite aber erst gar nicht.

    Mein Vorschlag bezog sich darauf, diese Wahlfreiheit – zu Lasten der Finanzen des Partners *g* – überhaupt erstmal zu schaffen. Es gibt sie nämlich nicht – und ich bin ziemlich überzeugt, dann wäre relativ fix sowas wie Elterngeld sowieso überflüssig.

  29. Sabine sagt:

    @andreas:

    Deine Transferleistungen ausschließlich über Privat scheitern in der Praxis doch schon daran, dass das Geld nicht da ist. Die Ausgaben werden ja nicht weniger, wenn einer aufhört zu arbeiten.

  30. Andreas sagt:

    @Sabine:

    Ich weiss nicht, wie Du das hältst, aber ich pflege für Dinge, die ich mir wünsche ( oder von denen ich weiss, dass sie anliegen ), die aber durch mein tägliches Taschengeld nicht gedeckt werden, einfach zu sparen. Wie gesagt, in meinen Augen macht es wenig Sinn, Ersparbares in Form von Steuern erst dem Staat in den Rachen zu schmeissen, um dann einen Bruchteil davon als “Familienförderung” zu kassieren.

    Und ich seh’ da wenig Unterschied in etwa dem Wunsch nach einer Weltreise oder dem Wunsch nach einer oder auch drei Einheiten Kind … ich meine, kämst Du auf den Gedanken, darüber zu jammern, dass Weltreisen ja gar nicht finanzierbar sind, weswegen der Staat einspringen müßte? Nein? Ich auch nicht.

  31. Sabine sagt:

    @andreas

    Kinder sind etwas anderes als Weltreisen. Insbesondere weil es hier dann ja evt. der “weltreise” schlecht geht, die nichts dafür kann.

  32. Neeva sagt:

    Man muss keinen Aufwand treiben, um nicht unbeabsichtigt eine Weltreise anzutreten. Nichtmal Pille oder Sterilisation sind zu 100% sicher.

  33. Andreas sagt:

    Meint ihr, die Gesellschaft sollte zulassen, dass Kinder von Eltern, die genau wissen, dass sie zur Versorgung nicht in der Lage sind, quasi als Geiseln genommen werden – nach dem Motto, entweder die Gesellschaft zahlt, oder es geht den Kids schlecht?

    Sorry, es gibt die Möglichkeit zur Verhütung, Abtreibung, Adoptionsfreigabe, ja sogar die Möglichkeit der anonymen Geburt.

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