Die Ladys vom Bosporus

von Susanne

Die Berliner Morgenpost behauptet heute, anlässlich der Buchmesse und deren Gastland Türkei: Istanbul ist eine Frau. Und stellt türkische Autorinnen vor, die hierzulande noch nicht einem größeren Publikum bekannt sind. Wie Halide Edip Adivar:

1884 geboren, setzte sich die junge Frau für die Rechte der Frauen ein, wurde eine der ersten Lehrerinnen des Landes, schloss sich der Armee Atatürks an und bereiste als Vertreterin der modernen Türkei die halbe Welt. Eigentlich hätte sie nur ihre Biografie verfassen müssen, anstatt außerdem 21 Romane.

Oder die 38-jährige Autorin Esmahan Aykol, die Kriminalromane verfasst, in der eine Kati Hirschel, eine Istanbulerin mit deutschen Wurzeln, ständig in neue Kriminalfälle verwickelt wird und nebenher versucht, ihr 40-jähriges Leben in der Großstadt zu managen versucht. Gleich der erste Roman der Kati Hirschel-Reihe 2001 war ein Bestseller.

Als Kultbuch gilt auch Perihan Magdens „Zwei Mädchen“, über die Freundschaft zwischen der rebellischen Behiye und der braven Handan. Magden erzählt das wie einen Thriller. Kutlu Ataman machte daraus 2005 einen preisgekrönten Film, und Orhan Pamuk nannte die 1960 geborene Magden „eine der originellsten Schriftstellerinnen unserer Zeit“.

Eine sehr politische Autorin ist Elif Shafak, geboren 1971 in Straßburg. Sie ist eine der wichtigsten Autorinnen der Türkei und schreibt wie Orhan Pamuk auch über eigentlich No-Go-Themen wie Armenier und Kurden und wurde ebenso wie Pamuk mit Anklagen wegen angeblicher „Verunglimpfung des Türkentums“ vor Gericht gezogen.

Lesen!

Nachtrag 17. Oktober:
Auf zoomer.de gibt es noch mehr junge türkische Autorinnen zu entdecken.

(Logo: Frankfurter Buchmesse)




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 15. Oktober 2008 um 10:49 Uhr unter Inspiration, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. Danke für die guten Buchtips!
    Das bringt mich nochmal zu der Diskussion über Heike und Hatice (8.Oktober): lieber kennenlernen, was Frauen in anderen Ländern oder Migrantinnen bei uns Unterschiedliches denken, wollen und tun, als sich ins gleiche Opfer(innen?)boot mit ihnen setzen. Sich wirklich interessieren und in Kontakt kommen. Da kann ich mich gleich an die eigene Nase fassen. Feminismus könnte ja auch bedeuten, unterschiedliche kulturelle und soziale Sichtweisen wahrnehmen und voneinander was lernen.
    Gutes Buch zum Thema kennenlernen:
    Cornelia Spohn: zweiheimisch-bikulturell leben in Deutschland

  2. Petra sagt:

    Ja, vielen Dank.
    Wir leben nunmal in einer multikulti Gesellschaft die nicht nur Herausforderung, sondern auch Chancen mitsich bringt.
    Wer mit offenen Augen durch die Straßen läuft wird sich häufig wundern. Ein wenig Licht in diese Unwissenheit über Frauen anderer Kulturen bringt auch Necla Kelek „Die Fremde Braut“. Ich kann dieses Buch nur empfehlen.