Die Grenzen der Geschlechter

von Helga

In den letzten Monaten gab es gleich mehrfach Schlagzeilen, bei denen deutlich wurde, dass die Abgrenzung von Mann und Frau häufig im Auge des Betrachters liegt, statt bei den Betroffenen selbst. Dabei leisten auch die Medien ihren Teil und werfen munter mit Begriffen wie „transgender”, „schwul” und „intersexuell” um sich – eher motiviert von Schlagzeilen, als von akurater Berichterstattung.

So sitzt in Indonesien ein Mann im Frauengefängnis, weil er angeblich Dokumente gefälscht hat, um eine Frau zu heiraten. Seine Mutter und Ärzte erklärten, dass er das (intersexuelle) Klinefelter-Syndrom hat. Dabei besitzen Männer ein zusätzliches X-Chromosom, welches sie weiblicher erscheinen lässt. Bei der Geburt zunächst als Mädchen registriert, identifizierte er sich jedoch stets als männlich, liess Operationen durchführen, um die weiblichen Aspekte seiner Erscheinung zu minimieren und schließlich auch die offiziellen Dokumente ändern. Ins Gefängnis kam er schließlich, weil die Eltern seiner Frau ihn des Betrugs beschuldigen – was seine Frau bestreitet. Und auch dort hat das Gezerre um sein Geschlecht keine Ende gefunden.

Ebenfalls komplizierter als meist dargstellt, ist der Fall des Paares aus Malawi. Dabei handele es sich um ein schwules Paar, das nach einer inoffziellen Hochzeit verhaftet worden sei, hieß es meist. Wie die New York Times berichtet, besteht Tiwonge Chimbalanga allerdings darauf, eine Frau zu sein. Sie habe zwar äußerlich männliche Geschlechtsorgane, aber menstruiere regelmäßig. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sei zweifelhaft, so die Times und nennt Chimbalanga den ganzen Artikel über „er”. Auch der Guardian macht dies im neuesten Artikel, nach dem Steven Monjeza Chimbalanga für eine Frau verlassen habe,

Mit der Verwirrung um die vermeintlich chirurgisch aufgemotzten Brüste von vermeintlichen Transfrauen gab es in den USA nun den neusten Höhepunkt. Wenn „mann” schon eine Frau sein wolle, solle mann sich doch bitte auch an die soziale Vorgaben und das Gesetz halten, nach dem Mädchen und Frauen über 5 Jahre auch die sekundären Geschlechtsmerkmale verhüllen müssen, so der Polizeichef. Vermutlich handelte es sich jedoch um Transmänner die sich, trotz vorhandener Brüste, tatsächlich an die soziale Norm für Männer hielten.

So läuft die Berichterstattung leider auch heute einerseits auf das Klischee rückständiger Entwicklungsländer hinaus, die ein Problem mit Homosexualität haben – und das obwohl Ehen auch in den meisten Industrieländern ausschließlich heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben. Ganz nach dem Motto „wenn XZY erfüllt ist, ist es ein Mann, ansonsten eine Frau”, werden Betroffene andererseits häufig in die subjektiven Schubladen der Schreiber_innen gesteckt, anstatt die Selbstbezeichnungen zu respektieren.




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Eintrag geschrieben: Montag, 14. Juni 2010 um 12:18 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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3 Kommentare

  1. Irene sagt:

    Wenn „mann” schon eine Frau sein wolle, solle mann sich doch bitte auch an die soziale Vorgaben und das Gesetz halten, nach dem Mädchen und Frauen über 5 Jahre auch die sekundären Geschlechtsmerkmale verhüllen müssen, so der Polizeichef.

    Hm. Sekundäre Geschlechtsmerkmale sind eigentlich diejenigen, die sich in der Pubertät entwickeln.

    Müssen Sechsjährige in den USA ihre nicht vorhandenen Brüste verhüllen?

  2. Helga sagt:

    Ja, auch 6-Jährige müssen anscheinend in Delaware Bikini-Oberteile tragen.

  3. Eine neuere Meldung, die sehr gut in den Kontext passt:

    Transgender With Small Tits? Then You’re Not a Woman to France
    http://www.queerty.com/transgender-with-small-tits-then-youre-not-a-woman-to-france-20100611/