Die Gouverneurin und das Baby

von Susanne

In einem lesenswerten Essay schrieben Jodi Kantor, Kate Zernike and Catrin Einhorn in der New York Times über Sarah Palin und ihre Mutterrolle: Die republikanische Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin verschwieg nämlich ihre Schwangerschaft mit ihrem jünsten Spross Trig und stieg drei Tage nach dessen Geburt wieder ins politische Geschäft ein. Das löste unterschiedliche Reaktionen aus:

No one has ever tried to combine presidential politics and motherhood in quite the way Ms. Palin is doing, and it is no simple task. In the last week, the criticism she feared in Alaska has exploded into a national debate. On blogs and at PTA meetings, voters alternately cheer and fault her balancing act, and although many are thrilled to see a child with special needs in the spotlight, some accuse her of exploiting Trig for political gain.

But her son has given Ms. Palin, 44, a powerful message. Other candidates kiss strangers’ babies; Ms. Palin has one of her own. He is tangible proof of Ms. Palin’s anti-abortion convictions, which have rallied social conservatives, and her belief that women can balance family life with ambitious careers. And on Wednesday in St. Paul, she proclaimed herself a guardian of the nation’s disabled children.

Tatsächlich provoziert Sarah Palins Inszenierung auch bei mir verschiedene Gefühle: Einerseits finde ich es schon stark, wenn sie sagt: “To any critics who say a woman can’t think and work and carry a baby at the same time, I’d just like to escort that Neanderthal back to the cave.” Andererseits ist es auch erschreckend zu lesen, dass sie noch einen ganzen Wahlkampftag durchzog, obwohl ihr schon Fruchtwasser aus dem Uterus tropfte. Und dann stellt sich mir vor allem die Frage, ob es für die Frauen wirklich ein Gewinn ist, wenn eine Senatorin, die selbstbewusst mit den Themen Schwangerschaft und Elterndasein umgehen will, bis zum letztmöglichen Moment verheimlicht, dass sie schwanger ist.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 16. September 2008 um 10:45 Uhr unter Familien_politik, Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. man muss sich auch mal fragen, wie verantwortungsvoll und vernünftig die entscheidung war, mit mitte 40 noch ein kind zu bekommen (d.h. überhaupt erst schwanger zu werden). erst recht als frau, die wahrscheinlich grossem stress ausgesetzt ist, häufig fliegt etc. und das auch noch kurz vor der geburt – also kaum rücksicht auf ihre schwangerschaft nimmt (vor allem, weil sie es auch noch verheimlicht). angesichts dieses verhaltens würde ich ihr doch grobe fahrlässigkeit unterstellen oder beinahe die absicht, ihrem kind so viel schaden wie möglich zuzufügen.
    also wenn ich wüsste, dass meine mutter sich so verhalten hätte, während sie mit mir schwanger war, na danke.

    ich hoffe, dass die leute bald merken, dass diese „übermutter“ trotz weiblicher merkmale relativ wenig mit politik FÜR frauen zu tun hat.

    und wo wir grad bei palin und babys sind, noch ein link zu feministing: http://www.feministing.com/archives/010858.html

  2. Stinktier sagt:

    Ist sie nicht Gouverneurin?

  3. Susanne sagt:

    Jep. Danke, Stinktier. Wieder mal zu schnell geschrieben, aber zum Glück haben wir ja so aufmerksame Leserinnen und Leser. Und schon geändert…

  4. erna sagt:

    ich bin irritiert… letztens war doch noch ihre tochter schwanger…
    und vizepräsidentschaftskandidatin hieß es da auch noch.

  5. SoE sagt:

    @erna: Ja, gerade selber noch Mutter geworden, wird Palin nun auch bald Großmutter. Und nach 18 Monaten als Gouverneurin will sie nun Vizepräsidentin werden. Aber mit all den Skandalen um das Feuern von unbequemen Angestellten, Kreationismus-statt-Evolutionsdebatten, Vergewaltigungsopfern die Untersuchung in Rechnung stellen, nach Russland gucken (Außenpolitik!) und gewaltigem Schulden anhäufen darf man auch verwirrt sein, was da nun los ist.

    Wo sind nur all die Leute abgeblieben, die meinten, „ja, Hillary ist ne Frau aber ich find sie trotzdem doof weil sie mit Bill Clinton verheiratet ist/ furchtbare Hosenanzüge trägt/sie sich nicht genug für Frauen einsetzt…“? Gegen diese frauenverachtende Politik, mauschelndes Regieren und großkotzige Lügen erscheint jede Kritik an Hillary Clinton überzogen.

  6. Laura sagt:

    wie, die hat ein kind bekommen? ich finds auch aus verschiedenen gründen fragwürdig, eine schwangerschaft zu verheimlichen.
    aber mal zum praktischen: wie macht man das? ich mein, so im 9. monat sieht doch jeder, dass eine frau schwanger ist, vorallem wenn es nicht die erste schwangerschaft ist.

    nur an „blackjackundnutten“: ähm, wieso ist es unverantwortlich, mit mitte 40 noch ein kind zu bekommen?

  7. Susanne sagt:

    @ Laura: Das Baby kam einen Monat zu früh. Und einige Zeit vorher hat sie wohl plötzlich eine auffällige Liebe zu langen, großen Schals entwickelt. Aber es gibt auch (Verschwörungs-)theorien, dass sie gar nicht schwanger war und sich das Kind nur für den Wahlkampf besorgt hat. Oder so.

    *tratschmodus off*

  8. sam sagt:

    als ganz späten nachtrag zum kinderkriegen über 40 thema:

    Es ist allgemein bekannt, dass ältere Frauen ein höheres Risiko tragen, ein Baby mit Down Syndrom zu gebären. Die Wahrscheinlichkeit steht 1 zu 400 bei Frauen im Alter von 35 Jahren und steigt auf bis zu 1 zu 109 bei Frauen im Alter von 40 Jahren. Für eine Frau im Alter von 45 Jahren steht das Risiko bei 1 zu 32 (verglichen mit 1 zu 1.500 im Alter von 25 Jahren) (ONS 2006).

    (von http://www.babycenter.de/pregnancy/gesund/ihralter/ und zahlreichen weiteren seiten)
    die geburt ist anscheinend auch riskanter (sowohl für mutter als auch für das kind) etc. etc.

    bleibt jeder frau natürlich selbst überlassen, aber meiner meinung nach ist das, wie in der schwangerschaft zu trinken.