Die Familienmanager

von Susanne

Der Spiegel von dieser Woche schreibt über die steigende Zahl Väter, die eine Babypause machen, über deren Schwierigkeiten mit Vorgesetzten und Rollenklischees – und ihren Willen, die „klassische“ Aufgabenteilung zwischen Frau und Mann zu ändern:

„‚Ich finde es nur gerecht, dass ich beim zweiten Kind aussetze‘, sagt Aicher, als wäre seine Babypause ganz selbstverständlich. Dabei sind Väter wie er die Vorreiter einer stillen Revolution. Wenn Ende Februar das Statistische Bundesamt die Zahlen zum Elterngeld für das Jahr 2007 vorlegt, wird sich der Anteil der Männer in Elternzeit mehr als verdreifacht haben.“

Volker Baisch, Vorsitzender des Vereins Väter e.V., hat sich zur Aufgabe gemacht, die Rollenbilder von Frauen und Männern zu verändern – ein „langwieriges Geschäft“, wie er sagt, für das das Elterngeld schon mal ein guter Anfang ist. Ein bewusstseinsverändernder Schritt wäre, würde ein Politiker oder ein paar männliche Promis Elternzeit nehmen, sagt Baisch zum Spiegel. Er kritisiert, dass Frauen immer noch viel weniger als die Männer verdienen – würde der Staat zum Beispiel Steuererleichterungen für Frauen schaffen, käme das auch den Männern zugute, weil auch sie dann eine Babypause machen könnten, ohne dass die Familienkasse vor Leere gähnt.

Grund Nummer eins, warum bis heute noch kein größerer Teil der Väter Elternzeit nimmt, sind laut Spiegel vor allem die Unternehmen. „Nicht einmal bei Betriebs- und Personalräten genießt das Thema Priorität“, ist das Fazit eines Projektteams der Gewerkschaft Ver.di, das untersuchte, wie deutsche Unternehmen mit der neuen Elternzeit umgehen.

Doch auch die Frauen müssten ihr Verhalten und ihre Ansprüche an die Väter überprüfen, sagt Marcus Schmitz, Experte für familienfreundliches Personalmanagement und Unternehmensberater:

„‚Es sind die Frauen, die es Männern schwermachen, sich zu verändern‘, legt er los. ‚Frauen wünschen sich Männer, die sich um die Kinder kümmern – aber nach ihren Regeln. Frauen wünschen sich Männer, die sich um den Haushalt kümmern – aber nach ihrem Qualitätsmaßstab. Und bei all dem erwarten sie trotzdem auch noch einen beruflich erfolgreichen Mann.‘ Gerade sechs Prozent der Frauen sei die Karriere ihres Mannes egal, zitiert Schmitz eine Umfrage – betroffenes Schweigen.“

Viele Frauen müssen noch gelassener werden, wenn es darum geht, dem Partner Verantwortung für die Kinder zu überlassen und ihnen ihre eigene Art und Weise zuzugestehen, das beobachte ich auch immer wieder. Aber die neue Generation wird das sicher hinkriegen. Weil sich eben auch immer mehr Väter nicht mehr bereitwillig in die Rolle des Ernährers zurückziehen, sondern um ihren Beitrag in der Familie kämpfen. Wie schön liest sich das Fazit eines Vaters, der seine Elternzeit hart durchboxen musste:

„Ich bereue nichts. Wir sind halt die erste Generation Männer, die es ausprobieren muss. Sonst werden wir nie herausfinden, ob es uns die Karriere kostet oder nicht.“




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 21. Februar 2008 um 11:26 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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4 Kommentare

  1. rrho sagt:

    Danke für den Hinweis!

    Online gibt’s zum Thema immerhin das Interview mit Lisa Ortgies.

  2. H Schneider sagt:

    Liebe Freunde; Eure Seite ist super. Ich bin Vater eines Sohnes und kämpfe um seine und meine Rechte. Aus diesem Anlass habe ich eine HP
    http://www.vaeterrechte.de
    auf die Beine gestellt. Freue mich auf einen Besuch und einen Eintrag ins Gästebuch. Viele Grüsse aus Sandhausen H Schneider

  3. LZA sagt:

    Komisch, das habe ich 98 schon anderthalb Jahre gemacht, ohne „Elterngeld“ und keinen hats gejuckt. Naja.

  4. […] ist aber doch, daß, nachdem sich das gleiche Magazin in der vergangenen Woche einigermaßen ausführlich mit Vätern in der Babypause beschäftigt hat, von den Vätern hier nie aber auch irgendwie die Rede ist. Immerzu ist von der Bindung des Kindes […]