Deutschland, Schwarz Weiß

von Barbara
Dieser Text ist Teil 6 von 20 der Serie Die Feministische Bibliothek

(c) C. Bertelsmann Der Bruder des Sexismus heißt Rassismus. In ihrem Buch “Deutschland Schwarz Weiß” macht die Journalistin und Musikerin Noah Sow eine Bestandsaufnahme über den alltäglichen Rassismus in Deutschland. Das Buch hinterlässt zwiespältige Gefühle, einerseits möchte man ihr nur Recht geben, dass sie sich empört über Kolonialreste wie zum Beispiel Figuren von Mohren, die in Restaurants aufgestellt werden oder die Unart einiger Leute, Schwarzen mit den Worten “Sind die echt?” ungefragt die Haare zu zerwuscheln. Andererseits schießt sie dann doch etwas übers Ziel hinaus, beispielsweise dort, wo sie in den Alien-Filmen oder bei Starwars Rassismus postuliert.Stellen, die mir gefallen haben, sind etwa die über Frauenrechte:

Das Allgemeinwissen der weißen Deutschen hinsichtlich Rassismus ist im Groben vergleichbar mit dem “Wissen” der Männer über die Rollen und die Behandlung von Frauen um 1850. Die einen wiegelten ab … , die anderen waren irrational-verwirrt …, der Rest wurde unterschwellig aggressiv. … Damals waren Männer entweder verängstigt, was sie nicht laut sage durften, weil es sich ja um Frauen handelte, von denen sie sich bedroht fühlten, … oder sie waren viel faul, um sich mit dem Thema Frauenrechte ernsthaft auseinanderzusetzen, unter anderem, weil sie das ja garnicht nötig hatten. Die Gesellschaft war währenddessen der festen Überzeugung, dass alles normal sei.

Oder die über Rassismus in den Medien:

Auch das Spiegel-Titelblatt zum Leitartikel “Das Böse im Guten - Die Biologie von Moral und Unmoral” … ziert eine weiße Frau als gut/die Moral, in deren Hinterkopf das Böse/die Unmoral sitzt: die Schwarze Frau. … ein Beispiel für die Tradition dieses Heftes, die weiße dominante und etablierte Sicht von “Schwarz” und “weiß” mit ihrem gesellschaftlichen Kontext aktiv zu bestätigen und aggressiv immer wieder neu zu etablieren. … Auf einem Titelblatt vom September 2007 über China beispielsweise lautete die Headline “Die gelben Spione”. Wie bitte? Gelb? Was soll das aussagen, außer dass die Redaktion rassistischen Assoziationen ganz gern freien Lauf lässt?

Kurz: Ein Buch, das es darauf anlegt, ab und zu in die Ecke gefeuert zu werden. Aber am Ende dann doch zum Nachdenken anregt. Erschienen bei C. Bertelsmann, 14,95 Euro.

Tags: , ,

Anzeige


2 Kommentare zu “Deutschland, Schwarz Weiß”

  1. illith schreibt:

    “die Unart einiger Leute, Schwarzen mit den Worten “Sind die echt?” ungefragt die Haare zu zerwuscheln.”
    das passiert mir (”weiß” + dreads) auch dauernd ;)

  2. Maedchenmannschaft » Blog Archive » Samstagabendbeat schreibt:

    […] Ladys, u.a. Noah Saw, bieten mit ihrem Sisters e.V. Workshops für Mädchen, in denen diese das Musikmachen lernen. […]

Kommentar schreiben

Wenn du einen Kommentar schreibst, dann verzichte bitte darauf, andere Menschen zu beleidigen oder sinnlos herumzupöbeln. Andernfalls werden wir deinen Beitrag löschen. Bist du unsicher, wie du dich verhalten sollst? Lies die Netiquette.

Viel Spaß beim Diskutieren!


Deinen Kommentar aufhübschen mit HTML-Tags:
Zitieren="blockquote", Fett="strong", Kursiv="em"