Deutsche Frauen
von BarbaraEin langer Artikel in der Washington Post stellt die aktuelle Situation von berufstätigen Frauen in Deutschland dar. Von Diskriminierung bei Bewerbungsgesprächen aufgrund von Schwangerschaft über geschlechterspezifisch schlechtere Löhne bis zur Reduktion von Frauen auf die drei berühmten K – Kinder, Küche, Kirche – werden die heißen Themen aufgelistet. Also etwa:
Barbara Steinhagen, 36, said age-old prejudices die hard. A former international marketing manager for a music company in Berlin, Steinhagen said she was promised a promotion that was bruptly given to a man when she announced she was pregnant. Her discrimination complaint, still ending, is the first of its kind to reach the German supreme court.
Aber auch Gegner der berufstätigen Mütter werden zitiert:
Hans Meyer, 72, a retired engineer who used to run a Hamburg toolmaking company with 1,500 employees, said the “silent majority of women want to stay home and have families.”
Zum Artikel gibt es noch ein launiges Video, in dem auch Eva Herman zu sehen ist.
Nichts wirklich inhaltlich Neues für uns, das alles, aber ein ziemlich gutes Gefühl, dass das nun auch in der Washington Post zu lesen ist.
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Eintrag geschrieben: Montag, 27. Oktober 2008 um 13:59 Uhr unter Der Feminismus ist schuld, Familienleben, Working Girl. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







Barbara,
guter, fairer Artikel. Das Ende finde ich vielleicht am interessantesten…
But Jonik said that a few scars from her little skirmish in the gender wars remain.
“Every once in a while, when there is a heavy box — before, a man would have said, ‘I’ll get it.’ Now he might say, ‘You get it.’ ”
“Men,” she said, shaking her head.
Was sagt ihr dazu? Ist ihre Empörung gerechtfertigt? Oder ist das nur fair?
“In dozens of interviews with German men and women, nearly all agreed that many employers were openly reluctant to hire and promote women of childbearing age.
Ralf Braun, 40, an Internet marketer, said it is only natural for a boss to think that a woman “at some point will get pregnant and stop working,” causing problems for the workplace. He predicted that there would never be complete gender equality at work: “It just can’t be 50-50. Even in 50 years, I don’t think it will be equal for women at work.”"
Ist ein rationales Verhalten, oder? Ich meine, wenn eine hardcore Feministin ein Unternehmen leiten würde, müßte sie aufgrund der Zahlen zu den gleichen Schlüssen kommen. Ja, Frauen haben hier aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Rolle in der Reproduktion höhere Kosten zu tragen als Männer und auch wenn wir uns als Gesellschaft darüber einig sind, Frauen diese Kosten soweit wie möglich abzunehmen, werden sie immer davon betroffen sein, daß die Kosten und Entschädigungen an unterschiedlichen Orten anfallen. Das ist schlicht logisch nicht anders möglich, außer man diskriminiert Männer offen, indem ihre Leistung anders bewertet z.B. besteuert wird, mit all den problematischen Anreizwirkungen die derartige Eingriffe zur Folge haben, nicht zuletzt für das gesellschaftliche Klima und das Geschlechterverhältnis als solches.
Nur weil jemand den Kopf schüttelt, heißt es nicht, dass er oder sie empört ist. Ganz im Gegenteil, es kam mir eher ein wenig resignierend vor, bzw. wie der Ausruf, den z.B. Hausfrauen gerne ausstoßen, wenn der Mann nach der Arbeit wieder alle seine Klamotten zwischen der Tür und dem Sofa verteilt. Irgendwas zwischen genervt und fehlender Hoffnung auf Besserung.
Zu dem Blabla über unterschiedliche Einstellungspolitik: Das Thema hatten wir hier schon geschätzte 357913 mal. Nicht alle Frauen kriegen Kinder, immer mehr Männer nehmen (oder würden gerne, können aber aufgrund des vorherrschenden Klimas nicht) eine Auszeit zur Kindererziehung, niemand garantiert, dass ein Mann nicht einen besseren Job annimmt…
Dieser Typ und die beiden anderen, die dort präsentiert werden, sind auch die besten Negativbeispiele, die man finden konnte. Alleine
ist mal ganz großes Kino. Wenn alle Frauen wieder Hausfrauen werden, dann gibt’s auch keine Scheidungen mehr?? Äh, ja, oder auch nicht.
Last but not least: Der Artikel zeigt sehr schön, dass alle Argumente wie “aber der Tarifvertrag schreibt doch gleiche Bezahlung vor” oder “wenn Frauen weniger verdienen, dann weil sie ‘ne Babypause gemacht haben” der Realität der ungleichen Bezahlung nicht gerecht werden. Das ist sicher nicht der einzige Betrieb, der seine Mitarbeiterinnen einfach anders verbucht als die Mitarbeiter.
SoE,
“Irgendwas zwischen genervt und fehlender Hoffnung auf Besserung.”
Nenn’s halt so – und berechtigt? Oder nicht? Absolute Gleichheit heißt eben auch Kisten schleppen. Da dann den Kopf zu schütteln finde ich komisch.
“niemand garantiert, dass ein Mann nicht einen besseren Job annimmt…”
Sicher. Wäre ein interessantes Thema für eine Diss, herauszufinden, wie sich ein hohes Fluktuationsrisiko auf die Gehälter auswirkt.
sorry, aber diese kisten-geschichte ist doch albern.
viele männer sind nicht viel stärker als ich, da teil ich kisten gerne eins zu eins. wenn der mann mit dem ich mir die umzugksartons teile ein altes opa-chen mit stock ist, klar nehm ich ihm gerne auch die kleinsten kisten ab, genauso wie einem zwölfjährigen, – einem muskulösen zweimetermann reiß ich aber ganz sicher nicht die waschmaschine aus der hand. meine güte. menschenverstand.
und wie gesagt, kein problem mit kisten schleppen, aber wenn mir männer die doppelt so breit und groß sind wie ich, kämen und meinten, ich sollte meine emanzipation doch bitte beweisen, indem ich die schwereren und größeren kisten schlepp. hallo? mehr muskeln, mehr fitness, mehr kisten. so einfach ist das.
das sollte doch komplett unabhängig vom geschlecht sein und weder in die eine noch in die andere richtung zur prinzipienfrage..
judith,
“sorry, aber diese kisten-geschichte ist doch albern.”
Eigentlich ist die total albern. Aber am Ende einer Geschichte über “Gleiche Leistung” finde ich es halt schon interessant, daß auf die alltäglichen Probleme körperlicher Ungleichheit und deren potentiell leistungsrelevante Bedeutung dann mit einem kopfschütteln reagiert wird, wenn die vorher erbrachte Hilfe im Rahmen der Angleichung von Rechten und Pflichten nicht mehr ohne weiteres erbracht werden soll. Da bleibt bei mir so ein “Geschmäckle” zurück.
Wollte eigentlich nur wissen, ob das anderen auch so geht. Und ja klar – wo Kisten schleppen keine Bedeutung für das Erbringen von “gleicher Leistung” hat ist es total lächerlich. Aber es bleibt zu hoffen, daß auch bei Dingen, die Frauen vielleicht besser können, dann die komparativen Vorteile “sozialisiert” werden.
Bauen wir doch mal ein Modell: Gruppe a und Gruppe b gehen einer identischen Tätigkeit nach zu der auch das gelegentliche Schleppen von verschieden schweren Kisten gehört. Angehörigen der Gruppe b fällt es leichter, Kisten zu tragen als Angehörigen der Gruppe a. Sie haben somit einen absoluten und einen komparativen Vorteil in diesem Bereich. Wenn beide Gruppen getrennt arbeiten und alle anderen Elemente ihrer Tätigkeit gleich produktiv ausführen, wird Gruppe b in dem Maße produktiver sein, in dem ihr das Kistenschleppen leichter fällt. Die relevante Frage ist also – sofern das Kistenschleppen nicht als nachrangig und unbedeutend gesehen wird – ob sich ein Preis für das Kistenschleppen etablieren kann, und es allen besser geht, weil Gruppe a für die Übernahme des Kistenschleppens einen Teil der anderen Aufgaben von Gruppe b übernehmen kann. Damit ginge es zwar beiden Gruppen absolut besser, aber Gruppe b wäre nach wie vor aufgrund ihrer (modelltheoretisch angenommenen) höheren Leistungsfähigkeit in einem Teilbereich besser gestellt. Es bliebe also zu hoffen, daß es einen Bereich der Tätigkeit gibt, in dem Gruppe a Gruppe b ähnlich überlegen ist wie Gruppe b Gruppe a beim Kistenschleppen.
Wobei ja fast nichts außer der physischen Kraft als legitimer geschlechtlicher Vorteil/Nachteil gesehen wird. Wäre also schwierig etwas ähnlich gelagertes zu finden, bei dem sich Frauen (kollektiv, nicht individuell, individuell wird das sicher gehen) fürs netterweise “Kistenschleppen” bei den Männern “bedanken” könnten.
“das sollte doch komplett unabhängig vom geschlecht sein und weder in die eine noch in die andere richtung zur prinzipienfrage..”
Im Einzelfall sicher nicht. Das ist es eher eine Frage der Erziehung. Aber ökonomisch ist das durchaus eine “Prinzipienfrage”, vor allem im Hinblick auf die Definition von “gleiche Leistung”. In den meisten modernen Berufen ist das logischerweise nahezu irrelevant (und die Annahmen des Modells hinsichtlich der Identität der anderen Elemente der Tätigkeit sind natürlich zumeist absurd – aber sie reichen, um das Problem zu illustrieren, denke ich).
Ich schließe mich deinem Kommentar absolut an, Judith.
Außerdem frage ich mich noch zu dem “heavy box”-Zitat, ob die männlichen Kollegen, die das zu der Jonik sagten, und früher für sie mal ‘ne schwere Kiste geschleppt haben, das damals deswegen gemacht haben, weil sie _wussten_ , dass sie schlechter bezahlt wurde..?
So nach dem Motto: “Ach komm, wenn du schon weniger verdienst, dann nehm ich dir wenigstens mal was ab…” Und dass sie das jetzt der Gerechtigkeit wegen nicht mehr machen…
An so eine Deutung (die ich aus jj’s erstem Kommentar herauslesen würde) glaube ich nicht. Mit anderen Worten: Im beschriebenen Fall liegt wohl kein allgemeiner Gerechtigkeitssinn vor. Dazu passt dann auch ihr Kopfschütteln…
Weil er so gut ist, aber es schon Montag ist und er das Thema auch berührt, verlinke ich den taz-Artikel einfach hier. Robert Habeck und ich sind einer Meinung: “Die Frau muss sagen: Ich liebe dich trotzdem”, dann wird auch im Beruf alles gut.
http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=do&dig=2008/10/25/a0008&cHash=2bcbca2037
jj, danke für diesen Artikel! Ich weiß gar nicht, was ich alles zitieren soll, weil das alles so wahr ist.
Mein Mann verdient übrigens weniger als ich, weil ich was Naturwissenschaftliches studiert habe, und er was Gesellschaftswissenschaftliches. Ich würde nicht auf die Idee kommen, ihn deshalb weniger zu lieben. Er findet die Situation zwar nicht super (wer mag schon weniger verdienen als jemand anders?), aber sehr zu stören scheint es ihn auch nicht. Geld ist nicht alles. Achtung schafft man sich durch seine Persönlichkeit und seine Leistungen, nicht durch seinen Gehaltscheck.