Der tiefsitzende Sexismus der Computerspielbranche

von Helga

In Deutschland kommt sie zaghaft an, in den USA tobt die Debatte um Sexismus und Frauenhass unter Computerspieler_innen seit letztem Monat und zeigt langsam das wahre Ausmaß.

Nach ihrem erfolgreichen Kickstarter-Aufruf zu diesem Thema wurde Feminist Frequency-Macherin Anitas Sarkeesian massiv bedroht (wir berichteten). Jetzt hat sie ein „Best-Of“ der ekligsten Einschüchterungsversuche (Trigger­warnung für Gewaltszenarien) online gestellt. Etwas, liebes DRadio Wissen, das mensch nicht mehr als „harsch“ bezeichnen kann. Sondern damit wird ein gesellschaftliches Klima geschaffen, in dem Frauen Angst haben sollen, sich zu äußern. Dies auch noch zu verharmlosen, unterstützt und legitimiert die Angriffe. Der letzte widerliche Höhepunkt war nun ein Online-Spiel, das dazu aufrief, sie zu verprügeln. Man Boobz hat die Tweets des Spielemachers noch genauer unter die Lupe genommen. Mit der Aufforderung zu psychischer Gewalt wollte er anscheinend ihre Aufmerksamkeit bekommen und „einen Dialog beginnen“. (Mir fehlen an dieser Stelle die Worte.)

Doch das ist nur ein Aspekt der Debatte: Kotaku-Autorin Katie Williams wurde zuvor auf der Spiele-Messe E3 immer wieder nicht ernst genommen – explizit deshalb, weil sie eine Frau ist und diese bekanntlich nicht „wirklich Computerspiele spielen“. Fast passend dazu sagte die Firma Reality Twist der Messe gamescon ab, da man den leichbekleideten Messehostessen (booth babes) kritisch gegen­über­stünde. Allerdings nur zum Spaß, denn Sexismus ist ja sooo witzig.

Wie wenig witzig der tiefgreifende Sexismus ist, zeigen die Beiträge zum Tomb-Raider-Reboot. Als Maßnahme zur Charakterbildung wird Lara Croft (fast) vergewaltigt. Dass dies wirklich kein tolles Erlebnis ist, aus dem Menschen gestärkt hervorgehen, sollte eigentlich jedem und jeder klar sein – oft genug wird „Ich hab’ Dich vergewaltigt“ heute als Dominanzgeste nach einem erfolgreichen Spiel verwendet. Patricia Hernandez schrieb über den ganzen Sexismus hinter dieser Aussage und im Escapist Magazine beschreibt ein Mann, wie schmerzhaft und beschwerlich sein Leben nach einer Vergewaltigung wurde.

Zum Schluß noch etwas bessere Nachrichten. Das Gamer-Blog Destructoid feuerte vor kurzem einen Schreiber, nachdem er Felicia Day als „verklärtes, unnützes Booth Babe“ dargestellt hatte. Wer Day noch nicht kennen sollte: Mit „The Guild“ hat sie eine der erfolgreichsten, mehrfach ausgezeichneten Web-Serien geschaffen. Die das Leben und Leiden einer Gruppe Computerspieler_innen verfolgt und auf ihren eigenen Erfahrungen basiert. Außerdem macht sie noch gefühlte 346.683 weitere coole Projekte über nerdige Dinge. Es geht doch!




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 10. Juli 2012 um 9:31 Uhr unter Kultur, Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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4 Kommentare

  1. map sagt:

    Danke für den Artikel! Fasst die Debatte sehr gut zusammen.

  2. [...] der Mädchenmannschaft verbindet Helga diesen Fall mit anderen, um “den tiefsitzenden Sexismus der Computerspielbranche” [...]

  3. Spielerin sagt:

    Hi Helga!
    Ich glaube der Sexismus sitzt noch immer ziemlich tief!!
    Ich hab’ gerade auf Hollightly nen witzigen Artikel zum Thema Frauenbild in Computerspielen gelesen. Und auch wenn das schon lange und immer wieder ein Thema ist, und man auch immer wieder die Stimmen à la “da muss sich was ändern” hört – es ändert sich nix.
    Ich denke mal das hängt einfach mit dem typischen Computerspieler und den die Computerspieleindustrie dominierenden Entscheidern zusammen.
    Ich bin gespannt … aber ich glaube es wird (leider) so bleiben wie es ist.
    LG,
    Eine Spielerin

  4. [...] auf der Spielemesse E3, auf der sie “als Frau” quasi nicht ernst genommen wurde. Via Mädchenmannschaft, die eine schöne (Link-)Zusammenfassung der aktuellen “Sexismus in [...]