Der Kampf gegen Vergewaltigung ist ein Kampf gegen die Betroffenen

von Nadine

Am vergangenen Donnerstag beschäftigte sich das TV-Magazin „Monitor“ mit dem Thema Vergewaltigung. Anlass gab die Äußerung des Staatsanwaltes Hansjürgen Karge bei Anne Will, der selbst seiner eigenen Tochter davon abraten würde, im Fall einer Vergewaltigung Anzeige zu erstatten (wir berichteten).

„Monitor“ ging der Frage nach, was es Opfern in Deutschland erschwere, eine Tat vor Gericht zu bringen beziehungsweise Anzeige zu erstatten. Die Fakten, die das Magazin vorbringt, sind nicht neu und dennoch ernüchternd. Auf etwa 100.000 Deutsche gäbe es nur neun Anzeigen wegen Vergewaltigung. Die nicht gemeldeten Vorfälle dürften allerdings um ein Vielfaches höher liegen, legt man lediglich die Statistiken zu Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen zu Grunde.

Die Gründe für das Opfer, sich gegen eine Anzeige zu entscheiden, sind vielfältig: Da etwa 85 bis 90 Prozent aller Täter_innen aus dem persönlichen Umfeld des Opfers stammen, ist das Schamgefühl, der soziale Druck und die Angst vor Einschüchterung durch den/die Täter_in besonders hoch. Hinzu kommt, dass die Vorgehensweise der Polizei und ermittelnden Behörden eine zusätzliche Hemmschwelle bieten:

Im Regelfall wird ein Vergewaltigungsopfer nur dann professionell untersucht, wenn es Anzeige erstattet. Aber genau davor scheuen viele Opfer erst einmal zurück. Für sie beginnt deshalb ein Vernehmungsmarathon, bei Polizei, Gericht und Gutachtern. Wieder und wieder müssen sie die Tat schildern und durchleben. Weil es bei Beziehungstaten meist keine objektiven Beweise gibt, zählt die Glaubwürdigkeit des Opfers. Gutachter wie Thomas Weber sind verpflichtet, dem mutmaßlichen Opfer zu unterstellen, dass es nicht die Wahrheit sagt.

Perfide, denn ein Gutachter gesteht im Monitorbeitrag, dass diese Vorgehensweise die Opfer nachhaltig psychosozial schädigen kann. Etwa 80 Prozent aller Vergewaltigungsopfer benötigen zum Teil jahrelange psychologische Betreuung.

Entscheidet sich das Opfer dennoch, direkt nach der Tat Anzeige zu erstatten, kann es in einigen Fällen sogar passieren, dass die Polizei keine Gerichtsmedizin hinzuzieht, um das Opfer zu untersuchen und Beweise zu sichern, berichtet „Monitor“. Stattdessen wird das Opfer zur hausärztlichen Untersuchung geschickt. Die Folge: mangelnde Beweise und damit ein fehlende Glaubwürdigkeit vor Gericht – sollte der Fall überhaupt dort landen. 80 Prozent der Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung werden wieder eingestellt.

Einen Lichtblick gibt eines der wenigen Modellprojekte in Mainz. Dort können sich Opfer anonym untersuchen lassen, ohne Anzeige zu erstatten. Die Beweismittel werden zehn Jahre eingelagert, so lange hat das Opfer Zeit sich zu überlegen weitere rechtliche Schritte einzuleiten. Finanziert wird das Projekt vom Innenministerium Rheinland-Pfalz. Nationale, flächendeckende Strukturen gibt es allerdings nicht. Keines der Bundesministerien fühlt sich in dieser Sache zuständig. Anders in England: Dort sind die anonymen Opferzentren seit Jahren selbstverständliche Anlaufstelle für Betroffene, die Regierung will die  Zentren um 50 Prozent ausbauen, denn die Zahl der Anzeigen habe sich mit den Opferzentren erhöht. Sie liegt dreimal höher als in Deutschland.




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Eintrag geschrieben: Montag, 23. August 2010 um 19:05 Uhr unter Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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40 Kommentare

  1. Gesetzgeber sagt:

    Dass es Vergewaltigungen gibt ist – gelinde gesprochen – tragisch, dass vermutlich viele Täter ungeschoren davon kommen ebenso.

    Es hat aber Gründe, warum die Polizei es mutmaßlichen Opfern nicht „leicht“ macht, sondern sehr genau ermittelt (und dazu ist u.a. die Polizei übrigens verpflichtet, MUSS ihrer Ermittlungspflicht also nachkommen).

    http://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/vergewaltigung_und_sexuelle_n_tigung_in_bayern_bpfi.pdf

    Die aktuellste mir bekannte und seriöse (Polizei)Studie zu dem Thema. Ab Seite 160 wird es interessant. Die Polizei Bayern geht von 20-33% Falschbeschuldigungen aus, wobei das eine vorsichtige Schätzung ist (auch 50% werden für möglich gehalten).

    Und der Vergewaltigungsvorwurf ist für einen Mann nicht von Pappe, der kann sich dann einen Sarg kaufen und sich gleich selbst beerdigen, ob er es verdient hat (schuldig) oder nicht (unschuldig). Eventuelle psychische Probleme sind dann seine kleinste Sorge.

  2. Gesetzgeber sagt:

    Äh, noch zu dieser Statistik betreffend der Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen: Gibt es da eine entsprechende Studie betreffend der Gewalt gegen Männer? Das wurde seitens des Frauenministeriums m. W. noch gar nie ausgeleuchtet.

    Mir sind jedoch einige wissenschaftlich seriöse und voneinander unabhängige, weil überregionale Studien bekannt, die zu dem Schluß kommen, dass Frauen in Beziehungen mindestens so gewalttätig sind wie Männer.

  3. Judith sagt:

    @“Gesetzgeber“

    Den Opfern wird oft nicht geglaubt. Schon gar nicht von der Polizei. Das ist nichts Neues. Und spricht nicht für oder gegen den Wahrheitsgehalt.

  4. Helga sagt:

    @“Gesetzgeber“: Die Studie zu den Falschbeschuldigungen haben wir hier bereits diskutiert, dort geht es um gefühlten Einschätzungen von Polizeibeamten, die anscheinend von den Feinheiten bei Vergewaltigungen keine Ahnung haben – dass Opfer sich widersprechen weil sie traumatisiert sind und sich nicht an Details erinnern können, in den Vernehmungen aber darauf festgenagelt werden. Schön erklärt hat das auch der FAZ-Artikel.

    Und jedes weitere „but what about teh meeeeeeenz?“ wird gelöscht!

  5. Gesetzgeber sagt:

    Ah, der FAZ-Artikel. Auch die Kommentierungen sind sehr hilfreich.

    „Und jedes weitere “but what about teh meeeeeeenz?” wird gelöscht!“

    Aber dann kriege ich ’nen Dauerlutscher von euch geschenkt, oder?

    Versteht ihr, Traumatisierte haben die ihnen widerfahrenen Ereignisse präsenter, als es ihnen lieb ist. Gerade die Tatsache, dass – auch – Details nicht vergessen oder verdrängt werden können, macht ein psychisches Trauma ja erst aus.

    Die Logik „jemand sagt die Wahrheit, GERADE WEIL er sich in Widersprüche verwickelt bzw. erweislich lügt“ etc. kann ich daher nur sehr bedingt nachvollziehen…

    Und den in der Studie befragten Beamten einfach völlige Kenntnislosigkeit zu unterstellen… wieso ruft ihr dann nicht beim Bayerischen Innenministerium an und weist es an, dass es aufhören soll, solchen Müll zu verbreiten und dass die Polizei gefälligst ihre Ermittlungspflicht vernachlässigen sollen?

    Wie soll man das Problem denn eurer Ansicht nach lösen? Unschuldsvermutung abschaffen?

  6. kraeuterzucker sagt:

    @Gesetzgeber: Nein, BITTE nicht diese Büchse der Pandora öffnen!
    Bei Interesse die Schlammschlacht z.B.
    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/08/06/nichts-kapiert
    http://julia-seeliger.de/vergewaltigungsdebatten/#more-4261
    nachlesen.
    Bringt nur böses Blut…

  7. Helga sagt:

    @“Gesetzgeber“ Yea, Worte im Mund umdrehen. Polizei Ermittlungspflicht vernachlässigen? Im Gegenteil, oft genug wird gar keine Ermittlung eingeleitet, weil niemand dem Opfer glaubt. Dann gibt es eine Reihe an Vorschlägen: Opfern Mehrfachvernehmungen ersparen; psychologische Betreuung; Opfer nicht von Hausärzten sondern geschultem Personal untersuchen lassen; Krankenschwestern und Ärzte schulen, die völlig urteilsfrei ”rape kits” aufnehmen und dann solange eingefroren lassen, bis sich Opfer zur Anzeige entschließen; Abkehr vom „Fremder aus dem Busch“-Stereotyp bei Polizei und Richtern …

  8. Nadine sagt:

    @Gesetzgeber

    Mir sind jedoch einige wissenschaftlich seriöse und voneinander unabhängige, weil überregionale Studien bekannt, die zu dem Schluß kommen, dass Frauen in Beziehungen mindestens so gewalttätig sind wie Männer.

    Achso? Na dann zähl mal auf. Bin gespannt, ob der Erkenntnisse. Das BMFSFJ hat dazu bereits eine Studie durchgeführt. Aber vielleicht beliest du dich selbst erst einmal, bevor du hier Unsinn verbreitest.

    Versteht ihr, Traumatisierte haben die ihnen widerfahrenen Ereignisse präsenter, als es ihnen lieb ist. Gerade die Tatsache, dass – auch – Details nicht vergessen oder verdrängt werden können, macht ein psychisches Trauma ja erst aus.

    Nein verstehe ich nicht. Schon gar nicht möchte ich von dir erklärt bekommen, wie Traumatisierte denken, fühlen und handeln. Das lass ich mir von Traumatisierten im Zweifelsfall selbst erklären. Aber vielleicht liest du auch hierzu erstmal den im Text verlinkten Monitorbeitrag, bevor du weiterhin Unsinn verbreitest.

    Wie soll man das Problem denn eurer Ansicht nach lösen? Unschuldsvermutung abschaffen?

    Sehr interessanter Lösungsansatz, den du hier vorschlägst, den aber nur wenige Menschen unterstützen würden. Es geht nicht darum, Männer grundsätzlich an den Pranger zu stellen, sondern die Integrität der Opfer zu wahren und sie respektvoll und würdig nach so einer Tat zu behandeln. Da passiert oft das Gegenteil. Einen Lösungsansatz, den ich begrüßenswert finde, ist der der anonymen Opferzentren. Sensibilisierungs- und psychologische schulungen für Ermittlungsbehörden und eine breite, gesellschaftliche Thematisierung dieses Themas fände ich auch gut. Bisher denken noch immer sehr viele Menschen, Vergewaltigungen würden nachts im Wald passieren oder dass Frauen sich davor schützen könnten. Zahlen belegen andere Sachverhalte.

  9. kraeuterzucker sagt:

    @topic: Das imho Dilemma bleibt, dass es bei der (zum Glück!) geltenden Unschuldsvermutung und des oft nicht objektiv beweisbaren Verbrechens man um eine (traumatisierende) Befragung bzw. genaue Überprüfung der Glaubwürdigkeit nicht herum kommt. Eine bessere Ausbildung und höhere Sensibilität seitens der Polizei ist zwar unbedingt wünschenswert, löst aber auch nicht den kern des Problems.

  10. Nadine sagt:

    @kraeuterzucker

    das wäre auch anders zu lösen, indem Opfer erstmal ohne Anzeigeerstattung und den Befragungsmarathon Beweise sichern lassen könnten, anonym. Um dann, nach einer Therapie bzw. „Erholungsphase“ Anzeige zu erstatten. Objektive Beweise gehen ja durch die im Text genannten Gründe verloren und nicht, weil sie einfach nicht da sind. Indem sich Opfer sicher sein könnten, sie werden bei den ermittelnden Behörden mit Würde und Respekt behandelt, wäre das Problem der Glaubwürdigkeit keines. Die Zahl der Vergewaltigungen würden dadurch natürlich nicht sinken („Kern des Problems“), das ist hier aber auch nicht das Thema.

  11. Judith sagt:

    „Versteht ihr, Traumatisierte haben die ihnen widerfahrenen Ereignisse präsenter, als es ihnen lieb ist. Gerade die Tatsache, dass – auch – Details nicht vergessen oder verdrängt werden können, macht ein psychisches Trauma ja erst aus.

    Die Logik “jemand sagt die Wahrheit, GERADE WEIL er sich in Widersprüche verwickelt bzw. erweislich lügt” etc. kann ich daher nur sehr bedingt nachvollziehen…“

    Falsch, Trauma-Patienten haben in der Regel einzelne Details sehr deutlich präsent und andere dafür um so weniger. Beispielsweise hört man immer wieder, dass sich betroffene partout nicht mehr dran erinnern können, wie sie nach der Tat nach Hause gekommen sind usw… Die von der Polizei erfragten Details sind nicht notwendiger Weise die Details, die sich so intensiv festgebrannt haben. Manchmal ist es vor allem ein Geruch, ein Geräusch etc., der das Ereignis im Gedächtnis festhält.
    Zu den offiziellen medizinischen Diagnosekriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung gehört: „Unfähigkeit, sich an einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern“.
    Diesem vertrakten Phänomen liegt möglicherweise ein Schutzmechanismus unseres Gehirns zu Grunde. Vielleicht hast Du schon mal irgendetwas anders Einschneidendes erlebt, wo Du dieses Gedächtnisphänomen in abgeschwächter Form auch selbst erlebt hast?
    Die Glaubwürdigkeit an der widerspruchsfreien lückenlosen Darstellung des Betroffenen festzumachen ist also absurd.

  12. kraeuterzucker sagt:

    @Nadine:
    Klar, das finde ich auch uneingeschränkt unterstützenswert. Ich kann nicht einschätzen, ob Betroffene in dem Moment auch so rational sind und diese Stellen aufsuchen, aber jeder Frau (oder Mann) dem dadurch geholfen wird, das Verbrechen zu belegen ist ja ein Erfolg.
    @Judith: Du hast natürlich Recht. Trotzdem muss die Polizei Aussagen ja nach irgendwelchen Maßstäben bewerten. Ich bin da auch etwas ratlos.

  13. Gesetzgeber sagt:

    @Nadine

    Als PTBS-Betroffener lasse ich mir in Sachen Trauma sicher nichts von Küchenpsychologinnen erzählen, ok?

    Aber da ich dir deiner Meinung nach was über das Thema erzählen kann: Frag nur…

  14. müde sagt:

    gesetzgeber = troll
    case closed!

  15. Helga sagt:

    Jeder traumatisierte Mensch ist anders – dazu kann das immer wieder Durchleben der traumatischen Situation gehören, aber genauso gut das totale Verdrängen. Gerade bei Vergewaltigungen kann es auch passieren, dass die Opfer während der Tat alles ausblenden und nichts mehr wahrnehmen. Gerade deswegen wäre es wichtig, geschultes Personal zu haben statt „Küchenpsycholog_innen” bei Polizei und in Gerichten, sowie Gutachter auch in Traumapsychologie zu schulen.

    Für die weitere Diskussion möchte ich darum bitten, auf Beleidigungen zu verzichten und zu respektieren, dass jeder Mensch andere Erfahrungen macht. Eine Diskussion darüber, welches Verhalten das echte/wahre/richtige ist, ist nicht angebracht, weil es gerade das nicht gibt, sondern nur darauf hinausläuft, Opfern Schuld zuzuschieben.

  16. Gesetzgeber sagt:

    Gut, zu den Studien, nach denen Nadine gefragt hat (die (Pilot-)“Studie“ des Frauenministeriums, die gerade mal 200 Einzelbefragungen unter Beihilfe ausgerechnet des „Dissens e.V.“ vornahm) ist nun mal nicht aussagefähig, bei der kleinen Grundgesamtheit sowieso unter keinen Umständen:

    http://www.csulb.edu/~mfiebert/assault.htm

    275 Untersuchungen, davon 214 empirische Studien, Grundgesamtheit mehr als 365.000. Da lache ich bei einer „Pilotstudie“ mit 200 Befragten…

    Und bevor das gelöscht wird, weil es um „the men“ (nicht „teh mens“, „men“ ist schon das Plural) geht: Nadine hat gefragt.

  17. Nicole sagt:

    Um die Tatsache, dass Frauen auch Täterinnen sind, ging es in der Untersuchung auch nicht, von daher ist auch klar, dass diese Untersuchung darüber kaum gesicherten Aufschluß gibt. Interessant sind da dann Untersuchungen von häuslicher Gewalt innerhalb gleichgeschlechtlicher Beziehungen, denn diese lassen ja deutlich eher Rückschlüsse auf die Täterschaft der Frau zu.
    Aber, wie gesagt, darum ging es hier ja auch nicht, sondern darum, dass es den (hier weiblichen) Opfern von sex. Gewalt zusätzlich erschwert wird, erfolgreich Anzeige zu erstatten.
    Hier besteht unbedingt Handlungsbedarf, unteranderem wohl auch durch Sensibisierung der zuständigen Stellen dafür, welche Möglichkeiten die Gesetze und Verordnungen alles bieten. Es kann nicht sein, dass zb. Beweise nicht ausreichend gesichert werden, obwohl sie vorhanden wären.
    Ein Ansatz wäre beispielsweise auch, nicht nur das mm. Opfer einem Glaubwürdigkeitsgutachten zu unterziehen, sondern auch den/die Beschuldigte(n).

  18. Gesetzgeber sagt:

    @Judith:

    „Den Opfern wird oft nicht geglaubt. Schon gar nicht von der Polizei. Das ist nichts Neues. Und spricht nicht für oder gegen den Wahrheitsgehalt.“

    Ich habe vier Beine, blaue Haut und fünf Augen. Du glaubst mir nicht?

    Das ist nichts Neues. Und spricht nicht für oder gegen den Wahrheitsgehalt meiner Aussage.

    Lest euch doch mal durch, wie die Vernehmungsbeamten auf ihre Einschätzungen kommen. Seite 160ff.

    @Helga:

    „(…) dort geht es um gefühlten Einschätzungen von Polizeibeamten (…)“

    Lies doch mal nach, wie genau die Beamten (Männer wie Frauen, unabhängig vom Dienstalter etc.) da zu ihrer Einschätzung kommen. Ich habe eher den Eindruck, du „erfühlst“ dir das einfach, lies es doch einfach mal nach.

    @Nadine:

    „(…) eine breite, gesellschaftliche Thematisierung dieses Themas fände ich auch gut. (…)“

    Wie könnte man es denn noch breiter thematisieren als das schon der Fall ist? Es läuft doch eine Kampagne nach der anderen.

    Übrigens verbitte ich mir die Unterstellung, ich würde Unsinn verbreiten, auch wenn du meinst, dies gleich wiederholen zu müssen. Kann wohl kaum der Netiquette hier gerecht werden, oder? :)

    „(…) Zahlen belegen andere Sachverhalte.“

    Sehr richtig. „Meine“ Studien hast du ja erhalten. Und?

    @Judith:

    „(…) “Unfähigkeit, sich an einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern” (…)“

    Das ist eines von vielen Symptomen, die auf eine PTBS schließen lassen können, es aber nicht müssen. Und es gibt zig andere psychische Erkrankungen, die das „Symptom“ hervorbringen, z.B., wenn ein Pseudologe eine Lücke in seiner Story schließen möchte, es aber nicht kann.

    „(…) Die Glaubwürdigkeit an der widerspruchsfreien lückenlosen Darstellung des Betroffenen festzumachen ist also absurd. (…)“

    Da aber gleich auf ein Trauma zu schließen, das wäre wirklich absurde „Küchenpsychologie“ oder besser „Wikipediapsychologie“, oder?

    @müde:

    „Troll“ dürfte hier eher auf einen Troll schließen lassen, der die Netiquette nicht achtet und die Diskussion nur torpedieren will. So definiert sich „Troll“.

    @Helga:

    „(…) deswegen wäre es wichtig, geschultes Personal zu haben statt „Küchenpsycholog_innen” bei Polizei und in Gerichten, sowie Gutachter auch in Traumapsychologie zu schulen. (…)“

    Ich verstehe nicht, wie du darauf kommst, dass das nicht schon der Fall ist? Diese Leute kommen nicht völlig grundlos zu ihren Einschätzungen, ich verstehe nicht, wieso das einfach unterstellt wird.

    „(…) Eine Diskussion darüber, welches Verhalten das echte/wahre/richtige ist, ist nicht angebracht, weil es gerade das nicht gibt, sondern nur darauf hinausläuft, Opfern Schuld zuzuschieben. (…)“

    Ich finde, eine solche Diskussion durchaus angebracht, da es hier deutliche Hinweise (von Beweisen spreche ich noch gar nicht) auf eine sehr hohe Anzahl von Falschbeschuldigungen gibt, welche nicht nur unschuldigen Männern zu schaden geeignet sind, SONDERN AUCH DIE OPFER ECHTER VERGEWALTIGUNGEN UNGLAUBWÜRDIGER MACHEN – und ihnen somit schaden und den Tätern in die Hände spielen. Kämen Falschbeschuldigungen nicht so häufig vor, die Beamten wären echten Opfern gegenüber sicher erheblich unkritischer.

    (Sorry für die Großschreibung, HTML-Befehle funktionieren hier nicht)

    @Nicole:

    „(…) Ein Ansatz wäre beispielsweise auch, nicht nur das mm. Opfer einem Glaubwürdigkeitsgutachten zu unterziehen, sondern auch den/die Beschuldigte(n). (…)“

    Gute Idee, man könnte auch Lügendetektoren einsetzen, das scheitert nur an der Unschuldsvermutung. Man muss dem Beschuldigten die Schuld beweisen, nicht der Beschuldigte seine Unschuld. Und in Fälle, in denen es Wort gegen Wort steht, hält man als Beschuldigter besser den Mund.

  19. Kantorka sagt:

    Ich würde sagen, das „Troll“ bezieht sich darauf, daß die Diskussion SOFORT mit dem ersten Kommentar gehijackt und in eine Debatte über lügende Frauen, um ihren Ruf gebrachte Männer etc dasgleichewieimmer verwandelt wurde. Wie fast immer beim Thema Vergewaltigung, und auf fast immer die gleiche Art + unter totaler Dominaz der Kommentarspalte durch einen einzelnen Poster – da kann einem der „Trollverdacht“ als Leser durchaus kommen – abhängig von der „Trolldefinition“ natürlich. Aber da eine Definition ist: „Mutmaßliches Ziel des Trolls ist das Stören der ursprünglich an einem Sachthema orientierten Kommunikation…“ und wir jetzt schon wieder weg vom eigentlichen Thema des Artikels sind (weil Frauen das Problem ja quasi in der Regel nur erfinden oder maßlos übertreiben) kann man das, finde ich, als Meinungsäußerung stehen lassen.
    Aber das letzte Wort haben wie immer die Moderatorinnen.

  20. Nadine sagt:

    @Gesetzgeber

    In meinem Ursprungstext ging es nicht darum, welches der beiden Geschlechter mehr leidet, weil davon im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt gegen Trans* und Intersex nicht die Rede sein kann, sondern dass Opfer von Vergewaltigungen an den Strukturen, die Deutschland für die Täterermittlung zur Verfügung stellt, oftmals scheitern. Ich kritisierte Strukturen, keine Menschen und kein spezifisches Geschlecht.

    Dein Diskussionsstil ist inakzeptabel, wenn du weiterhin anderen Kommentator_innen Inkompetenz in dieser Sache unterstellst und nicht am Thema bleibst, weil du lieber davon sprechen möchtest, dass Frauen böse Wesen seien, unter denen Männer mehrheitlich zu leiden hätten. Ich würde dich außerdem bitten, Zynismus, Beleidigungen, Pauschalisierungen und Mansplaining zu unterlassen, dein Gastrecht nicht zu missbrauchen und diesem sensiblen Thema entsprechend zu diskutieren.

  21. Nadine sagt:

    @all

    bitte am Thema bleiben und keine Beleidigungen gegen andere Kommentator_innen. Vielen Dank.

  22. Cassandra sagt:

    Für alle Interessierten hier noch die weiterführenden Informationen (Adressen etc.)
    zur Monitor-Sendung:

    http://www.wdr.de/tv/monitor//sendungen/2010/0819/pdf/informationen_vergewaltigung.pdf

    Und hier noch die Homepage einer Polizeistelle die das Verfahren „Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftat“ anbietet:

    http://www.polizei-nrw.de/rhein-sieg-kreis/k-praevention/opferschutz/article/modell-ass.html

  23. maria sagt:

    was ich immer nicht so ganz verstehe ist weshalb einem menschen, der (oder die?) wie „gesetzgeber“ ständig die diskussion in die eigene richtung treiben will eigentlich ein derart großer raum gegeben wird. warum unterhalten wir uns nicht weiter und ignorieren störende, diskriminierende und vom thema abschweifende bemerkungen? ich verweise gern nochmal auf senta trömel-plötz, die bereits in den 70er jahren gesprächsanalysen männer und frauen betreffend durchgeführt hat.
    manchmal wenn ich hier die kommentare durchlese habe ich das gefühl da hat sich in den strukturen konversationeller kompetenz nicht viel verändert…
    auf dem eigentlichen thema beharren und ungewolltes sowie penetrantes hijacken ignorieren ist ein mittel das funktioniert, niemanden nerfen kostet und auch niemanden verletzt.
    (@gesetzgeber… übrigens ist es DER plural)

  24. Tim sagt:

    @Nadine

    Dein Artikel und das eingefügte Zitat fordern !in der Konsequenz! auch das den mutmassliche Opfern mehr glauben geschenkt wird (denn nur dann würden die Untersuchungen und Vernehmungen weniger belastend ) und da ist es durchaus sachlich und themenrelevant wenn jemand belastbare Zahlen (von Personen die tagtäglich mit dem Thema zu tun haben und somit über mehr Erfahrung in dem Bereich verfügen als alle hier diskutierenden vorgeben zu haben) dafür einbringt das die bei solchen Anschuldigungen vorhandene Skepsis berechtigt ist.

  25. Judith sagt:

    Psychiater verfassen häufig Gutachten zur Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen.
    Die haben das die entsprechende Ausbildung, das Handwerkszeug und die Erfahrung um sich zum Thema Glaubwürdigkeit eine *professionelle* (!) Meinung zu bilden.
    Und irren natürlich trotzdem oft genug.
    Richter verurteilen oder eben nicht.
    Was hingegen Polizisten und Behördenmitarbeiter so finden und meinen ist nur insofern relevant, dass es die Vorurteile widerspiegelt, mit denen Opfer, die die Tat zur Anzeige bringen, regelmäßig konfrontiert werden. Ob sich die Vorurteile bewahrheiten oder nicht, erfahren die Beamten ja selten, darum erhalten sich die Vorurteile auch so hartnäckig.

  26. Kantorka sagt:

    Im übrigen kann ich nicht fassen, daß offenbar erwartet wird, daß wir uns schon wieder nicht mit dem eigentlichen Thema, sondern mit dieser einen, gern-zitiert-aber-selten-gelesenen-und-noch-seltener-verstandenen Interviewauswertung auseinandersetzen sollen. Ich finde die Aussagen, die sort gemacht werden, hochproblematisch; berufsbedingt misstrauische Menschen werten als Zeichen für eine Falschanschuldigung, daß Ehefrauen bei ihren Partnern bleiben, Frauen Anzeigen zurückziehen (warum wohl), Drogen im Spiel waren, zwischen Tat und Anzeige Zeit verging, also eigentlich alles, was vom „klassischen“ Opferverhalten des Bilderbuchopfers abweicht, aber in der Realität häufig vorkommt und nicht gegen ein Verbrechen spricht. Diese Kriterien lesen sich teils so haarsträubend, daß man nach dem seltsamen Klima im Bayrischen Ermittlungswesen fragen muß und ich getrost von mir sagen kann, daß mich diese Zahlen entsprechend nicht im geringsten überzeugen.

    Und wie soll das Sichern und Archivieren von Beweisen für die Beschuldigten problematisch sein? Gibt es denn bei soviel Verunsicherung etwas vernünftigeres, als Stellen zu schaffen, wo zeitnah und fachkundig Beweise gesichert und Fakten festgestellt würden? Von der medizinischen Versorgung nach einer Tat -Schockbetreuung, Pille danach, HIV_Prävention, abgesehen- wem würde da geschadet? Warum dieser erbitterte Widerstand? Schließlich wäre es dann eben kein „Aussage-gg-Aussage“ mehr, wenn es auch Spuren zu sichern gab, die eine Aussage untermauern. Wäre doch in Aller Interesse. Aber die Reflexe einer User-Gruppe scheinen immer dieselben zu sein: Kaum erwähnt ein Artikel Vergewaltigung, fühlt sich diese Gruppe scheinbar unschuldig vor ein Tribunal gezerrt und versteht alleine schon die Erwähnung daß es Vergewaltigungen gibt und sie selten geahndet werden, als Aufforderung, kollektiv in die Defensive zu gehen und die Männer gesamt gegen die bösen Frauen zu verteidigen. Seltsam.

  27. Tim sagt:

    @Kantorka

    „Und wie soll das Sichern und Archivieren von Beweisen für die Beschuldigten problematisch sein?“

    Diese Fragestellung ist relativ leicht zu beantworten wenn man sich einmal in die Situation hineinversetzt Beschuldigter zu sein.

    Während die Beschuldigende „ihre“ Beweise gesichert bekommt und zeitnah sammeln kann, wird der Beschuldigte irgendwann Jahre später damit konfrontiert das er damals ein Verbrechen begangen haben soll. Er kann nichts mehr zu seiner Entlastung sammeln, höchstwahrscheinlich wird er nichteinmal mehr wissen wo er an diesem Tag war, aber plötzlich steht er vor Gericht…

    Aber in diese Situation versetzt du dich nicht hinein weil Sie dich niemals betreffen wird.

    „versteht alleine schon die Erwähnung daß es Vergewaltigungen gibt und sie selten geahndet werden, als Aufforderung, kollektiv in die Defensive zu gehen “

    Unsinn, ich denke niemand bezweifelt das. Das Problem ist das es hier nicht dabei bleibt dies zu erwähnen sondern direkt oder indirekt gefordert wird mehr von diesen bösen Männer zu verurteilen indem man die Anforderungen an eine Verurteilung weiter herabsenkt was zwangsläufig damit einhergeht das mehr Männer unschuldig verurteilt werden.

    @Judith
    „Was hingegen Polizisten und Behördenmitarbeiter so finden und meinen ist nur insofern relevant, dass es die Vorurteile widerspiegelt, mit denen Opfer, die die Tat zur Anzeige bringen, regelmäßig konfrontiert werden.“

    Diese Polizisten und (ich weiß das hören einige nicht gern) Polizistinnen haben aber mehr Erfahrung und sind näher dran an dem Thema als du. Und das erfahrene Vernehmungsbeamte über keine psychologische Kompetenz verfügen um den Wahrheitsgehalt von Aussagen zu beurteilen solltest du mal überdenken. Kripo Beamte werden regelmässig und umfangreich psychologisch geschult denn Aussagen aufnehmen und überpüfen ist deren Job.

  28. kraeuterzucker sagt:

    @Kantorka: „wem würde da geschadet? Warum dieser erbitterte Widerstand? “

    Den angesprochenen Widerstand kann ich gar nicht erkennen. Es geht „Gesetzgeber“ meiner Einschätzung nach nur darum, das Polizeibehörden per se Inkompetenz unterstellt wird und das die angewendeten objektiven Kriterien zwar bestimmt nicht immer richtig sind, aber wohl ein Erfahrungswert ist und deswegen nicht grundsätzlich absurd ist.
    Vorurteile sind ja die Summe der eigenen oder kolelktiven Erfahrungen und sind zwingend erforderlich wenn man systematisch Verbrechen aufklärt.

    „als Aufforderung, kollektiv in die Defensive zu gehen und die Männer gesamt gegen die bösen Frauen zu verteidigen.“

    Auch wenn ich die selbe Beobachtung gemacht habe, dass solche Diskussion oft emotional und erbittert geführt werden ist dein Rückschluss aber auch eine komische Interpretation. Ich lese erst seit kürzerem feministische Blogs, und es hat mich anfangs schon erschreckt, welches Freund-Feind-Denken auf beiden (!) Seiten manchmal an den Tag gelegt wird.
    Und aktuelle Fälle wie Kachelmann oder Assange, die von den Medien natürlich gehypt werden, verführen eben zu solchen Reflexen. Aber sorry, ich komme wieder vom Thema ab ;) Also back2topic.

    @Tim: „Während die Beschuldigende “ihre” Beweise gesichert bekommt und zeitnah sammeln kann, wird der Beschuldigte irgendwann Jahre später damit konfrontiert (…)“
    Das ist aber doch völlig normal, das man für Verbrechen angeklagt wird, die lange zurück liegen. Solange ein Fall nciht verjährt ist das vollkommen legitim.

  29. Kantorka sagt:

    „Während die Beschuldigende “ihre” Beweise gesichert bekommt und zeitnah sammeln kann, wird der Beschuldigte irgendwann Jahre später damit konfrontiert das er damals ein Verbrechen begangen haben soll. “

    Die Logik erschließt sich mir nun garnicht. Oder findest Du die Verjährungsfristen falsch? „Beweise“ nennt man gemeinhin so, weil sie höchstwahrscheinlich nicht selbstgebastelt sind. Das als unfairen Vorteil einer Anklägerin zu bewerten erschließt sich mir nicht. Gerade hier das problematische „Aussage gegen Aussage“ aufzulösen, heißt ja eigentlich mehr Objektivität. Ach was, ich vergaß ja, es fehlt mir allein an Einfühlungsvermögen, sonst müßte ich Deine Meinung teilen.
    Auch wie dieser Vorschlag, wenn denn man umgesetzt, dazu führen soll, daß mehr Unschuldige verurteilt werden, ist mir schleierhaft.

    Was die „Defensive der Usergruppe“ betrifft, zeig mir eine einzige Diskussion in diesem feministischen Blog in der es nicht nach ein paar wenigen -hier vom ersten- Kommentar(en) an nur noch um die Frage geht: Was ist denn aber mit den armen Männern? Ist es umstritten, daß die meisten Vergewaltigungen nicht angezeigt und nie geahndet werden? Warum ist es unmöglich, dieses Thema dann auch zu diskutieren, ohne daß hauptsächlich/ dem Anschein nach männliche Kommentatoren das ganze in eine Debatte um lügende Anzeigeerstatterinnen verwandeln, und sofort, wenn man versucht, zum eigentlichen Thema zurückzukehren -wie geht man in einer gesellschaft am besten mit den Opfern von Vergewaltigungen um- unterstellen, all die unschuldig Verurteilten Männer seien ihnen ja egal. Nun, offensichtlich sind das umgekehrt auch tatsächliche Opfer, denn sonst könnte man so konstruktive Vorschläge und tatsächliche Probleme diskutieren, ohne sofort wieder erläutern zu müssen, warum in der Realität die Vergewaltigung nicht vor allem anderen eine Waffe für gemeine Frauen ist.

    Was die Polizei angeht, um die ging es in der Lieblingsstudie (die keine Studie ist) nur am Rande, es ging hauptsächlich um Sachbearbeiter. (Bitte nicht den Anwesenden sagen, was sie gerne hören wollen und was nicht, ich für meinen Teil bringe das lieber selber zum Ausdruck, danke. Im Übrigen sehe ich meine Argumentationen nicht immer gleich entkräftet, sobald in irgendeiner Gruppe um deren Verhalten es geht oder die eine Meinung vertritt, auch Frauen vertreten sind, insofern…)
    Aber was reitet denn den Herrn Staatsanwalt, mit so viel Berufserfahrung, seiner theoretischen Tochter, wenn sie tatsächlich vergewaltigt würde, von einer Anzeige abzuraten,davon, sich also in die Hände „seines“ Systems zu begeben?

    Offensichtlich findet er den Umgang der Ermittler und das Verfahren, vielleicht auch die vorhandenen Mittel, für ein tatsächliches Opfer so belastend, daß er es niemand nahestehendem zugemutet sehen wollte. Da liegt doch der Schluß nahe, daß das, was dort gemacht, gesagt, und getan wird, nicht unproblematisch ist, daß eben die Erfahrenen Fachkräfte so nicht alles so richtig machen oder machen können (Mittel) – richtig für alle Beteiligten.
    Was die von der Studie illustrierten Vorurteile angeht, tja, wie die entstehen, habe ich auch schon vor ein paar Semestern durchgenommen, aber sie dann als grundlegende Kompetenz anzuerkennen, sie nicht zu hinterfragen, gerade wenn sie im Berufsleben der Betreffenden im Umgang mit den Menschen umgesetzt werden und so gravierende Folgen haben können, na das liegt mir dann doch nicht nahe. Und ich gehe noch nicht mal unbedingt meinem persönlichen Bild von der Polizei etc nach, nein, ich lege hier einfach mal das zugrunde, was in der bayrischen Studie aufgeführt wurde und was von Karge illustriert wurde – es stimmt was nicht.

    Ja, hier wurdegefordert -implizit- daß die Zahl der Anzeigen und der Verurteilungen steigen muß, weil sie lächerlich klein im Vergleich ist. Damit war aber das ahnden von tatsächlichen Vergewaltigungen mit professionelleren Mitteln durch u.a. zeitnahes Sichern der Beweise ( statt „Gehen Sie zum Hausarzt!“ zB) gemeint und es wurden Konzepte vorgestellt, die zu diskutieren hier natürlich wieder nicht möglich war. Hier zu unterstellen, es ginge um das Anklagen im Gießkannenprinzip durch das Heruntersetzen der Ansprüche an eine Anzeigerstatterin und das Aufgeben des rechtsstaalichen Prinzips, und es sei den Diskutantinnen hier egal, ob Unschuldige in den Knast werden, ist ziemlich unverschämt.

    Und die erschreckende Feststellung bleibt, daß das Opfer dieses Verbrechens in Deutschland am besten den Mund halten. Bei welchem anderen Verbrechen in dieser Klasse muß sich in Deutschland ein Opfer diese Frage auch nur stellen, ob sie eine Ermittlung auch nur ertragen könnten?

    Ich hab jetzt mal eine neugierige Frage an ein paar der Kommentatoren: Würdet ihr Eurer Schwester, Frau, Tochter raten, Anzeige zu erstatten, wenn sie vergewaltigt wurde und danach zu Euch kommt?

    Aber alleine diese Frage zu stellen,

  30. Neeva sagt:

    Dieser Artikel ist echt deprimierend. Was lernt man daraus?

    – wenn irgend möglich, drastisch physisch wehren, damit man Verletzungen vorzeigen kann
    – möglichst sofort alles aufschreiben, um sich später nicht in Widersprüche verwickeln zu lassen
    – sofort zum Arzt und Verletzungen aufnehmen lassen (Da stellt sich allerdings die Frage, welcher Arzt)
    – gleich selbst um Notfallverhütung und Aidstest etc kümmern

    @Kantorka
    Ich kann es nicht vorhersagen, wie ich mich wirklich verhalten würde, wenn eine zu mir kommt. Hier vor dem Bildschirm tendiere ich dazu ihr als erstes Beruhigungstabletten zu besorgen und dann obige Liste möglichst vollständig abzuarbeiten.
    Ich hege nur die unbehagliche Vermutung, dass das Erfüllen der obigen Punkte sehr schwer bis unmöglich sein könnte.

  31. Nadine sagt:

    @Tim und Kräuterzucker

    ich denke, dass Kantorka dazu alles gesagt hat. Es geht nicht darum, irgendeine Tätergruppe zu konstruieren, irgendein Geschlecht für etwas zur Verantwortung zu ziehen, sondern der Fokus lag ganz offensichtlich auf den Opfern. Das können Frauen, Männer, Trans* und Intersex sein, Homo, Bi, Poly, Migrant_innen, Arbeitslose, you name it. Ebenso auf Täter_innen-Seite. Die Sachlage ist leider nun mal die, dass es die deutschen Behörden offenbar nicht auf Opfer-, sondern auf Täterschutz anlegen und zur Vergewaltigungsprävention (!!!) vorschlagen, wie man sich zu bewegen und zu kleiden hätte. Das hilft mir als Frau bspw. auch nicht vor einer/m Partner_in, der/die mich wiederholt sexualisierter Gewalt aussetzt.

    Das Problem liegt nicht nur dort, wo die Ermittlungen beginnen, sondern welche Stereotypen über Geschlecht und Vergewaltigung als solche vorherrschen. Weiter oben im Thread ist, glaube ich, der FAZ-Artikel verlinkt. Der rollt das noch einmal anschaulich auf. Dass es hin und wieder zu Falschanschuldigen kommen kann (die übrigens nicht nur von Frauen gegen Männer getätigt werden), ist zwar Faktum, aber für die Verbesserung der Opfersituation und der Tataufklärung für mich völlig irrelevant, weil sie im Gegensatz zu den „wirklichen“ Taten verschwindend gering sind und bei jeder anderen Straftat auch vorkommen.

    Niemand verlangt hier, die Unschuldsvermutung aufzuheben oder Ansprüche für eine Verurteilung herabzusetzen, wie Kantorka bereits ausführt. Es geht darum, nicht grundsätzlich davon auszugehen, das mutmaßliche Opfer lüge und es damit noch weiter zu schädigen und zu demütigen, sondern sich neutral zu verhalten und mal die Statistik über Falschanschuldigungen im Kopf zu haben, wenn mir als Gutachter_in/Polizist_in/Staatsanwält_in eine Person vor der Nase sitzt.

    Und ja, wie bereits mehrfach ausgeführt, um einen Geschlechterkampf geht es offenbar nur Menschen wie Gesetzgeber, die ab dem 1. Kommentar versuchen, die Diskussion vom eigentlichen Thema hin zu Mann vs. Frau zu lenken.

  32. M.S. sagt:

    „Diese Polizisten und (ich weiß das hören einige nicht gern) Polizistinnen haben aber mehr Erfahrung und sind näher dran an dem Thema als du. Und das erfahrene Vernehmungsbeamte über keine psychologische Kompetenz verfügen um den Wahrheitsgehalt von Aussagen zu beurteilen solltest du mal überdenken. Kripo Beamte werden regelmässig und umfangreich psychologisch geschult denn Aussagen aufnehmen und überpüfen ist deren Job.“

    Und anscheinend werden die Polizisten so geschult, dass sie das Opfer so sehr beschuldigen und auf es einreden, bis es einfach alles erzählt. Nur um endlich seine Ruhe zu haben! Ich würde mich nicht wundern, wenn ein Großteil der Frauen ihre Anzeige zurückzieht, weil sei die ständigen Befragungen (die echt an Terror grenzen) nicht mehr ertragen können. Und das ist zum Großteil die Polizei und nichtmal der Anwalt des Beschuldigten.

    Hier liegt meiner Meinung nach das Problem!
    Ich würde auch niemandem raten, eine Vergewaltigung anzuzeigen, aber nicht weil ich nicht möchte, dass der Täter verurteilt wird, sondern weil es einfach einer Hölle für die Frau ist.
    Es gibt eine Menge Hilfsstellen und Beratungsstellen, an die die Frauen sich wenden können, um das Geschehene zu verarbeiten und mit ihrem Leben wieder klar zu kommen – das ist allemal besser als diese Hölle noch zig mal durchleben zu müssen…

    Und wenn jetzte jemand sagt, man sollte denjenigen doch anzeigen, damit er nicht noch weitere Frauen überfällt, dann ist da zwar was wahres dran, aber ich bin ehrlich nicht bereit, mich und mein Leben dafür zu opfern…

  33. Annette sagt:

    Leider gibt es viele Menschen, die wie „Gesetzgeber“ denken. Dahinter stecken meist zutiefst frauenfeindliche Einstellungen. Indem man die Fakten immer rumdreht, werden die zu allgemein aktzeptierten Wahrheiten. Deshalb gibt es keine wirksame Bekämpfung von Vergewaltigung. Spricht man das Thema bei Männern an gibt es meist zwei Reaktionen: schweigen oder Angriff. Das frag ich mich schon: Wer hat da Dreck am Stecken.

    Übrigens zum Thema, das Opfer erinnert sich genau an die Details der Tat. Vor Jahren bin ich mal von einem Mann im Park von hinten angefallen worden. Was er vor hatte, war mir schnell klar. Ich konnte ihn in die Flucht schlagen. Einige Tage später las ich in der Zeitung, dass ein Mann in just jenem Parkt Frauen belästigt und angreift und man solle sich melden, wenn man Hinweise hat. Ich also zur Polizei und eine Aussage gemacht. Ich war selbst überrascht, an wie wenig Details ich mich erinnern konnte. Wie oben gesagt: Manches war ganz klar da und an manches konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Wer behauptet, dass ein Opfer sich immer an jedes Detail erinnern könnte, der hat schlicht keine Ahnung.

    Noch etwas aus dem Nähkästchen: Wir waren 7 Frauen auf dem Gymnasium und davon wurden bis zum Abitur, so viel ich weiß, 2 vergewaltigt. Eine auf einer Klassenfahrt von einem Fremden und eine von ihrem eigenen Freund. Keine hat die Männer angezeigt. Warum? Ist doch klar. Witzeleien von den Klassenkameraden, dreckige Bemerkungen – und das wäre noch harmlos gewesen.

  34. Fairfis sagt:

    a i) Aus meiner Perspektive ist das grösste Hindernis für eine funktionierende Strafverfolgung bei sexueller Nötigung und Vergewaltigung das enorme soziale Stigma, dass die Tat begleitet. Und zwar sowohl für Angeschuldigte wie für Betroffene. Zeige ich jemand wegen Vandalismus, einer Schlägerei oder Diebstahl an, so ist die gravierendste Bedrohung für diese Person die Strafe mit der die Tat bewehrt ist. Bei sexueller Nötigung, schon in „leichten“ (das heisst mit tiefer Strafe bewehrten) Fällen ist das gravierendste das soziale Stigma, selbst dann, wenn die drohende Strafe eine Dekade oder mehr Gefängnis sein kann. Umgekehrt habe ich als Opfer eines Diebstahls oder einer Schlägerei kein soziales Stigma zu fürchten. Weder bei einer Verurteilung der angeschuldigten Person, noch bei einem Freispruch derselben.

    ii) Das soziale Stigma hat viele Effekte. Schuldig bekennen, um ein höheres Strafmass zu vermeiden ist fast immer keine Option, da eben die Obrigkeitliche Strafe nicht das schlimmste ist. Eine falsche Anschuldigung fallen lassen ist fast ebenso unmöglich, da das zugeben einer solchen desaströse Konsequenzen hat. Erzählen „wie es war“ ist für alle Beteiligten äusserst schwierig, weil jedes Detail der Handlung nicht nur aus der rechtswissenschaftlichen Warte beurteilt wird, sondern immer auch gleich eine Stigmatisierung durch die Öffentlichkeit zur Folge hat: ah.. die Frau ist also mit dem Typ freiwillig in seine Wohnung gegangen um ihrer Promiskuität zu frönen. Ah, der Herr mag es also, geschlagen zu werden… Usw.

    iii) An der sozialen Stigmatisierung kann momentan nicht viel geändert werden und wohl viele hier stimmen ihr sogar zu. Nehmen wir z.B. an, Polanksi hätte vor dreissig Jahren ein anderes, mit damals deutlich höherem Strafmass bewehrtes Verbrechen begangen (sagen wir bewaffneter Raubüberfall ohne Körperverletzung), die jüngere Debatte wäre doch (meiner Meinung nach zu Recht) ganz anders gelaufen (interessantes Gedankenexperiment ist auch, sich die heutige Debatte vorzustellen, wenn die Gender im Polanski-Fall umgekehrt wären). Daher:

    b i) Die Praxis der Strafverfolgung muss die besondere Situation der sozialen Stigmatisierung des untersuchten Verbrechens anerkennen. Die in anderen Bereichen (insbesondere Jugendkriminalität) erfolgreich angewandten Methoden zum Schutz von Anklagenden und Angeklagten sollten auch in diesem Bereich angewandt werden, insbesondere:

    1. Die Kontrolle des Verfahrens durch die Anklagende Person. Das beinhaltet insbesondere die heikle Frage des Offizial-Delikts. Ich halte es für einen Fehler, das Vergewaltigung von Amtes wegen verfolgt werden muss, auch gegen den Willen des Opfers. Zwar nimmt das einerseits Druck vom Opfer (es muss nicht das Gefühl haben, dass es ihre „Gemeinheit“ ist, die den/die AngeklagteN (meist ja eine ihr nahestehende Person) für viele Jahre ins Gefängnis bringt, andererseits bedeutet dass aber auch, dass das Opfer ein weiteres Mal in eine Situation gerät, die sie nicht kontrollieren kann und in der sie komplett abhängig vom Willen anderer ist. Insbesondere wirkt die Tatsache, dass das Opfer nach einer Anzeige nicht mehr kontrollieren kann, was passiert als enorm abschreckend. Opferorientiertes Strafrecht würde in diesem Fall bedeuten, die Kontrolle darüber, wie weit das Strafverfahren geht, vollständig dem Opfer zu überlassen.

    Ein spezieller aber äussert wichtiger Punkt dabei ist, dass durch den Staat für alle zugängliche Stellen geschaffen werden, bei denen Opfer Hilfe und Beratung finden, wobei die komplette Vetraulichkeit gewahrt bleibt, also die Stelle auch bei Wissen um ein Verbrechen ohne die Anweisung (nicht nur die Einwilligung) des Opfers keine Schritte unternehmen darf.

    2. Anonymität während des Verfahrens. Das Recht sieht grundsätzlich Öffentlichkeit des Verfahrens vor und es gibt ausserordentlich gute Gründe dafür (Unter anderem Vermeidung von Missbrauch richterlicher Gewalt). Im speziellen Fall von sexueller Nötigung und bei Vergewaltigung überwiegen meiner Meinung nach jedoch Vorteile der grundsätzlichen Anonymität. Das bedeutet unter anderem, dass sowohl die Behörden, wie auch Anklagende und Angeklagter Strafbewehrt verboten ist, Angaben über eine Anzeige, über Beteiligte oder über den Gegenstand eines Verfahrens zu machen (Siehe Strafverfolgung bei Kindern und Jugendlichen). Grösstes Hindernis hier ist die Anordnung einer Untersuchungshaft, welche meist nicht möglich ist, ohne Rückschlüsse auf die Gründe zu provozieren. In den allermeisten Fällen kann jedoch darauf verzichtet werden, während der Opferschutz durch richterliche Anordnung wie Ortsverbote und Mindestabstand teilweise gewährt werden kann (U-Haft wird im übrigen nie wegen Opferschutz angeordnent sondern nur wegen Verdunklungs- oder Fluchtgefahr).
    Anonymität heisst jedoch nicht, dass die Angeklagten nicht über die Identität der Anklagenden informiert werden, es heisst nur, dass über das Verfahren, über die Anklage und über die Identität der Beteiligten von Behörden wie Beteiligten absolutes Stillschweigen zu bewahren ist, bis das Verfahren letzinstanzlich beendet wird. Das ist kein einfach zu erreichendes Ziel, insbesondere da jede Zeugeneinvernahme den Bruch des Stillschweigens wahrscheinlicher macht. Es ist jedoch im allgemeinen Umsetzbar und die Informationssperre hat auch dann noch deutliche Wirkung auf grad der Streuung und Berichterstattung, wenn die Anonymität gebrochen wurde.

    b ii) In der ganzen Diskussion um das Strafrecht darf nicht vergessen werden, dass die Obrigkeitliche Strafverfolgung kaum die Lösung für die behandelten gesellschaftlichen Probleme bieten kann. Im besten Fall ist die Strafverfolgung ein Teil der Lösung, oft ist sie nur unbeholfene Reaktion auf eine unfassbare Realität.

    Es gibt keine „gerechte Strafe“ für die Verletzung der psychischen und physischen Integrität einer Person. Strafrecht aus der Warte von Gerechtigkeit aus zu betrachtent ist meist zu viel verlangt. Was zu Recht kritisiert wird, ja was unerträglich ist, sind die sexistischen Vorurteile, die immerpräsenten Genderstereotypen, die durch PolizistInnen und RechtspflegerInnen gehalten werden und in ihre Arbeit einfliessen. Es gilt diese hier zu bekämpfen wie in allen anderen Bereichen, aber selbst eine weitgehend reflektierende und gendersensitive Obrigkeit kann mit dem Instrument Strafverfolgung allein wenig zur Lösung des Problems erreichen.

  35. Fairfis sagt:

    PS: Nur um Unklarheiten zu vermeiden: Polanksi sollte hier nur als Beispiel für die unterschiedliche Perzeption von durch das Gesetz ähnlich mit Strafe bedrohte Taten dienen. Meine These ist, dass diese sowohl mit dem Faktor „sexuelle Straftat oder nicht“ als auch mit dem Faktor „Gender der ausübenden Person“ korreliert. Das ist ein Argument für den Ausschluss der Öffentlichkeit im Verfahren, keine Betrachtung über die Hintergründe des Falls Polanksi

  36. kraeuterzucker sagt:

    @Fairfis: Sehr guter Kommentar!
    „Ich halte es für einen Fehler, das Vergewaltigung von Amtes wegen verfolgt werden muss, auch gegen den Willen des Opfers.“
    Schwierig. Gerade wenn die Tat (wie so oft) im nahen Kreis bzw. vom Partner passiert, läd es doch den Täter dazu ein, enormen Druck auf das Opfer aufzubauen, das es zu keiner Anzeige kommt bzw. eine solche zurück gezogen wird damit der Täter straflos davon kommt.
    Ich bin da auch unschlüssig, ich kann verstehen dass jemand sagt er würde als Opfer nicht anzeigen, aber der Gedanke, dass sich dadurch noch mehr kukünftige Täter in Sicherheit wiegen können ist mir auch sehr zuwieder.

  37. Fairfis sagt:

    @Kräuterzucker

    Da hast Du Recht,.. Es gibt enormen Druck auf die anzeigende Person, die Anzeige aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Verschiebung der Macht und der Kontrolle hin zum Opfer. Es ist das Opfer, das entscheidet was passiert. Der äussere Druck überhaupt keine Anzeige zu machen ist in beiden Fällen wohl gleich gross, der Innere im Falle des offizial-Delikts aber wohl noch bedeutend grösser. Ich denke hier gibt es keine Lösung, bei der kein Schaden entsteht, jedoch halte ich die „Macht beim Opfer“-Lösung für die bessere als die „Schutz des Opfers durch Abnahme der Entscheidung“ Lösung.

    Ich gebe aber zu, dass diese Änderung erst dann richtig Sinn macht, wenn es anonyme, zur Vertraulichkeit verpflichtete, unabhängige und kostenlose Beratung gibt.

  38. Frollein M sagt:

    Ich darf da vielleicht aus meinem eigenen Erfahrungsschatz plaudern,bin sozusagen vom Fach :)

    Ich wurde während der WM 2006 auf dem Nachhauseweg überfallen und vergewaltigt, ganz klassisch, der dunkle Mann der einen ins Gebüsch zerrt.
    Da es nur 100m von meiner Haustür entfernt war, war ich schnell zuhaus, meine Mutter war da, sie hat sofort die Polizei gerufen.

    Ich sass über 4h durchnässt und verdreckt und habe auf die Polizei gewartet,
    als die Kripo endlich da war, gings ins KH, wo mich ein verstörter,überforderter AIPler und eine tolle, resolute Hebamme erwarteten. Die Abstriche wurden genommen, Nägel geschnitten etc. und ich durfte nach Haus. Um 6h morgens durfte ich mich erstmals säubern und ins Bett, die Tatzeit war 23.30h.
    Das war das erste.

    2 Tage später ging es zur ersten Vernehmung, ich muss dazu sagen, dass ich mit „meinem“ Komissar unheimliches Glück hatte, ein netter Mann mittleren Alters, der mich gefragt hatte. ob ich lieber eine weibliche Beamtin gehabt hätte.

    Als er mich allerdings fragte, nachdem ich mit (es ließ sich nicht vermeiden) viel Geheule den Tathergang erzählt hatte, ob ich vor der Tat getrunken hätte, konnte ich mir ein gewisses Befremden nicht verkneifen. Er entschuldigte sich und sagte, er müsse mich das fragen….. Ich konnte seine Frage zum Glück ehrlich verneinen.

    Die Verletzungen, Kratzer und blauen Flecken, die ich en masse hatte wurden ebenfalls nicht gewertet, da der Täter sie mir ja nicht mit seinen Händen zugefügt hatte, das wurde mir auch direkt in der Nacht so gesagt.

    Nichtsdestotrotz blieb es mir überlassen, diese vor Arbeitskollegen zu erklären.
    Ich war aber auch froh diese zu haben, denn, so schlimm es ist, für viele ist eine Vergewaltigung ohne äussere Verletzungen keine richtige Vergewaltigung, die Kratzer gaben mir also Glaubwürdigkeit.

    Die nächste Zeit musste ich immer wieder zur Polizei, um mir potentielle Verdächtige anzugucken, ich konnte zum Glück ein Fahndungsfoto rekonstruieren, was dann veröffentlicht wurde.
    Da durfte ich dann die nette Erfahrung machen, das du als Vergewaltigte oft nicht ernstgenommen wirst. So wurde mir z.B. ein Foto vorgelegt, wo ein Mann mit Augenbrauenpiercing drauf war. Ich sagte sofort, bestimmt, der war es nicht, ausserdem hätte ich mich an das Piercing erinnert. 2mal versuchte der Beamte (es war diesmal ein anderer) mich in diese Richtung zu drängen, es würde ja „so gut passen“. Ich hab das Gespräch dann mit den Worten beendet „Entschuldigung, aber ich war dabei.“
    Das ist auch so eine Sache, wenn du heulst und (sichtbar) verstörst bist, wirst du nicht ernstgenommen, wenn du versuchst, alles schnell, pragmatisch und mit Würde hinter dich zu bringen, war es dann zusätzlich auch nicht so schlimm.

    Normalerweise würde ich sowas nicht öffentlich schreiben, aber mir geht der Hut hoch, wie das Gespräch von Männern bestimmt wird, die meiner Meinung nicht nachfühlen können, wie so etwas ist, und die das Gespräch permanent auf die armen Falschbeschuldigten bringen. Sowas ist natürlich schlimm, keine Frage, aber sie sollten sich fragen,wie es ist wenn man vergewaltigt wird ,und niemand glaubt es.

    Trotz allem würde ich immer Anzeige erstatten, und wenn es nur ist, um sich nicht ganz so hilflos zu fühlen. Mir hat der Gedanke geholfen, jetzt etwas tun zu können.

    Ach ja, und zum Thema, eine derartige Diskussion würde Männer nur als potentielle Täter darstellen: Viele sind es , viele sind es nicht. Es gibt gute Männer und schlechte Männer.
    Wäre es nicht so, gäbe es diese Diskussion gar nicht.

    P.S. Die Opferbeauftragte mit der ich dann sprechen durfte, war auch ein Witz.
    Sie begrüsste mich praktisch mit den Worten „Ja wir nennen eine Vergewaltigung ja immer Mord an der Seele“. Sehr aufbauend, wenn man versucht iwie damit klar zu kommen. Dann erzählte sie mir von den Statistiken, die das belegen, z.B. Selbstmordrate unter V-Opfern. Ach ja, und sie schwärmte dann noch von Lichttherapie, die ja Traumata lösen würde. Ich habe dann dankend verzichtet.

  39. kraeuterzucker sagt:

    Gestern kam im NDR eine sehr interessante Doku über den Fall Kachelmann und den Medienkomplex darum.
    Ich finde vorallem den Aspekt der Medienausschlachtung und Vorverurteilung spannend, wenn es nicht so traurig wäre. Auf Seiten des Angeklagten UND der Anklägerin.

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/hintergrund/kachelmannkomplex101.html

  40. […] Die Fakten sprechen für sich: Nur ein Bruchteil von sexualisierten Übergriffen wird überhaupt zur Anzeige gebracht, noch weniger Fälle landen vor Gericht, noch weniger enden mit einer Verurteilung. Die Strukturen für Opfer sexualisierter Gewalt sind mäßig bis schlecht, Polizist_innen unzureichend ausgebildet, Gutachter_innen darauf aus, die Integrität des mutmaßlichen Opfers solange zu prüfen, bis Widersprüche aufgedeckt werden können. Die Betroffenen sexualisierter Gewalt sind in der Bringschuld. In der Bringschuld zu sein in einem System, in dem Sexismus und Frauenfeindlichkeit offen ausgelebt werden können und institutionell verankert sind, bedeutet, in einer nicht gleichberechtigten Position zu sein gegenüber denen, die überzeugt werden müssen von der Schuld des vermeintlichen Täters. Wenn wir über sexualisierte Gewalt reden und verhandeln, müssen wir auch die Verhältnisse, Normen und Strukturen bedenken, in denen sie passiert. […]