Der große Unterschied zwischen Lesben und Heten

von Gastautor_in

Nele Tabler lebt mit Frau und zwei Hunden im Odenwald. Sie schreibt Krimis, Liebesgeschichten, Kolumnen, Kurzgeschichten und bloggt seit 2002 auf karnele.de über Feminismus und lesbisches Leben. Dieser Text erschien ursprünglich dort.

Das Ritual am Morgen: Mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette an den PC setzen und die Mails durchgehen, die in der Nacht eingetrudelt sind. Fast immer stoße ich dabei auf einen Link, der mir die Laune vermiest. Vorausgesetzt ich klicke ihn tatsächlich an, manchmal reicht schon die Überschrift, um zu ahnen: »Darüber will ich heute gar nichts wissen!« Doch den Kopf in den Sand zu stecken, hilft meistens nicht. Im Laufe des Tages finde ich auf Twitter oder Facebook garantiert ebenfalls Hinweise auf den verschmähten Artikel und irgendwann gewinnt meine Neugier.

Vor Kurzem machte ein Video von einem Baptistenpfarrer aus North Carolina die Runde. Was der zu sagen hatte, wollte ich zunächst auch weder hören noch bei youtube ansehen. »Steckt Lesben und Schwule ins KZ, damit sie aussterben!« Später entpuppte sich diese »Predigt« neben den homophoben Tiraden allerdings als recht amüsant und führte auf Twitter zu einer Unterhaltung über homosexuelle Fortpflanzungsarten.

Auch die Meldung, dass ein Moskauer Gericht gleich für die nächsten 100 Jahre den CSD verboten hat, gehört im Grunde genommen eher in die Rubrik Satire – wenigstens für mich als eine Lesbe aus Westeuropa. Russische LGBT Menschen finden das wahrscheinlich nicht besonders lustig, selbst wenn sie wissen, dass eine derartige Planung in die Zukunft einfach nur absurd ist. Ganz besonders in einem Land, dessen System vor zwanzig Jahren quasi über Nacht zusammengebrochen ist, hat man doch Erfahrung damit, wie unvorhersehbar politische Entwicklungen sein können.

Der Osten Europas wird mehr und mehr für Lesben und Schwule zu einer No-Go-Area. Ein Urlaub an der polnischen und baltischen Ostseeküste, den die Liebste und ich angedacht hatten, ist inzwischen in weite Ferne gerückt. In Länder fahren, wo der CSD nur unter massivem Polizeischutz stattfinden kann? Und dieser lediglich gewährt wird, weil die Staaten entweder bereits in der EU sind oder beitreten wollen und deshalb zähneknirschend als eine der Bedingungen LGBT Rechte in Kauf nehmen? Das Risiko eingehen, irgendwo verhaftet zu werden, weil der Familienstand »verpartnert« als »Homosexuellenpropaganda« ausgelegt werden könnte? Unter Erholung stellen wir uns was anderes vor.

Ein reisefreudiges und abenteuerlustiges Lesbenpaar aus unserem Bekanntkreis hatte lange davon geträumt, einmal mit ihrem Bus rund um die Welt zu fahren. Doch wie sie die Routen auch planten, immer wieder stießen sie dabei auf Länder, in denen sie als Lesben unerwünscht waren. Mal wegen der offiziellen Politik eines Staates, mal wegen der angeblichen Einstellung in der Bevölkerung gegenüber Homosexuellen. Eines Tages haben sie sich von ihrem Traum verabschiedet und akzeptiert, dass es viele Orte auf dieser Welt gibt, die sie wohl nie sehen werden.

Der Stuttgarter CSD findet dieses Jahr unter dem Motto »gleichbeschäftigt« statt. Wie geht es LGBT Menschen im Beruf? Was erleben sie mit Kolleg_innen und Vorgesetzten? Unbeabsichtigt gestaltet sich die Suche nach einem Schirmherrn, einer Schirmfrau zum Musterbeispiel für Diskriminierung, denn diesen Job will keine_r aus der Wirtschaft machen. »Nichts gegen Lesben und Schwule im Unternehmen, aber am besten bitte ‚Nichts fragen, nichts sagen‘«. Eine Bekannte, die in einer großen Firma arbeitet, muss jedes Jahr wieder der Lohnbuchhaltung erklären, was »verpartnert« bedeutet und weshalb sie Steuerklasse 1 hat. »Und wieso reden Sie immer von Ihrer Frau?«, wollte der Chef vorwurfsvoll wissen und ließ durchblicken, dass die Anwesenheit »der Frau« beim Betriebsfest mit Familienangehörigen unerwünscht sei.

Zu jenen Meldungen, die mir regelmäßig morgens die Laune vermiesen, gehören auch solche, die sich mit Kirche und Glauben beschäftigen. »Schottischer Kardinal: Erziehung durch Homo-Ehe in Gefahr« und »Sachsen: Evangelikale machen mobil gegen Homo-Ehe«, hieß es heute zum Beispiel. Wildfremde Menschen, die weder mich noch die Liebste kennen, wollen uns Vorschriften darüber machen, wie wir zu leben haben. Es gibt so viel Elend und Unglück auf dieser Welt, Kriege, Naturkatastrophen, Diktaturen, Hunger, Obdachlosigkeit, aber all das scheint im Gegensatz zur Homosexualität uninteressant zu sein. Falls nicht sogar nach Ansicht mancher Fundamentalist_innen wir Lesben und Schwule sowieso an diesen Zuständen schuld sind.

Natürlich finde ich es erst mal komisch, wenn wieder einer behauptet, für den 11. September, Fukushima oder das letzte Erdbeben in Italien seien wir verantwortlich. Jawohl, ich bin Superwoman, unglaublich, über welche Macht ich verfüge. Seid bloß nett zu mir, sonst lasse ich demnächst den Himmel auf euren Kopf fallen. Aber in Wahrheit sind solche Aussagen nicht zum Lachen, sondern zum Heulen. Und an manchen Tagen tue ich das auch. Wenn ich eh schon deprimiert bin und gleich fünf oder zehn Mal hintereinander lesen muss, dass einer iranischen Lesbe Asyl in Deutschland verweigert wurde, ein Fußballtrainer keine Schwulen in seiner Mannschaft haben will, Herr Schäuble uns für Menschen zweiter Klasse hält, denen keine steuerlichen Vorteile gewährt werden dürfen, eine Friedensnobelpreisträgerin sich als homophob erweist, ein Landtagsabgeordneter von Kreuzfahren labert und Jugendliche an einer Bushaltestelle einen Schwulen zusammengeschlagen haben.

Verachtung, Hass, Diskriminierung, auch wenn ich das im Vergleich zu vielen Anderen nur sehr selten persönlich und am eigenen Leib erfahre, begleiten mich diese unguten Gefühle trotzdem vom Aufstehen bis zum Einschlafen. Überall da draußen gibt es Menschen, die mich nicht leiden können, mir Böses wollen. Nicht etwa, weil sie mich kennen oder weil ich ihnen etwas angetan hätte, sondern einfach weil ich lesbisch bin. Das reicht als Begründung.

»Dauernd behauptest du, Lesben und Heteras würden die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven sehen. Das ist doch Quatsch. Frauen sind Frauen!«, schrieb mir neulich eine Hete empört und nannte mich einen »Spaltpilz«. Ich habe darauf nicht reagiert, es ist so mühselig, immer wieder zu versuchen, die Unterschiede zu erklären. Meine Antwort kann sie jetzt hier lesen:

Vielleicht sind die Hauptunterschiede, dass Heten nur selten gehasst werden, weil sie heterosexuell sind. Dass sie nie erleben, wie manche Staaten Anti-Heten-Gesetze erlassen. Dass sie nicht wissen, wie ist, wenn ihnen Teile dieser Welt aufgrund ihrer Heterosexualität nicht zugänglich sind. Ihnen niemand sagt, wegen ihrer sexuellen Identität seien sie an einem Tsunami schuld. Und sie morgens nicht heulen, wenn sie die Mails der letzten Stunden lesen.




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 12. Juni 2012 um 17:22 Uhr unter Sex_ualität, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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23 Kommentare

  1. icke sagt:

    Ehrlich gesagt… klingen besonders die letzten beide Absätze, als würdest du heterosexuelle Frauen in irgendeiner Art und Weise für die Probleme, die lesbische Frauen haben, verantwortlich machen. Dein Ton ist anklagend und durchaus auch beleidigend. Als wäre die Welt für heterosexuelle Frauen ein Paradies.

    Und natürlich die alte „Du weißt ja gar nicht, wie das ist.“-Leier. Wissen heterosexuelle Frauen vermutlich auch wirklich nicht. Woher auch. Es jemandem zum Vorwurf zu machen, er oder sie wisse nicht, „wie das ist“, weil er oder sie gar nicht die Voraussetzungen dazu hat, ist armselig. Und dann zu schreien „Aber dann seid halt empathisch“, wenn man sich selber weigert, empathisch zu sein, ganz genauso.

    Als lesbische Frau diskriminiert zu werden gibt niemandem das Recht, heterosexuelle Frauen als Dummchen, die nichts von der bösen, bösen Welt wüssten und sich in einem rosa Wolkenschlösschen aufhalten würden, hinzustellen. Das ist ganz genauso diskriminierend.

    Diskriminiert zu werden gibt niemandem das Recht, andere zu diskriminieren. Es führt nur zu einem „get off my side because you’re making my side look stupid“-Effekt.

  2. Wo hat Nele denn Heteras als „Dummchen“ dargestellt oder Empathie befohlen? Sie hebt hervor, dass heterosexuelle Frauen gewisse Erfahrungen nicht am eigenen Leib machen. Diese Tatsache schiebt sie ihnen weder als Schuld in die Schuhe noch stellt sie jene als naiv dar. Abgesehen davon spricht sie keiner nicht-lesbischen Person ihre Diskriminierungserfahrungen ab und bestreitet auch nicht anderweitige Gemeinsamkeiten.

    Übrigens ist Diskriminierung nicht gleichzusetzen mit gemeinem/unfairen behandeln: WENN Nele alle Heterofrauen als dumm und naiv beschimpft HÄTTE, wäre das keine Diskriminierung sondern eine Beschimpfung. Diskriminierung ist eine Struktur, etwas, das nicht nur einmal und von einer Person ausgeübt wird sondern von einer Gesellschaft bzw. ihren Teilen, sowie in Bürokratien, Staaten, deren Gesetzen usw. mehr oder weniger verankert ist.

    Dass Frauen*, ob lesbisch oder nicht, häufig wegen ihres Frau-seins als „Dummchen“ verurteilt werden, bestreite ich nicht und will ich auch nicht kleinreden. Ist aber ein etwas anderes Thema.

  3. Blaubart sagt:

    @icke

    Die Interpretation kann ich dem Text nicht finden.
    Als Angehöriger der häufig mit Homosexualität gleichgesetzten Gottlosigkeit kann ich gerade die letzten Absätze gut nachvollziehen. Ich kann (und werde) auch in manche Länder nicht reisen, ohne zu verbergen wer ich bin und was ich denke.

    Jeder Mensch macht halt verschiedene Erfahrungen mit Diskriminierung, wie in diesem Fall eben aus diversen Gründen und von fast allen Seiten gleichzeitig. Das so etwas zu einer anderen Perspektive führen kann als die die ich einnehme ist für mich selbstverständlich und sollte jeder respektieren.

  4. Nadine sagt:

    @Icke

    Es ist sicherlich nicht angenehm für eine_n, auf eigene Privilegien hingewiesen zu werden, kein Grund von „Heterophobie“ oder Diskriminierung zu sprechen, wo keine stattfindet/stattfinden kann. Außerdem gilt auch für dich die Netiquette.

  5. toni sagt:

    wenn andere menschen von ihrem leben und ihrer persönlichen sicht der dinge sprechen/schreiben, wäre es angebracht einfach mal zu zu hören und nicht gleich „aber ich …“ zu schreien.
    könnt ihr euch nicht einfach mal hinten anstellen und anderen menschen raum geben?
    meine güte.

  6. icke sagt:

    Da steht ziemlich deutlich „Ihr könnt das nicht verstehen, deswegen erachte ich eure Einwände für wertlos“ drin und das ist jetzt nicht gerade das, was ich unter Diskussionskultur verstehe. Das hat überhaupt nichts mit Priviligien zu tun, sondern damit, auf die Aussage EINER heterosexuellen Frau mit „Ihr habt ALLE keine Ahnung“ zu kontern.

    Da oben steht drin, dass heterosexuelle Frauen im Ganzen – also alle, ausnahmslos – nicht zur Empathie fähig sind, und ganz ehrlich? Das ist halte ich für eine unzulässige Verallgemeinerung. Ganz genau wie »Dauernd behauptest du, Lesben und Heteras würden die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven sehen. Das ist doch Quatsch. Frauen sind Frauen!«

    Ich habe nie bestritten, dass heterosexuelle und lesbische Frauen die Welt unterschiedlich sehen. Ich habe auch nie bestritten, dass die Welt für lesbische Frauen lebensgefährlich sein kann. Nichts davon habe ich angezweifelt.

    Aber ich wehre mich gegen die Verallgemeinerung, dass heterosexuelle Frauen kein Stück in der Lage seien, zu erkennen, wie die Welt für lesbische Frauen ist (genau das sagt der letzte Absatz. „Ihr erlebt das nie, also könnt ihr das auch nicht.“), weil sie heterosexuell sind, nur weil EINE heterosexuelle Frau nicht in der Lage dazu ist.

  7. Marishiki sagt:

    @icke

    vielleicht könntest du statt zu paraphrasieren, mal zitieren, ich finde nämlich diese aussagen, die dich so ärgern, nicht in dem text.

    was in dem letzten (es geht ja nur in den letzten beiden absätzen explizit um heten) absatz steht sind keine anschuldigungen, sondern feststellungen. ich bin hetero und ja, ich bin dafür noch nie gehasst worden, es gibt keine gesetze, die mich als hetera einschränken, ich darf überall hin, ohne meiner sexualität wegen angst haben zu müssen, mir werden keine naturkatastrophen unterstellt und beschimpft werde ich auch nicht. das stimmt ALLES und mehr ist es nicht, was in dem text gesagt wird.

    niemand findet dich oder mich scheiße, weil du oder ich bestimmte erfahrungen nicht gemacht haben. aber sich aufzuregen, bloß weil festgestellt wird, dass man diese erfahrungen nicht gemacht hat – ähm. nein. einfach nur nein.

  8. toni sagt:

    ich sehe ehrlich gesagt nicht ein, bei dem obigen beitrag dein aufgezwungenes thema zu verhandeln.

    du schreibst sehr polemisch über diesen beitrag – ich lese den artikel definitiv anders und empfinde deinen beitrag lediglich als bestätigung – die antwort darauf gibt dir die autorin im letzen absatz selbst.

    und ich verstehe auch nicht was du diskutieren magst und wieso du der ansicht bist hier steht etwas zur diskussion.
    die autorin schreibt über ihre erfahrungen, möchtest du ihr nun erklären wie ihre welt „richtig“ zu verstehen wäre?

  9. Emi sagt:

    Es wurde nicht behauptet, heterosexuelle Frauen* seien nicht empathiefähig, sondern nur, dass sie die Umstände, die lesbische Frauen* tagtäglich erleben, eben nicht so nachvollziehen können wie Lesben das können.
    Dies impliziert jedoch NICHT, dass Heteras* nicht dafür sensibilisiert werden können (wenn sie denn Empathie besitzen, was ich bei einem Großteil aller Menschen voraussetze). Die Äußerung von Nele meint nur, dass Heteras* sich nicht täglich damit auseinandersetzen, darin leben, sich drüber ärgern müssen, und dass sie eben erst mal aufmerksam gemacht werden müssen.

  10. sanczny sagt:

    @icke

    Da oben steht drin, dass heterosexuelle Frauen im Ganzen – also alle, ausnahmslos – nicht zur Empathie fähig sind (…)

    Nein, das steht da nicht. Da steht, dass heterosexuelle Frauen eine andere Perspektive haben, und Nele erklärt, wie ihr diese andere Perspektive von (einigen, nicht allen) heterosexuellen Frauen abgesprochen wird. Was darüber hinaus geht, da gibst du dir ziemlich viel Mühe, das reinzulesen.

  11. Dani sagt:

    @icke

    So ein Kommentar ist nach einem solchen Text nur ein weiteer Stich von hinten durch die Brust und ein Grund die Hände vor dem Gesicht zusammenzuschlagen.

    Ich finde Neles Text unglaublich wichtig und auch „interessant“, weil mich homofeindliche Nachrichten zwar auch unglaublich verärgern, ich aber nunmal keine Ahnung habe, was solche Nachrichten für die Lebensrealität von von dieser Diskriminierung betroffenen Menschen tatsächlich bedeuten. Mir ist aber nunmal nicht nur meine eigene Lebensrealität wichtig, sondern auch die von anderen Menschen. Um die zu verstehen, muss man manchmal auch einfach mal nur zuhören, die Klappe halten und sein eigenes Verhalten reflektieren.

  12. notschka sagt:

    Liebe Icke,

    empathisch wäre in diesem Falle, zunächst anzuerkennen, dass die Autorin die Erfahrung macht, angefeindet und diskriminiert zu werden, anstatt gleich loszuschreien (sorry), sie würde selbst diskriminieren.

    Ich fühle mich sicherlich nicht diskriminiert, wenn mir jemand von einer Erfahrung erzählt, die ich nicht machen KANN weil ich eine sogenannte Hete bin. Ich muss mir kein Bein brechen um mir vorstellen zu können, dass das weh tut. Und in dem Beitrag habe ich kein einziges Wort gelesen, das mir dieses Vorstellungsvermögen abspricht.

    Ich finde es schade, dass die Diskussion diese Richtung genommen hat, denn das eigentlich Thema ist hier die Diskriminierung von Menschen auf der ganzen Welt. In diesem Fall von Lesben und Schwulen. Die natürlich andere (bittere) Erfahrungen machen, als alle, die der leider immer noch überall geltenden Norm (die eine dumme Konstruktion ist) entsprechen.

    Ich finde, das kann man auch einfach mal anerkennen.

    Liebe Icke, ich möchte dich gerne bitten, den Beitrag noch einmal zu lesen und zu überprüfen, ob du dich wirklich angegriffen fühlen musst.

    notschka

  13. unsichtbares sagt:

    @icke
    sorry, gehts noch?
    die autorin ist zu recht genervt davon, dass ihr eine hetera vorwirft irgendetwas zu spalten weil sie darauf hinweist, dass lesbische frauen anderen diskrminierungen ausgesetzt sind als heterosexuelle frauen. wo liest du das alle heteras dummchen sind? frag dich doch vielleicht mal, warum es dich so wütend macht, wenn die realitäten von lesben beschrieben werden? die situation von lesbischen frauen ist anders als die von hetera frauen. wieso bist du jetzt sauer auf die autorin statt auf die welt? find ich höchst unangemessen…

    @nele tabler: vielen dank für diesen text. manche auswirkungen von homophobie waren mir nicht im bewusst, ich hoffe dass ich diese in zukunft mitdenken kann.

  14. Betti sagt:

    Neben den vielen schlauen Sachen, die andere hier schon geschrieben haben, mal eben kurz eine kleine, leicht hüstelnde Nachfrage: Anfeindungen von Atheismus und Linkshänder_innen sind also strukturell vergleichbar mit Homophobie… Ähm, ernsthaft?!

  15. Lina sagt:

    Vielen Dank für diesen sehr aufklärenden Text. Weil ja, es stimmt, ich kriege das eine oder andere von diesen homophoben Sachen natürlich mit, und fühle dann solidarisch, aber als ungefähr heterosexuell identifiziert „geht es nicht rein“ bei mir, das heisst ich werde nicht wütend, traurig, kriege keine Angst oder ähnlich, wenigstens nicht aus der Ich-Perspektive, mehr so vom Zuschauerrand, Ich bin dann irgendwie empört für die Betroffenen, aber es geht dabei nicht dieselbe Energie drauf, wie ich das kenne von mir, wenn ich in der einen oder anderen Form mit frauenfeindlichem Seximsus konfrontiert bin. Super, also, dass Nele sich die Mühe gemacht hat, finde ich, das mal an all diesen Beispielen aus der eigenen Perspektive aufzuzeigen, mir hat das was gebracht.

    Und ich glaube auch gut zu verstehen, wieso sie schreibt, „es ist so mühselig, immer wieder zu versuchen, die Unterschiede zu erklären.“ Das kenne ich ja auch… Ich soll erklären, wieso es mich fertig macht, dass Verachtung und weiteres Böse verletzt, hä? wo ich mich sogar einer Art Training unterzogen habe, dass es mich nicht mehr ganz ungeschützt trifft, indem ich gute Schutzmechanismen erfunden habe. Also versuch ich es zu erklären, und wenn ich Pech habe, kommt dann zurück – das verletzt dich? das kann ich jetzt aber überhaupt nicht verstehen.

    Darum doppelt danke! Denn manchmal lohnt es sich eben doch (das werd ich mir auch selber merken).

  16. Nadine sagt:

    Liebe alle,

    danke für eure Intervention und Sorry, dass wir nicht so schnell mit der Moderation hinterherkommen, so dass hier offensichtliche Provokationen und Kackscheiße stehen blieben. Ich habe jetzt soweit alles rausgenommen, weil die Diskussion eh schon genug vom Thema weg geht, was schade genug ist.

    Was nicht heißt, dass eure Kritik nicht berechtigt ist oder hier weggewischt werden soll.

  17. dieTilde sagt:

    Ich finde Neles Text toll und sie spricht mir total aus der Seele. Danke.

    Bzgl. der Reiseziele:

    War neulich mit meiner Freundin auf Langeoog, weil wir einfach nur entspannen wollten. Und einfach mal – wenigstens manchmal – ohne blöde Scheißkommentare uns bei der Hand halten wollten, am Strand oder so. Hand halten im Alltag? Machen wir schon reflexartig nicht mehr.

    Und dann kommste nach Hause und bist halt nicht nur homo sondern auch spießig, weil du nicht den Mumm hast, über die Grenzen hinaus zu reisen.

    Klasse.

  18. Ja.
    Hand halten nur dort, wo mensch uns nicht kennt.
    Oder wo wir in einer großen Menschenmenge verschwinden.
    Irgendwann gelernt, dass diese kleine Geste der Zuneigung als Grund für Anmache genommen wird…
    Es gelassen.
    Hier in Deutschland.

  19. ruins sagt:

    nanana.. der autorin hier heten-diskriminierung vorzuwerfen finde ich ziemlich hart. sie hat lediglich dargelegt, dass menschen (/frauen) aufgrund ihrer sexualität von politik, medien und privatpersonen differenziert und ungleich behandelt werden.
    natürlich können heten die im text genannten ekelhaftigkeiten wahrnehmen, sie verurteilen, sich darüber aufregen, sich solidarisch zeigen,… aber trotzdem ergibt sich daraus eine andere situation: heterosexuelle personen sind nicht von homophobie betroffen. sie müssen sich keine gedanken darüber machen, ob sie hand-in-hand mit ihrem*ihrer partner*in spazieren gehen, oder sich doch lieber den „stress“ (je nach situation eine krasse untertreibung) sparen, den diese geste auf sie lenken könnte; sie müssen sich nicht damit auseinandersetzen, dass es immer noch menschen gibt, die sie auf grund ihrer sexualität als unnatürlich, „das böse“ schlechthin, oder sonst irgendwas absurdes bezeichnen; von heirat, adoption usw. will ich gar nicht anfangen..
    für heterosexuelle ist es eine entscheidung, sich damit auseinanderzusetzen und die meisten persönlichen erfahrungen mit homophobie bleiben selbst den solidarischsten heten erspart. es lässt sich doch nicht leugnen, dass sich daraus verschiedene perspektiven entwickeln! die rechnung „frau=frau“ geht einfach nicht auf, wenn wir bedenken, dass es neben sexismus leider noch viele andere diskriminierungsformen gibt. und in unserer gesellschaft hat die weiße hetera, die als „gesund“ wahrgenommen wird, eine priviligiertere position gegenüber vielen anderen frauen. ich finde es ist vollkommen legitim, klar zu machen, dass sich aufgrund von ungleichbehandlung verschiedene lebenswelten ergeben – nicht zuletzt, weil frauen eben auch homophob, rassistisch, ableistisch, etc. sein können.
    die autorin hat in ihrem text niemanden als dummchen bezeichnet, naivität o.ä. unterstellt. sie sagt lediglich ‚wir sind nicht alle gleich, weil wir nicht alle die gleichen erfahrungen machen‘. wer das leugnet, läuft gefahr, die eigene position nicht zu reflektieren und unterdrückungsmechanismen zu reproduzieren, ggf. auch beim versuch solche aufzulösen.

  20. nat sagt:

    Vielen Dank für den Text.
    Um nochmal auf die beiden letzten Absätze und die Kommentare zurück zu kommen.
    Ich frage mich schon länger, ob ich, weil ich sexistischer Diskriminierung ausgesetzt bin, ich dann „automatisch“ andere Diskriminierungsformen oder -Erfahrungen genauso gut nachvollziehen kann. Sozusagen , indem ich mir überlege, welche sexistische Situation als Analogie gelten könnte. Ich glaube, dass das zwar zum Teil der Fall ist. Aber, wie der Text schon sagt, sind es halt ganz andere Kategorien, die mich nicht betreffen und über die ich als hetera gar nicht nachzudenken brauche, und es dementsprechend nur tue, wenn es sehr auffällig ist (wo doch, wie ich im Fall von Sexismus weiß, die ‚subtilen‘ Diskriminierungen auf eine ganz andere Weise ebenso fies sind, weil sie so schwer zu vermitteln sind und im konkreten Fall – zumindest bei mir – immer der Zweifel bleibt, ob ich mich da nicht gerade rein steigere).

    Von der Verbitterung, die man vielleicht in den beiden letzten Absätzen herausliest, hätte ich mich früher auch persönlich angegriffen gefühlt. Aber wenn man weiß, dass man diese Erfahrungen selbst nicht in ihrer Gesamtheit machen kann, merkt man, dass gerade dieses ‚Beleidigt sein‘ zum eigenen Privileg gehört.

  21. Blaubart sagt:

    Fall das als zu große Abweichung vom Thema gesehen wird, bitte einfach ignorieren, aber da es eine konkrete Nachfrage zu der „Behauptung“ gibt.

    @Betti

    Bezüglich deiner hüstelnden Nachfrage:

    Im Kontext von „Ländern in die mensch nicht gefahrlos reisen kann auf Grund von Merkmal X“ sehe ich schon eine strukturelle Verbindung zwischen „Gottlosigkeit“ und Homophobie.
    Die Verbindung ist sogar so stark, dass das eigentliche Argument warum Homosexualität so schlimm sein soll üblicher Weise „das ist gegen den Willen (unseres) Gottes“ ist und in Folge als Abfall vom Glauben definiert wird. Ein gläubiger, homosexueller Mensch ist in diesem Weltbild gar nicht möglich.
    Strafen für beides wird ebenfalls mit den gleichen Stellen belegt (üblicher Weise die Geschichten mit Onan bzw. Sodom).

    So unterschiedlich die Auswirkungen auch in anderen Bereichen sein mögen, beides wird grundsätzlich strukturell diskriminiert und hat, zumindest in einem Teil der im Artikel angesprochenen Ländern, die gleichen Folgen.

  22. Joni.T sagt:

    nat schreibt

    Aber wenn man weiß, dass man diese Erfahrungen selbst nicht in ihrer Gesamtheit machen kann, merkt man, dass gerade dieses ‚Beleidigt sein‘ zum eigenen Privileg gehört.

    Komplett deiner Meinung. Mein Traum: Lesben hören damit auf, in solchen Situationen die eigenen Aussagen zu relativieren und sich mit Begeisterung um die Befindlichkeit des selbst ernannten Opfers zu kümmern, als gäb’s nichts anderes auf der Welt.

  23. […] Tablers Gastbeitrag „Der große Unterschied zwischen Lesben und Heten“ (Juni […]