Denn wir fürchten die Liste nicht, wir analysieren sie

von Gastautor_in

In der Serie „Der Kommentar“ veröffentlichen wir eure Gedanken zu einem Thema eurer Wahl. Heute schreibt Hanna über die aktuelle FHM-Liste der 100 unsexiest Frauen.

Das Jahr 2009 hat gerade erst begonnen, doch das Männermagazin FHM weiß schon ganz genau, welche Frauen gar nicht sexy sind. Die alljährlich neu erstellte Liste der „Unsexiest Frauen“ sei, so FHM letztes Jahr, „die bei den weiblichen Stars am meisten gefürchtete Liste“. Auf Platz eins – wie bereits berichtet – Charlotte Roche. Die Begründung: „Wer in seinem Roman kein noch so ekliges Detail über sämtliche Körperöffnungen und Körperflüssigkeiten auslässt, wird eben alles andere als sexy empfunden. Charlotte Roche hat uns Männern etwas zu ausführlich geschildert, was wir ohnehin nie wissen wollten.“- „Feuchtgebiete“ als die zum Buch gewordene vagina dentata.

Wer jetzt denkt „Na und? Von denen lass ich meine Meinung über Frauen sicher nicht beeinflussen!“, und dass das Ranking sicher auch weitaus weniger gefürchtet wird als gewünscht, übersieht etwas. Denn was klingt wie ein infantiler Grundschülerstreich, ist nicht nur primitives „Entertainment“ – das zudem sehr gerne von anderen Medien übernommen und weiterverbreitet wird (N-TV, zum Beispiel, hat gleich eine entsprechende Fotostrecke online gestellt.) FHM bedient ein Stereotyp, das schon 1970 sehr treffend von der australischen Feministin Germaine Greer beschrieben wurde:

The stereotype is the Eternal Feminine. She is the Sexual Object sought by all men, and by all women. She is of neither sex, for she has herself no sex at all. Her value is solely attested by the demand she excites in others. All she must contribute is her existence. She need achieve nothing, for she is the reward of achievement.

Die Frau sei deshalb, so Greer, ein Eunuch. Kastriert. Genitalfrei wie Barbie. Wie die Namen von Politikerinnen, Autorinnen, Sängerinnen, Journalistinnen, Sportlerinnen, auf der FHM-Liste und die Begründungen für ihre Positionen Greers Theorie bestätigen, zeigen folgende Beispiele:

Die ideale Frau muss nichts können, sie ist eine Trophäe
Die Expertenmeinung von Regina Halmich und Birgit Prinz will man weder beim „Kirmes-Kampf“ noch bei Bundesliegaspielen hören: „Unsere User fanden die Prügeleien im Ring zu Regina Halmichs Zeiten schon nicht so sexy. Aber dass sie jetzt auch noch bei jedem Kirmes-Kampf als Expertin antritt, ist einfach zuviel. Die Bundesliga wollen unsere User schließlich auch nicht von Birgit Prinz kommentiert haben.“
Wie Greer schreibt: „Sie muss nichts erreichen, denn sie ist die Belohnung für Erfolg.“

Die ideale Frau möchte unbedingt als sexy wahrgenommen werden
Die Liste wird als von Frauen gefürchtet bezeichnet, und obwohl das zu bezweifeln ist, gilt dennoch die Bestätigung des Stereotyps.
Wie Greer schreibt: „Sie ist das Sexuelle Objekt, das von allen Männern und von allen Frauen ersehnt wird.“

Die ideale Frau hat nur einen sexuellen Wert
Die Wähler bewerteten die Personen auf der Liste nach ihrer Attraktivität.
Wie Greer schreibt: „Ihr Wert wird allein durch das Verlangen bestätigt, das sie in anderen hervorruft.“

Die ideale Frau hat kein Geschlecht, keine „ekligen Körperöffnungen“
Auf Platz eins ist Charlotte Roche, die es gewagt hat „sämtliche Körperöffnungen und Körperflüssigkeiten“ zu thematisieren.
Wie Greer schreibt: „Sie gehört keinem Geschlecht an, denn sie hat überhaupt kein Geschlecht.“

Menschen in ein Stereotyp zu pressen, ist eine Einschränkung der Freiheit. In diesem Fall eine Freiheit, die Germaine Greer beschrieb als „Freedom from being the thing looked at rather than the person looking back.“ Mit diesem Ranking wird nicht nur ein Stereotyp für die Frau unterstützt, sondern auch eines für den Mann. Auf der Liste tauchen nämlich auch Männer wie Bill Kaulitz und Bushido auf. Nicht nur das Label „Frau“, oder „effeminiert“ (die Beschimpfungen „Du Mädchen“, „Du Homo“, usw. hat man(n) ja schon zu Genüge gehört), sondern auch die Bezeichnung „unattraktive Frau“ fungiert also als Erniedrigung für den Mann. Als Entmannung, sozusagen. Er ist kastriert wie der „weibliche Eunuch“, aber schneidet in dieser Kategorie auch noch schlecht ab.

Auch wenn viele der Plätze auf Grund von gewissem Verhalten oder Denken vergeben wurden (Sahra Wagenknecht etwa wird dafür kritisiert, dass sie „[s]ich selbst als Rosa Luxemburg der Postmoderne“ stilisiert habe), so erhält FHM mit dieser Liste ein fragwürdiges körperliches Ideal aufrecht. Über Britney Spears schreibt das Heft: „Mit weniger Skandalen und Speck beim Hüftschwung ist es diesmal schon Platz 8 und nicht mehr 1 (2007) und 2 (2008)“. Und über Hillary Clinton: „Sogar ihr eigener Mann entschuldigte sich dafür, sie nicht jünger machen zu können.“ Germaine Greer hält gegen solche körperlichen Stereotype:

Every human body has its optimum weight and contour, which only health and efficiency can establish. Whenever we treat women’s bodies as aesthetic objects without function we deform them and their owners. Whether the curves imposed are the ebullient arabesques of the titqueen or the attenuated coils of art-nouveau they are deformations of the possibilities of being female.

Was FHM außerdem versucht aufrecht zu erhalten, ist eine Hoheitsgewalt. Oberflächlich ist es „nur“ die Gewalt darüber, entscheiden zu können, ob ein Mensch sexuell erregend ist oder nicht. Weil aber das Ranking die stereotype Frau als das Ideal zu unterstützen scheint, und der Wert dieser, wie Germaine Greer attestierte, „[…] allein durch das Verlangen bestätigt [wird], das sie in anderen hervorruft“, könnte man in dieser Liste aber auch den Versuch sehen, die Entscheidungsgewalt über den absoluten Wert einer Frau zu beanspruchen.

Auch wenn FHM mit seinen Listen nur ein winziges Glied in einer Jahrtausende alten Kette ist, deren Schwachstellen – wie hier in Ansätzen am Beispiel von Greers berühmten „Female Eunuch“ gezeigt – schon lange analysiert sind, so wurde diese Kette noch immer nicht zerbrochen. Deshalb ist das FHM-Ranking als singuläres Geschehen zwar tatsächlich völlig irrelevant, als Teil der ganzen rostigen Frauenunterdrückungskette aber eben ein Beispiel dafür, dass Frauen noch nicht frei (und wenn es nur Freiheit vom Stereotyp ist) und gleich sind.

HANNA

Literatur: Germaine Greer: „The Female Eunuch“. London: Harper Perennial, 2006. Erstauflage 1970.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 27. Februar 2009 um 18:00 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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28 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Was hat Sahra Wagenknecht denn mit der Postmoderne zu tun?

    Ansonsten: gut geschrieben.

  2. Hanna sagt:

    @ Patrick

    Wenn FHM schreibt Wagenknecht habe sich zur „Rosa Luxembourg der Postmoderne” stilisiert, dann gehe ich mal davon aus, das FHM einfach den Zeitraum auf intellektuell wirkende Weise klarstellen wollte. Die Postmoderne soll das „Jetzt“ sein und das fruehe 20. Jahrhundert die Moderne. Man haette vermutlich auch einfach sowas wie ‚zur Rosa Luxembourg unserer Zeit‘ schreiben koennen, aber nicht ‚zur modernen Rosa Luxembourg‘, weil 19irgendwas ja schon modern ist. Fuer tiefere Einsichten in deren Argumentation musst Du FHM direkt fragen…

  3. Hanna sagt:

    plus ein ’s‘ an das ‚das‘ in Zeile 2…

  4. hn sagt:

    anschauliches beispiel sind IMO auch die soft-cuts von pornos die im Free-TV kommen: Penii sind nicht zu sehen, denn das sind ja Genitalien. Wie gut dass die chicks keine haben.

  5. jj sagt:

    Hanna,

    Frauen werden solange nicht „frei“ sein, solange sie so einen scheiß ernst nehmen, und ihm damit auch noch Glaubwürdigkeit oder zumindest Provokationspotential verleihen. Ich wiederhole mich gerne: Die häfte der Frauen inklusive Charlotte Roche könnte auch in einer Liste der 100 sexiesten Frauen stehen, und die Begründung für Roche’s Sieg wäre dann – „eine Frau mit solchen Körperverständnis ist bestimmt eine tolle Liebhaberin – keine Angst vor Körperlichkeit, da sollten sich andere Frauen mal eine Scheibe abschneiden. Charlotte, ganz klar unsere Nummer eins.“

    Einfach nicht ernstnehmen. Macht ja auch kein Mann (sage ich jetzt mal so ;))

    hn,

    falsch, die stehende deutsche Porno-Definition ist: penii dürfen im Free-TV gezeigt werden, nur nicht erigiert. Aber Schamlippen zu zeigen ist per se pornographisch, weil man denen ja die Erregnung nicht ansieht. Gegen diese Art von Diskriminierung ist Alice S. leider nie vorgegangen ;)

  6. rattenmaus sagt:

    „Penis“ wird in der Mehrzahl nicht zu Penii, sonder zu Penes.

    Ausserdem find ich jj’s Aussage unheimlich dreist. Wenn jemand sich bescheuert benimmt, liegt es nicht an den Opfern ihn daran zu hindern in dem sie ihn „einfach ignorieren“.
    Wenn Frauen weiterhin stillgehalten und alles ignoriert hätten was ihnen – tatsächlich und in Worten – angetan wurde, wo wären wir denn dann heute? Im Gleichberechtigungsparadies?

  7. Hanna sagt:

    @ jj

    Ich respektiere diesen Ansatz. Leider hat das viel geratene „ignorieren“ schon in der Grundschule nicht fuer mich funktioniert. Sehe es aehnlich wie rattenmaus wenn es ums ignorieren geht und halte deshalb gelegentliche klare Stellungsnahmen auch bei sowas notwendig. In diesem Fall, weil mich besonders die unkritische Reproduktion durch andere Medien gestoert hat. Und was die Vulva angeht: Der sieht man doch Erregung an. Zwar weniger deutlich aus der Ferne als dem Penis – die Argumentation des deutschen ‚Porno-Definitons-Kommitees‘ finde ich dennoch seltsam.

  8. jj sagt:

    rattenmaus,

    danke. Das mit dem Latein ist schon länger her ;) Ansonsten, kommt halt drauf an wie man „Opfer“ definiert, wo freie Meinungsäußerung anfängt, und wo sie aufhört. Es gibt viele Dinge, die einfach bescheuert sind, aber keine „Opfer“ haben. Die sollte man am besten einfach ignorieren, dann bleibt auch mehr Kraft für die tatsächlichen Probleme. Ich sehe hier nur künstliche Aufregung um Schwachsinn, keine „Opfer“ von irgendwas.

  9. rattenmaus sagt:

    Seit wann ist es Aussenstehenden, und nicht den Opfern selbst vergönnt zu entscheiden ob etwas ein Angriff oder Verletzend ist?
    Wenn du mir auf den Fuß trittst, entscheidest dann du oder ich ob es wehgetan hat?

    Ausserdem geht es hier nicht nur um eine Liste, sondern um die reale Tatsache dass jede Frau im öffentlichen Leben, egal welcher Profession sie angehört, gefälligst sexy zu sein hat. Und wenn nicht, wird sie (öffentlich) lächerlich gemacht.
    Von Männern wird das nicht im Gleichen Ausmaß verlangt.

  10. Z.Allomorph sagt:

    „Macht ja auch kein Mann“

    Moment … ich komm gleich wieder … ich muss grad mal in den Keller gehen und lachen …

    So, jetzt geht’s wieder.
    In einem Ungleichgewichtsverhältnis damit zu kommen, was die andere Seite (angeblich) macht/nicht macht, ist einfach ZU gut. Darauf muss man erstmal kommen.

    (Oh warte, ich habe den Zwinkersmiley nicht bemerkt der gleich alles besser macht. Ich Humorlose, ich.)

  11. Hanna sagt:

    Naja, ca. 21 000 Maenner haben es immerhin ernst genug genommen, um zu waehlen. Gut, sind FHM-Leser… Trotzdem 21 000 zu viel.

  12. Sappi sagt:

    @ jj: Wenn es so unwichtig ist, warum nimmst du dir dann noch die Zeit um zu kommentieren, dass hier etwas angeblich Unwichtiges und Lächerliches kommentiert wird? Warum beschuldigst du die Frauen, die sich über diese Liste aufregen, nie frei sein zu können?
    Ich wusste nicht, dass man seine eigene Freiheit beschränkt, indem man eine Ungerechtigkeit – welchen Ausmasses auch immer – kritisiert. Das wäre ja noch schöner.

    Die Liste ist sexistisch und ich sehe keinen Grund, das nicht zu sagen oder nicht zu diskutieren. Und ich sehe ehrlich gesagt keine Berechtigung irgendwelcher Art für irgendjemanden, Frauen Vorwürfe zu machen, wenn sie sich über Sexismus aufregen.

    Die Kraft für die „wichtigen“ Probleme nimmt ab? Kaum, warum sollte sie? Das letzte Mal, als ich nachgeschaut habe, hatte mein Hirn noch genügend Kapazität.

    http://finallyfeminism101.wordpress.com/2008/05/24/feminism-friday-feminists-look-for-stuff-to-get-mad-about/

    Den Text finde ich diesbezüglich empfehlenswert!

  13. jj sagt:

    Sappi,

    „Wenn es so unwichtig ist, warum nimmst du dir dann noch die Zeit um zu kommentieren, dass hier etwas angeblich Unwichtiges und Lächerliches kommentiert wird?“

    Weil die Aufregung über etwas Unwichtiges selbst nicht notwendigerweise unwichtig sein muß, sondern ein Bewertungsproblem darstellen kann.

  14. Judith sagt:

    Hallo Hanna,

    Danke für Deine Analyse.

    Das Zitat zu Halmich und Prinz finde ich besonders ärgerlich. Wenn sich Box- und Fussballprofis zu den Themen Boxen und Fussball äußern, ist das also unsexy. Oh je.

  15. Z.Allomorph sagt:

    jj, und nochmal: wer bist du, dass du jemandem sagst, wann er in welchem Ausmaß Schmerz empfinden darf nachdem man ihm auf die Füße getreten ist und wie er darauf zu reagieren hat?

    Wenn du meinst, dass Männer so furchtbar unterdrückt und benachteiligt sind (von wem eigentlich?), was machst du dann? Außer den Feministen (!) mehr oder weniger implizit sagen, sie sollen was tun, bzw. ihnen vorwerfen, wenn sie sich (oh Schreck) um die Belange der Frauen kümmern, die noch *immer* am schlechtesten wegkommen und damit ihre eigenen Baustellen haben?

    Auf Feminism 101 wurde schon verlinkt, ich setz noch einen dazu und empfehle, einfach mal von oben bis unten durchzulesen, vielleicht hilft’s ja.
    http://finallyfeminism101.wordpress.com/the-faqs/faq-roundup/

  16. jj sagt:

    z.allomorph,

    sorry, aber das sind echt merkwürdige Projektionen. Vor allem die Sache mit den benachteiligten Männern – da weiß ich wirklich nicht, woher das kommt. Du darfst Dich wegen was auch immer Du willst so schlecht fühlen wie Du willst und auch sagen, daß Du Dich deswegen so schlecht fühlst, wie Du Dich fühlen willst. Und dann darf ich sagen, daß ich denke, daß Du Dich wegen Schwachsinn schlecht fühlst und das aus meiner Sicht besser bleiben lassen solltest. Dann haben wir beide gesagt, was wir denken und fühlen… ist doch toll.

  17. Sappi sagt:

    Der Kontext, in den die Mädchenmannschaft die Liste gestellt hat, zeigt klar auf, welche Einstellungen gegenüber Frauen die Liste transportiert. Vorstellungen von Frauen als Trophäen, als unbedingt-sexy-sein-wollend etc. werden durch solche Listen zementiert. Mehr noch, eine „unsexiest women“-Liste dieser Art wird überhaupt nur publiziert und als unterhaltsam empfunden, weil solche Vorstellungen über Frauen vorhanden sind und sie provoziert dazu, diese Vorstellungen beim Lesen und beim Anschauen der Bilder zu aktivieren.

    Das Problem ist unter anderem, dass es bei einer Frau offenbar immer legitim ist, sie in die „sexy“ oder in die „unsexy“ Kategorie einzuteilen. Auch wenn es sich z.B. um eine Politikerin handelt (z.B. Angela Merkel-Puppe in Unterwäsche am Karneval oder eben Clinton auf dieser Liste). Männer werden nur in bestimmten Zusammenhängen als sexy oder unsexy gesehen, Frauen können dieser Kategorisierung nicht ausweichen. Das ist auch im Alltag ein Problem für mich. Ich erlebe es ab und zu, dass in einer Situation, in die die Kategorien „sexy“ oder „unsexy“ überhaupt nicht reinpassen, ein Mann etwas zu mir sagt, das auf meine „sexiness“ abzielt oder je nachdem auch auf meine „unsexiness“ (man kann ja beides je nach Situation sein…). Ein Beispiel dafür sind gegenderte Bemerkungen zu meiner Kleidung, Frisur, (ev. fehlendem) Make-up, zu meinem (ev. mangelnden) Lächeln, Gewicht usw. Diese Bemerkungen verfolgen mich manchmal noch über die Situation hinaus, weil mir durch sie bewusst wird, dass ich des öfteren als „sexy“ Objekt betrachtet werde und dass auch registriert wird, wenn ich die Erscheinungsweise eines sexy Objekts verletze und mich beispielsweise nicht sorgfältig und bewusst kleide.

    In die „unsexy“ Kategorie eingeteilt werden, scheint für FHM so etwas wie die ultimative Bestrafung für eine Frau zu sein, warum sonst sollten die weiblichen Stars diese Liste sonst angeblich fürchten? Das sagt uns nichts anderes, als dass alle Frauen sich davor fürchten sollten, unsexy zu sein und hält ganz explizit den Standard „Frauen müssen sexy sein“ aufrecht. Dieser Standard wird auch in praktisch allen Frauenmagazinen aufrechterhalten.

    Eine solche Liste lädt einerseits Männer ein, Frauen auf eine bestimmte Weise zu sehen und er lädt Frauen ein, sich mit bestimmten anderen Frauen zu identifizieren (mit den sexy Frauen). Und er lädt dazu ein, „unsexy“ Frauen herabzusetzen. Und das, obwohl viele dieser Frauen nicht mal anstreben, als sexy zu gelten…

    Wie prominente Frauen behandelt werden, lässt sich nicht völlig davon trennen, wie „normale“ Frauen behandelt werden. Die kleinen Dinge werden gross, wenn es es viele davon gibt. Kleine sexistische Ereignisse sind Ausdruck eines grösseren Denksystems über Männer und Frauen, in dem wir alle mehr oder weniger drinstecken. Und diese Liste ist ein perfektes Beispiel dafür.

    Die „Regt euch doch nicht so auf“-Reaktion auf Kritik an Sexismus ist ja auch schon lange bekannt. Ich glaube, sie entsteht dadurch, dass es schwierig ist, Sexismus ernst zu nehmen, weil wir uns zu sehr daran gewöhnt haben und er deshalb als normal empfunden wird. Die kleinen Beispiele von Sexismus gelten als „Peanuts“, weil auch die grossen Beispiele nicht in ihrem ganzen Ausmass wahrgenommen werden. Ich habe lange Mühe gehabt, das Ausmass von Sexismus in unserer Gesellschaft wahrzunehmen. Und ich bin sicher, manches sehe ich noch heute nicht. Ich persönlich bin überzeugt, dass wir uns nicht zu oft, sondern zu selten aufregen.

  18. Hanna sagt:

    Sappi, amen to that!

  19. Kathi sagt:

    JJ, natürlich darfst du sagen, was du willst, wir haben ja hier Meinungsfreiheit. Und ich darf dann sagen, dass deine Aussagen halt gewisse Rückschlüsse über deine Empathie-Fähigkeit erlauben. Das ist alles.

    Anderen Leuten vorwerfen, dass sie wehleidig sind, wenn sie sich über einen Verletzung beklagen, die einem selbst nie zugefügt wurde, hat halt einfach nicht besonders viel Stil.

  20. illith sagt:

    fürs protokoll: ich sah (öfter) sowohl penisse als auch labien im öffentlichen TV.
    wollts nur mal gesagt haben XD

  21. susi sagt:

    @rattenmaus
    also ich würde, wie ich es immer getan habe, Penisse sagen.
    dachte und denke so ist es grammatikalisch richtig!

  22. Hanna sagt:

    Penisse, penes – beides geht laut Duden

  23. Rahab sagt:

    zu Charlotte Roche findet sich heute auf zeit-online unter http://kommentare.zeit.de/user/durito/beitrag/2009/03/01/feuchtgebiete-quotins-regal-gekacktquot dieses:
    „Ins Regal gekackt
    Charlotte Roche, hat ihr Geschäft verrichtet. Direkt in unsere Bücherregale hinein. Zumindest sind etwa 1,2 Millionen, so hoch ist die verkaufte Auflage, betroffen.
    Man kommt nicht umhin, ihr zu gratulieren. Weniger zum Buch als zur Auflage.
    Wer das Buch liest, muss mit einer Magenverstimmung rechnen. Natürlich ist nicht jeder gefährdet. Wer Erbrochenes, Eitriges oder Durchfall liebt, kann sogar Lustgewinn erfahren.
    Wer das Buch noch lesen möchte, kann sich mit der nachfolgenden komprimierten Inhalt ein wenig einstimmen.
    Feuchtgebiete
    Die deutschen Feuilletonisten freudig ihre Stifte spitzten,
    Als die Ärzte der jungen Heldin die Hämorrhoiden schlitzten.
    Als sich blähten, Analfissuren zu Blut und Eiterbeulen,
    Begann ein Teil des Landes vor Ekel und Abscheu zu heulen.
    Die Autorin der Feuchtgebiete bekennt sich zum Muschischleim,
    Zu Kackeschwitzen, trüffeligen Smegmageschmack, Körperseim,
    Und liebt das Eklige was stinkt, guckt hin, mit der Taschenlampe,
    Auf alles, was da flüssig breiig tropft, unterhalb der Wampe.
    Nicht ein Körperduft, den sie hätte, nicht detailliert beschrieben,
    Immer von den Geistern der penetranten Säfte getrieben.
    Ihre Protagonistin wischt Klobrillen mit feuchter Möse,
    Ihr Leben ist Schmerz, Krankheit und Durchfall, sie ist ihm nicht böse.
    Sie definiert ihren Arsch als ihr allerbestes Körperteil,
    Ihre Freunde, absolute Arsch-Fetischisten, anal-fixiert, auch geil?
    Erstaunlich, da so viele eklige Säfte klebrig fließen,
    Und so viele weibliche Hämorrhoiden prächtig sprießen.
    Sie propagiert den Analverkehr als Akt der großen Freude,
    Modern ist, wer kommt, dabei im Arsch steckt und nicht in der Scheide.
    Jeder nach seiner Fasson, wenn Mann erforscht die Feuchtgebiete,
    Wünscht man, dass er an kultiviert apollinische geriete.
    © Michael Dur“
    nun frage ich mich, woran es liegt, das dieser mann so entschieden nicht denkend lesen kann.
    es ist davon auszugehen, dass dieser ausbruch von misogynie ausgiebig und meistenteils zustimmend kommentiert werden wird.
    deshalb: Germaine Greer lohnt sich auch heute noch zu lesen!

  24. Matze sagt:

    Wo genau liegt die Misogynie in dem Leserartikel?

  25. Hanna sagt:

    Greer hat uebrigens einen Artikel in der heutigen (02/03/2009) online Ausgabe des Guardians ueber maennliche und weibliche Comedians. Ich teile ihre Ansicht da zwar nicht ganz (Gegenbeispiele sind meiner Meinung nach Maedls wie Sarah Haskins, Sam Bee oder Anke Engelke) dachte aber, es interessiert Euch vielleicht, was sie so schreibt: http://www.guardian.co.uk/stage/2009/mar/02/germaine-greer-comedy-women

  26. Matze sagt:

    @ Hanna: Golly, das ist ja Gender-Essentialismus pur bei Greer: „Women are less competitive [than men].“

    Mit dem, was in den letzten drei Paragraphen steht, könnte man auch den Wage Gap wegerklären, und dieses „Männer haben einen größeren Antrieb, witzig zu sein, als Frauen, weil sie dann leichter Sex haben (den Frauen nicht wollen)“ ist doch *das* Stichwort für jj.

    Vom „manche Komödiantinnen heiraten reich und hören dann auf“ will ich gar nicht erst reden.

  27. Hanna sagt:

    @ Matze

    Ich seh das auch anders als Greer. Meiner Meinung nach hat sie Comediennes wie Margaret Cho, Sarah Haskins oder Sam Bee voellig ignoriert (um mal nur im englisch sprachigen Raum zu bleiben). Die sind sehr lustig, mutig, kaempferisch und haben ueberhaupt keine Angst davor sich ueber sich selbst lustig zu machen. Greer hat vielleicht ein bisschen den Anschluss verloren und denkt immer noch in den Kategorien „typisch Frau / typisch Mann“, die ich – um ihre Worte umzuformulieren – fuer „deformations of the possibilities of being“ human halte – Ihren „Weiblichen Eunuch“ kann ich fuer Stereotypanalysen trotzdem empfehlen. Allerdings ist der auch aus einer anderen Lebensphase von Greer.

  28. eynar schwaans sagt:

    frauen sind so.
    männer sind so.
    sie sollten nicht so sein.
    au weia
    FHM ist eben ein biotop für diesen denkenweise.
    wir müssen nicht allen menschen ändern.
    wenn keiner solchen sexisten mag so sie werden zu ende aussterben.
    wenn kein frau mehr ein frau sein mag mit sexy so wird auch sie kein nachkommen haben.
    entropie wird geschehen weiter
    extremiste ist nur moment