„Das Maul aufmachen“

von Susanne

Vor ein paar Tagen hat Cyndi Lauper der Berliner Zeitung ein Interview gegeben, in dem sie ein kleines bisschen über ihre neue Platte „Bring Ya To The Brink“ spricht und sehr viel über Sexismus und Emanzipation. Zum Beispiel:

Sie haben neulich bei einem Konzert Hillary Clinton Ihren neuen Song „Same Old Story“ gewidmet. Sind sie verärgert über die demokratischen Vorwahlen?
Was über Hillary verbreitet wurde, war sexistisch. Als Frau finde ich das zum Kotzen. Aber ich weiß, dass diese Mauer schließlich fallen werden wird, denn hinter jeder Frau, die daran stößt, warten schon zwanzig mehr. Darum hatte ich zu Beginn meiner Laufbahn soviel Selbstvertrauen. Ich wusste, dass ich nicht die einzige bin, die so denkt, aber ich habe die Möglichkeit, mein großes Maul aufzumachen und was zu sagen. Und das werde ich tun.

(…)

Wenn ich Sie vor 15 Jahren interviewt hätte, hätte ich Ihnen zu Ihrer Vorarbeit zur Girl Power gratuliert. Aber inzwischen …
… hat es einen Backlash gegeben, nicht wahr? Heute sieht man keine Girl Power mehr. Man sieht frauenfeindlichen Scheiß und Mädchen, die sich verhalten, als wären sie lobotomisiert. Babes, ihr habt keine Power! Ihr könntet genauso gut Halsband und Leine tragen. Das ist nicht Selbstermächtigung, das ist rückwärtsgerichtet. Aber auch dagegen kommt wieder ein Backlash. Und für all diese Typen, die Leute wie mich zurückdrängen wollen, wird es noch ein schlimmes Erwachen geben.




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Eintrag geschrieben: Sonntag, 10. August 2008 um 20:10 Uhr unter Inspiration, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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9 Kommentare

  1. christina sagt:

    Toll, was Cyndi Lauper sagt – hätte ich ihr im Moment gar nicht zugetraut, weil „Bring Ya to the Brink“ etwas gesichtslos klingt (Discopop á la Kylie, der Cyndis Songwriting-Qualitäten nicht wirklich rausbringt). Leider hat sie völlig recht: weichgespülte R’n’B-Damen wie Beyoncé haben überhaupt nichts mit Girl Power zu tun, Madonna kümmert sich in erster Linie um sich selbst und Amy Winehouse wird von ihrer Drogensucht zu stark beansprucht, als dass sie sich Gedanken über „die Sache der Frauen“ machen könnte. Zum Glück gibt es wilde Weiber wie Peaches, CSS, Le Tigre oder Lesbians on Ecstasy, aber die tauchen im Mainstream zu selten auf, um „Breitband“-VorbilderInnen zu sein. Also Mädels: keep on keepin‘ on!

  2. Goofos sagt:

    Nuja, die Platte muss sich ja irgendwie auch verkaufen.

  3. flawed sagt:

    Gibt es für die Unterstellung eine Frau würde nur um der Publicity willen feministische Positionen beziehen eigentlich auch schon ein Kästchen im Antifeminismus-Bingo?

  4. Susanne sagt:

    @ flawed: Ja, unbedingt. Ist ja jetzt seit dem Frühjahr immer wieder bemüht worden, dieses schlichte Argument. Aber, halloho: Wer Publicity will, der macht sich nackich und sagt nicht „Ich bin Feministin“.

  5. Matze sagt:

    Hmm, hat noch jemand das Gefühl, dass Cindy Laupers Aussagen ein wenig nach Alice Schwarzer klingen?

  6. Goofos sagt:

    Schreibt man übrigens „Cyndi“.

  7. Susanne sagt:

    Ui, danke Goofos! Ist geändert.

  8. Katrin sagt:

    „Zündi“ :D

  9. Nils sagt:

    Ich glaube, Cyndi Lauper kommt bei ihrer Zielgruppe mit Reminiszenzen an die 70er/80er ganz gut an.

    „Weß´ Brot ich eß´, des Lied sing ich“ ist zwar nicht feministischen Ursprungs, gehört aber eigentlich zu den feministischen Mantras, wenn es darum geht das Verhalten von Nichtfeministinnen zu erklären. Lustig, macht doch dafür ein neues Bingofeld auf!