Das Leben und Sterben der Mädchen in Indien

von Susanne

Vorletzte Woche sah ich auf Arte eine sehr gute und erschütternde Reportage über Mädchen und Frauen in Indien. Jetzt ist die Dokumentation auch endlich online zu sehen. Sie zeigt die ganze Komplexität des Themas: dass weibliche Föten abgetrieben werden, weil nach indischem Recht Frauen nicht erben können. Stattdessen steigen die Erwartungen an die Mitgift einer Braut mittlerweile ins Unermessliche. Und je weniger Frauen es in Indien gibt, desto weniger Mitspracherechte haben sie auch.

Organisationen wie Save A Girl Child kämpfen dagegen an, dass Mädchen in der indischen Gesellschaft so missachtet werden. Sie filmen mit versteckter Kamera in Abtreibungskliniken. Sie unterstützen Frauen, wenn diese ihre Tochter nicht abtreiben. Sie bringen Ärzte vor Gericht, die neugeborene Mädchen auf Geheiß der Eltern „verschwinden“ lassen. Sie veranstalten Geburtsfeste auch für Mädchen, obwohl diese normalerweise nur bei der Geburt eines Jungen stattfinden.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 15. Mai 2008 um 9:39 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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6 Kommentare

  1. TobiA sagt:

    Vor Jahren sah ich im ZDF einen Beitrag zum Thema. Dort wurde eine Familie vorgestellt, in der die Mutter abtreiben wollte, sich aber der Vater (gegen Abtreibung) durchsetzte. Diese Konstellation ist genauso möglich, das geht hier leider unter. Schade.

  2. Susanne sagt:

    @ TobiA: Sollte hier nicht absichtlich unterschlagen werden und im Film wird das Engagement von Männern ausführlich gezeigt. Das ist in dieser Hinsicht gar keine Frage des Geschlechts, sondern der Fortschrittlichkeit im eigenen Kopf – war für mich das Fazit des Films.

  3. Nicht nur Indien – diese kulturelle Dysfunktionaliät in halb Asien ist nicht nur menschlich erschütternd, sondern vermutlich auch eines der bedeutendsten globalen Sicherheitsprobleme, die es zur Zeit gibt – das Ultraschallgerät hat die „natürliche“ Evolution so mancher Kultur gehörig aus dem Gleichgewicht gebracht – Inklusive des männlichen Migrantenproletariats auf den Baustellen ist das Geschlechterverhältnis z.B. in Saudi-Arabien 217 (m) : 100 (w) – wenn man da noch die Vielehe der wohlhabenderen Saudis miteinbezieht, muß man nicht lange nachdenken, um das Aggressionspotential zu erkennen.

    „Martin Walker: The Geopolitics of Sexual Frustration“ (Foreign Policy, March/April 2006) –
    http://www.foreignpolicy.com/story/cms.php?story_id=3377

  4. Das Problem wird sich wohl in naher Zukunft erübrigen, wenn es selbst den Milliardenstaaten Indien und China (auch dort treibt die moderne Medizin die gleichen Blüten, wenn vielleicht auch in etwas abgemilderter Form) die Frauen ausgehen. Dann werden Plötzlich grosse Summen für Frauen bezahlt und die ganzen Männer der armen Familien gehen leer aus … es entstehen frustrierte Männerheere mit unbefriedigter Sexualität –>Folge: Sexkriege in Asien, steigende Vergewaltigungsraten von Frauen und Kindern (gibt es in Saudiarabien und anderen arabischen Staaten auch schon), zunehmender Menschenraub für Zwangsehen un Prostitution aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion und (Ost)Europa.
    Der ganz normale Wahnsinn also. Bloss, dass darüber heute noch niemand nachdenkt.
    Ein wesentliches Problem sehe ich aber auch in der Mittäterschaft der Frauen, die ihre Jungens und Töchter genau so erziehen. Ich fürchte wir haben da keinen so grossen Einfluss. Wir können allenfalls daür werben, dass Kinder an sich wertvoll sind und die Frage nach dem Geschlecht in Zusammenhang mit einer Wertung völlig unangebracht ist. Leider gibt es das aber auch im saturierten Mitteleuropa. „Ach, schon wieder eine Tochter ….“ habe ich schon öfters gehört.

  5. Miriam sagt:

    Was mich heute beim Mittagessen sehr erschüttert hat: Ein indischer Kollege wollte erzählen, dass bei ihm ein Ultraschall gemacht wurde und suchte nach dem Wort „Sonographie“, dass er dann folgendermaßen umschrieb: „benutzt man, um das Geschlecht von Kindern festzustellen. Ich habe ihn dann darauf hingewiesen, dass ich es sehr interessant fände, dass für ihn das Haupteinsatzgebiet der Sonographie die Geschlechtsbestimmung sei, ich hätte eher das Gefühl, dass sie dafür eingesetzt würde, um festzustellen, ob mit dem Kind alles in Ordnung ist. Meine anderen (europäischen) Kollegen haben mir da auch zugestimmt. Als ich den Inder dann darauf ansprach, dass diese unterschiedliche Zielsetzung der Sonographie vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass Mädchen in der indischen Gesellschaft ein Armutsrisiko darstellen und deshalb häufiger abgetrieben werden, hat er sehr entrüstet reagiert. Das käme vielleicht manchmal vor, sei aber keinesfalls ein flächendeckendes Phänomen. Aha, und deshalb benutzt man die Sonographie auch zur Geschlechtsbestimmung…

  6. @Miriam: Sehr mutig. Sehr löblich. Leider hat der Mann wohl nichts daraus gelernt.