Das Biene Maja Makeover

von Charlott

Zwei Bilder von Biene Maja, einmal eine Zeichnung aus dem alten Trickfilm, einmal eine Animation aus der neuen Serie, bei letzterem deutlich dünner

Im letzten Jahr konnte Biene Maja ihren 100. Geburtstag feiern, in diesem Jahr kommt eine Neuauflage der Serie ins deutsche Fernsehen. Bei der Neugestaltung in 3D verlor Maja dann auch gleich einmal etwas an Körperumfang. (Hier an dieser Stelle denkt euch einfach einen schlechten Wespen-Taillen-Bienen-Witz.) Scheinbar reicht die Kategorisierung „klein, frech und schlau“ nicht mehr allein.

Das ganze ist aber auch kein einmaliger Vorgang. Bei der Neuinterpretation weiblicher Charaktere aus Kinderserien werden diese oftmals dünner gestaltet. Bei menschlichen Figuren werden diese dazu häufig plötzlich älter gemacht. Die Figuren werden „feminisiert“.

Sociological Images hat diesen Mechanismus in der Vergangenheit bereits für die Serien „Dora, the Explorer“ und „Strawberry Shortcake“ aufgezeigt. Auffällig bei diesen beiden Beispielen sind auch die Haare, Kleidung und die veränderten Farben. Da kann mensch ja fast froh sein, dass es da bei Biene Maja nicht so viel Spielraum gibt.

Zwei Bilder von "Dora the Explorer", einmal das alte Motiv eher kindlich und das neure Motiv deutlich dünner und jugendlicher

Zwei Bilder von Emily Erdbeere, das ältere sehr kindlich, das neuere schlanker und auch pinker, die Haare länger.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 1. März 2013 um 9:33 Uhr unter Körper, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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10 Kommentare

  1. Katrin sagt:

    Ich hab sowas letztens auch über ein Re-Design von Disney Charakteren irgendwo auf Tumblr gesehen, jede menge White-Washing und viel „weiblichere“ Eigenschaften, die typischen Sachen wie größere Augen, mehr Make-up, fliegendes Haar – einfach nur traurig!

    Mindestens genauso schlimm finde ich allerdings diesen Animationstrend. Klar sehen animierte Filme toll aus, wenn sie richtig gut gemacht sind,aber das meiste was bei Kika und Co. läuft und nicht mehr im oldschool Zeichtrickstyle ist, sind echt abartige Polygonfiguren die mich eher an die ersten 3D Versuche wie bei Final Fantasy 7 erinnern -.- Ich versteh nicht warum alles so animiert und 3D mäßig gemacht werden muss, meiner Meinung geht dabei ganz viel Charme der Serie verloren und von einigen Kilos mal abgesehen, die kleine Maja da oben jede Menge Charme eingebüßt.

  2. xoxi sagt:

    Dass die Trickfilme zunehmend per 3D-Modellierung und -Animation produziert werden, hat sicherlich Kostengründe. Wenn alle Szenerie und Figuren erstmal modelliert sind, kann man relativ viel automatisieren und viel schneller neue Folgen produzieren. Statt für jedes Frame die Figuren neu zeichnen, Konturen nachzeichnen, Colorieren und Fotografieren zu müssen, lässt man den Rechner rendern.

    Klassischer Zeichentrick ist so aufwendig und teuer, dass er schon in den 80ern kaum bezahlbar war und daher nach Tschechien, Polen, z.T. Japan verlagert wurde.

    Ich finde auch, dass die Bilder dadurch viel Charme einbüßen. Andererseits würde heutzutage kein Sender mehr das Budget für eine klassische Zeichentrickproduktion bereitstellen. Das wäre so, als würde man wollen, dass ein Verlag ein neues Buch im Bleisatz herstellen lässt, weil es diesen »alten Charme« hat.

  3. Anna-Sarah sagt:

    Dabei ist mir der Artikel eingefallen, den ich vor ein paar Jahren im Bitch Magazine über die (sexualisierenden) Modifikationen bei My Little Pony gelesen hatte – der ist leider nicht online, allerdings ein anderer, der thematisch in dieselbe Richtung geht: Under the knife: A thinner, sexier Strawberry Shortcake and Care Bears

  4. Linkspam sagt:

    […] passiert eigentlich mit weiblichen Figuren in Kinderserien, wenn diese Serien neuaufgelegt werden? Ein paar Bilder präsentiere ich bei der […]

  5. Galumpine sagt:

    @Anna-Sarah: Es gab mal diesen Artikel http://msmagazine.com/blog/2010/12/09/my-little-homophobic-racist-smarts-shaming-pony/
    Darauf hat die Entwicklerin damals eine sehr gute Antwort gegeben. http://msmagazine.com/blog/2010/12/24/my-little-non-homophobic-non-racist-non-smart-shaming-pony-a-rebuttal/

    Die letzten Modifikationen im Characterdesign gingen auf jeden Fall deutlich weg vom Frau-Schema hin zum Kindchenschema. Die Serie war in der ersten Staffel sogar ein gutes Gegenbeispiel gegen Sexismus in Kinderserien. Mittlerweile läuft die dritte Staffel und das ganze Projekt ist leider wieder sehr stark Richtung Hetero-Romantik und Prinzessinnenkitsch abgedriftet.

  6. Anna-Sarah sagt:

    @Galumpine: Danke für die Links! In dem Artikel, auf den ich mich bezog, ging es um die äußerliche Gestaltung der Pony-Spiel-/Sammelfiguren, weniger um die Serie (die ich sowieso immer vergesse, weil ich diese Ponies kannte, lange bevor ich von der Serie wusste). In sofern nochmal danke für die Hinweise.

  7. diese bilder haben sich jetzt ganz schön in meinen kopf gebrannt. ich merke, dass mich das unendlich wütend macht und mir ganz schön übel wird. diese mischung aus fatshaming und sexualisierung, das ist echt… krass.
    danke fürs drauf aufmerksammachen!

  8. Anna sagt:

    Vor allem sehen jetzt alle gleich aus. Keine Idividuen mehr, das ist Massenware. Kindern wird also vorgelebt, dass es okay bzw gewollt ist, dass man gleich aussieht.

  9. Kerstin sagt:

    Mich macht das nicht nur ein bisschen wütend, sondern vielmehr traurig. Aus so schönen Figuren einen solchen Einheitsbrei zu machen – man könnte sie glatt in eine Sendung stecken und es würde passen – und das von der Feminisierung der Figuren ganz abgesehen. Sie sahen auch früher allesamt sympathischer aus.

  10. […] schreibt bei der Mädchenmannschaft darüber wie geliebte weibliche Kinderfiguren bei Neuerfindungen meist dünner gestaltet […]