Danke Mutti!

von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 3 von 45 der Serie Muttiblog

Ich komme ein bisschen zu spät mit meiner Muttis-Mutti-Kolumne, schließlich ist der unsägliche Muttertag, an dem sich Hinz und Kunz bei seiner Mutter dankbar erweist für alles je fürs Kind getane und dabei noch die florale Wirtschaft ankurbelt, vorbei.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Der Muttertag an sich bedeutet mir nichts oder nicht viel. Klar, als Kind habe ich meiner Mutter auch immer etwas (natürlich selbst gebasteltes) geschenkt und an diesem Tag gemeinsam mit Vati den Tisch gedeckt. In diesem Jahr wurde auch ich zu diesem Anlass beschenkt mit einer selbst gebastelten Filzkette in meinen Lieblingsfarben und konnte zumindest den Gedanken an Tränen der Rührung nicht von mir weisen.

Aber letztendlich ist dieser Tag doch ganz schön verlogen, geht es doch darum, die „Frau daheim“ in ihrer festgefahrenen Rolle zu bestätigen und darin zu bestärken, dass es das Größte der Welt ist, für alle den Laden zu schmeißen und im schlimmsten Fall auch noch dem Mann den Rücken frei zu halten.

Natürlich spielte das auch in meiner Kindheit eine Rolle: Meine Mutter war die meiste Zeit zu Hause präsent, sie war diejenige, die mir bei den Hausaufgaben half, das Essen zubereitete und die Wäsche wusch. Aber: meine Mama war (und ist es auch heute noch) berufstätig, es war für mich normal, dass sie nicht immer da war, dass ich nach der Schule an manchen Tagen mit zu Freundinnen ging, weil meine Mutter arbeiten war (nachmittägliche Betreuung an der Schule gab es damals nicht) und dass manche Wochenende keine Eltern-Kind sondern Vater-Tochter-Wochenenden waren, weil auch da meine Mutter arbeiten musste und wollte.

Letzteres war das Entscheidende, was meine Mutter mir für meinen Weg mitgegeben hat: Es ist nicht alleine das Geld, das man mit Arbeiten verdient, es kommt darauf an, dass einem der Job auch Spaß macht und einen fordert. Für diese „Mitgift“ bin ich heute sehr dankbar, denn obwohl ich in einem Umfeld von vormittags Tennis spielenden und sich den Rest des Tages voll auf Kinder und Haushalt konzentrierenden Müttern aufgewachsen bin, war meine Mutter nicht so. DANKE MUTTI!






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4 Kommentare

  1. Friederike sagt:

    Zum Thema Mama. Bei diesem „pädagogisch wertvollen Spiel“ für kleine Mädchen, kann man das schon wundervoll üben:
    http://www.girlsgogames.de/spiel/Dress-My-Baby.html
    mit der Aufoderung „Mach dein Baby zur Stilikone“ kann man dem Süßen (unter dem Fantasymodus) Stöckelschuh, Schmuck und sogar einen an SM-artigen Lederanzug anziehen und dann mit ihm in die Disko gehen.
    *kopfschüttel“

  2. Susanne sagt:

    Zum Thema selbstgebastelte Geschenke könnte ich mich ja hierüber schlapp lachen:

  3. Die Michiko sagt:

    Ich erzählte heute einer Kollegin (so ende 40, die Gute), daß meine Mutter nach 11 Jahren Pause mal wieder versucht hatte, mir einen Geburtstagskuchen zu backen, was noch nie eine gute Idee war.
    Meine Kollegin fragte, ob meine Mutter denn wenigstens gut kocht, und als ich antworten musste „shon okay, aber auf jeden Fall nicht gerne“, worauf sie mit erstaunlich ernster Miene nachhhakte „aber Du hast sie trotzdem lieb?“
    Ich musste ein bischen lachen und ein bischen weinen.
    Wo steht denn bitte geschrieben, dass alle (erwachsenen!) Kinder ihre Mütter lieben müssen, egal wie verkorkst die Kindheit war? Und dass Mutterliebe dann auch noch ausschliesslich durch den Magen geht?

    PS: Ich mag meine Mutter,auch wenn sie schlecht kocht und gewaltig einen an der Murmel hat. Dafür hat sie mir Selbstständigkeit beigebracht, und kritisches Denken – und dass, wenn ich Kuchen will, ich selber welchen backen kann.

  4. bernd aus weil sagt:

    Warum müssen Mütter gut kochen? Es kocht halt gerade der/die der/die eben zuhause ist. Die Vorstellung, dass das alles auch noch super lecker sein sein soll ist doch überholt. Das ist nur dazu da um völlig durchgekallten Müttern einzureden, dass sie eben doch die panierten Meeresausbeutpresslinge der aussterbenden Seefische oder die anderen vorgekochten und halb verdauten Speisen aus der Packung ziehen soll. Zuerstmal muss jeden Tag was auf den Tisch und das ist dann gar nicht so leicht ohne langweilig zu sein. Und, manchmal geht halt was daneben.

    @ Michiko: Genauso wie Du schreibst ist das richtig. Denn auch unsere Eltern haben sich in den seltensten Fällen ihre Kindheit selber ausgesucht. Die meisten Eltern bemühen sich ja redlich. Wenn auch nicht immer erfolgreich. ;-) Wenn Dir die Mutter (Eltern?) Selbstständigkeit und Denken mitgegeben haben hat das mehr Wert als ein Lotteriegewinn. Es ist die Basis um es selbst mal besser zu machen. Oder wenigstens zu versuchen.