Courage online und offline
von BarbaraAnlässlich des nahenden Internationalen Weltfrauentags häufen sich Meldungen von Organisationen, die Veranstaltungen machen, Workshops anbieten und Ideen für Diskussionen haben. Eine davon sind die Aktionen der Stadtfrauenkonferenz München, die zu einer bunten Demo am 6. März auf dem Marienplatz einlädt. Die Münchner Aktivistin und Künstlerin Veronika Dimke erklärt, was dahinter steckt.
Was ist die Stadtfrauenkonferenz?
Die Stadtfrauenkonferenz wurde gegründet, um zur Weltfrauenkonferenz 2011 nach Carachas zu mobilisieren, aber auch um ein lokales Netzwerk zu knüpfen und zusammen den Internationalen Frauentag mit einer Demo auf die Straße zu feiern.
Wer seid ihr? Wie kam es dazu?
Die Stadtfrauenkonferenz wurde von der Courage-Frauen einberufen.
Courage ist der Frauenverband der MLPD, sie nennen sich aber parteiübergreifend. Dort sind Gewerkschafter_innen, Filmemacher_innen, Claudia Stamm von den Grünen, Frauenverbände etc. hingekommen und eben sehr viele Couragefrauen, die so einen großen Einfluss auf Entscheidungen haben. Vorwiegend waren es Differenzfeminist_innen der zweiten Generation und zwei, drei Queerfeminist_innen.
Also etwas Globales auf lokaler Ebene?
Genau, die Weltfrauenkonferenz wird weltweit lokal vorbereitet. Es werden Delegierte aus vielen Ländern gewählt. Es gibt aber auch noch andere Weltfrauenkonferenzen, dies ist nicht die Einzige.
Ich habe interessante Frauen dort kennengelernt und erstaunlich viel Einfluss nehmen können, bin nun aber während der 8. März-Vorbereitung wieder ausgestiegen, weil ich meine Unabhängigkeit als Künstler_in sehr schätze. Zwei Courage/MLPD-Frauen wollten einer Künstler_in vorschreiben, wie ihre Performance auszusehen habe. Parteien, Organisationen und Behörden versuchen ja gern mal, die Freiheit der Kunst zu beschneiden. Da reagiere ich allergisch, freue mich aber trotzdem weiterhin, dass viele Unterstützer_innen die Demo am 6. März mittragen wollen.
Kurz nach dem Weltfrauentag, am 12./13. und am 20.März bietest du gemeinsam mit Ella von der Haide ihr in München Video-Workshops an. Ihr wollt damit den sexistischen Filmen, die überall im Netz kursieren, etwas entgegensetzen. Wie kann man sich das vorstellen?
Bei diesem zweisprachigen Workshop lernt mensch, kleine Filmchen zu konzipieren, Drehs zu organisieren, zu filmen, schneiden, richtig zu verschlagworten und bei Youtube hochzuladen. In drei Tagen werden das eher einfache Clips, aber dann hat jede_r die Grundlagen schon mal gelernt, und ich hoffe damit die Münchner Independentfilmszene zu beleben. Ella von der Haide und ich machen diesen Workshop zu einem absoluten Dumpingpreis von 50€/25€ aus Solidarität mit armen Leuten.
Wie kam ihr darauf, so einen Workshop anzubieten?
Als ich bei Youtube mal “Antisexismus” oder “Feminismus” eingegeben habe, kamen vorallem schreckliche Clips von Väterrechtler_innen oder sexistischer Hip hop von KIZ (Sexismus gegen Rechts), weil die so verschlagwortet waren und mehr Output bei Youtube haben als Queerfeminist_innen.
Queerfeministische Clips aus Deutschland gibt es sehr wenige. Bei Clips queerfeministischer Bands wie z. B. Screamclub hat Youtube die Kommentarfunktion ausgestellt. In dem Video ist ein “Tit-In” gegen die Kirche zu sehen und mensch kann sich ja vorstellen, was es da für Kommentare gab.
Wie reagierst du auf Sexismus im Netz?
Ich will Sexismus im Netz nicht ignorieren, denn was die Medien zeigen wird als normal empfunden und nachgelebt. Ich beschäftige mich als Künstler_in seit Jahren mit dem Thema Sexismus und bei meiner Unterstützungsarbeit von alleingelassenen Betroffenen ist mir schon oft das Lachen vergangen.
Die Möglichkeit, sexistische Inhalte zu löschen, besteht selten. “Dagegen hauen” ist gut, aber auch parodieren oder eigene Inhalte setzen. In dem Workshop haben die Leute die Wahl, wie sie das Thema angehen wollen und wir freuen uns über Leute, die mit eigenen Ideen kommen, zeigen zur Inspiration aber auch positive und negative Filmbeispiele aus dem Netz.
Mehr zum Video-Workshop unter www.flugblattfilme.de/filme/ und www.ella-von-der-haide.de. Der Workshop findet im DGB-Bildungswerk München Schwanthalerstr. 64 80336 München am Freitag, 12. 3.10 und Samstag, 13.3.10 statt. Anmeldungen unter Anmeldung(at)Bildungswerk-Bayern.de.
Die Demo der Stadtfrauenkonferenz ist geplant für Samstag, 6. März 2010.
Auftaktkundgebung um 12.30 am Stachus
Demonstration: 13.00 vom Stachus zum Marienplatz
Markt der Möglichkeiten: ab 14.00 am Marienplatz mit Ständen, Kultur und
offenem Mikrofon
Facebook | | Tags: Internationaler Frauentag, Sexistische Kackscheiße, Stadtfrauenkonferenz
Eintrag geschrieben: Dienstag, 2. März 2010 um 9:30 Uhr unter 1a-Schnecken, Alltag. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.








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