Archiv für ‘Weibsbilder Mannsbilder’

Was Mädchen und Jungs wirklich wollen

Thursday, October 16th, 2008 von Susanne

Wow, man weiß bei Sexismus manchmal echt nicht, ob man lachen oder heulen soll. Das hier zum Beispiel, auf das uns unsere Leserin Miriam aufmerksam machte, ist einfach nur bescheuert:

Das sind also zwei sich ergänzende “Chemie”-Baukästen für Mädchen und Jungs, und zwar ganz ordentlich - wie es sich gehört - auf die Bedürfnisse des jeweiligen Geschlechts abgestimmt.

Den Jungs wird versprochen, etwas für ihren Grips zu tun und Wissenschaft wird ihnen schmackhaft gemacht in ansprechender, jugendgerechter Sprache, nämlich als “totally funky science”:

Mädchen dagegen will man lieber von so anstrengenden Sachen wie Wissenschaft verschonen und will ihnen auch nicht androhen, ihr Gehirn benutzen zu müssen. Nein, die Girls können “entspannen und mit verschiedenen Düften experimentieren”:

Puh. Und wer jetzt sagt, das sei halt Amerika, dem empfehle ich wärmstens die Spielzeugabteilung des ortsansässigen Kaufhauses.

(Dank an Miriam für den Link.)

Ein ♥ für Männer

Wednesday, October 15th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 15 von 20 der Serie Die Feministische Bibliothek

“Was vom Manne übrig blieb. Krise und Zukunft des starken Geschlechts” lautet der Titel eines ziemlich düsteren Buches, das Walter Hollstein, langjähriger Männerforscher, bereits Anfang des Jahres auf den Markt brachte.

In Männerfragen ist er eine Koryphäe, vor allem, wenn es zur Abwechslung mal wissenschaftlich unterlegt und differenziert sein soll. Der Autor legt in seinem jüngsten Werk definitiv seinen Finger auf eine Wunde, ja: Das Buch kann gar als Weckruf an eine scheinbar schlafende Gesellschaft und Politik gesehen werden.

Die Hauptbotschaft lautet: Vergesst die Männer nicht, seht euch ihre Probleme und Nöte an oder die Krise der Männer wird sich bald als gesamtgesellschaftliches Problem ausweiten. Hollstein grast akribisch alle gesellschaftlichen Bereiche nach Problemen von Jungen und Männern ab und wird im Grunde überall fündig: Schon früh in der Erziehung werden Jungen signifikant häufiger mit Härte statt Liebe, erzogen; an sie wird bereits in frühen Jahren ein Männlichkeitsideal angelegt, dem sie zu entsprechen haben, sonst gelten sie als Versager. „Im Gegensatz zu einer stark veränderten Sozialisation von Mädchen ist die Sozialisation von Jungen traditionell geblieben,“ erklärt Hollstein. Außerdem seien die Erziehungseinrichtungen von Frauen nur so überfüllt, was für Jungen nicht gerade förderlich sei, wie Studien und WissenschaftlerInnen zeigten „so vaterlos die Junge Generation heute erzogen wird, so weiblichkeitsüberfrachtet ist sie“.

Hollstein schafft es, daraus keinen Vorwurf an die Frauen oder Mütter zu machen: Der Gesellschaftliche Plan für „Männlichkeit“ und seine Modernisierung hinkten eben der modernen „Weiblichkeit“ hinterher: Diese hat längst erkannt, dass es neben Familie und Haushalt weitere sinnstiftende Tätigkeiten gibt, von denen frau nicht ausgeschlossen werden möchte. Dass die Familie und der Haushalt neben der Arbeitswelt auch ein befriedigendes und sinnstiftendes Tätigkeitsfeld für Männer sein könnte, das wird nur langsam erkannt.

Daneben listet er weitere wichtige Probleme auf:

  1. Männer haben wachsende Schwierigkeiten in Beziehungen und Familie
  2. Männer vermissen Freundschaften und soziale Netze
  3. Männer vermissen gerechte Regelungen beim Sorgerecht
  4. Männer klagen über emotionale Probleme

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Alles nur Hormon-Monster? Oder: Was uns der Spiegel nicht gesagt hat

Wednesday, October 1st, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 4 von 7 der Serie Meine Meinung

Das Titelblatt, das uns letzte Woche (Ausgabe 39/2008) wieder einmal beglückte, machte schnell klar, dass der Spiegel sich erneut anschickte, uns zu erklären, warum die Frauen von der Venus und die Männer vom Mars kommen. Nur diesmal aber mit ganz viel Wissenschaft und Biologie, also mit richtigen Beweisen – ist ja Ehrensache. Okay, ich weiß, ich fange schon wieder ganz schön polemisch an, aber man musste bei der gesamten Aufmachung schon sehr den Eindruck gewinnen, dass es hier wahrscheinlich mehr darum ging, eine angeblich „unbeliebte Wahrheit“ unters Volk zu bringen – ja, gar einen kleinen Skandal! – als darum, differenziert die tatsächlichen Ergebnisse aus Biologie und Neurowissenschaften zu betrachten. Zwar fielen eine Menge Namen und eine Menge Studien, doch dass diese immer noch umstritten und mit Gegenstudien ausgestattet bleiben, das wurde leider nicht erwähnt. Aber wozu gibt es die Mädchenmannschaft? Genau, um die eine oder andere Erkenntnis aus der Neurobiologie, die uns der Spiegel nicht mitgeteilt hat, doch noch mit den werten LeserInnen zu teilen.
Gehirn
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Applaus für… Christian, den Grundschullehrer

Thursday, September 25th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 2 von 4 der Serie Applaus für

Ein sehr interessantes Protokoll über das Dasein als Grundschullehrer fand ich soeben bei Spiegel.de: Christian ist 24 Jahre alt und einer der 7 Prozent Grundschullehramts-Studenten. Wie sich das anfühlt, warum er denkt, dass Männer in diesem Beruf wichtig sind und was für seltendämliche Kommentare er sich schon anhören musste - all das erfährt man im Artikel. Kurzer Auszug:

“Dass Erziehung, insbesondere die frühkindliche, ins Aufgabengebiet der Frau fällt, ist in vielen Köpfen tief verankert. Und man spürt, dass es nicht gerade gut ankommt, wenn ein Mann Grundschullehrer wird.”

EU-Parlament: Stopp den Stereotypen in der Werbung!

Wednesday, September 3rd, 2008 von Katrin

Endlich bringt auch die Politik das Thema auf den Tisch: Werbung, die auf alten Rollenklischees herumreitet und diese immer wieder und wieder reproduziert, ist von Übel! Das Europäische Parlament forderte am heutigen Mittwoch deswegen neue ethische und rechtlich verbindliche Regeln für die Fernsehwerbung. Die Vorlage kam von Eva-Britt Svensson (Grüne/FEA Schweden) und wurde von der Mehrheit der Abgeordneten angenommen. In der Pressemitteilung des Europäischen Parlamentes heißt es dazu:

“In dem von Eva-Britt SVENSSON (GRÜNE/FEA, SE) verfassten Bericht wird betont, dass es besonders wichtig ist, dass Fernsehwerbung bestehenden ethisch und/oder rechtlich verbindlichen Regeln und/oder Verhaltenskodizes unterliegt. Auf diese Weise könnten Werbespots, die diskriminierende oder entwürdigende Botschaften auf der Grundlage von Geschlechterstereotypen vermitteln oder zu Gewalt anstacheln, unterbunden werden.”

Konkret werden mit dem Beschluss die Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufgefodert, sexistische Beleidigungen und entwürdigende Darstellungen von Frauen und Männern mittels “Aufklärungssanktionen” (schönes Wort/Anm. der Autorin), die es zu konzipieren gilt, zu beenden. Dazu weiter in der PM:

” Insbesondere sei es notwendig, Botschaften, die die menschliche Würde verletzen und Geschlechterstereotype vermitteln, aus Lehrbüchern, Spielzeug, Videos, Computerspielen und Internet zu beseitigen.”

Gleichzeitig sollen Bildungsinitiativen konzipiert werden, welche die bestehenden Geschlechtsstereotypen bei den - pardon! - Eiern packen sollen: Die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die durch solche Stereotype ohne Frage unnötig verkompliziert werden, sollen somit nachhaltig verbessert werden.

In der Pressemitteilung ist keine Rede von Verboten, obgleich diese auch nicht explizit ausgeschlossen werden. Das finde ich wiederum sehr gut, da ich der Meinung bin, dass Verbote und Zensuren immer der letzte Weg sein sollten und auch ein bisschen ein Armutszeugnis sind für Gesellschaften und ihre (Bildungs-)institutionen. Auf die “Aufklärungssanktionen” bin ich allerdings schon sehr gespannt. Klingt vielversprechend. Nun gilt es diese Worthülse mit effektiven Taten zu füllen.

Kind im falschen Körper

Friday, August 1st, 2008 von Susanne

Heute sehr lesenswert im Magazin der Süddeutschen Zeitung :

Mädchen sind willkommen (Jungs nicht)
Die erst zehnjährige Nina wusste immer, dass sie im falschen Körper lebt. Aber es war ein langer Kampf gegen Eltern und Lehrer, bis sie nicht mehr David sein musste

Fundstücke

Wednesday, July 30th, 2008 von Barbara

Ist das so?

Männer, die alleine an der Bar stehen, haben etwas Cooles, wie einsame Wölfe oder Hemingway. Frauen dagegen wirken irgendwie verzweifelt.

Und:

Was Adele für pubertierende Außenseiterinnen darstellt, ist Alanis Morissette für Single-Frauen in der Prä-Menopause.

Gefunden von unserer Leserin Lisa auf jetzt.de und bei Zitty.

Ran an den Mann!

Wednesday, July 23rd, 2008 von Katrin

Vater KindIn der taz gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit Familiensoziologe Hans Bertram. Es geht um Familie, Frauen und Männer. Um alte Rollen, neue Visionen, einen anderen Arbeitsmarkt und eigentlich alles, was eben so wichtig wird, wenn erst einmal Kinder da sind.

Auf die Frage, was in Deutschland schief läuft, warum sich nur so wenig Männer für die Erziehung entscheiden, antwortet Bertram:

“Die Mehrzahl der jungen Männer hält an dem typischen Ernährermodell fest. Es gibt einfach noch zu viele Gratifikationen für das alte Modell. Bleiben sie dabei, geht es der Familie finanziell gut - und sie sind angesehen. Es gibt im Augenblick noch wenig Anreize für Männer, für das Kind da zu sein. Die Männerrolle ist stark davon abhängig, dass die Männer gegenüber Frauen gerne attraktiv sind.”

Auch die Frauen halten demzufolge viel zu sehr an diesem alten Modell fest:

“Die wollen den erfolgreichen, berufstätigen Mann. Wenn man sich das Heiratsverhalten anguckt, die heiraten eher nach oben in die sozialen Positionen hinein.”

Und:

“Wir haben unglaublich viel darüber nachgedacht, wie eine moderne Frauenrolle aussehen könnte, wie sie Fürsorge für Kinder und auch für Alte mit ihrer Berufskarriere in Übereinstimmung bringen kann. Aber das Interessante ist, dass wir nie über die Männer reden.”

Aber was tun? Bertram:

“… das, was die Norweger machen. Da bleiben nur die Aktiengesellschaften an der Börse, wo mindestens 40 Prozent beiden Geschlechtes drin sind.”

Und:

“… wir müssen dafür sorgen, dass Frauenberufe genauso gut bezahlt werden wie Männerberufe. Und wir müssen irgendwie sicherstellen, dass die Wertigkeit der Fürsorge für andere genauso wichtig ist wie der ökonomische Erfolg. Solange es unterschiedliche Gehälter und schlecht beleumundete Fürsorge gibt, ist ein fairer Aushandlungsprozess faktisch ausgeschlossen.”

Es ist wirklich erstaunlich, dass in der Kürze eines solchen Interviews so viel Gehalt liegen kann. Also bitte das ganze Interview lesen, lohnt sich!

(Bild von Schoenswetter)

Sollten sich Frauen “männlicher” Mittel bedienen?

Friday, July 18th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 8 von 12 der Serie Grundsatzfragen

Eine Frage, die gerade bei reinen Frauen-Diskussionen immer wieder auftaucht, ist: In wieweit müssen wir Frauen uns “männliche” Mittel aneignen, wenn wir Erfolg haben wollen?

Jüngst wieder gehört waren dazu auf einer Konferenz zum Thema die folgenden Argumente:

  • “Die” Frauen sind zaghafter als Männer und zurückhaltender, während “die” Männer sich eher überschätzen und mit dem Kopf durch die Wand gehen.
  • Wenn “die” Frauen Hilfe benötigen oder eine gute “Connection”, um etwas zu erreichen, machen sie sich viel mehr Gedanken über den Aufwand, den sie damit anderen bereiten, als “die” Männer, die unverholener alle Mittel ausreizen und eher bereit sind, andere für sich arbeiten zu lassen, um dann den Erfolg trotzdem für sich zu verbuchen.
  • “Die” Frauen haben einen zu fairen Diskussionsstil, “die” Männer ziehen Diskussionen gerne mit ihrer dominanten Art an sich, “die” Frauen müssen genauso aggressiv diskutieren, wie “die” Männer.

Um nur wenige Beispiele zu nennen. Ich denke, es wird klar, was Kern all dieser Überlegungen ist. Ein bisschen aggressiver, ein bisschen rücksichts- und schamloser, weniger zaghaft sollen “wir” werden, damit der Erfolg, den wir ja verdienen, sich einstellen kann. Damit “wir” sozusagen “bereit” für einen Konkurrenzkampf mit männlichen Kollegen werden.

Ich persönlich kann mit diesen Vorschlägen wenig anfangen. Denn:

  • Die Unterschiede zwischen “den” Männern und “den” Frauen werden mir zu sehr überbetont.
  • Die vorgeschlagenen Mittel finde ich genauso unsympathisch wie mein Mann, der lieber andere, “weibliche” Wege geht.

Wie seht ihr das? Müssen Frauen sich härtere Bandagen zulegen, wenn der Erfolg (Welcher Erfolg ist eigentlich gemeint?) sich einstellen soll?

Junger Feminismus im Zündfunk

Friday, July 4th, 2008 von Barbara

Der Juli steht im Zeichen des Feminismus im Bayerischen Rundfunk: Jeden Sonntagabend gibt es im Zündfunk auf Bayern 2 eine einstündige Sendung zu Themen wie Schönheit, Karriere und Kinder oder Kunst. Am 22. Juli dann wird über den vermeintlichen Graben zwischen jungen und alten Feministinnen diskutiert, und zwar im Muffatcafé in München. Neben der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken (Autorin von “Die deutsche Mutter”), der “Agentin für Geschlechterdemokratie” Halina Bendkowski und der Grünen-Frauen-Politikerin Julia Seeliger werde auch ich auf dem Podium sitzen.

Die Radiosendungen laufen sonntags zwischen 22:05 und 23:00 Uhr. Hier kommen die Themen:

06.07.2008 Von Schönheitsjunkies und Powerfrauen.
Wie gehen Frauen heute mit dem Druck der Schönheitsindustrie um, in einer Gesellschaft, die nur noch ein Erfolgsmodell kennt: Jung, sexy, leistungsfähig.

13.07.2008 Working girl: Der Start ins Berufsleben als feministisches Erweckungserlebnis
In Schule und Universität ziehen junge Frauen an den Männern vorbei. Warum ändert sich das schlagartig, wenn es um berufliche Karriere geht?

20.07.2008 Doing Feminism: Zeitgenössische Künstlerinnen zwischen Ton, Text und Bild
Wie schlagen sich Feminismusmodelle heute in der Kunst nieder?

27.07.2008 Migration und Frauenbewegung - Grenzen und Gemeinsamkeiten
Kämpft der Feminismus auch für Migrantinnen und ihre Rechte? Oder stellt er sich manchmal ungewollt in den Dienst anti-islamischer Vorurteile von Unterdrückung der Frau und männlicher Dominanz?

03.08.2008 Von “alten Emanzen” und “neuen deutschen Mädchen”
Brauchen wir einen neuen Feminismus? Mitschnitt der Diskussion vom 22.07.08 im Münchner Muffatcafé