Archiv für ‘Weibsbilder Mannsbilder’

EU-Parlament: Stopp den Stereotypen in der Werbung!

Wednesday, September 3rd, 2008 von Katrin

Endlich bringt auch die Politik das Thema auf den Tisch: Werbung, die auf alten Rollenklischees herumreitet und diese immer wieder und wieder reproduziert, ist von Übel! Das Europäische Parlament forderte am heutigen Mittwoch deswegen neue ethische und rechtlich verbindliche Regeln für die Fernsehwerbung. Die Vorlage kam von Eva-Britt Svensson (Grüne/FEA Schweden) und wurde von der Mehrheit der Abgeordneten angenommen. In der Pressemitteilung des Europäischen Parlamentes heißt es dazu:

“In dem von Eva-Britt SVENSSON (GRÜNE/FEA, SE) verfassten Bericht wird betont, dass es besonders wichtig ist, dass Fernsehwerbung bestehenden ethisch und/oder rechtlich verbindlichen Regeln und/oder Verhaltenskodizes unterliegt. Auf diese Weise könnten Werbespots, die diskriminierende oder entwürdigende Botschaften auf der Grundlage von Geschlechterstereotypen vermitteln oder zu Gewalt anstacheln, unterbunden werden.”

Konkret werden mit dem Beschluss die Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufgefodert, sexistische Beleidigungen und entwürdigende Darstellungen von Frauen und Männern mittels “Aufklärungssanktionen” (schönes Wort/Anm. der Autorin), die es zu konzipieren gilt, zu beenden. Dazu weiter in der PM:

” Insbesondere sei es notwendig, Botschaften, die die menschliche Würde verletzen und Geschlechterstereotype vermitteln, aus Lehrbüchern, Spielzeug, Videos, Computerspielen und Internet zu beseitigen.”

Gleichzeitig sollen Bildungsinitiativen konzipiert werden, welche die bestehenden Geschlechtsstereotypen bei den - pardon! - Eiern packen sollen: Die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die durch solche Stereotype ohne Frage unnötig verkompliziert werden, sollen somit nachhaltig verbessert werden.

In der Pressemitteilung ist keine Rede von Verboten, obgleich diese auch nicht explizit ausgeschlossen werden. Das finde ich wiederum sehr gut, da ich der Meinung bin, dass Verbote und Zensuren immer der letzte Weg sein sollten und auch ein bisschen ein Armutszeugnis sind für Gesellschaften und ihre (Bildungs-)institutionen. Auf die “Aufklärungssanktionen” bin ich allerdings schon sehr gespannt. Klingt vielversprechend. Nun gilt es diese Worthülse mit effektiven Taten zu füllen.

Kind im falschen Körper

Friday, August 1st, 2008 von Susanne

Heute sehr lesenswert im Magazin der Süddeutschen Zeitung :

Mädchen sind willkommen (Jungs nicht)
Die erst zehnjährige Nina wusste immer, dass sie im falschen Körper lebt. Aber es war ein langer Kampf gegen Eltern und Lehrer, bis sie nicht mehr David sein musste

Fundstücke

Wednesday, July 30th, 2008 von Barbara

Ist das so?

Männer, die alleine an der Bar stehen, haben etwas Cooles, wie einsame Wölfe oder Hemingway. Frauen dagegen wirken irgendwie verzweifelt.

Und:

Was Adele für pubertierende Außenseiterinnen darstellt, ist Alanis Morissette für Single-Frauen in der Prä-Menopause.

Gefunden von unserer Leserin Lisa auf jetzt.de und bei Zitty.

Ran an den Mann!

Wednesday, July 23rd, 2008 von Katrin

Vater KindIn der taz gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit Familiensoziologe Hans Bertram. Es geht um Familie, Frauen und Männer. Um alte Rollen, neue Visionen, einen anderen Arbeitsmarkt und eigentlich alles, was eben so wichtig wird, wenn erst einmal Kinder da sind.

Auf die Frage, was in Deutschland schief läuft, warum sich nur so wenig Männer für die Erziehung entscheiden, antwortet Bertram:

“Die Mehrzahl der jungen Männer hält an dem typischen Ernährermodell fest. Es gibt einfach noch zu viele Gratifikationen für das alte Modell. Bleiben sie dabei, geht es der Familie finanziell gut - und sie sind angesehen. Es gibt im Augenblick noch wenig Anreize für Männer, für das Kind da zu sein. Die Männerrolle ist stark davon abhängig, dass die Männer gegenüber Frauen gerne attraktiv sind.”

Auch die Frauen halten demzufolge viel zu sehr an diesem alten Modell fest:

“Die wollen den erfolgreichen, berufstätigen Mann. Wenn man sich das Heiratsverhalten anguckt, die heiraten eher nach oben in die sozialen Positionen hinein.”

Und:

“Wir haben unglaublich viel darüber nachgedacht, wie eine moderne Frauenrolle aussehen könnte, wie sie Fürsorge für Kinder und auch für Alte mit ihrer Berufskarriere in Übereinstimmung bringen kann. Aber das Interessante ist, dass wir nie über die Männer reden.”

Aber was tun? Bertram:

“… das, was die Norweger machen. Da bleiben nur die Aktiengesellschaften an der Börse, wo mindestens 40 Prozent beiden Geschlechtes drin sind.”

Und:

“… wir müssen dafür sorgen, dass Frauenberufe genauso gut bezahlt werden wie Männerberufe. Und wir müssen irgendwie sicherstellen, dass die Wertigkeit der Fürsorge für andere genauso wichtig ist wie der ökonomische Erfolg. Solange es unterschiedliche Gehälter und schlecht beleumundete Fürsorge gibt, ist ein fairer Aushandlungsprozess faktisch ausgeschlossen.”

Es ist wirklich erstaunlich, dass in der Kürze eines solchen Interviews so viel Gehalt liegen kann. Also bitte das ganze Interview lesen, lohnt sich!

(Bild von Schoenswetter)

Sollten sich Frauen “männlicher” Mittel bedienen?

Friday, July 18th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 8 von 10 der Serie Grundsatzfragen

Eine Frage, die gerade bei reinen Frauen-Diskussionen immer wieder auftaucht, ist: In wieweit müssen wir Frauen uns “männliche” Mittel aneignen, wenn wir Erfolg haben wollen?

Jüngst wieder gehört waren dazu auf einer Konferenz zum Thema die folgenden Argumente:

  • “Die” Frauen sind zaghafter als Männer und zurückhaltender, während “die” Männer sich eher überschätzen und mit dem Kopf durch die Wand gehen.
  • Wenn “die” Frauen Hilfe benötigen oder eine gute “Connection”, um etwas zu erreichen, machen sie sich viel mehr Gedanken über den Aufwand, den sie damit anderen bereiten, als “die” Männer, die unverholener alle Mittel ausreizen und eher bereit sind, andere für sich arbeiten zu lassen, um dann den Erfolg trotzdem für sich zu verbuchen.
  • “Die” Frauen haben einen zu fairen Diskussionsstil, “die” Männer ziehen Diskussionen gerne mit ihrer dominanten Art an sich, “die” Frauen müssen genauso aggressiv diskutieren, wie “die” Männer.

Um nur wenige Beispiele zu nennen. Ich denke, es wird klar, was Kern all dieser Überlegungen ist. Ein bisschen aggressiver, ein bisschen rücksichts- und schamloser, weniger zaghaft sollen “wir” werden, damit der Erfolg, den wir ja verdienen, sich einstellen kann. Damit “wir” sozusagen “bereit” für einen Konkurrenzkampf mit männlichen Kollegen werden.

Ich persönlich kann mit diesen Vorschlägen wenig anfangen. Denn:

  • Die Unterschiede zwischen “den” Männern und “den” Frauen werden mir zu sehr überbetont.
  • Die vorgeschlagenen Mittel finde ich genauso unsympathisch wie mein Mann, der lieber andere, “weibliche” Wege geht.

Wie seht ihr das? Müssen Frauen sich härtere Bandagen zulegen, wenn der Erfolg (Welcher Erfolg ist eigentlich gemeint?) sich einstellen soll?

Junger Feminismus im Zündfunk

Friday, July 4th, 2008 von Barbara

Der Juli steht im Zeichen des Feminismus im Bayerischen Rundfunk: Jeden Sonntagabend gibt es im Zündfunk auf Bayern 2 eine einstündige Sendung zu Themen wie Schönheit, Karriere und Kinder oder Kunst. Am 22. Juli dann wird über den vermeintlichen Graben zwischen jungen und alten Feministinnen diskutiert, und zwar im Muffatcafé in München. Neben der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken (Autorin von “Die deutsche Mutter”), der “Agentin für Geschlechterdemokratie” Halina Bendkowski und der Grünen-Frauen-Politikerin Julia Seeliger werde auch ich auf dem Podium sitzen.

Die Radiosendungen laufen sonntags zwischen 22:05 und 23:00 Uhr. Hier kommen die Themen:

06.07.2008 Von Schönheitsjunkies und Powerfrauen.
Wie gehen Frauen heute mit dem Druck der Schönheitsindustrie um, in einer Gesellschaft, die nur noch ein Erfolgsmodell kennt: Jung, sexy, leistungsfähig.

13.07.2008 Working girl: Der Start ins Berufsleben als feministisches Erweckungserlebnis
In Schule und Universität ziehen junge Frauen an den Männern vorbei. Warum ändert sich das schlagartig, wenn es um berufliche Karriere geht?

20.07.2008 Doing Feminism: Zeitgenössische Künstlerinnen zwischen Ton, Text und Bild
Wie schlagen sich Feminismusmodelle heute in der Kunst nieder?

27.07.2008 Migration und Frauenbewegung - Grenzen und Gemeinsamkeiten
Kämpft der Feminismus auch für Migrantinnen und ihre Rechte? Oder stellt er sich manchmal ungewollt in den Dienst anti-islamischer Vorurteile von Unterdrückung der Frau und männlicher Dominanz?

03.08.2008 Von “alten Emanzen” und “neuen deutschen Mädchen”
Brauchen wir einen neuen Feminismus? Mitschnitt der Diskussion vom 22.07.08 im Münchner Muffatcafé

Der Mann, das rätselhafte Wesen?

Monday, June 23rd, 2008 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 3 von 3 der Serie Der Kommentar

Ich greife hier gern einen ausführlichen Kommentar unseres Lesers jj auf, der die aktuelle Titelgeschichte des Spiegels zusammenfasst und kommentiert:

  • Der Titel hat nur sehr wenig mit dem Inhalt zu tun.
  • Auf die Erkenntnis “Wenn sich die weibliche Rolle ändert, ändert sich notwendigerweise auch die männliche” folgt leider keine Diskussion.
  • Und schon gar keine Ideen, was Männlichkeit heute ausmachen könnte, mit Ausnahme von “neuer Vaterschaft” und Franz Münteferings Entscheidung, als SPD-Vorsitzender zurückzutreten, um seine Frau zu pflegen.
  • Die klassische neue Rolle von Jungs als Bildungsverlierer wird weitergestrickt, ohne neue Erkenntnisse.
  • Es wird gezeigt, daß Männer sich durchaus für Lebensentwürfe jenseits der Karriere interessieren, aber
    Paarungsverhalten und Inkongruenzen zwischen individuellem weiblichen Wahlverhalten (dating up/statusbezogenheit) und gesellschaftlichen Forderungen werden nur in einem Halbsatz angeschnitten, aber nicht in die Diskussion integriert.
  • Ebenso die These, dass Männer als “Täter” akzeptiert seien, nicht aber als “Opfer” - ohne die Frage zu stellen, ob/warum das so ist (z. B. wegen der o.a. Inkongruenz weiblichen Wahlverhaltens?). “Psychologisch ist der Mann das schwache Geschlecht.”
  • Beim “zweizeiligen Teenagerinterview” wird die These aufgestellt: “Wo Rollen abgeschafft werden, ist Aussehen alles.”

“Die Frage was bleibt vom Mann” ist aus meiner Sicht extrem relevant, aber der Spiegel schafft es, auf zehn Seiten das Thema nur anzureißen und sieht sich genötigt, immer wieder Statistiken einzubauen, die die Zustimmung der Deutschen zu “Gleichberechtigung” belegen sollen - ganz so, als ob Angst davor besteht, eine wirkliche Beschäftigung mit Männlichkeit und ihren aktuellen Problemen würde uns wieder in die Fünfziger zurück katapultieren.

Meine Sichtweise des Problems habe ich schon an verschiedenen Stellen dargestellt, daher nur kurz:

Aus anthropoloischer Sicht scheint die Sache klar: die männliche Rolle in Bezug auf Fortpflanzung ist minimal und aufgrund der Tatsache, dass Menschen auch ausschließlich von Pflanzen leben können, war die Rolle als Jäger für das Überleben einer Gemeinschaft ohne externe Bedrohung - als “verzichtbares” Geschlecht ist die Verteidigung v. a. gegen andere Männer ihre Domäne - nie so relevant wie die von Frauen. Diese kleinere Rolle scheint in scheinbar allen (indigenen) Kulturen eine Art Kompensationsmechanismus auszulösen. Überall gibt es künstlich geschaffene Rollen und Rituale, die ausschließlich von Männern ausgeübt werden können, um ihnen so eine gesellschaftliche Rolle zukommen zu lassen, die der von Frauen gleichkommt - in indigenen Gesellschaften drückt sich das zumeist in “magischen” Ritualen aus, die das Universum in Balance halten. Die einzige wirkliche Funktion, die diese Rituale für das Fortbestehen der Art haben, ist, dass sie Männer in die Gemeinschaft einbinden.

Wir haben die Welt entzaubert und niemand glaubt mehr, dass Männer das Didgeridoo blasen müssen, damit das Universum bestehen bleibt und es zusammenbricht, wenn eine Frau das Instrument anfasst. Und damit haben wir ein Problem, insbesondere in einer Welt, in der auch die körperlichen Eigenschaften des Mannes keine wirtschaftlichen Vorteile mehr bieten.

Da liegt das wahre Problem: Männer haben, im Gegensatz zu Frauen, nichts mehr, das nur sie für die Gesellschaft leisten können.

Und nun?

Frauen & Technik

Wednesday, June 18th, 2008 von Susanne

Gestern haben Bundesbildungsministerin Annette Schavan und 40 Spitzenverbände und Unternehmen einen Pakt geschlossen: einen Pakt für mehr junge Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Erklärtes Ziel von Wirtschaft und Wissenschaft ist es, Fachkräftemangel vorzubeugen. Das Programm nennt sich MINT - die Buchstaben stehen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.

Was vor allem der Wirtschaft nutzen soll, bringt auch für Frauen angenehmenNebeneffekte mit sich: Je mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten, desto blasser dürften einige Geschlecherklischees werden, zum Beispiel der beliebte Ausruf”Frauen und Technik!”. Außerdem erhalten Frauen so leichter Zugang zu gutbezahlten Branchen.

Ein hochinteressanter Beelzebub

Thursday, June 12th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 9 von 11 der Serie Die Feministische Bibliothek

Esther Vilar: „Der dressierte Mann“

Eines der vielen Bücher auf meinem aktuellen Stapel war ebendieses, von Vilar schon in den Siebzigern geschriebenes, mittlerweile neu aufgelegtes Werk über die armen Männer. Der Anfang las sich eigentlich ganz gut: Mit einer lustigen Portion Zynismus schildert die Autorin Situationen, in denen Männer sich für Frauen zum Affen machen. Alltägliches. Männer werden als von Frauen dressierte Wesen dargestellt, die sozusagen nur dazu da sind, die Drecksarbeit zu machen, während die Frauen scheinbar hilflos daneben stehen und es sich gut gehen lassen. Von Vilar kann man immerhin mitnehmen: Die Aufteilung in die Geschlechterrollen sind unfair, der Mann kommt dabei nicht einfach nur super bei weg – nein, er muss auch viele daraus entstehende Nachteile in Kauf nehmen. Die Sichtweise der Autorin ist dabei für mich mal mehr, meist aber weniger nachvollziehbar.

Natürlich schlug diese Streitschrift ein wie eine Bombe: Seit den Siebzigern nämlich beschäftigte sich der klassische, der radikale, der vorherrschende Feminismus vor allem damit, Frauen als die Leidtragenden einer von Männern dominierten Gesellschaft zu sehen und gegen diese Zustände zu kämpfen. Dabei gibt es drei verschiedene Aspekte, die das Thema brisant machten und bis heute machen: Erstens, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der Handlungsbedarf für die Emanzipation der Frauen aus verschiedenen Gründen größer war, als jener der Emanzipation der Männer. Frauen waren allein schon durch Gesetze und gesellschaftliche Strukturen benachteiligt. Zweitens ist da die Frage nach den Männern und wie man sich ihnen gegenüber im Kampf für die Emanzipation der Frauen verhalten sollte, sind sie Freund oder Feind? Für einige waren sie der Feind und wurden ebenso behandelt. Drittens ist da die Seite der Männer und ihre eigenen Rollen, ihre Probleme, ihre Lebenswirklichkeiten: Sind die wirklich so super und einfach nur rosig? Diese Seite wurde vom radikalen Feminismus kaum thematisiert.

Ein moderner Feminismus, wie wir ihn hier betreiben möchten, setzt sich eigentlich mit allen drei Bereichen auseinander und versucht, die Spannungsfelder, die dort entstehen, zu thematisieren. Während die Emanzipation der Frauen aufgrund weiter existenter struktureller Benachteiligung immer noch ein großes Anliegen bliebt, ist die Interaktion zwischen den Geschlechtern und der Dialog eine immer wichtiger werdende Komponente geworden, DER Mann als Feind nicht mehr so trennscharf zu definieren. Diese beide Aspekte spielen aber in Vilars Buch keine große Rolle, hier geht es nur um die Rolle des Mannes und um seine Emanzipation, die in „Das Ende der Dressur“ genau beschrieben wird.

Aus der Sicht einer modernen Feministin ist daher „Der dressierte Mann“ ein interessantes, wenn auch zu verurteilendes Buch. Die Rollen und Stereotype, von denen Männer geplagt werden, finden eine einzigartige Aneinanderreihung, das Ausmaß der Nachteile, die auch Männer durch eine Aufteilung in Geschlechterrollen haben, wird an mancher Stelle übertrieben dargestellt und hervorgehoben, aber eben doch ganz gut deutlich. Leider schafft Vilar es nicht, die Kurve hin zu einer differenzierteren Problembeschreibung zu kriegen, stattdessen hackt sie auf den Frauen rum und sieht im Feminismus quasi den Teufel, den sie mit dem Beelzebub austreiben will: einem übertriebenen Maskulinismus. In „Das Ende der Dressur“ wird es dann erst richtig haarsträubend und man gelangt schnell zu dem Punkt, diese Frau am Ende doch nicht ernst nehmen zu können. Trotzdem haben mich vor allem die ersten zwanzig Seiten in mancher Hinsicht zu einem produktivem Nachdenken angeregt und meine Sichtweise der Gesamtsituation zwischen den Geschlechtern hat sich durch dieses Nachdenken recht gut weiterentwickelt. Zudem bieten die Bücher eine gute Ausgangslage, sich mit den unsinnigen Behauptungen gegenüber dem Feminismus auseinanderzusetzen, die bis heute immer noch an uns herangetragen werden. Ich möchte zum Schluss eine Rezensentin bei Amazon.de zitieren, die das alles sehr gut in einen kurzen Kommentar gepackt hat:

“Das Buch ist hochinteressant. Es fördert die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema. Alles in allem halte ich es aber für einseitig und verfehlt, beinahe unseriös. Eine in intellektuelle Worte gefasste Herabsetzung der Frau.“

Mathe ist kein Jungen-Fach

Sunday, June 1st, 2008 von Katrin

Mathe Error Zumindest nicht überall. Das fanden Forscher des European University Institutes in Florenz heraus, wie die Zeit berichtet. Die Studie erschien im Science Magazine (Bd. 320, S. 1164) und widerlegt die lange geglaubte Mär, Jungen seien von Natur aus besser in Mathe.
Besser noch: Die Studie ist Wasser auf unsere feministischen Mühlen, denn:

“Das Ergebnis: Zwar schnitten Mädchen im Schnitt schlechter ab als Jungen. Doch je stärker die Gleichstellung der Geschlechter in ihrem Land ausgeprägt ist, desto besser hielten die Mädchen mit. In Norwegen und Schweden waren beide Geschlechter gleichauf. In Island schnitten Mädchen sogar besser ab.”

Diese Studie passt ganz gut in das Bild, das auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in seiner jüngst veröffentlichten Expertise zum Thema “Bildungs(miss)erfolge von Jungen” entwirft: Je stärker die Geschlechtsstereotype schon in der Kindheit durch Eltern, Erzieherinnen und LehrerInnen vermittelt werden, desto benachteiligter werden Jungen und Mädchen in speziellen Fächern: Die Jungen zum Beispiel in Deutsch, die Mädchen in Mathe und Physik. In England macht man schon lange eine “stereotype threat” aus, denn bereits im zarten Alter von acht Jahren denken Jungen, sie seien viel besser in Mathe, als Mädchen. Umgekehrt ist es “unmännlich”, gerne zu lesen (Comics und Bauanleitungen ausgenommen).

Die Studie aus Florenz legt nahe, dass

“die Geschlechterkluft in Mathematik mit sozialen und kulturellen Faktoren zusammenzuhängen” könnte und: “In Ländern, in denen Männer und Frauen Zugang zu den gleichen Ressourcen und Möglichkeiten haben, existiert diese Kluft nicht.”

(Danke an Nicole für den Link)