Archiv für ‘Was tun?!’

Mutter von Ehrenmordopfer im Irak erschossen

Monday, June 2nd, 2008 von Meredith

Vor ein paar Wochen haben wir hier auf den Fall des irakischen Mädchens Rand hingewiesen. Sie war im Mai von ihrem eigenen Vater ermordet worden, weil sie sich in einen britischen Soldaten verguckt hatte. Rands Mutter Leila hatte sich in einem - für irakische Verhältnisse - todesmutigen Akt von ihrem Mann scheiden lassen.

Die letzten Wochen hatte sie auf der Flucht verbracht und sich in diversen Frauenhäusern vor dem Mann, der ihre Tochter totgeschlagen und ihr den Arm gebrochen hatte, versteckt.

Gestern wollten zwei irakische Frauenrechtsaktivistin Leila zur Grenze Richtung Amman bringen. Auf dem Weg zum Auto wurde Leila mit drei Schüssen von Unbekannten ermordet, die beiden Aktivistinnen kamen mit schweren Schussverletzungen davon.

Die Situation der Frauen im Irak scheint sich immer mehr zu verschlimmern. Weder die Polizei noch weite Teile der irakischen Gesellschaft interessieren sich für die vielen Fälle sogenannter Ehrenmorde, die in den letzten Jahren passiert sind.

Die beiden Helferinnen müssen nun auch um ihr Leben fürchten und den Irak daher verlassen. Allerdings fehlt es ihrer Organisation an Geld. Die guten Frauen bei jezebel haben sich Kontaktdaten zu der NGO verschafft, wer helfen will, sollte ihnen einfach eine Mail schicken.

Wir brauchen eure Unterschrift.

Monday, May 19th, 2008 von Susanne

Es geht um eine europaweite, einheitliche Anti-Diskriminierungsrichtlinie. Diese wurde 2004 zwar von Kommissionspräsident José Manuel Barroso versprochen, steht derzeit aber auf der Kippe - vor allem weil in Deutschland die CDU/CSU versucht, einen allgemeinen Rechtsanspruch bei Diskrimierung zu verhindern. Der neue Vorschlag von Barroso soll sich auf eine Richtlinie beschränken, die ausschließlich Behinderten Rechtssicherheit garantiert. Damit gäbe es keine europäische Vorgabe gegen Diskriminierung z. B. aufgrund von Geschlecht, sexueller Ausrichtung, ethnischer Herkunft, Weltanschauung oder Alter.

Deshalb wollen wir gemeinsam mit anderen Publizistinnen und Publizisten, Politikerinnen und Politikern laut darauf aufmerksam machen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes mit all jenen solidarisieren, denen ein EU-Gleichbehandlungsgesetz in dem Moment helfen könnte, in dem sie eben nicht gleich behandelt werden.

Den Aufruf Ganz Europa ohne Diskrimierung! könnt ihr online unterschreiben, eine Protestmail senden und außerdem dieses Posting oder den Aufruf selbst an alle eure Freunde und Bekannte verschicken, in euren Blogs oder in eurer del.icio.us-Liste auf das Thema aufmerksam machen.

Der Hass eines Vaters

Friday, May 16th, 2008 von Meredith
For Abdel-Qader Ali there is only one regret: that he did not kill his daughter at birth. ‘If I had realised then what she would become, I would have killed her the instant her mother delivered her,’ he said with no trace of remorse.

Das steht im Observer. Der Iraker hatte vor zwei Wochen seine 17-jährige Tochter, eine Studentin namens Rand, tot geschlagen und gewürgt, weil sie sich in einen britischen Soldaten verguckt hatte. Die beiden hatten sich bei einer Hilfsorganisation kennengelernt. Doch Rand hatte kaum Kontakt zum dem Mann, sondern nur ein paar Mal mit ihm gesprochen. Bei Teenagern reicht so eine “Beziehung” ja gerne aus, um sie intensiv ins Schwärmen zu bringen. Rand war zum ersten mal verknallt und das führte sie in den Tod.
Als ihr Vater sie öffentlich mit dem Briten sprechen sah, stürzte er sich auf sie, warf sie zu Boden und stieg ihr auf die Gurgel.

Als ihre vollkommen schockierte Mutter Rands Brüder zu Hilfe rief, eilten die herbei - und begannen ebenfalls auf Rand einzutreten.

Abdel-Quader und seine Söhne sind auf freiem Fuß. Als seine Frau ihm ankündigte, ihn zu verlassen, brach er ihr den Arm. Das Schlimmste, was Abdel-Quader passiert ist: dass er von seinem Job beurlaubt ist.

In dem Observer-Interview brüstet er sich mit seiner Tat und sagt, er würde immer wieder so handeln und er sei froh, keine Tochter mehr zu haben.

Liebe Leser, wer kennt sich mit diesem Thema aus? Was kann man tun, um solche Fälle zu verhindern und/oder Rands Mutter zu helfen?

Disco Lies

Friday, May 16th, 2008 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 1 von 4 der Serie Der Kommentar

In der Serie “Der Kommentar” veröffentlichen wir ab sofort eure Gedanken zu einem Thema eurer Wahl. Den Anfang macht Ani K., die über unerwünschte Anmachen in der Disco schreibt:

Ich geh gern tanzen. Samstagabends hüpfe ich meist bis fünf Uhr morgens zu irgendwelchen Beats herum. Dass da auch andere auf der Tanzfläche sind, kriege ich meist gar nicht mehr richtig mit. Da ich aber rein optisch schnell als Frau erkennbar bin, wird mir die Tatsache, hier nicht allein zu sein, allerdings häufig recht aufdringlich ins Bewusstsein gerufen. Eine Disko ist nun mal ein Ort der Anmache, des Kennenlernens und auch des Körperkontaktes – in dieser Reihenfolge kann das alles beim Tanzen passieren.

Ich bin allerdings immer davon ausgegangen, dass Menschen von vorne zunächst doch interessanter sind als von hinten. Das scheinen manche anders zu sehen. Während meines letzten Diskobesuchs wurde mein Tanzen plötzlich von der Empfindung unterbrochen, ich hätte etwas am Po kleben. Ziemlich schnell war klar, dass es sich dabei um die Leistengegend eines mir unbekannten Diskobesuchers handelte, die, meiner Hüfte folgend, treu jede meiner Bewegungen mitmachte. Der zu der Leiste Gehörende legte dann alsbald zwecks Ausbalancierung seine Hände aus meine Oberschenkel. Mittlerweile hatte ich zunehmend das Gefühl, hier würde eine Art Analverkehr in Klamotten simuliert, wobei mir der anale Part zugedacht schien. Zufälligerweise wurde ich in diesem Moment sehr durstig, entwand mich der Umklammerung des mittlerweile eher (leicht neben dem Rhythmus) bum… als Tanzenden und ging etwas trinken. Dass ich in den restlichen 3 ½ Stunden in dieser Disko noch genau viermal etwas (und zwar immer wieder einen anderen Unbekannten) am Po kleben hatte, finde ich merkwürdig.

Ich tanze gerne, allein, aber auch zu zweit, und ich habe absolut nichts gegen sexy tanzen, sexy sein oder Sex überhaupt, in welcher Position und mit wem auch immer. Ich lasse mich gerne anmachen und würde mir wünschen, öfter mal den Mut zu haben, jemanden anzumachen.

Aber vielleicht möchte ich ja bei potenziellen (sexy) Tanzpartnern erst mal wenigstens wissen, wie sie aussehen; zumindest spontan sympathisch finden möchte ich Menschen doch, bevor sie mir unerwartet (und oft auch unerwünscht) buchstäblich in den Allerwertesten kriechen.

Beschwere ich mich jedoch über diese „Anmachtechnik“, sage ich nur ein Wort darüber, um mehr zu tun als mich immer nur flink der „Penetration“ zu entziehen, ernte ich bloß ein müdes „Dann zieh dir halt nicht so einen kurzen Rock an“.

Nach der Disko-Nacht fragte mich mein Vater: „Na, waren hübsche Jungs da? Haben euch viele angesprochen?“ Tja. Natürlich waren hübsche Jungs da! Wenn sie uns bloß mal angesprochen hätten!

ANI K.

Dir brennt auch ein Thema auf den Nägeln? Schreib einen Kommentar an: mannschaftspost(at)web.de

Das Leben und Sterben der Mädchen in Indien

Thursday, May 15th, 2008 von Susanne

Vorletzte Woche sah ich auf Arte eine sehr gute und erschütternde Reportage über Mädchen und Frauen in Indien. Jetzt ist die Dokumentation auch endlich online zu sehen. Sie zeigt die ganze Komplexität des Themas: dass weibliche Föten abgetrieben werden, weil nach indischem Recht Frauen nicht erben können. Stattdessen steigen die Erwartungen an die Mitgift einer Braut mittlerweile ins Unermessliche. Und je weniger Frauen es in Indien gibt, desto weniger Mitspracherechte haben sie auch.

Organisationen wie Save A Girl Child kämpfen dagegen an, dass Mädchen in der indischen Gesellschaft so missachtet werden. Sie filmen mit versteckter Kamera in Abtreibungskliniken. Sie unterstützen Frauen, wenn diese ihre Tochter nicht abtreiben. Sie bringen Ärzte vor Gericht, die neugeborene Mädchen auf Geheiß der Eltern “verschwinden” lassen. Sie veranstalten Geburtsfeste auch für Mädchen, obwohl diese normalerweise nur bei der Geburt eines Jungen stattfinden.

(Foto über Arte)

Welcher Mittel soll sich ein moderner Feminismus bedienen?

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 1 von 11 der Serie Grundsatzfragen

In der Rubrik “Grundsatzfragen” wollen wir ab sofort regelmäßig Grundsätzliches zum Feminismus diskutieren. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Die Einstiegsfrage da oben geht mir momentan im Kopf herum, heraufbeschworen durch die öffentliche Diskussion, in der immer mal wieder anklingt, dass gar nicht so richtig klar ist, wie junge Frauen und Männer für mehr Gleichberechtigung kämpfen können. Ich habe schon recht früh für mich beschlossen, meinen Beruf auch immer für gesellschaftliche Themen zu nutzen; zum Beispiel für den Feminismus.

Aber das ist natürlich nur eine Form der Meinungsäußerung. Mit welchen anderen kann heute etwas erreicht werden? Was bringen “klassische” Protestformen wie Demos, Proteste, Petitionen und Arbeitszirkel? Für welche Aktionen könntet ihr euch begeistern? Was macht ihr schon?

Für eine lebendige feministische Debatte

Wednesday, May 7th, 2008 von Susanne

(Dieser Text erschien am Mittwoch, 7. Mai, in der Süddeutschen Zeitung, als Antwort auf Alice Schwarzers Rede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche.)

Am Sonntag erhielt Alice Schwarzer den Ludwig-Börne-Preis für kritischen Journalismus. In ihrer deutschlandweit beachteten Dankesrede bezeichnete sie die gerade entstehende junge feministische Szene als „Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus“. Diese blickten nur auf ihre eigenen Belange, Karriere und Männer – eine erbärmliche „Geschichtslosigkeit“ und „Kaltherzigkeit, für die sie sich nicht einmal schämen.“ Diese „Post-Girlies“ wolle Schwarzer nicht vertreten, und auch nicht „Führerin der Frauenbewegung“ sein. Sie spreche für sich selbst und nicht als Stellvertreterin des Feminismus – deshalb sei an ihr kein Vorbeikommen: „Ich bin, mit Verlaub, liebe späte Mädchen, auch nicht abzusetzen.“

Vorneweg: Niemand will Alice Schwarzer absetzen. Mit ihr fühlt sich wohl jede Feministin in Deutschland in gewisser Weise verbunden. Doch es muss möglich sein, dass junge Frauen wie wir feministische Ideen für unser Leben und unsere Bedürfnisse weiter entwickeln und in Teilen auch anders praktizieren, als das unsere Vorgängerinnen getan haben. Dabei setzen wir uns natürlich auch mit Alice Schwarzer auseinander – manchmal kritisch, manchmal bewundernd. Wer hier von Absetzungsversuchen spricht, hat etwas falsch verstanden. Es geht darum, ein großes, wichtiges, schönes Projekt durch das nächste Jahrhundert zu bringen.

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Selbermachen am Montag

Monday, April 28th, 2008 von Susanne

So sah das Logo des Berliner Ladyfests 2007 aus. Und jetzt könntest du das Logo für 2008 gestalten! Bis zum 30. Mai bitten die Veranstalter um Entwürfe. Und zwar als JPG-Datei an info@ladyfest.net.

Allianz gegen Frauenarmut

Sunday, April 13th, 2008 von Susanne

Madeleine Albright, Königin Noor von Jordanien, Ashley Judd und Laura Bush machten sich heute in Washington für die Frauen-, Glaubens- und Entwicklungsallianz (WFDA) stark, die sich für verarmte Mädchen und Frauen in aller Welt einsetzt. Die Promifrauen haben bereits 1,5 Milliarden Dollar Spendenzusagen bekommen, die nun dafür eingesetzt werden sollen, das tägliche Leben von verarmeten Frauen in Entwicklungsländern zu verbessern.

Laut den Vereinten Nationen sind mehr Frauen als Männer von Armut betroffen; zwei Drittel der Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sind Frauen; in Kriegen und Konflikten sind arme Frauen häufig Opfer von Vergewaltigungen. Die Vereinten Nationen sind eine der größten Unterstützer der Frauen-, Glaubens- und Entwicklungsallianz. Wer die Allianz ebenfalls unterstützen will, kann das hier tun.

Sagt mal, liebe Leser, was macht ihr, wenn ihr zu viel kriegt?

Sunday, April 13th, 2008 von Meredith

Neben steigenden Salzpreisen und Mord und Totschlag wird 2008 in Kambodscha noch etwas stattfinden: Die Ehefrauen werden wütend sein. Das sagt der königliche Astrologe Kambodschas.

Für wütende Frauen sind wir ja Experten hier, was ich mich nur manchmal frage, ist, wo man auf der Dauer mit seiner Wut hin soll. Zu denken gegeben hat mir eine Äußerung unseres treuen Kommentators ping, der meinte, es reiche nicht, sich nur verbal zu äußern. Ich zum Beispiel nutze oft meinen Beruf oder diese schöne Webseite um meine Wut über Ungerechtigkeit und Sauereien zum Ausdruck zu bringen. Doch zwischendurch stellt sich mir duchaus die Frage: Reicht das schon? Ändert das was?

In gewisser Weise treibt Feministinnen und Feministen ja neben dem Wunsch nach einer besseren Welt auch die Wut darüber, dass wir sie noch nicht haben, an. Wie geht es euch da? Was macht ihr mit eurer Wut? Wäre es nicht super, einen Kanal zu finden, in den man seine Wut reinstopft und hinten kommt ein konkretes Ergebnis heraus?