Archiv für ‘Uncategorized’

Jetzt isses raus!

Monday, July 21st, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 6 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Ich muss euch etwas sagen. Etwas, das sich für eine Feministin, vor allem eine junge Feministin in Deutschland irgendwie nicht gehört:

Ich halte den Roman „Feuchtgebiete“ für so ziemlich das schlechteste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Nicht wegen des ganzen Ekel-Kram, dazu gleich mehr. Sondern wegen des „Plot“, wenn man das, was da passiert, überhaupt so nennen darf. Mir ist keine Rezension bekannt, in der das mal wirklich angesprochen wird. Alle sind mit Tampons, Kotze, Hämorrhoiden, Kackeschwitze und all dem anderen Kram dermaßen beschäftigt, dass die stilistischen Schwächen nicht auffallen.

Die Hauptfigur ist einfach gezeichnet und bedient alle billigen Klischees des Scheidungskindes. Leider ist sie dafür schon zu alt. Einer 10-jährigen Protagonistin würde ich diese Gedanken abnehmen. Aber nicht einer 18-jährigen. Die eigentliche Handlung ist platt, belanglos und dabei leider nicht mal wirklich gut geschrieben. Nicht zu vergessen natürlich der Schluss, der wirklich an den, pardon, Schamhaaren herbeigezogen wirkt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Besonders werfe ich der von mir sonst verehrten Charlotte Roche vor, dass sie als erklärte Feministin sich tatsächlich in jeglicher Hinsicht in ein „Die Mutter ist an allem schuld“ flüchtet: Helene ist total gestört: Die Mutter ist schuld! Helene hat ein verqueres Verhältnis zu ihrem Körper: Die Mutter ist schuld! Und klar, Mama hat Papa weggetrieben. Papa hingegen ist der Gute, egal was er macht. Geht es noch simpler? Roche geht in Interviews sogar so weit, jeder Frau, die nicht mit gebrauchten Tampons um sich wirft, eine gestörte Mutter mit Hygienezwang zu unterstellen. Noch mal langsam, dieser Punkt ist wichtig: Eine überzeugte Feministin fährt die „Die Mutter ist an allem schuld und zwar nur sie ganz allein“-Schiene. Stößt das denn niemandem auf? Vor allem ärgert mich die Tatsache, dass ich von Charlotte Roche stilistisch wie inhaltlich mehr erwartet habe. Viel mehr. Ich bin fast schon persönlich beleidigt, dass sie so ein Buch geschrieben hat!

Den Ekelkram hingegen finde ich eher langweilig. Ich musste an zwei Stellen schlucken, einmal, als Helene und ihre Freundin ihre eigene Kotze essen und einmal, als sie sich selber extrem hart verletzt. Alles andere rief nicht viel mehr als ein müdes Schulterzucken hervor.

Was mich zu meinem zweiten Problem führt: Ja, der Roman hat bestimmt bei einigen Freundinnen oder Beziehungen dazu geführt, dass man mal wieder über intime Dinge geredet hat, Dinge, die vielleicht sonst nicht thematisiert worden wären. Dennoch bin ich insgesamt in einem Konflikt. Ich bin Feministin. Und trotzdem menstruiere ich am liebsten ganz privat. Ich sehe auch nicht so ganz ein, warum es die Frauenbewegung voranbringt, wenn ich mit meinem Unisitznachbarn über meine Pilzinfektion plaudere. Und bin ich erst dann eine richtige Feministin, wenn ich nicht mehr täglich die Unterwäsche wechsle?

Es ist ein schmaler Grad zwischen normaler Intimität und übertriebener Scham, Geheimnistuerei oder Hygienezwängen. Ich wohnte einmal mit einer Frau zusammen, die es immer „total eklig“ fand, wenn sie ihre Tage hatte (für die wäre vielleicht das Tampon-Abo – bitte googlen – etwas gewesen). Sowas ist natürlich auch nicht gesund.

Aber so bin ich nicht und außer dieser Frau kenne ich persönlich auch keine andere, die so ist. Ich finde mich nicht eklig und wenn es Probleme gibt oder mir etwas weh tut, dann kann ich das sehr genau benennen, ohne dabei Vokabeln wie „mein Schmuckkästchen“ zu bemühen. Aber ich möchte mich bitte auch als Feministin nicht alles jedem erzählen müssen. Und ich will mich, bitte, auch als Feministin regelmäßig waschen dürfen!

Ob Charlotte das wieder gut machen kann?

Verborgener Iran

Monday, July 21st, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 10 von 19 der Serie Die Feministische Bibliothek

Mit ihrem Buch “Hinter den Schleiern Irans. Einblicke in ein verborgenes Land” hat Christiane Hoffmann mein gesamtes Halbwissen über das Leben von Frauen in einer muslimischen Gesellschaft verändert - ergänzt, widerlegt, es überhaupt erst einmal in komplexe Zusammenhänge gesetzt. Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt allen, die auch nur das leiseste Interesse am Thema Frauen & Islam haben.

Die Autorin lebte fünf Jahre lang in Teheran als Korrespondentin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und stellt sich von Anfang an die Aufgabe, dieses Land unbedingt verstehen zu wollen. In diesen fünf Jahren vor Ort merkt sie, dass sie mit ihrem westlichen Wertesystem nicht weiter kommt, dass sie aber genauso verzweifelt, wenn sie sich der iranischen Kultur versucht anzupassen.

Genau dieses Schwanken und Zaudern, das Infragestellen und Zweifeln, machen dieses Buch sehr wertvoll. Weil Christiane Hoffmann genau die Fragen stellt, die beispielsweise bei mir während des Lesens aufkamen. Sie trifft und beschreibt Menschen, vor allem Frauen, erzählt von Ritualen und Werten. Und: An den Stellen, an dem das Fremde unzugänglich zu sein scheint, schreibt sie auch mal etwas ausführlicher über Moral, Tradition oder Toleranz. Während dieser Passagen hat es dann auch bei mir geklickt. Weil man eben in einem anderen Koordinatensystem denken muss, um vieles aus der islamischen Welt zu verstehen.

Als eines der Grundmissverständnisse zeigt Hoffmann unsere Interpretation der zunehmenden Radikalisierung in der islamischen Welt:

Im Gespräch mit Farsaneh wird verständlich, wie sehr der islamische Radikalismus eine Reaktion auf die Moderne und nicht eine Folge der Tradition ist. Er führt nicht zurück zu traditionellen Lebensformen, sondern ermöglicht einen Schritt in ein modernes, emanzipiertes Leben. Farsanehs Leben als berufstätige Frau, Ehefrau und Mutter eines Sohnes ist äußerlich dem Leben vieler junger Frauen in westlichen Großstädten ähnlich. Ihre eigene moderne Lebensform aber verbindet sie mit einer strikten Ablehnung des westlichen Liberalismus.

Hoffmann schreibt über Gespräche mit Reformern und Konservativen und zeigt immer wieder, dass viele Menschen im Iran nach einem Weg zwischen dem Festhalten an der Tradition und der totalen Verwestlichung suchen. Vor allem viele Frauen probieren schon verschiedene Rollen aus, die sie der strengen Kultur ihres Landes abgetrotzt haben. Was Christiane Hoffmann über sie schreibt ist wie eine kleine Reise, das nicht nur ein ganzes Land und eine ganze Idee erklärt, sondern auf der wir auch Frauen treffen können, die uns gar nicht so unähnlich sind. Und doch wieder auch ganz anders sind.

Erschienen bei Dumont, 318 Seiten, gebunden, 19 Euro 90.

Mehr Power!

Tuesday, July 8th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 5 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Heute müsst Ihr leider auf Umzugskartons Platz nehmen, um mit mir einen Kaffee zu trinken. Viel Zeit habe ich leider auch nicht, gleich bauen wir endlich mal die Kleiderschränke auf.

Aus gegebenem Anlass soll es also heute ums Heimwerkern gehen.

Bei mir war das so:
Wenn es bei uns zu Hause etwas Handwerkliches zu tun gab, um Beispiel bohren oder tapezieren, dann machte das der Vater meiner Mutter. Als ältestes Enkekind war ich die, die Opa bei diesen Arbeiten half. Natürlich auch dann, wenn in der Wohnung meiner Großeltern, wo wir oft waren, etwas anfiel. Und auch wenn ich nie selber Löcher bohrte, wusste ich doch genau, wo die Bohrmaschine stand und wie man sie benutzt. Was ein Dübel ist und dass es verschiedene Bohrer gibt. Auch im Werkzeugkasten meines Großvaters kannte (und kenne) ich mich bestens aus. Etwas daraus entwenden und dann nicht mehr (an den richtigen Platz) zurück legen, war eine der schlimmeren Sünden im Hause von Oma und Opa.

Als ich irgendwann weit weg von daheim in meiner ersten WG wohnte, beherrschte ich bestimmt nicht jede handwerkliche Tätigkeit. Aber ich hatte keinerlei Hemmungen, Dinge zu versuchen, mir Lösungen zu überlegen. Mangelnde Kraft kann man zum Glück (leider nicht immer, so die bittere Einsicht) mit Geschick und dem richtigen Werkzeug wieder wett machen. Eine meiner ersten Anschaffungen war also ein Werkzeugkoffer, der die wichtigsten Utensilien beinhaltete, inklusive Bohrmaschine. Denn ein Haushalt ohne Bohrmaschine, das gab es in meiner Vorstellung nicht. Umso erstaunter war ich, als Freunde sich meine ausleihen wollten, weil sie selber keine besaßen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Und ich staunte noch mehr, denn die Selbstverständlichkeit, mit der ich mit Hammer, Dübel und auch Streichutensilien hantierte, sah ich kaum bei den Frauen in meinem neuen Umfeld.
Eine besondere Herausforderung stellten unsere neuen Altbauwände dar. An einer Stelle steinhart, an der nächsten auf einmal ein Riesenloch und rieselnder Sand. Also telefonierte ich mit zu Hause und besuchte einen Baumarkt, auch eine Altbauwand musste doch zu knacken sein!

Wütend wurde ich, als eine meiner Mitbewohnerinnen mir ernsthaft erklären wollte, „dass Männer das eben besser können“. „Und was sollen wir jetzt machen? Warten, bis eine von uns mal wieder einen Kerl anschleppt und so lange die Lebensmittel auf den Boden legen?“ fauchte ich und ließ sie samt unserem zukünftigen Küchenregal stehen. Angebracht habe ich es später am Tag mit meiner handwerklich ebenfalls nicht völlig unbeleckten anderen Mitbewohnerin.

Heute habe ich „einen Kerl“. Und ich habe gelernt, handwerkliches auch mal aus der Hand zu geben, mir helfen zu lassen. Einfach war das nicht immer. Aber manche Sachen gehen zu zweit oder mit mehr Kraft und/oder Körpergröße eben doch besser.

Trotzdem mache ich weiterhin alleine meine verstopften Abflüsse auf. Mit meiner eigenen Rohrzange. Er hätte auch gar keine.

Feminismus ist nicht nur für weiße Deutsche. Oder?

Sunday, July 6th, 2008 von Meredith
Dieser Text ist Teil 7 von 12 der Serie Grundsatzfragen

In der aktuellen Ausgabe der Zeit kritisiert die Autorin Mely Kiyak die aktuelle Feminismusdebatte als realitätsfern. Die Frauen der weißen Mittelschicht Deutschlands gingen nur auf ihre eigenen, verhältnismäßig unproblematischen Probleme ein, schreibt Kiyak:

Die Frage, ob wir einen neuen Feminismus brauchen oder schon haben, scheint bereits beantwortet: Die Mitte der Gesellschaft redet doch schon lebhaft darüber!

Doch wo ist die Mitte der Gesellschaft? Nicht ein einziges Mal tauchte in der Debatte das Wort Migrantinnen auf. Immerhin hat inzwischen ein Fünftel der deutschen Gesellschaft eine nichtdeutsche Herkunft. Nicht ein einziges Mal tauchte der Hinweis auf, dass es Frauen in anderen sozialen Schichten gibt, die über die diskutierten Alternativen – zu Hause bleiben oder arbeiten, Kinder kriegen mit oder ohne Ehemann, allein erziehen oder doch noch einen Masterstudiengang dranhängen – gar nicht verfügen. Kein Wort davon, dass in unserer Gesellschaft Frauen leben, die über keine sexuelle Selbstbestimmung verfügen, die aufgrund ihrer Herkunft bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche systematisch diskriminiert werden. Nichts über Frauen, die doppelt so häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie diejenigen, über die die ganze Zeit gesprochen wird. Ganz zu schweigen von all jenen, die verheiratet sind und deren Ehemänner in befristeten Arbeitsverhältnissen stehen. Da können die Ehefrauen gar nicht auf die Idee kommen, zu Hause zu bleiben, weil sie finanziell gar keine andere Wahl haben.

Unsere Leserin SoE schreibt dazu:

Ein Vorwurf, der weder ganz neu, noch unbegründet aber meiner Meinung nach auch nicht 100% gerechtfertigt ist. Den meisten weißen, mehr oder minder christlichen Mittelstandsfrauen ist klar, dass es anderen Frauen noch viel schlechter geht als ihnen. Und auf Blogs werden diese Themen auch durchaus angesprochen. Aber wenn man sich so hinstellen und ein Buch schreiben oder bei irgendeiner Podiumsdiskussion darüber reden würde, wäre es im besten Fall nur unglaubwürdig, im schlechtesten würden sich die “Betroffenen”
bevormundet fühlen.

Ich persönlich sehe das genauso. Es ist meines Erachtens schon eine relativ große Herausforderung, die eigenen Umstände zu bestimmen und daraus Forderungen abzuleiten bzw. das für Menschen zu tun, von denen man meint, sie hätten in etwa dieselben Voraussetzungen. Tatsächlich ist es so, dass es mehr und lautere Stimmen von Frauen mit Migrationshintergrund in der Feminismusdebatte braucht. Gleichzeitig müssen dafür aber überhaupt Kanäle entstehen.

Deshalb ist die Grundsatzfrage von SoE sehr wichtig :

Wie schaffen wir es, dass der Feminismus tatsächlich als eine Bewegung für alle Frauen ins Bewusstsein rückt?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Was lässt sich täglich tun?

Monday, June 30th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 6 von 12 der Serie Grundsatzfragen

Feminismus ist nicht nur eine Sache für Gender Studies-Seminare, für Diskussionen im WWW oder für politische Programme. Feminismus hat vor allem mit tausend kleinen Entscheidungen im Alltag zu tun.

In welchen alltäglichen Situationen handelt ihr feministisch? Und warum?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Tschüss, bis bald!

Tuesday, June 24th, 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 11 von 11 der Serie Mrs. Pepsteins Muttiblog

Nach langem hin- und herüberlegen habe ich mich dazu entschlossen den Muttiblog ad acta zu legen. Ich könnte jetzt an dieser Stelle sagen „aus persönlichen Gründen“, was letztlich auch stimmt, aber ich will euch meine Gedanken zu dem Thema auch nicht vorenthalten.

Fakt 1:
Über was soll ich nur schreiben?

Alle 14 Tage auf eine „wahre Begebenheit“ aus meinem Leben als Mutter zurückzublicken und diese für euch aufzuschreiben, hat für mich dazu geführt, dass ich an manchen Stellen krampfhaft nach einem Thema suchen musste, das sich für den Blog auch umsetzen ließ. Nicht immer, vieles lag nah, aber über das Stillen oder geschlechterfixierte Kinderkleidung kann man eben auch nur einmal schreiben, sonst wird’s für euch und mich langweilig. Und das ist mir zu krampfig, zu konstruiert. Und etwas ausdenken wollte ich mir nicht, schließlich sollte es ja um mein Leben gehen und nicht um ein fiktives.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Fakt 2:
Das Private ist politisch.

Die besten Geschichten hätte ich erzählen können und wollen über Dinge, über die ich hier nicht schreiben kann, weil sie zu privat sind. Streitthemen in der Beziehung, Erfahrungen von Freundinnen und Freunden mit dem Eltern-Sein und Probleme, über die ich mich mit meiner besten Freundin unterhalten kann, die ich aber nicht hier ausbreiten will, weil sie eben privat sind. Andererseits wäre es wichtig genau an der Stelle den Feminismus einzubringen, denn als Kommentator/in in diesem Blog können alle so feministisch tun, wie sie wollen, ob sie es wirklich sind, so in der Realität, bleibt die Frage!

Fakt 3:
Ich bin müde und muss Prioritäten setzen.

Ich mache viel, ich schaffe viel. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber ich finde mit zwei Kindern den Alltag zu rocken anstrengender, als ich es mir „damals“ mit einem Kind vorgestellt habe. Und ich mache trotzdem noch Dinge, die mit all dem nichts zu tun haben, und das muss und will ich auch tun. Aber ich kann nicht mehr alles machen, deshalb sage ich dem Muttiblog an dieser Stelle tschüß!

Ich würde mich freuen, wenn sich an dieser Stelle eine würdige Nachfolgerin findet. Der Mädchenmannschaft bleibe ich als Schreiberin erhalten, nur eben nicht als „die Mutti“.

Danke fürs Lesen

Mrs. Pepstein

Must Have

Monday, June 23rd, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 3 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Mein Freund und ich verbringen als unsere Wochenenden seit neustem gerne in leeren Wohnungen. Dort fachsimpeln wir über hässliche PVC-Platten, Klicklaminat und Balkongrößen, stellen kluge Fragen zu Nebenkosten und versuchen, so nett zu lächeln, dass die Hausverwalterin uns in guter Erinnerung behält. Wenn wir dann nach Hause kommen machen wir uns erstmal ein Bier auf und legen enttäuscht die Beine hoch, weil wieder nichts dabei war.

Neulich war wieder einer der Termine, zu denen ich alleine musste. Bei der Arbeit war ich nicht pünktlich los gekommen, die Besichtigung lief also schon. Ich folgte den Stimmen im Treppenhaus und stieß eine Tür im zweiten Stock auf. Es waren auch noch einige andere Interessierte versammelt, ich drängelte mich vorbei und betrat die Wohnung.

Und da sah ich es, das must-have der Saison: Der Babybauch.
Ich war die einzige anwesende Frau ohne. Und ich war out!

Entweder man beachtete mich gar nicht oder man musterte mich geringschätzig wenn ich z.B. darum bat, ein Zimmer betreten zu dürfen um es mir genauer anzusehen, dessen Eingang leider von einer Schwangeren samt Begleitung belagert wurde. Auch das Bad konnte ich nicht in Ruhe betrachten, da hier ein Pärchen gerade die beste Anbringung des Wickeltisches erörterte. In dem Raum, der wohl mein Arbeitszimmer geworden wäre, übte ein kleines Mädchen namens „Frieda“ Klimmzüge am Fensterbrett und rannte als ich rein kam aus dem Zimmer. Für den kurzen Moment, den ich alleine war streckte ich meinen Bauch raus, überlegend, ob dieser nicht vielleicht doch als Babybauch durchgehen würde. Doch während ich noch den versonnenen Blick der Schwangeren übte, kam schon wieder Frieda angerannt und vertrieb mich mit einem strafenden Blick aus ihrem künftigen Kinderzimmer. Hatte man sie aufgehetzt?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

In der Küche unterhielten sich derweil die Schwangeren mit dem Vermieter. Erst standen sie demonstrativ in der Tür, gaben dann aber doch nach und ließen auch mich dazu. Schwanger1 redete lang und breit darüber, dass sie ja einen Kinderwagen im Haus gesehen habe und sie sich auf eine so kinderfreundliche Umgebung freue, denn sie sei ja schließlich auch … Schwanger2, die mit den Freundinnen, konnte das natürlich nicht so stehen lassen. Es gäbe doch bestimmt einen Schwangerenbonus bei so vielen Interessenten? Und ob der Vermieter denn auch Kinder habe? Ja, er hatte, zwei Stück. „Das hier“, sprach die Freundin „werden auch zwei“, und packte Schwanger2 auf den Bauch. Ach nein, was echt, Zwillinge? Und klar, deswegen darf es natürlich höchstens der zweite Stock sein und so ein Mutterkreuz Schwangerenbonus wäre da ja mehr als angemessen. Ich biss mir auf die Zunge und zählte innerlich bis zehn.

Dann ließ ich mir unter dem abfälligen Blick von Schwanger1, Schwanger2, Schwanger3, deren Partner und Freundinnen dennoch aus lauter Trotz einen Bewerbungsbogen für die Wohnung geben und verließ sie hoch erhobenen Hauptes.

PS.: Unsere Traumwohnung wurde übrigens am Ende dann doch eine andere. In einem Haus ohne Kinderwagen im Flur.

(Dieser Text ist für all die wunderbaren Mütter unter meinen Freundinnen!)

Wie umgehen mit Misandrie?

Friday, June 20th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 5 von 12 der Serie Grundsatzfragen

Unser Leser Matthias stellt diese Frage zur Debatte. Er schreibt:

“Alice Schwarzer hat den Hass auf Männer begrüßt, Valerie Solanas wollte Männer am liebsten ausrotten. Wie sollte sich ein moderner Feminismus gegenüber solchen Positionen verhalten? Gibt es Misandrie heute noch? Ist Misandrie ein Problem? Sollte man als FeministIn Misandrie ignorieren (”Männer haben es trotzdem viel besser als Frauen, von daher brauchen die sich nicht zu beschweren”), sich davon distanzieren oder ihn entschieden ablehnen?

Ich persönlich bin der Meinung, dass die Anerkennung der Existenz von Misandrie und eine Ablehnung des Männerhasses dem Feminismus gut tun würde, da damit eines der ältesten männlichen Klischees über Feminismus widerlegt werden würde, Männer erleben, dass ihre Probleme als solche anerkannt werden und echten Feminismus-Gegnern der Wind aus den Segeln genommen werden würde.”

Germany’s next Gewissensfrage

Monday, June 9th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 4 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Letzten Donnerstag hatte er endlich ein Ende:
Mein Gewissenskonflikt der letzten 15 Wochen. Darf ich als Feministin Germany’s Next Topmodel schauen? Darf ich sogar Spaß haben daran? Darf ich darüber lästern, dass „Ich fühl mich heute nicht so“-Gisele 11 Kilo zugenommen hat und somit wohl nur noch ein Tennis- aber kein Fußball mehr durch die Lücke zwischen ihren Oberschenkeln passt? Darf ich hämisch lachen, wenn eine von den angehenden Models schlecht geschminkt war? Darf ich „Sexy hat er gesagt! SEXY!“ rufen, wenn das Giraffenbaby Jenny mal wieder besonders linkisch durch einen „Shoot“ stolperte?

Zusammenfassend gefragt:
Darf ich als aufgeklärter, halbwegs intelligenter Mensch, der sonst bei jedem TV-Werbeblock mindestens drei mal „Was soll denn der sexistische/dumme Scheiß?“ denkt, mich von diesem oberflächlichen, seichten, Frauen auf Bauch-Beine-Po reduzierenden Programm unterhalten lassen?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Nun, keine Ahnung, ob ich das darf. Tatsache aber ist, dass ich (und nebenbei auch fast mein gesamter intelligenter und feministischer Frauenfreundinnenkreis) aus Gründen, die mir leider selbst auch nicht bekannt sind, jeden Menge Spaß an dieser Sendung hatte.
Eine geheime Verehrung für Heidi Klum kann es nicht sein, ich wäre froh gewesen, wenn es mal für diese kein Foto gegeben hätte. Designer und Mode interessieren mich auch ziemlich null, ich kenne die alle nicht und wenn Frau Klum in quietschgrünen Leggins und blauem Kleidchen die Bühne betritt, tun mir einfach nur die Augen weh.

Klar, vieles hat gelangweilt in dieser Sendung und klar, „die Mädchen“ werden verbraten. Besonders fasziniert haben mich die gruppendynamischen Prozesse, die da an vielen Stellen entstanden in diesem Model Boot Camp, das so oft so sehr an Big Brother erinnerte. Und wenn Heidi oder der Inbegriff des zu klein geratenen Mannes in Gestalt von Peyman Armin mal wieder die Mädchen ordentlich auf einander gehetzt hatten, nur um dann aber offiziell erbost zu reagieren auf so viel Neid, Missgunst und üble Nachrede, dann wäre ich manchmal gerne durch die Kabel gesprungen, so wütend wurde ich da.

Man muss aber eines auch klar festhalten:
Ich bin eine erwachsene Frau, ich kenne meine Vorzüge und meine Macken, charakterlich wie körperlich. Ich kann also damit umgehen, wenn da eine Horde junger Frauen jede Woche den cellulitefreien Popo genau vor meiner Nase schwingt. Ich weiß aber, das wäre bei der 15jährigen Anna wohl anders gewesen. Deswegen habe ich mich mit meinem Teenager-Patenkind lange über die Sendung unterhalten, wir sprachen über Schönheit, Ideale, Figuren und dass jede Frau anders gebaut ist. Dass der Körper dieser Frauen ihr Kapital ist, etwas, an dem auch sie arbeiten müssen und in das sie viel Zeit investieren.

Anstatt solche Sendungen verbieten zu wollen, sollte man vielleicht an einigen Stellen eher transparenter machen, was da passiert:
Es werden laufende Kleiderbügel gesucht. Sprechende Rollkragenpullover. Bin ich das? Will ich das sein? Eben! Bei aller berechtigter Kritik können Sendungen wie diese also ein Anlass sein, manche Dinge im Privaten zu thematisieren anstatt bei jeder Folge aufs Neue öffentlichkeitswirksam empört zu sein.

Oder man schnappt sich einfach Pizza und Bier und gibt sich zwei Stunden der absoluten Sinnfreiheit hin. Ganz ohne schlechtes Gewissen!

Wie viel Verschiedenheit kann und muss der Feminismus aushalten?

Monday, June 9th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 4 von 12 der Serie Grundsatzfragen

Früher musste Feminismus kategorisch und oft auch ein Stück dogmatisch sein, um sich Gehör und Respekt zu verschaffen. Heute kann und muss der Feminismus verschiedene Ansätze integrieren können, um in der Mitte einen berechtigten Platz einnehmen zu können. Doch die Frage ist: Was kann der Feminismus aushalten? Manche schalten schon ab, wenn Charlotte Roche ihr Buch “Feuchtgebiete” feministisch nennt, manche drehen erst bei Lady Bitch Ray und ihrer Interpretation des Feminismus durch.

Also, was geht, was nicht? Und wer soll das bestimmen?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.