Archiv für ‘Studien’

“Goodbye Märchenprinz!”

Tuesday, April 29th, 2008 von Susanne

So ist der dritte Teil der großen Brigitte-Studie überschrieben, der sich mit den Vorstellungen und Wünschen junger Frauen in Sachen Liebe und Beziehungen beschäftigt. Hier mal auf die interessanten Stellen für euch zusammengedampft:

  • Einen öden Typen heiraten, nur um abgesichert zu sein? Das lehnen Frauen heute dankend ab.
  • Die alten Männerbilder verblassen. Der Versorger, der Beschützer, der Göttergatte, dem die Frauen ihr Leben unterordnen? Das war einmal. 97 Prozent finden, dass ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen eine gute Beziehung bestimmt.
  • “Was Männer und Frauen von einer guten Beziehung erwarten, ist nahezu deckungsgleich”, hat Prof. Jutta Allmendinger durch eine Vergleichsstudie mit Männern herausgefunden. Kampf der Geschlechter? Den gibt’s eigentlich nur noch auf dem Papier. Bleibt die Frage, warum es in Partnerschaften so oft nicht klappt. Vielleicht, weil trotz der Übereinstimmung der Wünsche so viele Missverständnisse über das andere Geschlecht existieren.
  • Wie groß die Macht der Stereotype ist, hat selbst Expertin Jutta Allmendinger überrascht.
  • Männer reden nicht über ihre Gefühle! Das sagen mehr als 80 Prozent. Sie halten Männer für sexgierig und desinteressiert an verantwortungsbewussten Beziehungen. Dabei ist das falsch, die Untersuchungen belegen etwas ganz anderes: Partnerschaft ist für Männer sogar wichtiger als für Frauen!
  • Der Irrtum ist, dass Frauen und Männer zu wissen glauben, was das andere Geschlecht bewegt. Ihre Fehleinschätzungen überprüfen sie nur selten an der Wirklichkeit.
  • Ob im Beruf oder in den Medien - überall fehlen runderneuerte positive Männervorbilder.
  • Die Frauen erwarten, dass sich etwas ändert, ihr Märchenprinz ist nicht länger der Karrieretyp oder der Versorger. Der Traummann der Zukunft übernimmt vor allem Verantwortung fürs gemeinsame Kind. Nur als Väter sind Männer noch Helden.

Weniger Rechte als ein Kind

Wednesday, April 23rd, 2008 von Susanne

In einem aktuellen Report von Human Rights Watch kommt die Autorin Farida Deif zu dem Schluss, dass saudi-arabische Frauen weniger Rechte haben als Kinder in westlichen Ländern. Denn Frauen müssen sich für jede einzelne Entscheidung in ihrem Leben die Erlaubnis eines Mannes einholen und bei jedem Schritt, den sie tun, eine männliche Begleitung dabeihaben. Farida Deif sagt: “Für saudische Frauen bringt das Erwachsenenleben keinerlei Rechte mit sich, nur Pflichten.”

So bleibt den Frauen der Zugang zum öffentlichen Leben weitestgehend verwehrt. Human Rights Watch empfiehlt deshalb dringende Reformen, unter anderem in Bezug auf die Rechte von Frauen im Gesundheitssystem, auf Bildung und auf Zugang zu öffentlichen Gebäuden.

Hausarbeit statt Aufschwung

Thursday, April 10th, 2008 von Katrin

Hausfrau und Mutter

Der neue OECD-Bericht für Deutschland in Schulnoten:

  • Gesellschaftliches Fortkommen: 5
  • Geschlechterdemokratie bei der Erwerbsarbeit: 6
  • Bildungssystem: 6
  • Lehrerbildung: 6
  • Beschäftigung im Alter: 3

Die OECD kritisiert scharf, dass Frauen in Deutschland im Schnitt immer noch unter 30 Stunden/Woche arbeiten. OECD-Generalsekretär Ángel Gurría spricht von einer „ungehobenen Talentreserve“, Deutschland laufe Gefahr, „sich als Gesellschaft selbst zu verleugnen.“

==> mehr im Taz-Artikel vom 10.04.08

Sind Männer ein bisschen beschränkt?

Wednesday, April 2nd, 2008 von Katrin

Oder sind es die Wissenschaften? Oder die Medien?

Flirt als Holzschnitt
Frauen glauben gerne, dass Männer Freundlichkeit und sexuelles Interesse oft nicht auseinander halten können – im Gegensatz zu ihnen, natürlich. US-ForscherInnen haben dieses Problem in einer psychologischen Studie mit 280 StudentInnen untersucht. Die Seite wissenschaft.de berichtet davon und fragt nach dem Ursprung dieses Phänomens:

„Entweder liegt bei Männern die Schwelle, ab der eine Verhaltensweise als eindeutig sexuell eingestuft wird, tatsächlich niedriger als bei Frauen, oder aber Männer sind grundsätzlich nicht so sensibel für die Art der Signale, die eine Frau aussendet und können demnach sexuelle Hinweise nicht gut von anderen unterscheiden.“

Das Thema an sich ist ganz interessant und spannend, doch so richtig gefallen will mir der Artikel von Ilka Lehnen-Beyel nicht. JedeR der/die sich ein bisschen mit empirischer Sozialforschung auskennt, weiß, dass 280 Personen noch keine Basis für eine repräsentative Studie bilden können, zudem handelte es sich nur um StudentInnen – ein ausgewählter Personenkreis. Über die Rückschlüsse auf alle Menschen kann (muss) man wirklich streiten. Außerdem liegen die Unterschiede bei den verschiedenen Tests sehr nah beieinander:
So

„interpretierten die Männer eine freundliche Frau in 12,1 Prozent der Fälle fälschlich als sexuell interessiert, während die weiblichen Probanden nur bei 8,6 Prozent falsch lagen.“

Und

„umgekehrt übersahen die Männer auch immerhin in 38 Prozent der Fälle ein echtes sexuelles Interesse, wohingegen die Frauen nur etwa 32 Prozent fehlinterpretierten“

Bei so einer kleinen Zahl von untersuchten Personen sind Unterschiede von 4-6 Prozent kein eindeutiger Hinweis auf einen signifikanten Trend. Das sollte vielleicht erwähnt und dann noch einmal gründlich über den Titel: „Warum Männer Frauen so häufig missverstehen“ nachgedacht werden. Der Einleitende Teaser ist auch nicht gerade nett:

„Männer seien schlicht und einfach weniger sensibel gegenüber Gefühlen und können sie schlechter allein anhand der Körpersprache unterscheiden als Frauen.“

Junge Frauen auf dem Sprung

Thursday, March 27th, 2008 von Susanne

Alle reden über die Brigitte-Studie “Frauen auf dem Sprung”, die vor zwei Tagen veröffentlich wurde. Manche kritisieren die Perspektive der Fragestellungen, wie CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer. Und die Tatsache, dass die Männerperspektive zum gemeinsamen Leben wieder mal ausgeblendet wurde. Andere bezweifeln die Realisierbarkeit der geäußerten Wünsche junger Frauen, nämlich Familie und Beruf zur gleichen Zeit haben zu wollen.

Also, was steht denn drin, in der Studie? Befragt wurden junge Frauen zwischen 17 und 19 und zwischen 27 und 29 Jahren. Hauptaussage: Die jungen Frauen von heute sind unabhängig, zielstrebig und selbstbewusst. 85 Prozent von ihnen wollen finanzielle Unabhängigkeit, 54 Prozent wünschen sich guten Sex, neun von zehn Frauen sind Freunde ganz wichtig. 99 Prozent der befragten Frauen sagen von sich: “Ich weiß, dass ich gut bin.” Außerdem stehen in der Studie Zahlen zu Männern, Wünschen, Karriere, Kindern.

Die Leiterin der Studie, die Soziologin Jutta Allmendinger kommentiert die Ergebnisse so: “Diese Frauen werden die Gesellschaft wachrütteln.” Und das könnten diese Frauen wirklich - wäre nicht in Deutschland das größte Problem in Sachen finanzieller Unabhängigkeit, Karriere und auch der eigenen Selbstverwirklichung die Kinderfrage. An der scheiden sich Anspruch und Wirklichkeit. Es ist mehr als super, dass sich fast jede Frau bewusst ist, was sie kann. Aber wenn sie es ein paar Jahre später nicht mehr beweisen kann, weil die Mutterfalle zuschnappt, nutzt ihr dieses Bewusstsein wenig. Wenn die älteste Befragte 29 Jahre alt ist, kann man davon ausgehen, dass die meisten antwortenden Frauen noch kinderlos sind. Die Ergebnisse sind also zuallererst Wünsche junger Frauen und taugen nicht als Bestandsaufnahme ihrer Lebenswirklichkeit. Das ist das große Manko der Studie.

Und trotzdem machen die Ergebnisse große Freude, nach denen junge Frauen sich nicht mehr ausschließlich über ihren Mann definieren wollen, wie es noch bis vor wenigen Jahrzehnten ganz “normal” für eine Frau war; oder dass so vielen Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit wichtig ist - eine urfeministische Forderung. Die jungen Frauen, die heute von sich sagen, sie wüssten, dass sie gut sind, behalten diesen Optimismus und Biss hoffentlich auch dann, wenn es darauf ankommt, Beruf und Familie auch tatsächlich zu vereinbaren. Diese jungen Frauen können die Unternehmen und manche auch ihre Lebenspartner dazu zwingen, endlich umzudenken.

(Foto über brigitte.de)

Unis unfassbar schlecht in Gleichstellungsfragen

Wednesday, February 6th, 2008 von Susanne

Das Bonner “Center of Excellence Women and Science” hat ein Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten veröffentlicht. Das Ergebnis: Keine einzige deutsche Hochschule hat es in die Spitzengruppe der Forscher geschafft. Soll heißen: Der Anteil an Frauen an den Promotionen, Habilitationen und Professuren lässt extrem zu wünschen übrig. Am besten schneiden die Freie Universität Berlin ab, dahinter die Universitäten in Göttingen, Osnabrück und Trier und die Technischen Universität München. Den letzten Platz belegte im Punktesystem der Forscher die Katholische Universität Eichstätt - mit nur 4 von 14 Punkten.

Welches Mädchen sich jetzt gerade Gedanken über ihre Universitätslaufbahn macht, der seien folgende Details aus der Studie mit auf den Weg gegeben: Besonders gute Chancen auf eine Promotion haben Frauen in Oestrich-Winkel, an der Kölner Sporthochschule, an der WHU in Vallendar, an der Uni Ulm und an der TU München; die größten Chancen für eine Habilitation haben Frauen an der Uni Karlsruhe. Die höchste Professorinnen-Quote in Deutschland hat die PH Ludwigsburg mit 33,3 Prozent - allerdings sind hier auch 78,6 Prozent der Studierenden weiblich.

Der Universitätsbetrieb ist in Deutschland immer noch eine Männerdomäne, die nur durch radikale Gleichstellungsmaßnahmen aufgemischt werden kann, wie es auch die Soziologin Jutta Allmendinger mal in einem Interview mit der Zeit formulierte. Die Hochschulen müssen Quoten einführen, wenn sie es nicht von allein schaffen, dass mehr Frauen in Wissenschaft und Forschung Fuß fassen können. Jutta Allmendinger selbst ging übrigens den Weg über die USA, weil es einem dort als Frau viel leichter gemacht werde, die Hochschulkarriere nicht nur in Angriff zu nehmen, sondern auch mit der Familie zu vereinbaren. Also Girls, vielleicht bei der Hochschulauswahl auch gleich ein paar Semester in den Staaten mit einplanen.

Berufstätige Mütter sind glücklicher

Tuesday, December 18th, 2007 von Susanne

Immer mal wieder wird die Behauptung ausgepackt, die meisten Frauen würden zuhause bleiben, wenn sie es sich nur leisten könnten. Doch jetzt beweist eine britische Studie das Gegenteil: Berufstätige Mütter sind glücklicher als Nur-Mütter, so das Untersuchungsergebnis des Institute of Social and Economic Research. Klarer Fall eigentlich, wenn man sich anschaut, was befriedigender ist: Teambesprechung oder Wäsche waschen, Mittagessen mit den Kolleginnen und Kollegen oder Babyrei warm machen, jeden Monat eigenes Geld auf dem Konto oder Blumen zum Muttertag.

Gerade in unseren retro-konservativen Zeiten wird das Ergebnis der Untersuchung einer ganzen Reihe von Leuten (Hallo Frau Müller und Frau Herman!, Tachchen Herr Mixa!) nicht gefallen. Doch allen jungen Frauen, die von “Du willst wirklich schon wieder arbeiten gehen?” und “Die armen Kinder” genervt sind, gibt die Studie ein gutes Argument an die Hand: Das Recht auf Glück.

Über Broadsheet@Salon

Gehaltslücke schließt sich

Saturday, December 15th, 2007 von Susanne

Zumindest für junge Frauen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt heute auf einer umfangreichen Seite 2 zum Thema “Was Frauen und Männer verdienen”, dass laut Daten der OECD junge Frauen in Großstädten “nur” noch sieben Prozent weniger verdienen als die Männer in vergleichbarer Position und Alter. Diese Entwicklung folgt einem Trend, der in New York schon seit einigen Jahren Realität ist: Junge, gut ausgebildete Frauen verdienen dort nicht nur genauso viel wie ihre männlichen Kollegen, sondern sogar mehr.

Allerdings habe das zur Folge, dass das empfindsame Beziehungsgefüge junger Amerikanerinnen und Amerikaner durcheinander komme: Frauen berichten davon, dass die Liebe zerbrach, weil sie mehr verdienten als ihre Partner; außerdem tauche jetzt die Frage auf, wer bei einem Date das Essen bezahlt. Das sind alles Detailproblem, die wir in Deutschland mit unserer lockereren Dating-Kultur vielleicht nicht so haben werden - trotzdem sollten wir die Zeit bis zu dem Moment, in dem deutsche Frauen das gleiche oder mehr Geld verdienen, dazu nutzen, alte Rollenklischees zu überdenken - damit es dann weder für Frauen noch für Männer ein soziales oder Identitätsproblem ist, wenn sie mehr Geld nach Hause bringt.

Nicht zu vergessen sei die Tatsache, dass die Gehälter von Frauen auch weiterhin dann sinken, wenn sie wegen der Kinder eine Auszeit nehmen. Ökonomen schätzen, dass zwei Jahre nach dem Wiedereinstieg in den Beruf eine Mutter 20 Prozent weniger verdient als eine kinderlose Frau. Das sei zum einen auf fehlende Kompetenzen zurückzuführen, zum anderen aber auch schlicht auf Diskrimierung wegen des Geschlechts.

Scheidungen sind umweltschädlich

Wednesday, December 5th, 2007 von Susanne

Bei manchen Studien blinkt direkt ein großes GELDVERSCHWENDUNG auf. Zum Beispiel bei dieser: Zwei Forscher der Michigan State University errechneten, dass geschiedene Paare 46 Prozent mehr Strom und 56 Prozent mehr Wasser verbrauchen - weil sie nach der Scheidung in getrennten Haushalten leben.

Jianguo Liu kommentierte das Ergebnis seiner Studie mit dem unglaublichen Satz: “Die Leute sprechen darüber, wie man die Umwelt schützen und den Klimawandel bekämpfen kann, aber Scheidungen sind ein bisher vernachlässigter Faktor, den man berücksichtigen muss.” Ich würde sagen, dieser Faktor wird zu Recht vernachlässigt.

Nur-Mütter und arme Kinder

Friday, November 30th, 2007 von Susanne

Dass es da einen Zusammenhang gibt, legt eine gestern erschienene Studie nahe. Die OECD-Studie “Babies and Bosses“, die die Situation in 30 Industrie- und Schwellenländern vergleicht, kritisiert, dass es in Deutschland überdurchschnittlich viele Fälle von Kinderarmut gibt, und das obwohl die Staatsausgaben für Familien sehr hoch sind. Das Geld werde falsch investiert, so die Kritik. Wichtiger als Gelder für die Familien sei es, den deutschen Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Die OECD lobte den Kurs der Bundesregierung, die Kinderbetreuung auszubauen, Väter zur Familienarbeit zu ermuntern und die kürzere Bezugsdauer des Elterngeldes, weil es die Frauen animiert, nicht zu lang aus dem Beruf auszusteigen - was wiederum ein Anreiz für Arbeitgeber ist, mehr Frauen einzustellen.

Harsche Kritik bekam explizit die Idee eines “Betreuungsgeldes”, für das sich die CSU seit der Diskussion um den Ausbau der Kinderbetreuung einsetzt. Sie fordert, dass Eltern, die ihre Kinder nicht in Krippen oder Kindergärten betreuen lassen wollen, dafür ein Ausgleichsgeld zu zahlen. Diese “Herdprämie” zementiert allerdings alte Geschlechterrollen: arbeitender Mann, Frau zu Hause bei den Kindern. Und genau dieses Modell fördert zum einen, dass von Frauen erwartet wird, dass sie zuhause bleiben und dass sie dadurch noch weniger durch Arbeitgeber gefördert werden. Zum anderen liegt das Risiko von Kinderarmut in Familien mit nur einem Verdiener höher, so das Ergebnis der OECD-Studie.