Archiv für ‘Personalien’

The Lady is a Macho

Saturday, March 22nd, 2008 von Meredith

Sehr, sehr spannend und lesenswert ist das Taz-Interview mit der Fernsehreporterin Antonia Rados, die im Irak und in Afrika gearbeitet hat.

Sie erzählt darin, über ihre Einsätze in Asien, dass sie sich die Bandscheiben geschrottet hat vom Kofferschleppen, aber trotzdem niemals Moderatorin sein wollen würde. Und sie redet darüber, wie wichtig es ist, ein harter Knochen zu sein, dass man sich als Frau im Reporterberuf auch Männer zum Vorbild nehmen kann - aber lässt auch durchklingen, dass das nicht unbedingt ideal ist.

Ein Ausschnitt:

Wollen Sie Öffentlichkeit für Themen schaffen, die sonst nicht genug beachtet würden?

Nein. Ich habe überhaupt keinen Anspruch, Leute zu bekehren und von meiner Meinung zu überzeugen. Ich habe nur das Anliegen, zu informieren.

Gut, dann anders gefragt: Liegen Ihnen bestimmte Themen besonders am Herzen?

Frauenthemen. Ich bin keine Bildschirmfeministin. Trotzdem: Ich springe an, wenn ich ein Frauenthema sehe. Und dann möchte ich, dass darüber berichtet wird. Das hat damit zu tun, dass man, wenn man selbst eine Frau ist, viel leichter mit Frauen in Kontakt kommt. Wenn Sie als Mann eine Kamera auf dem Arm hätten, würden Sie deswegen noch lange nicht in die Frauengemächer kommen. Frauen gehen auf mich eher zu als auf männliche Kollegen. Sie suchen mich aus, nicht nur ich sie.

Stehen Sie dann auf der Seite der Frauen?

Klar. Ich habe keinen Anspruch, die Welt zu verändern oder den Leuten zu sagen, was sie zu denken haben. Aber einen moralischen Kompass muss man haben.

Champagner, please!

Friday, February 29th, 2008 von Meredith

Gute Nachrichten bringt der Mädchenblog: Das Missy Magazine von Sonja Eismann, Chris Köver und Steffi Lohaus hat gestern Abend das Hobnox-Stipendium von 25.000 Euro abgeräumt. Damit dürfte dem neuen, coolen Frauenmagazin das die drei planen nichts mehr im Weg stehen.

Herzlichen Glückwunsch!

Hillary Clintons Wandlung

Sunday, February 3rd, 2008 von Susanne

In der aktuellen Zeit schreibt die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel darüber, dass Hillary Clinton im Wahlkampf die Chance verpasst, sich auf ihre Rolle als Frau zu besinnen. Denn Hillary Clinton hätte jede Form von Weiblichkeit von Anfang an versucht zu verstecken. Sie inszenierte sich lieber als Politprofi als als Alternative zum bisherigen Macho-Bush-Führungsstil. Erst in New Hampshire, als ihr während einer Wahlkampfveranstaltung die Tränen kamen, haben die Menschen Hillary Clinton als eine ihresgleichen kennenlernen können. Trotzdem schlg ihr auch dann wieder Kritik entgegen, vor allem auch von Frauen. Denn, wie Meckel scharfsinnig beobachtet:

“Frauen, die Frauen unterstützen, weil sie Frauen sind, das ist zuweilen normativ-feministische Fiktion. Frauen stellen komplizierte Anforderungen an ihre Geschlechtsgenossinnen. Sie wollen keine politische Hardcore-Imitation mit Busen, aber auch kein Weichei. Sie wollen keine Repräsentantin des politischen Establishments, aber verlangen politisches Profil. Es reicht nicht, dass eine Frau die höchste und härteste aller Glasdecken durchstoßen will. Sie muss auch bei den Haltungsnoten vorne liegen.”

Und sie kommt zu dem Schluss:

“Mit ihrer besonderen Mischung könnte Clinton versöhnen, was in der Politik zunehmend auseinanderfällt: politisches Programm und Persönlichkeit. Damit könnte sie für die Frauen in der Politik Terrain zurückerobern, das ihnen verloren gegangen ist. Über Jahrzehnte hinweg glaubten Frauen, als Einzelkämpferinnen im politischen Nahkampf Emotion und Persönlichkeit verdrängen zu müssen, um härter als die Männer und unangreifbarer als der Konkurrent zu sein. So trugen sie dazu bei, stereotype Bilder von Politik und Politikern zu zementieren. Eine Frau kann die Klischees aufbrechen, indem sie ihr Frausein zulässt. Es ist Hillary Clintons große Chance.”

Die neuen SPD-Frauen

Monday, January 28th, 2008 von Susanne

Heide Oestreich kommentiert in der Tageszeitung Andrea Ypsilantis Wahlergebnis und kommt zu dem Schluss:

“Es ist auch ein interessanter Generationenwechsel im Gang, der mehr weibliches Spitzenpersonal hervorbringt. (…) Vogt, Kraft und Ypsilanti sind diejenigen, für die Heide Simonis und Renate Schmidt den Weg frei gekämpft haben. Dazu kommt: In dieser Generation sind erheblich weniger machtscheue Damen als in der, über die Heide Simonis noch stöhnte. (…) Neu ist auch, dass diese offensive Haltung von Partei und Wählern nicht mehr ebenso automatisch abgestraft wird. Man traut Frauen zwar generell immer noch wenig zu, lässt sich aber mittlerweile gerne von ihnen überraschen.”

Endspurt in Hessen

Monday, January 21st, 2008 von Susanne

Am Sonntag wird in Hessen gewählt und so lieferten sich gestern Abend die beiden Kandidaten für das Ministerpräsidenten-Amt ein Fernsehduell. Andrea Ypsilanti von der SPD liegt in den Umfragen mittlerweile vorn. Anders als ihr Konkurrent Roland Koch von der CDU macht sie keinen testesterongeladenen Großmaul-Wahlkampf, sondern konzentriert sich auf Themen, die die Menschen umtreibt: Soziale Gerechtigkeit und Bildungschancen für alle, zum Beispiel. Damit holte sie sich jetzt von Woche zu Woche einen Prozentpunkt nach dem anderen. Also Girls: Geht wählen!

(Foto über andrea-ypsilanti.de)

Heute werden Mythen zerstört I

Thursday, January 17th, 2008 von Susanne

Annegret Kramp-Karrenbauer ist erst seit ein paar Tagen Präsidentin der Kultusministerkonferenz, hat aber als erste Amtshandlung etwas ganz hervorragendes angekündigt: Sie will die frühkindliche Bildung verbessern. Soll heißen: Kindertagesstätten und Kindergärten sollen in nicht allzu ferner Zukunft von Akademikerinnen und Akademikern geleitet werden. So soll der Beruf “Erzieher/in” besser bezahlt werden und mehr Aufstiegschancen bieten.

Doch nicht nur das ist mehr als löblich. Eine akademische Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher wird auch dafür sorgen, dass die breite Masse der Deutschen Kindertagesstätten nicht mehr als “Verwahranstalten” wahrnimmt und sich das gesellschaftliche Klima hoffentlich so ändert, dass Frauen in einigen Jahren nicht mehr schief angesehen werden, wenn sie ihre Kinder schon mit wenigen Monaten in öffentlichen Einrichtungen betreuen lassen. Heute müssen Mütter sich ja immer noch vorwerfen lassen, sie würden ihren Kindern mutwillig psychische Traumata zufügen, wenn sie sich nicht bis zum dritten Lebensjahr selbst um sie kümmern.

Frau Kramp-Karrenbauer, wir schicken Ihnen Blumen.

(Foto: CDU Saar)

Deutschlands beliebteste Frauen

Friday, January 4th, 2008 von Susanne

Die Frauenzeitschrift Frau im Spiegel hat gerade die Top 50 der beliebtesten Frauen Deutschlands veröffentlicht. Die ersten zehn Platzierungen:
1 Steffi Graf
2 Veronica Ferres
3 Iris Berben
4 Senta Berger
5 Heidi Klum
6 Claudia Schiffer
7 Nena
8 Kati Witt
9 Hannelore Elsner
10 Franziska van Almsick

Insgesamt eine recht erwartbare Liste, auch auf den hinteren Plätzen wird es von ein paar Ausnahmen abgesehen nicht wesentlich überraschender. Aber weil es ja sowieso viel mehr Spaß macht, eigene Listen zu schreiben, hier noch mal unser Aufruf, uns eure Topfrauen 2007 zu verraten.

(Foto über steffi-graf.net)

Chinas Führung wieder frauenfrei

Saturday, December 29th, 2007 von Susanne

Die einzige einflussreiche Frau Chinas, Wu Yi, tritt von ihren Ämtern im Politbüro zurück. Die 2007 von Forbes zur zweitmächtigsten Frau der Welt ernannte Politikerin verhandelte über den Beitritt Chinas in die WTO. Wegen ihres harten Verhandlungsstils war sie auch als “Eiserne Lady” bekannt und ein Vorbild für chinesische Feministinnen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt heute, Wu Yi wolle sich im März endgültig zur Ruhe setzen. Damit ist das 24-köpfige chinesische Politbüro wieder ausschließlich mit Männern besetzt.

Wahl der US-Feministinnen: Barack Obama?

Monday, December 17th, 2007 von Susanne

Die New York Times berichtet (offline heute als Beilage der SZ), dass der demokratische Präsidentschaftskandidat immer mehr Zuspruch von US-amerikanischen Feministinnen bekommt. Er selbst empfiehlt sich schon seit längerem als die richtige Wahl für Frauenrechtlerinnen: Immerhin sei er selbst als Sohn einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen - er wisse, wie es einer Frau ergeht, die gleichzeitig arbeiten, zur Schule gehen und Kinder großziehen muss, ohne die Unterstützung des Vaters. Auch heute, wo er selbst Vater ist, versuche er seinen zwei Töchtern mitzugeben, “dass sie die selben Möglichkeiten haben wie jeder andere”.

Ein weiterer Vorteil für Barack Obama im Wahlkampf: Oprah Winfrey, Ikone für Millionen amerikanischer Frauen, fordert die Wählerinnen auf, für ihn zu stimmen. Doch auch sein stärkster Gegner ist eine Frau - Hillary Clinton. Denn viele Feministinnen stellen sich die Frage: Wie könnte ich eine potentielle Präsidentin nicht unterstützen? Und sie zweifeln auch, ob sie einen Kandidaten unterstützen können, von dessen Frau das US-amerikanische Volk erwarten würde, dass sie ihre Karriere aufgibt.

Lisa Ortgies wird neue Emma-Chefin

Friday, December 7th, 2007 von Susanne

Gestern Abend überraschte Alice Schwarzer die Zuschauer von Kerners Talkshow: Sie verkündete, im Frühjahr 2008 ihren Job als Chefredakteurin der feministischen Zeitschrift Emma abzugeben - an Lisa Ortgies. Die 41-Jährige moderierte bisher die Sendung “Frau TV” im WDR und war Kolumnistin bei Emma. Außerdem hat sie 2004 ein konsumkritisches Buch verfasst: “Warum Schuhe nicht lügen, und anderer Schwachsinn, den Frauen glauben sollen”.

Damit überlässt Alice Schwarzer nach 31 Jahren den Chefsessel einer anderen Frau. Es wird spannend, wie Lisa Ortgies Emma verändern wird und kann - denn Schwarzer bleibt weiterhin Herausgeberin und Verlegerin und will auch weiterhin für die Zeitschrift schreiben.

Nachtrag: Alice Schwarzer im Interview mit dem Spiegel - über das Ende ihrer Chefredakteurslaufbahn und den feministischen Journalismus in Deutschland.

(Foto über WDR)