Archiv für ‘Mitdenken’

Pöbeleien in die Frauenecke

Thursday, June 19th, 2008 von Barbara

Dass die Zeit Hillary Clinton als “Frau der Zukunft” sieht, haben wir hier bereits vermeldet. Nun wird sie auch als Feministin erkannt, und zwar im Moment ihres Abschieds vom Traum der Präsidentin: Unter dem Titel “Die Frauenecke”, Untertitel “Erst bei ihrem Abschied bekennt sich Hillary zum Feminismus” schreibt Martin Klingst am 12. Juni 2008:

Es schien, als wollte sie die Außergewöhnlichkeit ihrer Kandidatur verschweigen, als raunte ihr eine innere Stimme zu: Hillary, lass dich bloß nicht in die Frauenecke drängen. Auch Barack Obama vermied es, seine Einzigartigkeit herauszustellen. Doch die Medien übernahmen diesen Part, während sie Clinton diese Auszeichnung zumeist verweigerten.

Stoßen mir doch die Begriffe Einzigartigkeit im Zusammenhang mit Hautfarbe und Auszeichnung im Zusammenhang mit Geschlecht etwas auf, möchte ich mal wieder das berühmte Zitat der italienischen Frauenrechtlerin Agata Capiello anbringen:

Die Gleichberechtigung in Italien ist erst dann erreicht, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist.

„Wir brauchen dringend Solidarität unter Feministinnen“

Wednesday, June 11th, 2008 von Barbara

Im Interview mit maedchenmannschaft.net sprechen Sabine Scherbaum und Waltraud Pomper von DIE FRAUEN über Ziele und Zukunft ihrer Partei.

Wofür steht die Feministische Partei DIE FRAUEN?

Die Feministische Partei DIE FRAUEN steht für eine feministische Politik. Diese basiert auf drei Faktoren:

a) Wir wollen mehr Macht für Frauen. Dies ist ein Gebot der Demokratie und Gerechtigkeit. Frauen müssen die Macht haben, selbst an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen mitzuwirken – und zwar in einem Umfang, der ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

b) Wir wollen eine Überwindung der Ungerechtigkeiten, die vor allem darauf beruhen, dass Frauen die überwiegende Mehrheit der unbezahlten Versorgungsarbeiten verrichten und dadurch von der angemessenen Verteilung der gesellschaftlichen Macht und des wirtschaftlichen Reichtums ausgeschlossen sind.

c) Unsere Vision ist ein Wertewandel hin zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft, in der das gleichwertige Miteinander aller Lebensweisen im Mittelpunkt des politischen Handelns steht. Wir gehen davon aus, dass die Verwirklichung dieser feministischen Vision Voraussetzung dafür ist, dass eine Welt jenseits der Politik von Kriegen, Umweltzerstörung und Gewalt ermöglicht werden kann.

Wie hat sich das politische Klima seit Angela Merkels Einzug ins Kanzleramt und die damit verbundene Große Koalition hinsichtlich Ihrer Themen verändert? Begreift eine Frau an der Macht, unterstützt von Ministerinnen und besonders einer starken Familienministerin, feministische Themen besser?

Natürlich hat es eine Bedeutung für Frauen, dass wir in Angela Merkel erstmals eine Frau als Bundeskanzlerin haben. Sie versteht es mit unterschiedlichen Positionen, konstruktiv umzugehen. Doch Frau-Sein ist kein politischen Konzept. Feministische Themen bleiben bei ihr unberücksichtigt, frauenparteiliche Äußerungen werden von ihr nicht vernommen. Das ist auch nicht verwunderlich, denn gerade in ihrer Partei herrschen in den Köpfen traditionelle Geschlechterbilder.

Und was unsere starke Familienministerin anbelangt: Sie lässt auf eine Einstellung schließen, dass mit mehr Kinderbetreuung schon alles getan wäre. Sie thematisiert nicht, dass Frauen schon viel früher benachteiligt werden und nicht erst dann, wenn sie Kinder haben. Wir müssen Frau von der Leyen Anerkennung dafür zollen, dass sie die Thematik “Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für Männer” ernsthaft und gegen den massiven Unwillen ihrer Parteikollegen öffentlich angestoßen hat. Dennoch wird sich mit den von der Regierungskoalition beschlossenen Maßnahmen nichts an der geschlechtsspezifischen Aufteilung unserer Gesellschaft ändern.

Was muss sich ändern in der bundesdeutschen Politik? Welche innenpolitischen Baustellen sehen Sie? Welche Themen gehören wieder in den Fokus?

Ein erster wichtiger Schritt sind sofortige Maßnahmen zur Erhöhung der Repräsentanz von Frauen. Dass dies mit Hilfe von Quoten schnell umgesetzt werden kann, ohne dass Politik und Ökonomie zusammenbrechen, hat die norwegische Regierung bereits bewiesen. Die Sichtbarmachung von Frauen bedarf lediglich des politischen Willens. Den Gegnerinnen von Quoten ist entgegen zu halten: Auch momentan werden Posten nicht auf Grund von Qualifikation vergeben, sondern in erster Linie auf der Basis des “Old-Boys”-Netzwerk, angetrieben von wirtschaftlichen und politischen Machtinteressen. Männer haben noch nie Skrupel gehabt, einen Posten anzunehmen, den sie nur auf Grund von “Beziehungen” angeboten bekamen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gleichstellung von Reproduktions- und Erwerbsarbeit. Diese Diskussion bezieht alle aktuell drängenden Probleme mit ein: Professionalisierung und angemessene Bezahlung für Arbeiten im Zusammenhang mit Kinderbetreuung und Pflege, Abschaffung der so genannten geringfügig Beschäftigung, Einführung einer existenzsichernden Grundsicherung, die Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit.

Wir wollen auf allen Ebenen der Gesellschaft eine Veränderung zu gewaltfreier Konfliktbewältigung, gerechtem Interessensausgleich, eben eine Kultur, in der jeder Person unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft oder Nationalität gleichwertige Chancen und Lebensbedingungen zustehen.

Derzeit ist eine Debatte von altem und modernem Feminismus in den deutschen Medien im Gange. Wie stehen Sie zum so genannten “Wellness-Feminismus” der jüngeren Generation?

Es gibt für uns keine Trennung in “alten” oder “modernen” Feminismus. Feminismus will in erster Linie gleiche Rechte für Frauen und Männer. Davon kann keine Rede sein, solange so profane Forderungen wie “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” noch nicht verwirklicht sind. Die diskriminierende Bezeichnung “Wellness-Feminismus” ist u. E. nur eine Neuauflage des alten Tricks aus der Mottenkiste des Patriarchats, der da heißt: Männer müssen Frauen gar nicht fertigmachen, das besorgen die schon selbst. Dabei sind Frauen immer dann erfolgreich gewesen, wenn sie sich nicht auseinander dividieren ließen, in alt und jung, arm und reich, schön oder nicht, Karriere- oder Hausfrau…, siehe die Erkämpfung des Wahlrechts und die Erfolge der Frauenbewegung in den 70er Jahren.

Gibt es – vergleichbar mit den JuSos – auch JuFrauen in Ihrer Partei? Wie halten Sie den Kontakt zur jungen Generation?

Ja, die gibt es, aber es sind viel zu wenige, viel zu wenig junge und viel zu wenig alte, überhaupt viel zu wenige, und das liegt daran, dass wir uns Öffentlichkeit nicht erkaufen können wie es in unserem System so üblich ist. Wir haben eben nicht den Anteil an Macht und Geld, der uns auf Grund unserer Arbeitsleistung zusteht, und freiwillig werden uns Männer bzw. patriarchal denkende Frauen – wie Frau Merkel – diesen Anteil nicht geben. Wir brauchen daher dringend Solidarität unter Feministinnen – Feminismus eben.

Perfektionismus

Tuesday, May 27th, 2008 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 2 von 3 der Serie Der Kommentar

In der Serie “Der Kommentar” veröffentlichen wir eure Gedanken zu einem Thema eurer Wahl. Heute schreibt Ina darüber, was sie an der Berichterstattung über Frauen ärgert:

Als interessierter Mensch und als Feministin freue ich mich jedes Mal, wenn ich in einer Zeitung einen Artikel über eine herausragende Frau lese, deren Besonderheit weder in ihrem Aussehen liegt, noch in der Tatsache, dass sie jemand Berühmtes geheiratet hat.

So auch, als ich den Artikel über Ute Frevert las, der vor Kurzem in der Zeit erschien. Ute Frevert ist eine Ausnahme-Frau, keine Frage: Mit 16 Jahren Abitur gemacht und anschließend eine wissenschaftliche Karriere als Historikerin in Deutschland und Yale. Ein Vorbild für junge Frauen, zumal sie es auch noch geschafft hat, Kinder zu bekommen und außerdem eine ist, die sich auch intensiv mit Geschlechtergeschichte beschäftigt.

Ein Artikel, der mich eigentlich freuen sollte, den ich genießen sollte. Pustekuchen!

Erst mal wird sie in einem Steckbrief vorgestellt als „Der Mensch“ Ute Frevert und dann „seine Idee“. Ich weiß, dass es in diesem Fall eine Frage des grammatischen Geschlechtes ist, aber dass ihre Idee als „seine Idee“ vorgestellt wurde, stieß mir unangenehm auf. Nun gut, darüber lese ich hinweg.

Im tatsächlichen Artikel fand ich dann einen Abschnitt, der mich noch wütender machte. Darin ließ sich die Autorin über das Outfit der Historikerin aus, und nach der detaillierten Beschreibung der Kleidung lässt sie sich auch noch dazu hinab zu behaupten, Frevert könne auch für ihre eigene Tochter gehalten werden. Dass der Abschnitt über ihr Äußeres wegen des danebenstehenden Fotos irgendwie überflüssig ist, ist nur ein Teil dessen, was mich so wütend macht.

Der eigentliche Grund meiner Wut ist folgender: Warum muss eine Frau, die einen tollen Job macht, auch noch perfekt und jugendlich aussehen? Warum kann man nicht einfach darüber schreiben, wie sie ihre Arbeit macht? Über die Inhalte schreiben, die ihr wichtig sind?
Ich kann mich nicht an einen Artikel über einen Forscher oder Politiker erinnern, in dem sein Aussehen und seine Kleidung auch nur erwähnt wurden. Bei Männern reicht es scheinbar, über ihre inhaltliche Kompetenz und die Erfüllung ihrer Aufgaben zu schreiben. Warum wird uns Frauen suggeriert, wir müssten alles sein: rundum perfekt, gut aussehend, Mutter, Karrierefrau?

Ein Mann kann menschlich ein Arschloch sein, fünf Mal geschieden und schlecht angezogen - entdeckt er ein neues Element, wird trotzdem nur darüber geschrieben. Bei Frauen ist das nicht so. Da spielt immer gleich alles eine Rolle. Also, wieso kann man nicht einfach über eine Forscherin schreiben, indem man die Person Ute Frevert vorstellt, ihre Idee und den beinahe seitenfüllenden Artikel dann über ihre Gefühlsforschung (die übrigens, Überraschung!, doch nicht „Frauensache“ ist sondern „wie fast alles, meist Männersache gewesen“ ist, so ein Originalzitat aus dem Artikel) und ihre vielen Bücher?

Und was ich mich auch frage: Gibt es wirklich immer noch das Vorurteil, dass kluge Frauen nicht gut aussehen können? Und warum spielt das Aussehen überhaupt eine Rolle?

INA

Dir brennt auch ein Thema auf den Nägeln? Schreib einen Kommentar an: mannschaftspost(at)web.de

In Bildern: Das denkt die Welt (17)

Sunday, May 18th, 2008 von Susanne

So kündigte heute der Mailanbieter Web.de einen kurzen Klatsch- und Tratschtext über Jessica Albas Meinung zu Sex auf seiner Startseite an.

Da frage ich mich doch: Gibt es hier jemanden, der so geschockt ist wie die “Männerwelt”? Und: Wie vielen Männer entgeht denn - jetzt mal realistisch betrachtet - tatsächlich heißer, versauter Sex mit Jessica Alba?

Also echt.

Lenker und Gestalter

Saturday, May 10th, 2008 von Barbara

Die Zeit hat in diesen Tagen eine neue Edition veröffentlicht, die Rede ist von “Lenker und Gestalter”, den Menschen, die die Bundesrepublik prägen und geprägt haben: “Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, von Alice Schwarzer bis Günter Grass. Die Zeit präsentiert zwölf große Politiker, Denker und Unternehmer, die das Land bewegten.” Unter diesen zwölf befinden sich zwei Frauen, Alice Schwarzer und Marion Dönhoff. Zwei aus zwölf ist eine magere Quote - welche Frauen fehlen hier? Zur Einstimmung noch mal die Vorrede der Herausgeber:

“Wer macht Geschichte? Diese Frage beschäftigt auch Historiker immer wieder von Neuem. Längst befassen sie sich dabei nicht mehr nur mit den großen Herrschern, Lenkern und Gestaltern, sondern betrachten historische Ereignisse auch von unten, untersuchen Ideen, Mentalitäten und Überzeugungen. …”

Für eine lebendige feministische Debatte

Wednesday, May 7th, 2008 von Susanne

(Dieser Text erschien am Mittwoch, 7. Mai, in der Süddeutschen Zeitung, als Antwort auf Alice Schwarzers Rede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche.)

Am Sonntag erhielt Alice Schwarzer den Ludwig-Börne-Preis für kritischen Journalismus. In ihrer deutschlandweit beachteten Dankesrede bezeichnete sie die gerade entstehende junge feministische Szene als „Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus“. Diese blickten nur auf ihre eigenen Belange, Karriere und Männer – eine erbärmliche „Geschichtslosigkeit“ und „Kaltherzigkeit, für die sie sich nicht einmal schämen.“ Diese „Post-Girlies“ wolle Schwarzer nicht vertreten, und auch nicht „Führerin der Frauenbewegung“ sein. Sie spreche für sich selbst und nicht als Stellvertreterin des Feminismus – deshalb sei an ihr kein Vorbeikommen: „Ich bin, mit Verlaub, liebe späte Mädchen, auch nicht abzusetzen.“

Vorneweg: Niemand will Alice Schwarzer absetzen. Mit ihr fühlt sich wohl jede Feministin in Deutschland in gewisser Weise verbunden. Doch es muss möglich sein, dass junge Frauen wie wir feministische Ideen für unser Leben und unsere Bedürfnisse weiter entwickeln und in Teilen auch anders praktizieren, als das unsere Vorgängerinnen getan haben. Dabei setzen wir uns natürlich auch mit Alice Schwarzer auseinander – manchmal kritisch, manchmal bewundernd. Wer hier von Absetzungsversuchen spricht, hat etwas falsch verstanden. Es geht darum, ein großes, wichtiges, schönes Projekt durch das nächste Jahrhundert zu bringen.

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Wie werde ich ein richtiger Mann?

Friday, April 25th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 7 von 9 der Serie Die Feministische Bibliothek

Anleitung zum MännlichseinDas fragte ich mich heute ganz unvermittelt und begann daraufhin das Buch “Anleitung zum Männlichsein” von den Lebert-Brüdern zu lesen. Es war eine kurzweilige Angelegenheit von ein paar Stunden. Doch so recht weiß ich immer noch nicht, wie aus mir jetzt ein moderner Mann werden könnte.Das Buch hat mich mittels eines sehr aufreizenden Einbandtextes gekriegt:

“Die alten Zeiten will man nicht zurück, aber ihre Rolle als Mädchen für alles schmeckt den Männern auch nicht mehr. Andreas und Stephan Lebert erkunden, wie der Mann des 21. Jahrhunderts sich in verschiedenen Lebenssituationen bewähren kann, und finden jenseits aller Zerrbilder und Stereotypen Antworten auf die Frage, was einen Mann heute zum Mann macht.”

Klingt ja eigentlich ganz gut. Ich erhoffte mir wirklich eine Antwort auf die Frage “wann ist der Mann ein Mann”. Aber um es kurz zu machen: Die gibt es hier nicht. Das Buch ist voll von netten kleinen Geschichtchen, die irgendwie und irgendwo den Autoren oder deren Freunden oder entfernten Bekannten passiert sind. Dabei wurde wohl so verfahren, dass Mann sich regelmäßig in einem Berliner Café traf, diese Geschichtchen erzählte um dann induktiv daraus die Weltformel zu destillieren, die Antwort auf die Frage, wie ein Mann denn nun zu sein habe. Dabei werden die Frauen (”denn wir wissen ja, was Frauen so sagen”) immer nur mittels einer Stimme an unterschiedlicher Stelle eingestreut, ansonsten aber kategorisch ausgeschlossen, denn es sollte ja um die Männer gehen.

Interessant sind die Tipps oder Anleitungen ja schon: “Männliches Schweigen ist eine Kunst”, “Frauen zuhören ist ein Gewinn” - aber man sollte um Himmels Willen nie etwas sagen, nur um Frauen zu gefallen! “Wer bist du? Wer bin ich? - das muss immer klar sein” - aha. Ja klar, aber gilt denn das nur für Männer? Oder: “Anleitung zum Männlichsein Nummer fünf: Es gibt nur ein Gesetz: die eigene Lust.” Das würde ich dann auch gerne für mich beanspruchen. Also bin ich schon ein Mann - oder habe ich nun was verpasst?

Nein, im Großen und Ganzen muss man wohlwollend über dieses Buch urteilen: Es ist auf eine manchmal etwas bemüht wirkende Art und Weise, aber durchaus liebevoll gemeint, geschrieben und versucht den Männerbildern von heute wieder mehr Mut zum Eigensinn, zur Lächerlichkeit, zum Risiko zu vermitteln. Es will zeigen, dass manch ein Mann, der sich nur über seinen Beruf und seine Karriere definiert, nicht mehr ist, als ein armes Würstchen, dessen Leben sich auf eine einzige Sache beschränkt. Es möchte eine neue und gute Vater-Sohn-Beziehung gestalten (aber leider ist von Töchtern keine Rede!), es möchte hier, es möchte dort.

Dass manchmal eben doch die alten Geschlechtsstereotypen wiederholt werden, ist ärgerlich:

“Verweiblichung der Gesellschaft auf allen Kanälen: Medien, Politik, Familie, Freizeit, Gefühle, Psychologie, Gesundheit, Bildung, Kunst, Gefühl statt Sache, ich statt es, Harmonie statt Konflikt, reden statt tun […] Die Genauigkeit bei wissenschaftlichen Themen und die Kraft, sie in den Mittelpunkt zu rücken, und der Mut, scharfe Auseinandersetzungen zu führen und auszuhalten, also zu polarisieren: Wir behaupten, dass dies eine Angelegenheit der Männer wäre.”

Nach solchen Aussagen, wie sie im Kapitel “Die Verweiblichung der Gesellschaft” getroffen werden, fällt es wirklich schwer, wohlwollend zu bleiben. Aber es ist Gott sei Dank das einzige Kapitel in diesem Ton. Vielleicht haben die Brüder Lebert es nötig, sich über solche Kategorien zu definieren. Fakt ist, dass sie die von ihnen selbst geforderte Genauigkeit und wissenschaftlichkeit nicht einhalten können - an irgendwelchen Belegen für ihre Behauptungen mangelt es nämlich durchgehend in ihrem Buch (von den Geschichtchen abgesehen).

Ich fasse zusammen: Man(n) muss das Buch nicht lesen, um zu wissen, wie Mann im 21. Jahrhundert sein sollte. Man(n) muss das Buch auch nicht lesen, um irgendwelche neuen und bahnbrechenden Erkenntnisse zu gewinnen - geht man mit dieser Erwartung heran, wird man(n) definitiv enttäuscht. Aber: Anzuerkennen bleibt der Versuch, auch einmal den Mann in den Mittelpunkt einer Diskussion um Lebensführung, Rollenbilder und neue Wege zu stellen, denn alle Erfahrungen haben (leider?) gezeigt, dass Mann in solcherlei Fragen sich von Frau nichts sagen lassen möchte. Vielleicht sollten wir deshalb ermutigend dazu aufrufen, einen ernst zu nehmenden, mutigeren, differenzierteren Versuch zu starten, um der neuen Männlichkeit einen Rahmen zu verleihen. Denn ihr, liebe Leser seid gute Beispiele, wie es auch gehen kann - finde zumindest ich.

Alt macht unsichtbar

Thursday, April 24th, 2008 von Barbara

(c) dpa über taz Betagte Single-Damen leben in Armut, titelte die taz gestern. Ihr Leben lang haben sie für andere gekocht, den Boden gewischt oder die Hemden gebügelt, nun droht ihnen ein Lebensabend ohne Geld. Weil die typisch weibliche Arbeit nicht entgeltet wird. Und so malt die Statistik für alte Frauen kein rosiges Bild:

Altersarmut ist kein geschlechtsneutrales Problem. Sie ist vor allem weiblich. Von den 370.500 über 65-Jährigen, die von Sozialhilfe leben, sind rund zwei Drittel Frauen. … 35,7 Prozent der Frauen erhalten zwischen 600 und 750 Euro pro Monat. Mehr als ein Drittel der Frauen liegt sogar noch darunter. Bei den Männern erhalten immerhin rund 60 Prozent eine Rente zwischen 900 und 1.500 Euro.

Die 76-jährige Österreicherin Elisabeth Hellmich hat über die Sorgen von alten Frauen promoviert, ihr Buch “Forever young? Die Unsichtbarkeit alter Frauen in der Gegenwartsgesellschaft” ist 2007 im Milena Verlag erschienen.

Sind Männer ein bisschen beschränkt?

Wednesday, April 2nd, 2008 von Katrin

Oder sind es die Wissenschaften? Oder die Medien?

Flirt als Holzschnitt
Frauen glauben gerne, dass Männer Freundlichkeit und sexuelles Interesse oft nicht auseinander halten können – im Gegensatz zu ihnen, natürlich. US-ForscherInnen haben dieses Problem in einer psychologischen Studie mit 280 StudentInnen untersucht. Die Seite wissenschaft.de berichtet davon und fragt nach dem Ursprung dieses Phänomens:

„Entweder liegt bei Männern die Schwelle, ab der eine Verhaltensweise als eindeutig sexuell eingestuft wird, tatsächlich niedriger als bei Frauen, oder aber Männer sind grundsätzlich nicht so sensibel für die Art der Signale, die eine Frau aussendet und können demnach sexuelle Hinweise nicht gut von anderen unterscheiden.“

Das Thema an sich ist ganz interessant und spannend, doch so richtig gefallen will mir der Artikel von Ilka Lehnen-Beyel nicht. JedeR der/die sich ein bisschen mit empirischer Sozialforschung auskennt, weiß, dass 280 Personen noch keine Basis für eine repräsentative Studie bilden können, zudem handelte es sich nur um StudentInnen – ein ausgewählter Personenkreis. Über die Rückschlüsse auf alle Menschen kann (muss) man wirklich streiten. Außerdem liegen die Unterschiede bei den verschiedenen Tests sehr nah beieinander:
So

„interpretierten die Männer eine freundliche Frau in 12,1 Prozent der Fälle fälschlich als sexuell interessiert, während die weiblichen Probanden nur bei 8,6 Prozent falsch lagen.“

Und

„umgekehrt übersahen die Männer auch immerhin in 38 Prozent der Fälle ein echtes sexuelles Interesse, wohingegen die Frauen nur etwa 32 Prozent fehlinterpretierten“

Bei so einer kleinen Zahl von untersuchten Personen sind Unterschiede von 4-6 Prozent kein eindeutiger Hinweis auf einen signifikanten Trend. Das sollte vielleicht erwähnt und dann noch einmal gründlich über den Titel: „Warum Männer Frauen so häufig missverstehen“ nachgedacht werden. Der Einleitende Teaser ist auch nicht gerade nett:

„Männer seien schlicht und einfach weniger sensibel gegenüber Gefühlen und können sie schlechter allein anhand der Körpersprache unterscheiden als Frauen.“

“Frauen, wir haben nicht versagt”

Sunday, March 30th, 2008 von Susanne

SoE hat es eben schon im Selbermach-Sonntag gepostet, ich klaue einfach mal frech: Heute antwortet in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Nadine Oberhuber auf Bettina Weigunys Behauptung in der letzten Woche, die Frauen seien einfach nicht ehrgeizig genug, um Senkrechtstarter-Karrieren wie die Männer hinzulegen, O-Ton: “Frauen, wir haben versagt“.

Nadine Oberhuber schreibt, Frauen hätten die Welt von heute durchaus schon maßgeblich mitgestaltet und weist auf den Umstand hin, dass uns viele Erfindungen von Frauen nur deshalb nicht im Gedächtnis geblieben sind, weil diese früher keine Patente auf ihren Namen eintragen durften. Oberhuber zeigt, dass gerade in den letzten Jahren die Frauen als Gründerinnen durchstarten, dass auch unter den Superreichen Frauen sind.

Die Antwort auf das simple “Frauen, wir haben versagt” ist ein klügerer, tiefer grabender Text geworden.