Archiv für ‘Lesezeichen’

Kind im falschen Körper

Friday, August 1st, 2008 von Susanne

Heute sehr lesenswert im Magazin der Süddeutschen Zeitung :

Mädchen sind willkommen (Jungs nicht)
Die erst zehnjährige Nina wusste immer, dass sie im falschen Körper lebt. Aber es war ein langer Kampf gegen Eltern und Lehrer, bis sie nicht mehr David sein musste

Hochstuhl oder Lehrstuhl?

Saturday, July 19th, 2008 von Susanne

Das fragt die Zeit in dieser Woche. Anlass zur Fragestellung ist der geringe Frauenanteil im Universitätsbetrieb:

Fast nirgends sind Frauen so unterrepräsentiert wie in der Wissenschaft. Während im Durchschnitt 50 Prozent aller Hochschulabsolventen in Deutschland weiblich sind, sinkt die Zahl der Frauen an den Unis mit jeder weiteren Karrierestufe deutlich. Nur noch 40 Prozent von ihnen schaffen eine Promotion, rund 23 Prozent habilitieren sich. Nur zehn Prozent der vollen Professuren in Deutschland sind weiblich besetzt.

Vier Frauen erzählen von sich, ihrer Familiensituation und der Arbeit an der Uni: Davon, wie es ist, während des Studiums ein Kind zu bekommen, wegen des Nachwuchs die Uni zu wechseln, mit drei Kindern eine Habilitation zu stemmen oder warum eine zehn Jahre lang nur mit befristeten Verträgen arbeitet.

Wo die Kinder der Nacht ruhen

Monday, July 7th, 2008 von Meredith

Das hervorragende Good Magazine hat diese Woche einen sehr lesenswerten Artikel über ein Resozialisierungsprojekt für minderjährige Prostituierte.

Im Children of the Night finden Mädchen Zuflucht, die zwischen zwölf und siebzehn sind und sich prostituieren mussten. Das Heim befindet sich in Los Angeles und wird von einer tollen Lady namens Lois Lee betriebe. Sie schrieb in den siebzigern ihre Dissertation über das Phänomen Zuhälter und fing dabei an, jungen Stricherinnen und Strichern zu helfen - indem sie sie bei sich übernachten ließ, ihnen Geld lieh, mit ihnen redete oder zur Polizei ging. Vor dreissig Jahren gründete sie dann das Heim, es wird nur durch private Spenden betrieben - sogar Hugh Hefner hat einiges Geld gegeben. Lee versucht den Mädchen (und wenigen Jungs) nicht nur ein Dach über dem Kopf und eine Ausbildung zu verschaffen, sie verwöhnt die Kids auch, lässt sie ins Spa fahren oder Essen gehen und verbringt enorm viel Zeit mit ihnen. Indem sie ihre Schützlinge leben lässt, wie “normale” Jugendliche, gibt sie ihnen ihre Würde und ihr Leben zurück. Tolle Sache, toller Text. Lesen, lesen!

Und: Wer kennt ähnliche Projekte in Deutschland?

Wetlands

Thursday, July 3rd, 2008 von Susanne

Unsere Leserin Sarah hat uns eine Presseschau (PDF-Download, 320 KB) zusammengestellt, und zwar wie Charlotte Roches Roman “Feuchtgebiete” in den USA besprochen und eingeordnet wird. Es ist nicht nur beeindruckend, wie heftig die US-amerikanischen Medien auf das Thema anspringen, sondern auch spannend zu lesen, wie die aufgeregte deutsche Debatte mit ein paar Kilometern Abstand wirkt und welche Gedanken sich die Autorinnen und Autoren auf der anderen Seite des Ozeans über den erstaunlichen Erfolg des Buches machen.

Vielen Dank an Sarah für die Mühe!

“Das ganze Mann-Frau-Denken aufgeben”

Monday, May 26th, 2008 von Susanne

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Spengler sagt in einem sehr interessanten Interview mit der Süddeutschen Zeitung, Frauen seien in Sachen Karriere immer noch zu wenig ehrgeizig und müssten selbstbewusster werden. Und auch unser Frauen- und Männerbild müssten wir überdenken:

Spengler: Das Klischee hält sich hartnäckig, dass Frauen zu schwach oder zu zickig für Führungspositionen seien. Zudem wird oft behauptet, Frauen müssten ihre nicht vorhandene Männlichkeit durch übertriebene Härte kompensieren. Diese Stereotypen müssen wir aufgeben. Dazu müssen wir die männlichen Entscheider in diesem Thema ausbilden.

(…)

SZ: Frauen tun sich ab einer bestimmten Position schwer, spezielle Förderangebote anzunehmen, um nicht hilfsbedürftig zu erscheinen. Mit Recht?

Spengler: Das ist falscher Stolz am falschen Platz. Noch besser wäre es, wenn wir das ganze Mann-Frau-Denken aufgeben würden. Es ist doch bestürzend, dass im Handwörterbuch des Personalwesens unter dem Stichwort “Besondere Arbeitnehmergruppen” immer noch Frauen genannt werden. Solange das in unseren Köpfen drin ist, erreichen wir nichts.

“Die Leute denken, sie wüssten alles über mich. Dabei wissen sie gar nichts”

Wednesday, May 21st, 2008 von Susanne

Braucht die Welt wirklich noch eine Geschichte über Charlotte Roche? Ja - wenn sie so gut ist wie die im heute erschienenen Zeit Leben. Denn die Autorin Annabel Wahba macht sich im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen mal die Mühe, Charlotte Roche auch zu begleiten, ihr zuzuhören, ihr nicht mit einer vorgefestigten Meinung entgegenzutreten und überhaupt mal den ganzen Interpretationsquatsch wegzulassen - der den meisten Feuilletonisten ja doch nur dazu dient, sich selbst darzustellen. Und so gerät diese Geschichte zum Portrait einer ganz wunderbaren, durchgeknallten jungen Frau.

Die etwas zu sagen hat. Diesmal hält sich die Verfasserin des Artikels auch angenehm zurück mit einem Urteil, ob Charlotte Roche denn nun Feministin sei oder nicht. Stattdessen darf diese mal selbst ein paar Gedanken mehr zum Feminismus verlieren:

Charlotte Roche erzählt von den Selbsterfahrungskursen der siebziger Jahre, in denen Frauen gemeinsam ihre Körper erkundeten. Heute herrsche unter Frauen Sprachlosigkeit, was Sexualität anbelange. Charlotte Roche will mit ihrem Buch unterhalten, aber vor allem junge Leserinnen scheinen darin etwas Befreiendes zu finden, und sei es nur das Lachen darüber. Ihnen gefällt, dass da jemand ein übertriebenes und dadurch komisches Gegenbild zu den Frauen in der Werbung und im Fernsehen entwirft.

Einen Gedanken zum Thema Feminismus stellt die Zeit-Autorin dann doch noch in den Raum und zeigt, wie wichtig die Feministin Roche für die deutsche Frauenbewegung sein kann:

Dass viele in Charlotte Roche dennoch die Vorkämpferin eines neuen Feminismus sehen, liegt auch daran, dass es in Deutschland nur eine Ikone der Frauenbewegung gibt, Alice Schwarzer. Die hat ihre eigene Sexualität zur Privatsache erklärt. Und deshalb freuen sich jetzt so viele Frauen, dass es eine Charlotte Roche gibt, die sich als Feministin bezeichnet und trotzdem Spaß am Sex mit Männern propagiert.

P.S.: Ich habe mich jetzt übrigens auch endlich getraut und angefangen, “Feuchtgebiete” zu lesen. Was für ein Spaß! Nach dieser riesigen Aufregung ist das Buch gleich doppelt so lustig. Ich muss mich die ganze Zeit kaputt lachen. Über die Spießer da draußen.

Von Emma prämierte Textperlen

Tuesday, May 20th, 2008 von Susanne

Die Siegerinnen und Sieger des Emma-Journalistinnen-Preis 2008 stehen fest. Gewonnen haben (und hier verlinkt zum Nachlesen):

1. Preis:
Renate Meinhof, “Alles bleibt anders“, Süddeutsche Zeitung

2. Preis:
Barbara Hardinghaus, “Der Jahrhundertmensch”, Spiegel

3. Preise:
Christiane Kohl, “Eingeholt vom alten Schrecken”, Süddeutsche Zeitung
Susanne Krieg, “Braut wider Willen”, Geo
Sonja Banze, “Die Ding-Dynastie”, Park Avenue

Drei Männerpreise:
Mario Kaiser, “Die Freiheit der anderen”, Spiegel
Florian Klenk, “Die nackte Gewalt”, Die Zeit
Dirk Kurbjuweit, “Die Frauenrepublik”, Spiegel

Sonderpreis:
Susanne Schneider, “Hurra, ich lebe noch!”, SZ-Magazin

Förderpreis:
Pia Döhler für die Serie “Rollentausch – Frauen in Männerberufen”, Neue Presse Coburg

Rock-Emanze

Wednesday, May 14th, 2008 von Susanne

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie dieses Spiegel-Interview mit Lucy van Org Anfang April an uns vorbeigehen konnte. Zufällig bin ich jetzt noch mal drauf gestoßen und empfehle es hiermit unbedingt zur Lektüre. (Doch, doch, auch alte Sachen können Spaß machen!)

Und noch eine Antwort

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne

Heute antwortet die Journalistin Barbara Gärtner auf die Beiträge von Jana Hensel/Elisabeth Raether vorgestern und uns gestern. Ihr Hauptkritikpunkt: Feminismus würde zum Lifestyle-Aspekt verkommen, der nur noch Karriere-Coaching als Ziel hat.

Es freut mich wirklich, dass das Thema Feminismus wieder da. Was mich an dieser Antwort allerdings verärgert: Die Autorin blendet aus, dass es vielen jungen Frauen eben nicht mehr nur um das vordergründigste Problem “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” geht. Schade, dass für einen Debattenbeitrag absichtlich Themen ignoriert werden, die auch heute noch relevant sind, aber nicht in die These der Autorin zu passen scheinen: Abtreibung, Gewalt gegen Frauen, Frauenleben in aller Welt, Machtverhältnisse usw. Das nimmt dem Ganzen so leicht das Konstruktive.

P.S.: Für mich mittlerweile interessantester Halbsatz in den negativen Kritiken zu unserem Buch: “… ihr eigentlich fundiertes Buch …” Erinnert mich an: “Ich bin ja keine Feministin, aber …”

Alice Schwarzers Börne-Preis-Rede

Tuesday, May 6th, 2008 von Susanne

Hier hat sich ja schon eine Diskussion um Alice Schwarzers Rede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises für kritischen Journalismus entsponnen und es wurde nach der kompletten Rede gefragt. Gedruckt erschien diese gestern in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, online gibt es die Rede zum Nachlesen auf Alice Schwarzers Homepage. Hier ein Auszug, in dem sie sich auf die jungen Feministinnen bezieht:

“So erleben wir gerade die weite, medial lancierte Girlie-Welle – Sie erinnern sich an die längst wieder vergessenen Girlies von vor zehn Jahren? – sozusagen eine Post-Girlie-Welle. Deren Protagonistinnen sind allerdings keine Girlies, sondern erwachsene Frauen über dreißig. Sie nennen sich mal „Alpha-Mädchen“ – übrigens wenig originär nach einem vor zwei Jahren erschienenen amerikanischen Buchtitel und einer Spiegel-Story aus dem letzten Jahr – mal nennen sie sich „neue deutsche Mädchen“. Auch nicht ganz neu. Nein, nun doch nicht deutsche Mädel, aber dennoch: So kurz kann das Gedächtnis sein. (…) Diese späten Mädchen und Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus sind für „Fair-trade-Puffs“ und finden, die sogenannte „Sexarbeit“ sei ein Job wie jeder andere; ja, sogar ein besonders vergnüglicher und gut bezahlter. Und sie lieben „geile Pornos“. (…) Wie ganz und gar ungeil es den zwangsverschleierten Musliminnen und den meist aus dem Elend oder gar aus dem Frauenhandel rekrutierten Prostituierten und Porno-Darstellerinnen dabei geht – an diesen Gedanken scheinen die Post-Girlies noch keine Sekunde verschwendet zu haben. Sie interessieren sich ausschließlich für ihre ganz persönlichen Belange, sprich: für Karriere und Männer. Es ist neu, dass man sich einer solchen Kaltherzigkeit nicht einmal schämen muss, sondern sie auch noch im Namen des Feminismus zum Programm erheben kann.”

Nachtrag:
Die jungen Feministinnen antworten. Jana Hensel und Elisabeth Raether heute auf sueddeutsche.de, wir am Mittwoch im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (und auch hier online).