Archiv für ‘Laberparty’

Die perfekteste Hausfrau

Sunday, October 5th, 2008 von Anna

Unsere Leserin Julia hat mir heute einen echten Lacher beschert - denn anders als mit Humor kann man die österreichische Kampagne der Spar-Hausmarke splendid wohl nicht ertragen!

Vor allem freute ich mich darüber:

“Verzweifelt, weil Ihre Wäsche nicht strahlt und Ihre Gläser nicht glänzen? Wir verraten Ihnen das Geheimnis von Splendid.
Ihre vier neuen Freundinnen: Splendid-Pulver, Splendid-Konzentrat, Splendid-Tabs und Splendid-Gel heißen sie - jederzeit für Sie da, um Sie tatkräftig zu unterstützen.”

Aber nicht vergessen:

“Auch Männer greifen zu den Splendid Produkten und staunen über Preisvorteile, die sich gewaschen haben.”

Für alle, die noch nicht genug haben, geht’s hier zum TV-Spot.

Bitte, bitte, bitte - aber nur, wenn ihr wollt

Wednesday, September 24th, 2008 von Susanne

Und wieder eine Initiative aus dem Ministerium von Ursula von der Leyen: diesmal für mehr Frauen in der Kommunalpolitik. Denn “2006 wurden lediglich 33 von 218 größeren Städten von einer Oberbürgermeisterin regiert. Das entspricht einem Anteil von 15 Prozent”, so die Ministerin zum Start der bundesweiten Kampagne “Frauen Macht Kommune”. Auch das, was von der Leyen sonst so sagte, klingt eigentlich nicht schlecht:

“Auch in den meist ehrenamtlich arbeitenden Stadträten und Kreistagen sitzen deutlich weniger Frauen als im deutschen Bundestag. Die kommunale Ebene ist aber die Wurzel der Demokratie. Männer und Frauen sollten daher die Zukunft gemeinsam gestalten, das ist für mich eine Grundvoraussetzung guten Regierens. Ich möchte daher Frauen ermutigen: Mischen Sie sich ein! Und zwar vor Ort und ganz konkret: Wagen Sie den Schritt in die Kommunalpolitik.”

Wie immer ist auch diese Aktion sehr löblich. Aber was ich mich bei diesen Appellen an die Wirtschaft, die Politik, die Frauen – die mittlerweile fast wöchentlich aus dem Familienministerium purzeln – so langsam frage: Wer glaubt denn wirklich, dass sich so irgendwas ändern wird? Zahlreiche Appelle und freiwillige Selbstverpflichtungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten haben doch rein gar nichts am Machtgefüge in unserem Land geändert.

Wann kommt die Regierung denn endlich mal auf die Idee, ein paar Quoten einzuführen? Dann kriegten sie auch ihre weiblichen Fachkräfte in den Führungsetagen, ihre Kommunalpolitikerinnen und sicher auch ein paar vorzeigbare Väter mehr, die sich das Zuhausebleiben bei den Kindern leisten können, weil Mutti einen Konzern leitet. Aber immer nur bitte-bitte-sagen bringt meiner Meinung nach überhaupt nichts.

Lollipops zum Vormittags-Kaffee mal langsam

Tuesday, September 23rd, 2008 von Meredith

Zum Thema Männer-Leid mal eine sachliche Liste von Gedanken aus den letzten 24 Stunden:

1. Als Feministin trete ich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Nachdem Frauen - was persönliche, körperliche, finanzielle und gesundheitliche Sicherheit betrifft - strukturell und grundsätzlich schlechter gestellt sind, setze ich mich dafür ein, dass dieser Missstand behoben wird.

2. Als Mensch und Feministin interessiere ich mich für Männer und ihre Probleme. Ich bewundere und respektiere Männer, die sich über Gleichberechtigungsfragen Gedanken machen - wenn sie dieses nicht auf Kosten der Frauen tun.

3. Ich bin der Ansicht, dass Frauen und Männer im Kontext des Feminismus und der Gleichberechtigung zusammenarbeiten können. Ich denke, es ist wichtig, dass sich Frauen für Männer einsetzen und Männer für Frauen.

4. Aber: Nur unter der Voraussetzung, dass sie dieselbe Agenda haben, nämlich eine wirklich gerechte Gesellschaft. Ein Mann, der sagt, er sei Maskulinist, ist entweder nicht Feminist oder er hat nicht verstanden, was der Unterschied ist. Ich vermisse die Männer, die sich von einer liberalen, aufgeklärten Seite öffentlich zur Gleichberechtigung bekennen. Und die anerkennen, dass es noch viel zu tun gibt. Es gibt sie. Aber es sind bisher zu wenige. Solange es nicht mehr werden, sehe ich keinerlei Veranlassung mich als Feministin um die punktuellen Gleichberechtigungsdefizite von Männern aktiv zu kümmern. Dafür reicht die Energie dann auch einfach nicht.

5. Als Feministin ist es mein Anliegen, die Rechte von Frauen zu stärken. Die Rechte der Männer sind gerade mal nicht mein Anliegen. Und ich akzeptiere es nicht, dass die feministische Debatte von dem Argument “Aber wir sollten auch mal an die Männer denken” vereinnahmt wird. Die feministische Debatte dreht sich nun mal nicht um Männer. Männer haben in dieser Gesellschaft nach wie vor große Vorteile, was politische, persönliche und wirtschaftliche Aspekte betrifft, auf Grund ihres Geschlechts. Kein Mensch - auch nicht Meredith Haaf - denkt, dass sie aber kein Recht darauf hätten, auf ihre Probleme hinzuweisen.

6. Organisationen wie MANNdat sind nicht für mehr Gleichberechtigung. Sie manipulieren die Gleichberechtigungsdebatte, indem sie den Mann zum benachteiligten Geschlecht erklären. Sie sabotieren Diskussionen, indem sie Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen, als kryptochauvinistisch bezeichnen.

7. Es ist ein zunehmender Opferdiskurs unter Männerrechtlern zu beobachten. Dieser bezieht sich auf die vorgebliche Entrechtung durch Maßnahmen wie Elterngeld, „Girls Days” oder durch die Präsenz von Fernsehmoderatorinnen. Er arbeitet - noch mal - mit den Instrumenten der Frauenbewegung, indem er sich auf Gleichberechtigung beruft und Frauen auffordert, sich der Gerechtigkeit halber auch die andere Seite anzuhören. Diese Männerrechtler sollen doch heulen, wenn sie denken, sie hätten Probleme.

8. Ich werde nicht aufhören, mich gegen diesen Diskurs zu wehren und mich über ihn zu mokieren. Alle anderen Frauen sollten das auch. Und ich werde mich ganz sicher nicht zum Schweigen bringen lassen von Argumenten wie „arrogant - grabenkämperisch - aggressiv”.

9. Das heißt aber nicht, dass weinende Männer nicht respektiert werden oder dass Männer an sich keine Opfer sein können oder dass die Anliegen und Sorgen von Männern an sich nachrangig sind. Ich denke prinzipiell ohne „an sich’s” aber das kann man ja nicht riechen. Wer bloggt, schreibt schnell und ich vergesse gern mal meine „an sich’s” zu klären.

10. Ein Bild von einem weinenden Mann ist ein Bild von einem weinenden Mann ist ein Bild von einem weinenden Mann. Auf diesem Blog ist ein Bild von einem weinenden Mann zu sehen. Eine Karikatur ist nicht zu sehen.

Heul doch und kauf dir ‘nen Dauerlutscher. Oder was soll man sonst zu armen Mann-Opfern sagen?

Sunday, September 21st, 2008 von Meredith
Dieser Text ist Teil 3 von 7 der Serie Meine Meinung

Immer wieder einen Grunzer wert sind ja die feinen Freiheitskämpfer von der Männerrechte-Fraktion. Das sind ungefähr drei Typen in der Bundesrepublik, die sich bei jeder feministischen Diskussion im Internet und, äh, in Berlin, zu Wort melden, um für die Gleichberechtigung der Männer in dieser ach-so-matriarchalischen Gesellschaft einzutreten. Sie finden, Frauen sollten erst mal zum Wehrdienst herangezogen werden, bevor sie hier Lohn-Gleichberechtigung verlangen. Bei Abtreibungsdebatten beklagen sie gern das seelische Trauma des Erzeugers, der, ohmeingott, KEIN MITSPRACHERECHT hat. Sie finden, Jungs werden in der Schule sy-ste-ma-tisch von fiesen Frauenlehrerinnen benachteiligt, überhaupt trippele die (selbstredend schlimm-schlimme) Verweiblichung unaufhaltsam auf Killerstilettos voran. Nämlich hätten Frauen eh schon die Medien im Griff und sogar die CDU mache jetzt frauenfreundliche Politik. Und wo bleiben da die Männer und ihre Rechte? Wir Femi-Nazis, wie sie uns gerne nennen, würden die echte Bestimmung der Frau kaputt machen und den Männern das Leben schwer. Wenn sie schlecht drauf sind, nennen sie uns hässlich. Wenn sie lieb tun, reden sie von der “wahren Gleichberechtigung” und reden auf die Frauen ein, sie müssten sich für alle Geschlechter einsetzen, wenn sie es ernst meinen. Wenn man aber hinter den Schleier des Gleichheits-Gelabers guckt, muss man immer wieder feststellen, dass es hier um eine extrem reaktionäre Agenda geht, auf der, kurz gesagt, ein fundamentalistische Familienbild über alles gestellt wird.

Leserinnen und Leser, ihr kennt die auch, nicht wahr?

Die Taz ist dem Phänomen MANNdat, “Väteraufbruch” et. al. nachgegangen und hat das belegt, was eigentlich schon zu vermuten war: nämlich, dass diese Leute aus dem hinterrechtesten Eck kommen und sich insbesondere in der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit feiern. Als Diskussionspartner sind sie daher nicht wirklich ernst zu nehmen – zumal sich ihre Argumente ja meistens mit dem kleinen Zeh entkräften lassen. Andererseits zählt der Taz-Autor auch auf, in welchen Leitmedien das Thema “arme, vernachlässigte, identitätskriselnde Männlichkeit” schon alles aufgenommen wurde:

So profiliert sich Frank Schirrmacher, der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, mit Klageliedern über den Bedeutungsverlust des Mannes. Schon vor Jahren schrieb er Frauen die öffentliche Deutungshoheit zu - weil sie als Moderatorinnen den politischen Männerrunden die Stichworte liefern. Später machte er Mütter für niedrige Geburtenzahlen verantwortlich - weil sie ihre natürliche Aufgabe als “Hüterinnen der Flamme” und “natürlicher Kitt” in den Familien vernachlässigten. Spätestens mit der Zeit-Serie über “Männer in Not” und nach diversen Spiegel-Titeln über das, “Was vom Mann noch übrig ist”, kann von Medienboykott nun wirklich keine Rede sein.

Und das gibt irgendwie zu Sorge Anlass. Mir wurde neulich auf einer Party klar, wie weit diese Debatte schon vorgedrungen ist. Ein guter Freund, der sehr klug ist, wenn er auch in Frauensachen nicht gerade auf festem Fuß wandert, offenbarte mir in trunkenem Zustand, er sei ja - wie ich! - auch Feminist, also, genauer, Maskulinist. Und das schlimmste daran war, dass er den Unterschied wirklich nicht verstanden hatte (und sich das auch nach meinen Brut-seligen Erklärungsversuchen nicht änderte). Ich muss sagen, in Diskussionen höre ich – von schlauen Männern – wirklich oft das Argument, es gehe ja auch um die Männer und man müsse den Männern ja auch helfen, sich in der veränderten Welt zurechtzufinden. Dazu sage ich mittlerweile nur noch: Entschuldigung, aber die Männer müssen das schon vor allem selbst machen. Nicht, dass ich euch nicht anfeuern würde dabei. Aber der Feminismus hat schon mit den Frauen alle Hände voll zu tun – der kann und will sich nicht auch noch um die schlimmen Sorgen der armen Männis kümmern. Problem ist nur: Was tun, wenn manche Männer sich wirklich einreden, sie seien jetzt die Benachteiligten? Haben wir jetzt dann bald den “Opfer-Maskulinismus” an der Backe? Und was machen wir dann? Reden? Händchen halten? Hey, coole Jungs – was sagt ihr dazu? What shall we do with the “Mann in der Krise”? Gibt’s den wirklich? Und wenn ja, wie sieht er aus? (Nicht nur äußerlich, versteht sich. Der Mann von heute hat ja, wie wir wissen, jetzt auch schon mit ähnlichen ästhetischen Ansprüchen zu kämpfen wie die Frau. Der Arme, das wollen wir ja nicht auch noch befeuern.)

Dank an Leser Felix für den Hinweis.

“Abstinence only” → schwanger mit 17

Friday, September 12th, 2008 von Susanne

Die Süddeutsche Zeitung liefert heute noch mal ein paar Zahlen und Fakten zu amerikanischen Familien- und Teenagerdramen à la Palin:

“Abstinence only”, absolute Enthaltsamkeit, dazu sollen die Schulen anhalten. Wie der eigene Körper funktioniert, wie er sich in der Pubertät verändert, wie Jugendliche sicheren Geschlechtsverkehr haben können - all das lernen die meisten amerikanischen Teenager nicht im Unterricht.

Die Abstinenz-Kampagne beruht auf einem Bundesgesetz von 1996 und wird von der amerikanischen Regierung kräftig finanziert: In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich die moralische Erziehung ihrer Jugend über eine Milliarde Dollar kosten lassen. Bundesstaaten, die Schülern ein anderes Bild von Sexualität vermitteln möchten, bekommen keinen Cent. Im Jahr 2007 lehnten nur sieben der 50 Bundesstaaten die Fördermittel ab und gestalten die Lehrpläne nach eigenen Vorstellungen.

(…)

Bristols Schwangerschaft offenbart das Problem, das mit dem Versuch der Erziehung zur Keuschheit einhergeht: Die USA sind trotz - oder wegen - ihrer Prüderie die westliche Industrienation mit den meisten Teenagerschwangerschaften. Im Jahr 2006 kamen hier laut offizieller Statistik auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 41,9 Geburten, mehr als 80 Prozent dieser Schwangerschaften waren ungeplant. In Deutschland waren es nur 10,7 Geburten, in Kanada 13,4.

(…)

Diese Daten legen den Schluss nahe, dass “abstinence only” völlig an der Realität vorbeigeht. Amerikanische Jugendliche haben also Sex - aber offenbar keine Ahnung, wie er eigentlich funktioniert.

Im amerikanischen Sexualkundeunterricht werde statt mit Aufklärung mit Angstmache gearbeitet. Dabei sinke die Zahl der Teenagerschwangerschaften und Infektionen, je umfassender und offener der Unterricht ist, sagt  der Sozialpädagoge Sebastian Kempf, der in München für Pro Familia arbeitet und in den USA bei Planned Parenthood tätig war.

(Foto geliehen von Iain)

“Die Öffentlichkeit traut dem Denken der Frauen nicht”

Friday, September 5th, 2008 von Susanne

In der aktuellen Ausgabe der Zeit stellt sich die Literaturkritikern Susanne Meyer in einem sehr lesenswerten Essay eine interessante Frage: Warum gibt es in Deutschland keine weiblichen intellektuellen Ikonen wie es Susan Sontag für Amerika war - oder auch die Publizistin Joan Didion?

Bei der Lektüre des Essays wird klar: Es gibt eine ganze Menge Gründe dafür. Gründe, die sich gegenseitig bedingen und reproduzieren:

Ein deutsches Phänomen, findet die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun, die in Italien aufwuchs, in Frankreich und Amerika gelehrt hat und zum Wintersemester an der Humboldt-Universität zu Berlin als Graduiertenkolleg »Geschlecht als Wissenskategorie« anbietet. Fragt man Braun, warum sich in Deutschland Frauen immer wieder zurücknähmen, sagt sie, das Problem sei eine Abwehr des Mutterbildes, und zwar weniger das der Nazis als das des Weiblichkeitsideals der fünfziger Jahre.

Sie beschreibt es die Hausfrau, die Gattin, die aufopferungsvolle Weiblichkeit. Die gewählte Abstinenz von einer öffentlichen Rolle. Der dezidierte Nichtintellektualismus, der in dieser Rolle liegt. Die Rolle der intellektuellen Frau ist nicht deutlich vorgezeichnet. »Ich bitte Sie, wenn bei uns eine Alice Schwarzer als große Emanzipationsfigur gilt«, sagt Braun. »Alice Schwarzer!«, sagt Bovenschen. Und erinnert sich, wie die Debatte um den Paragrafen 218 in alle Diskussionen »hineingegrätscht« sei, alle anderen Themen aus dem Feld geschlagen habe. Das hielt die Mädchen beschäftigt. Frauen verpassten es, sich in jene Zeitdebatten einzumischen, in denen Didion und Sontag prominente Rollen spielten. In differenzierten Essays, nicht als Stichwortgeberinnen in Talkshows.

(…)

Bei uns, sagt Braun, traue die Öffentlichkeit dem Denken der Frauen nicht. Mehr noch trauten sich Frauen etwas zu, werde das nicht gerne gesehen. So ist es: Frauen, die eine starke Meinung haben, werden vor allen Dingen als Frauen gesehen. Man schaut auf ihre Frisur, die Schuhe, siehe oben.

»Schriftsteller sollten uns mit dem, was sie tun, frei machen, lockern, aufrütteln. Sie sollten dem Mitgefühl und neuen Interessen neue Wege bahnen«, sagte Susan Sontag, als sie im Mai 2001 den Jerusalem-Preis entgegennahm, in einer Rede, die auch der neue Band enthält, und definiert für sich eine grandiose Rolle, ohne Bescheidenheit. (…) Es fällt schwer, sich in der deutschen Landschaft eine Frau zu denken, die sich so zu produzieren wagte.

(…)

So liest man also mit ein wenig Neid die Essays von Didion und Sontag, eine Gattung übrigens, die dem deutschen Geist natürlich zuwiderläuft. Der Essay sei bei uns ja eine Kümmerform, sagt Bovenschen, der erst vor zwei Jahren gelang, mit aphoristischen Betrachtungen, Älter werden, einen Publikumserfolg zu erringen. »Sontag und Didion schreiben journalistisch!«, sagt Braun, »und das ist bei uns ein Totschlagargument unseriös!«

Liebe Ladys, wie sind eure Zukunftspläne? Kommen darin auch laute Auftritte und klare Ansagen in der Öffentlichkeit drin vor? Oder wäre das tatsächlich un-vor-stell-bar?

Gute Frage

Tuesday, September 2nd, 2008 von Susanne

Ist das Zeitalter der Frauen angebrochen? Also jetzt wirklich? Diesmal ganz in Echt? Na gut, wenigstens an den Hochschulen?

Die Politologin Annette Zimmer sag: Ja.

P.S.:
Hat eigentlich mal jemand mitgezählt, wie oft in den letzten 100 Jahren schon das Zeitalter der Frauen ausgerufen wurde?

Die neuen Heldinnen

Friday, August 15th, 2008 von Susanne

Laut wissen.de sind das die da auf den Bildern:

Oben von links nach rechts:
Antonia Rados, Anke Engelke, Heather Nova, Ingrid Betancourt, Judith Holofernes

Unten von links nach rechts:
Juli Zeh, Julia Jentsch, Sophia Loren, Cornelia Funke, Alanis Morisette

Einverstanden? Oder nicht? Wer fehlt? Und warum ist die super?

(Bild von wissen.de geliehen)

Winehouse pfeift uns eins

Wednesday, August 13th, 2008 von Meredith

Amy Winehouse, die nach wie vor größte und wildeste aller Kerletten, hat wieder einmal gezeigt, wer hier die dicksten Cojones hat. Die Sängerin hätte ja ursprünglich den Titelsong zum neuen Bond “Quantum of Solace” gemeinsam mit Mark Ronson einspielen sollen. Wegen ihres, tja, ähm, unzuverlässigen, trinksüchtigen, aggressiven, willkürlichen Verhaltens wurde sie aber von den Produzenten wieder entlassen. Geplant ist stattdessen ein Duett von Alicia Keys und Jack White.

Jetzt hat Amy in einem Interview die Welt darauf aufmerksam gemacht, was sie verpasst.

“I guess they are going for clean-cut and boring,” she sneered to New magazine. “[They] made a big mistake. If they want a worldwide hit, I have them all up here [pointing to her head].”

Was für eine Vorstellung, wie die kleine, dünne Amy lungert, raunzt und machomäßig auf ihren Haarturm zeigt. Stellt sich allerdings (bei all meiner offenkundigen Zuneigung zu Ms. W.) doch die Frage - wird sie jetzt von allen anderen unterschätzt, oder ist sie einer groß angelegten Selbstverarschung aufgesessen?

Zwei Diskussionen, ein Dilemma

Monday, August 11th, 2008 von Katrin

Am Freitagabend fanden gleich zwei Diskussionen zum Thema Frauen in der Musikbranche statt. Wenngleich die ursprünglichen Intentionen, die hinter der Organisation dieser Runden standen, verschiedene waren, so brachten sie doch ein und das selbe Dilemma ans Licht: Frauen haben es in der Hiphop- und Techno-Szene schwer. Aber von vorn:

Ich selbst war Freitag Gast bei der Diskussion “Feminism – government’s mission? Economic factor? Insurrection?” bei “Femmes ‘R’ US”. Eingladen waren vor allem Queer Theory-Wissenschaftlerinnen aus der ganzen Welt, daneben gab es eine kleine Performance des Berliner Künstlers Tim Stüttgen aka Timi Mei Monigatti. Die Hauptfrage, um welche die Redebeiträge kreisten, war, inwiefern der heutige Feminismus mit der Vielschichtigkeit der Geschlechterfrage zurechtkommt, sie genügend behandelt und vertritt, wie sehr auch Rasse und Klasse sich mit in die vielen Diskriminierungs-Mechanismen einmischen und ob der Feminismus auch queere Lebensformen, also jenseits einer einfacher Mann-Frau-Dichotomie, vertreten kann.

Angesichts dieser wirklich schwierigen Fragestellung schien es den verschiedenen Rednerinnen schwer zu fallen, auf eine gemeinsame Diskussionsschiene zu kommen. Viele Nebenschauplätze wurden eröffnet. Rosa Reitsamer aus Wien zum Beispiel berichtete von einer Studie, in der sie die Lage und die Vernetzung weiblicher DJs analysiert hatte. Unter den 10 weltweit bestbezahlten DJs ist bis heute keine Frau. Frauen haben es nach wie vor in der Szene schwer und das, so die Rednerin, unabhängig von ihrem Können, sondern vor allem aufgrund ihres Geschlechts und fehlender Netzwerke für dieses. Die Netzwerke, die es gäbe, seien zudem meistens ehrenamtlich strukturiert und orientierten sich an nichtkommerzieller Vermarktung, was ja ein großmütiges Vorhaben ist, aber leider nicht gewinnbringend. Vom Auflegen zu leben ist daher für Frauen immens schwerer, als für Männer.

Tiina Rosenberg aus Schweden knüpfte an diesem Bericht an und forderte, der Staat (die Staaten) müssten diese nichtkommerzielle Musik viel mehr finanzieren. Für sie sei die Rolle des Staates absolut klar. Das gelte nicht nur für Frauen, sondern und vor allem auch für queere KünstlerInnen. An dieser Behauptung, der Staat müsse klar zahlen, tat sich dann ein Streitpunkt auf, denn in manchen Staaten ist es bislang überhaupt nicht üblich, Kunst öffentlich zu finanzieren, in anderen wird diese öffentliche Finanzierung nur zurückgefahren und bezieht sich zu 80 Prozent auf klassische Musik. Woher sollen die Staaten das Geld nehmen? Gibt es nichts wichtigeres, als feministische und queere Kunst zu finanzieren? Müssen die Frauen nicht vielmehr in die ökonomische Zitrone beißen und sich ebensolche kommerziellen Netzwerke erarbeiten, wie die Männer? Und wenn ja: Wie sollen sie das schaffen, wenn in der Szene doch eine passive Diskriminierung vorhanden ist?

Hier schließt sich wieder der Zirkel zur Diskussion in der Alten Feuerwache in Kreuzberg (Bericht bei Spiegel.de), an der Alice Schwarzer teilnahm und mit zwei weiblichen MCs, MC Pyranja alias Anja Käckenmeister und MC Sookee, über das Frauenbild im Hiphop diskutierte. Natürlich ging es vor allem um Sido und Bushido in Deutschland und die kaum bekleideten Popo-Wacklerinnen, die in US-Hiphop-Videos als Deko für böse guckende Rapper fungieren und “ihre eigene Erniedrigung” feiern, wie Schwarzer es ausdrückte. Die deutschen Frauen im Hiphop versuchen, gegen solche Frauenbilder zu rappen und damit zu protestieren.

“Ist das echt, was ihr wollt, eine kaputte Nutte? Ist es das, was ihr wollt, eine Eva-Herman-Show?”, rappt Jeenez, die 2004 die erste Frauen-Rap-Crew in Deutschland gründete. (Spiegel)

Natürlich kamen Schwarzer und die beiden MCs nicht so ganz auf einen Nenner. Zwar schien die Ikone des Feminismus sehr positiv gegenüber ihren Mitdiskutantinnen eingestellt, so lässt zumindest der Spiegel-Artikel vermuten, doch ein wenig muss sie doch wieder in die Rolle der Belehrenden und der “das wissen wir doch schon lange”-Argumentation geraten sein. Laut Spiegel-Artikel endeten dann die beiden Positionen - traditionaler Feminismus vs. “Geschwisterlichkeit statt Schwesternschaft” - in Argumentationssackgassen, aus denen nicht mehr viel Neues und Innovatives zu erwarten war.

Interessant ist für mich vor allem der Rundumschlag zur Diskussion bei Femmes ‘R’ Us: Sowohl die Hiphop-Frauen, als auch die weiblichen DJs haben es schwer, sich gegen die männlichen Kollegen zu behaupten, mit ihnen gleich zu ziehen. Der Spiegel resümiert die Lage der Rapperinnen:

(…) exotisch, von den Medien in die “Frauen”-Schublade verfrachtet, von Rappern und ihren Fans argwöhnisch beäugt.

Und Alice Schwarzer ergänzt:

“Eine der härtesten Männerbranchen, ihr habt mehr Gegenwind als wir damals.”

Wo sind die Lösungsansätze für dieses Problem? Ein einfaches: Der Staat muss sie bezahlen, muss sie fördern? Wie kann die “Geschwisterlichkeit statt Schwesternschaft”, die MC Sookee fordert, erreicht werden? Muss die Frauen-Schublade überwunden werden, damit Frauen eine gleichwertige Chance auf dem Markt und in den Clubs bekommen? Fragen über Fragen. Leider konnte keine der beiden Runden so richtig gute Antworten darauf, zumindest aber viele Denkanstöße geben.