Archiv für ‘Laberparty’

Wetlands

Thursday, July 3rd, 2008 von Susanne

Unsere Leserin Sarah hat uns eine Presseschau (PDF-Download, 320 KB) zusammengestellt, und zwar wie Charlotte Roches Roman “Feuchtgebiete” in den USA besprochen und eingeordnet wird. Es ist nicht nur beeindruckend, wie heftig die US-amerikanischen Medien auf das Thema anspringen, sondern auch spannend zu lesen, wie die aufgeregte deutsche Debatte mit ein paar Kilometern Abstand wirkt und welche Gedanken sich die Autorinnen und Autoren auf der anderen Seite des Ozeans über den erstaunlichen Erfolg des Buches machen.

Vielen Dank an Sarah für die Mühe!

Frauenkongress in Berlin

Saturday, June 28th, 2008 von Susanne

Die Grünen laden am 4. und 5. Juli zum Frauenkongress “Frauen nach vorn! Feminismus für die neue Zeit” ein. Es wird eine Ausstellung zu 90 Jahren Frauenwahlrecht geben, ein Gespräch mit Jutta Allmendinger über die Anforderungen an die Politik, Workshops zu verschiedenen Themen.

Die erste große Veranstaltung am Freitag ist um 18:15 Uhr ein Generationengespräch, “Feminismus gestern - heute - morgen”. Gemeinsam mit Jenna Kowalski von der Grünen Jugend, der Arbeitsmarktexpertin Ursula Engelen-Kefer und Barbara Rütting, Alterspräsidentin des Bayerischen Landtags und Autorin, werde ich über die Bedeutung des Feminismus für die eigene Biografie und die aktuelle Debatte zum “neuen” und “alten” Feminismus diskutieren: Was trennt und was verbindet beide, was wird derzeitig gebraucht und wie kreieren wir eine neue Dynamik?

Wer sich anmelden möchte, kann das bis Montag, den 30. Juni, tun - ganz einfach online. Die Teilnahme kostet 10 Euro bzw. ermäßigt 5 Euro.

Die Emma-Besetzungscouch

Tuesday, June 24th, 2008 von Susanne

Das Deutschlandradio Kultur fragt seit einigen Wochen verschiedene Frauen, wer die Emma-Nachfolge von Alice Schwarzer antreten und wie es mit dem Feminismus weitergehen soll. Bereits im Interview waren schon Bascha Mika von der Tageszeitung und Tissy Bruns vom Tagesspiegel und haben Vorschläge gemacht, welche Kandidatin oder welcher Kandidat auf die Emma-Besetzungscouch gehören.

Heute ab 14:07 Uhr geb auch ich in der Sendung “Radiofeuilleton” meinen Senf zum Thema dazu und in den nächsten Wochen werden noch viele weitere Kommentare folgen, unter anderem auch von Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray. Auf die Gespräche, ebenfalls zum Nachhören als mp3, werden wir dann an dieser Stelle hinweisen.

Nachtrag 1. Juli:
Auch die Statements von Journalistin und Autorin Ingrid Kolb und von Rapperin Lady Bitch Ray kann man jetzt online anhören. Interessante Info bei Lady Bitch Ray: Sie und Alice Schwarzer sind lose zu einem Gespräch verabredet, Alice Schwarzer will auf einer Hiphop-Veranstaltung diskutieren, Lady Bitch Ray lieber bei Beckmann oder Kerner.

Hey, Bock auf einen Blog, der nicht nur banal, sondern auch misogyn ist?

Friday, May 30th, 2008 von Meredith

Na, dann lasst euch nicht davon abhalten, zu flirtblogger.com zu surfen. Hier schreiben “René” und “Nicole” über “Flirten, Dating und mehr”. Und eine sogenannte Flirt-Community finden wir hier auch, in der sich vorwiegende weibliche Online-Personen mit kleinen Scherzen und romantischen Vorstellungen präsentieren. Was an sich ja total legitim und für den Fortgang der Menschheit auch wichtig ist.

Schade nur, dass sowohl Nicole als auch René nullkommanull Respekt vor dem Hauptobjekt der Begierde, nämlich der verfügbaren Frau, haben. Der aktuellste kleine Essay von René behandelt das Thema: Was tu ich, wenn mein “Date” den Roman Feuchtgebiete von Charlotte Roche gut findet? René, gentlemanesk wie er sein muss, rät: Aufstehen und gehen. Weil das nämlich eklig ist.

Klar, ist voll eklig, wenn sich Frauen Gedanken über Körperzwänge machen, ihh, bääh. Gelesen hat René das Buch zwar nach eigenen Angaben nicht, aber er findet es “voll abtörnend”, wenn Mädchen Charlotte Roche nacheifern. Weil die stinken dann alle. Nämlich hat eine Frau in erster Linie die Aufgabe haarlos und wohlriechend zu sein - erst wenn sie diese Kriterien erfüllt hat, soll sie auch Bücher lesen und sich aus ihnen eine Meinung bilden. (Das ist natürlich nur die Interpretation eurer geneigten Autorin.)

Aber gut. René bezeichnet Frauen ja auch als “süße Mäuse” und fände es gut, wenn er weiblichen Bekanntschaften die Nippel messen dürfte, ohne, dass die gleich deswegen “Zickenterror machen”. Insofern ist sein Blog vielleicht auch einfach nur ein Versuch, seine unendliche Einsamkeit zu bekämpfen.

(Danke an maYa für den Link!)

Joghurt unser, der du uns regulierest

Friday, May 16th, 2008 von Meredith

Preisfrage: Wer von euch kennt einen Mann, der regelmäßig Milchprodukte konsumiert?

Es ist schon so: Wenn es ein Produkt gibt, das offenbar ausschließlich für Frauen hergestellt wird und nichts mit primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen zu tun hat, dann ist das:

DER JOGHURT!

Wenn man fernsieht und bei der Werbung nicht wegzappt, könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass Joghurt nur für Frauen hergestellt und auch ausschließlich von ihnen konsumiert wird.

Vor allem das Danone-Produkt “Activia” hat im letzten Jahr einen Siegeszug durch den weiblichen Verdauungstrakt angetreten. Ihr wisst schon: Einmal mit einer kreisförmigen Begwegung das Wämpli gestreichelt und alle im Chor: Hilft, die Verdauung auf natürliche Weise zu regulieren.

In Joghurtwerbungen kommen nur Frauen vor, meistens sind sie über dreißig, machen irgendwie Diät und klagen über ihre Verdauungsprobleme. Laut Werbung (und den Einkaufswägen der Frauen vor mir an der Kasse) sind wir das Quark-Sahne-Joghurt-Geschlecht. Und da komme ich zu Preisfrage Nummero 2:

Seit wann haben Männer eine bessere Verdauung als Frauen?? Mir persönlich ist ja noch nie eine Lady begegnet, die mit den Boys in Sachen Stundenlang-aufm-Klositzen-und-die-unausgewogene-Ernährung-rausdrücken mithalten konnte.

Dazu ein höchstamüsantes Video von unseren immer wieder witzigen Freunden auf der anderen Seite des Atlantiks, das sich leider nicht einbauen ließ. Aber wirklich: Anschauen, liebe Leserinnen und Leser!

(Bild über fotos.g2ar.net)

Hässliches Kleid - ab mit dir ins Gefängnis!

Thursday, May 15th, 2008 von Meredith

Das fast riesigste Ding in den USA - neben Wahlkampf, Waffen und Geschlechtskrankheiten - ist die Prom, das große Schuljahresabschlussfest, dass die Oberstufen der amerikanischen High Schools traditionell ausrichten. Wir Mitteleuropäer kennen die Extravaganza aus High School-Filmen, wo es oft darum geht, dass irgendwelche hässlichen Entleins von tollen Quarterbacks eingeladen werden und dann die Königinnen des Abends werden und ihre Jungsfäulichkeit unter dem Buffet verlieren o.Ä.

Das wichtigste an der Prom ist das Kleid. Es wird mindestens ein Jahr im Voraus geplant (gemeinsam mit dem Date, der Limousine und dem Gesteck und der Mani/Pedi) und kostet normalerweise ein Vermögen, weil es aus viel Stoff und einem raffinierten Schnitt bestehen muss. Für Amerikanerinnen ist dieses Kleid so essenziell, dass zum Beispiel ich, die ich ja nie in den USA gelebt habe, mit 16 ebenfalls mein Prom Kleid plante, in der vollkommen abwegigen Hoffnung, dass sich mir irgendwie eine Gelegenheit bieten würde, es zu tragen.

Die Schülerin Marche Taylor wurde letzte Woche vor ihrer Prom verhaftet, weil sie ein falsches Kleid anhatte. Es bestand weder aus viel Stoff und der Schnitt, naja, war eher reduziert als raffiniert. Seht selbst:

Der Türsteher wollte Marche damit nicht einlassen wg. zuviel SEXY und als sie Stress machte, rief er die Polizei und das Mädchen wurde in Handschellen auf die Station gebracht. Ich meine, bloß weil jemand ein hässliches Kleid anhat, wird sie in-haf-tiert. Ach ja, das Land der unbegrenzten Freiheit.

Aber mal ernsthaft: Es kann ja wohl nicht angehen, dass man überall und ständig halbnackte Frauenkörper sieht, die für Produktwerbungen eingesetzt werden und post-pubertären Mädchen dann der Eintritt auf ihr eigenes Abschlussfest verwehrt bleibt - bloß, weil sie nicht gecheckt haben, dass das, was scheinbar alle anderen Frauen tun, nämlich sich entblößen und SEXY sein, sie nicht sollen. Oder wie?

“Dumm gelaufen”

Saturday, May 10th, 2008 von Susanne

Chris vom Missy Magazine kommentiert die Debatte der vergangenen Woche, die in der Öffentlichkeit viel zu oft als Konflikt zwischen Alt- und Jungfeministinnen wahrgenommen werde. Sie schreibt, wir sollten alle unbedingt aus den Fehlern der amerikanischen Feministinnen lernen und mit gegenseitigen Vorwürfen unter den Feministinnen besser gar nicht erst anfangen. Denn was zählt, ist: die Sache, um die es uns allen geht.

Hurra, die Chefs finden Elternzeit super!

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne

Mensch, momentan jagen sich die guten Nachrichten aus der Wirtschaft ja beinahe täglich. Gerade noch sagte uns eine Untersuchung der Deutschen Bank die rosigste aller rosigen Zukünfte voraus, jetzt legt Familienministerin Ursula von der Leyen nach und verkündet:

“Elterngeld in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft voll akzeptiert” - Allensbach-Umfrage belegt große Unterstützung der Personalverantwortlichen für Männer, die Vätermonate und Elternzeit nehmen

Die Kurzzusammenfassung liest sich dann so:

  • Mehr als 80 Prozent der Personalverantwortlichen halten das Elterngeld für eine gute Sache - vor seiner Einführung im Jahr 2006 waren es 61 Prozent.
  • 61 Prozent befürworten die Unterbrechung der Berufstätigkeit durch Väter - gegenüber 48 Prozent vor zwei Jahren. 65 Prozent bewerten die Verringerung der Arbeitszeit durch Väter positiv - gegenüber 59 Prozent vor zwei Jahren.
  • 71 Prozent sind davon überzeugt, dass sie eine Mitverantwortung haben, ihren Beschäftigten die Entscheidung für Kinder zu erleichtern.
  • In rund 40 Prozent der Betriebe, in denen Mitarbeiter nach Einführung des Elterngeldes Vater geworden sind, haben Väter ihre Berufstätigkeit unterbrochen. 37 Prozent der Unternehmensverantwortlichen erwarten, dass in Zukunft mehr Männer Elternzeit beanspruchen.

Sowas nannte der Soziologe Ulrich Beck mal sehr schön “verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre”.

Und noch eine Antwort

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne

Heute antwortet die Journalistin Barbara Gärtner auf die Beiträge von Jana Hensel/Elisabeth Raether vorgestern und uns gestern. Ihr Hauptkritikpunkt: Feminismus würde zum Lifestyle-Aspekt verkommen, der nur noch Karriere-Coaching als Ziel hat.

Es freut mich wirklich, dass das Thema Feminismus wieder da. Was mich an dieser Antwort allerdings verärgert: Die Autorin blendet aus, dass es vielen jungen Frauen eben nicht mehr nur um das vordergründigste Problem “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” geht. Schade, dass für einen Debattenbeitrag absichtlich Themen ignoriert werden, die auch heute noch relevant sind, aber nicht in die These der Autorin zu passen scheinen: Abtreibung, Gewalt gegen Frauen, Frauenleben in aller Welt, Machtverhältnisse usw. Das nimmt dem Ganzen so leicht das Konstruktive.

P.S.: Für mich mittlerweile interessantester Halbsatz in den negativen Kritiken zu unserem Buch: “… ihr eigentlich fundiertes Buch …” Erinnert mich an: “Ich bin ja keine Feministin, aber …”

Le Rausch, c’est nur für Jungs

Saturday, May 3rd, 2008 von Meredith

In Großbritannien ist die Rate des Alkoholexzesses unter Frauen in den letzten fünf Jahren drastisch angestiegen. Die britische Polizei hat 50 Prozent mehr hackedichte Ladys verhaftet als Anfang des Jahrzehnts. Deswegen forden Politiker dort eine Verschärfung der Gesetze zum Alkohol: Ab einer bestimmten Uhrzeit und Prozenthaltigkeit sollen Schnäpse nicht mehr ausgeschenkt werden. Interessanterweise wird als Argument dafür aber eben nur der weibliche Konsum angeführt.

The chief executive of Alcohol Concern, Don Shenker, said: “There’s no doubt that the number of women binge-drinking has gone up - they are following the example of young men. The trouble is that women’s bodies cannot handle these large amounts of alcohol.”

Es ist doch immer wieder interessant zu beobachten, wie Verhalten, das für Männer scheinbar ganz normal und akzeptabel ist, automatisch den Erziehungsreflex hervorruft, wenn es von Frauen an den Tag gelegt wird.