Archiv für ‘Körperkult’

“Was soll das?”

Friday, January 2nd, 2009 von Susanne

Heute im Magazin der Süddeutschen Zeitung: Ein kleines, aber feines Gespräch mit der großartigen Kate Winslet. Appetithäppchen gefällig?

Frau Winslet, Sie sorgen immer wieder für Diskussionen, weil Sie sich dagegen aussprechen, dass Fotos von Ihnen nachträglich am Computer bearbeitet werden. Wären Sie so nett und fassen noch mal zusammen, was genau eigentlich das Problem ist?
Kate Winslet:
In einfachen Worten – Schauspielerinnen sind nicht perfekt. Sie sind ganz normale Menschen. In Filmen versuche ich, genau das zu spielen, normale Frauen mit Falten, mit Rundungen. Also verstehe ich nicht, warum irgendwelche Grafiker in Zeitschriftenredaktionen nachträglich noch an Fotos von mir rumretuschieren müssen – das stellt doch letztlich meine Arbeit in Frage.

Es gab da diesen viel diskutierten Fall.
…in England, genau. Da hatten sie bei einer Zeitschrift auf den Fotos meine Beine verlängert, mein Dekolleté verändert. Was soll das?

(…)

Simone de Beauvoir hat mal geschrieben: »Frauen sind nur deshalb als Hexen verbrannt worden, weil sie schön waren.« Kann Schönheit auch Angst machen?
Da ist was dran, ja. Mit der Inszenierung von starker Schönheit – oder starker Weiblichkeit – hat die Gesellschaft immer wieder ihre Probleme. Nehmen Sie Marilyn Monroe…

Das ganze Interview kann man hier lesen.

(Foto von gdcgraphics/Flickr)

mostra le tette

Wednesday, December 17th, 2008 von Verena
Dieser Text ist Teil 3 von 4 der Serie Wilde Mädchen

Reden wir doch mal über Brüste. Überall lauern einem diese Dinger auf – in der Werbung, im Fernsehen und erst recht im Internet. Brüste zeigen sich dort zunehmend unverhüllt, kosmetisch überarbeitet und zu Gelegenheiten, bei denen wir diese Zuschaustellung nicht wirklich nachvollziehen können.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Erst letzte Woche musste ich mir eine erblondete Mona Lisa mit prallem Silikon-Dekolletee antun. Eine Bildmontage, klar. Aber vielleicht käme ein moderner Leonardo da Vinci gar nicht mehr auf die Idee, nach einem geheimnisvollen Lächeln Ausschau zu halten, wenn es ein „mostra le tette“ auch täte.

Oder wie Hugh Hefner sagen würde: „Show your tits“. Für eine der kommenden Ausgaben sucht der Playboy weibliche Bankangestellte und Brokerinnen. Busencasting unter dem Motto „Women of Wallstreet“. In der aktuellen Finanzkrise scheinen Nippel die bessere Wertanlage zu sein. Jedenfalls bekommt der Aktienschlachtruf „Verkaufen“ hier noch mal eine ganz neue Bedeutung. Dabei habe ich gar nichts gegen den Playboy – ehrlich nicht!

Ich frage mich nur, wann wir mal unsere Brüste zeigen können, ohne darauf reduziert zu werden. Oder ist jedes Blankziehen wie ein Miss-Wet-Shirt Wettbewerb, in dem das Hirn mit dem Eimer Wasser ausgekippt wird? Abgesehen von den notwendigen S-Situationen - Strip, Sex, Strand – wann führen nackte Brüste nicht ins sexistische Krisengebiet?

Bei Ann Liv Young zum Beispiel. Die amerikanische Choreografin stampft, tanzt und hüpft sich durch ihre Karaoke-Perfomances. Oft komplett nackt. Dabei findet sie es schön, „nackte Frauen tanzen zu sehen, man sieht wie sich ihre Körper bewegen, wie ihre Brüste wackeln und die Fettpolster schwabbeln.“ Und bei arte, wo es letzte Woche einen Beitrag über Young zu sehen gab heißt es:

Mit ihren krassen Shows ist Ann-Liv Young inzwischen eine der bekanntesten Performance-Künstlerinnen weltweit, und das mit 27 Jahren. Weil sie typisch weibliche Themen aggressiv und schamlos umsetzt, gilt sie als Bühnen-Riot-Girl. […] Mit ihrer Haudrauf-Performance geht es Ann-Liv Young um ein persönliches, künstlerisches Statement zum Feminismus.

Wow, wippende Nippel und niemand im Publikum, der es als weibliche Anbiederung sieht. Ähnliches passiert, wenn das weibliche HipHopDuo “Yo Majesty” die Bühnen entert. Jwl. B zerrt sich nämlich mit Vorliebe das T-Shirt vom voluminösen Körper. Ein bei männlichen Rappern standardisiertes Verhalten - so what?!

Denn dann geht es plötzlich auch um Freiheit. Die Freiheit, seine Weiblichkeit zu zeigen, ohne in die Lüsternmachmasche zu stolpern. Sie sind nun mal da unsere Brüste und statt sie immer nur zu ihrem Nachteil als sexy Aushängesymbol für Duschcreme, Fernreisen oder Schinkensemmeln zu missbrauchen, wäre ihre Anerkennung als  neutraler Bestandteil intelligenter Frauen für alle Beteiligten von Vorteil. Aus dem „Show your tits“ wird ein dominantes „Look at my tits“ als Verweigerung des männlichen Machtzugriffs und als stolzes Statement der eigenen Weiblichkeit.

Sehen kann ich selber

Friday, December 12th, 2008 von Werner
Dieser Text ist Teil 5 von 5 der Serie Neues vom Quotenmann

Als ich vor einigen Tagen auf Spiegel Online einen Artikel über den neuen Spitzenkandidaten der SPD in Hessen gelesen habe, wurde ich doch etwas stutzig. Jochen Bölsche behauptete darin: „… nie zuvor ist ein bundesdeutscher Politiker wegen Namen und Aussehen derart mit Hohn, Hass und Häme überschüttet worden wie der neue Spitzenmann der SPD in Hessen.“ Ist das wirklich noch nie zuvor so passiert? Meinte hier der Autor mit Politiker nur männliche? Oder ist es ihm nicht aufgefallen, wie oft über Politikerinnen in der Presse diskutiert oder gelästert wird?

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Gut, die Sache mit dem Namen ist relativ neu. Aber auch da durfte schon Ypsilanti die Vorreiterin spielen. Was aber das Aussehen betrifft, war dies bei Frauen schon immer so. Und da geht es nun nicht nur um die großen Aufreger, wie Angela Merkels Frisur, Claudia Roths Kleidern oder Silvana Koch-Mehrins Figur – nein, es geht auch darum, dass bei vielen Artikeln über Politikerinnen nur zu gerne ein ihr Aussehen beschreibendes Adjektiv beigefügt wird.

Es ist schon komisch, dass Spiegel Online gerade dann, wenn über das Aussehen eines Mannes hergezogen wird, sich berufen fühlt, dies zu thematisieren. Waren sie sich zuvor doch nicht zu schade, beispielsweise Claudia Roth ein „eigentümliches Seehund-Klatschen“ zuzuschreiben. Prinzipiell fällt mir auch in privaten Diskussionen auf, dass das Aussehen von Politikern viel weniger thematisiert wird als das von Politikerinnen. Gut, da gab es die Debatte über die möglicherweise getönten Haare Gerhard Schröders – aber ehrlich gesagt, oft kam dies in meinen Diskussionen nicht vor. Von den vielen anderen hässlichen Politikern ist nichts zu lesen. Dazu kommt: Die Heftigkeit und Gemeinheit mit der über Frauen geschrieben wird, ist meist weit unter jedweder Gürtellinie. Ein gutes Beispiel sind die vielen Artikel über Doris Schröder-Köpf, die bei weitem verletzender waren als die über ihren Gatten.

Jetzt könnte ja angenommen werden, dass mit der Hetze auf Thorsten Schäfer-Gümbel endlich Gerechtigkeit einkehrt. Aber erstens ist das nicht der Fall und zweitens geht es in die falsche Richtung. Schäfer-Gümbel ist einer unter wenigen, dem das passiert ist. Sein Gegenkandidat Roland Koch ist auch nicht gerade die Schönheit in Person (aus meiner Sicht natürlich), aber keiner thematisiert es. Wenn Ursula von der Leyen sich die Haare schneiden lässt, erregt das hingegen mehr Aufsehen als ihre neue Gesetzesinitiative. Was absurd ist. Ich will nicht lesen, welche Haarfarbe Claudia Roth hat, das sehe ich selbst! Ich will auch nicht wissen, ob irgendein Autor Silvana Koch-Mehrin attraktiv findet, das bringt mir ja nichts! Ich möchte wissen, was sie politisch fordern, was sie verändern wollen und welche Auswirkungen das möglicherweise auf mein Leben hat.

Bei einer Politikerin sollte das Aussehen keine Rolle spielen –bei einem Politiker übrigens auch nicht. Artikel und Diskussionen darüber rauben mir nur meine Zeit – und das ist doof! Ich bin ein politischer Mensch und möchte über politische Dinge auch politische Diskurse führen. Und eine Haarfarbe ist definitiv nicht politisch.

Gute Frage

Friday, November 21st, 2008 von Susanne

Gibt es eine Art Grundrecht auf schönheitschirurgische Eingriffe?

Die brasilianische Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie sagt: Ja.

Und behandelte in den letzten zehn Tagen Frauen, die weniger als 250 Euro im Monat verdienen, kostenlos - sei es mit Botox-Spritzen, Laserbehandlungen zur Haar- oder Akneentfernung, Haut-Peelings oder Venenentfernungen.

WTF?

Liebe, Sex & Zärtlichkeit

Tuesday, November 11th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 14 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Heute müssen wir mal über Aufklärung sprechen. Und wenn ich persönlich über Aufklärung rede, dann komme ich um die Bravo nicht herum.
Ich komme auf dieses Thema, weil vor ein paar Tagen eine Freundin sinngemäß zu mir meinte, die Tatsache, dass die Jungs auch nicht immer Sex haben wollen (oder können) habe sie erst mühsam in ihren Beziehungen lernen müssen. Ich kann für mich sagen: Man kann der Bravo viel vorwerfen, aber das hat sie mir anders beigebracht!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Aber beginnen wir von vorne:
Aufgeklärt im Sinne von „Woher kommen denn die kleinen Kinder?“ wurde ich von meiner Mutter mit einem Aufklärungsbuch, so im Grundschulalter, wenn ich mich recht entsinne. Irgendwann um meine erste Regel herum versuchte meine Mutter dann das erweiterte Aufklärungsgespräch. Das war mir aber erstens einfach nur peinlich und zweitens erzählte sie mir nichts, was ich nicht schon wusste, denn ich war ja eifrige Bravo-Leserin.

Angefangen hatte es damit, dass mein damaliger Star immer öfter das Cover schmückte. Also durfte ich sie kaufen, wenn ein Bericht über ihn darin war. Irgendwann hatte ich sie dann regelmäßig, der Markt war zu der Zeit auch noch nicht so überfüllt mit diesen Blättchen.

Damals hatten alle meine Freundinnen die Bravo, oft lasen wir sie zusammen, kicherten über Dr. Sommer, die berühmte in der Überschrift zitierte Doppelseite, lästerten über Boybands und fanden den Fotoroman meistens selten dämlich. Und ich kann sagen: Weisheiten wie „Immer Kondom benutzen“, „Rückzieher ist keine Verhütungsmethode“, „nur weil alle Freundinnen Sex haben, ist es trotzdem okay, wenn du noch keinen hast“, „auch während der Tage muss verhütet werden“, „guten Sex muss und kann man lernen“ oder eben „auch Jungs haben mal keine Lust“ hat die Bravo mit vermittelt. Druck hat sie mir trotzdem manchmal gemacht, wenn auch viel subtiler. Wenn Stars mit der Überschrift „Ich war ein echter Spätzünder“ angekündigt wurden und im Text stand, dass derjenige tatsächlich erst mit 13 das erste mal geküsst habe, dann saß ich da, 14 und ungeküsst und ganz wohl war mir nicht dabei. Wenn angeblich 12jährige die Frage stellten, ob sie nun blasen sollten oder nicht, dann fühlte sich das auch irgendwie seltsam an.

Wenn ich heute mal eine Bravo in die Finger bekomme, dann erschrecke ich manchmal ein wenig und fühle mich dann sehr schnell irgendwie alt. Besonders verstörend finde ich eine Reihe namens „That’s me!“, eine Doppelseite, auf der einen Seite ein nackter Junge, auf der anderen ein nacktes Mädchen. Diese Serie gab es in Ansätzen schon, als ich selber noch regelmäßige Leserin war. Allerdings sahen die Teilnehmer da noch ein wenig anders aus: Weder waren Genitalpiercings an der Tagesordnung, noch kompletter „untenrum-Kahlschlag“ (hier fehlt mir leider der Fachterminus, den es bestimmt gibt). Vor allem letzteres scheint heute eine Teilnahmevoraussetzung zu sein. Ohne dass ich eine Schamhaarrasurdiskussion heraufbeschwören will, aber ich persönlich finde es verstörend, wenn (beginnenden) Teenies vermittelt wird, dass all das, was da gerade erst vorsichtig anfängt zu sprießen, sofort wieder weg muss (mal ganz abgesehen davon, dass ich diesem Trend aus anderen Gründen sehr kritisch gegenüber stehe, aber das gehört hier nun wirklich nicht her).

Andererseits: Wie oft mussten wohl meine Mutter oder die Leiterinnen im Ferienlager schlucken, wenn sie eine meiner Bravos in den Händen hielten? Zumal ich die Aufklärungsteile nach wie vor insgesamt für gut und richtig erachte.

Wahrscheinlich ist das also schon alles irgendwie okay so.

Oder?

Terminhinweis: “Tangoing Gender” - Konferenz

Thursday, November 6th, 2008 von Katrin

“Macht und Subversion im argentinischen Tango” lautet der Untertitel der Konferenz die am 10.11.2008 im Berliner ICI stattfindet. Das klingt doch nach einem spannendem Event! Worum geht es?

Über zwei Semester haben wir uns in einem selbstorganisierten Seminar mit Tango und Gender beschäftigt und begonnen diese Konferenz zu organisieren. Wir sind ganz besonders stolz auf das breite Themenfeld, welches wir mit euch diskutieren möchten.

Das angesprochene Themenfeld sieht wie folgt aus:

  • Queer-Tango (mit Performance)
  • Körper, Leiber, Bewegung und geschlechtliche Identitäten
  • Tango-Workshops
  • Podiumsdiskussion mit Queer Tango-ExpertInnen aus der ganzen Welt

Wem jetzt schon die Füße zappeln, der kann sich im Blog der VeranstalterInnen mehr Informationen suchen.

Pop-Darwinismus oder Sex mit einem Höhlenmenschen

Thursday, October 30th, 2008 von Barbara

Den Artikel “Caveman Sex: How Evolutionary Psych Pushes Sexist Stereotypes” von Martha McCaughey, Professorin für Frauenstudien und Soziologie an der Appalachian State University können sich alle sexuell Interessierte unters Kopfkissen schieben. Denn eigentlich sei Charles Darwin mitschuld am weit verbreiteten Sexismus und am billigen Schema, dass Männer auf große Brüste und schlanke Taillen stehen, glaubt man einer Form der Auslegung der Evolutionspsychologie.

The human male’s low level of parental investment required for reproduction — after all, he need only ejaculate into a fertile body to reproduce and could father hundreds of children — meant that human males evolved to be relatively sexually carefree or, less delicately, to be, by nature, wanton skirt chasers.

Höhlenmenschen-Paarungsrituale, die heute ausgestorben sind? Mitnichten, stellt McCaughey fest, die übrigens auch ein Buch zum Thema veröffentlicht hat - der “Pop-Darwinismus” sei weit verbreitet:

Picture the frat dude chugging a beer in a shirt with a picture of a caveman clad in a fur pelt holding a club and with the statement “Me Find Woman.” You can actually buy these shirts on cafepress.com.

Nebenbei sei die Cavemen-isierung der männlichen Sexualität für Männer ziemlich diskriminierend:

The caveman mystique is, after all, a contemporary male counterpart of the feminine mystique so famously described by Betty Friedan in 1963. Women had to challenge the popular idea that they found fulfillment in keeping house and rearing children. It’s time now to challenge the idea that men find true self-expression in boorish behaviors, sexual aggression, and chance sexual encounters.

Danke an Halina für den Tipp.

Pups, I did it again

Thursday, October 30th, 2008 von Susanne

Die Brigitte soll ja früher mal (leider war ich da noch nicht im Lesealter) eine hervorragende und rundum erstzunehmende Frauenzeitschrift gewesen sein. Nun, die Zeiten sind anscheinend vorbei, geht man nach einer Kolumne auf brigitte.de, die man dort seit heute lesen kann: Kolumnistin Kathie Kleff schreibt darüber, ob man als Frau pupsen darf.

Also, wir reden jetzt nicht darüber, in vollgeschmierter Jogginghose, einem Faxe-Bier in der linken und einem Stück Pizza in der rechten Hand auf dem Sofa vor dem Fernseher zu lümmeln, den Angebeteten neben sich und dann volle Karacho einen fahren zu lassen. Nein, die Autorin macht sich  e r n s t h a f t  Gedanken darüber, ihr könnte nachts ein Pupser entweichen:

Wie viele Stunden lag ich in den letzten 34 Jahren schon wach, neben einer neuen, frischen, aufregenden Liebschaft, die selig vor sich hin schnarcht, während ich mich nicht einmal traue, die Augen zu schließen?

Das geht so einige tausend Zeichen lang - Körperfunktionen sind pfui-bäh, das kann ein Mann doch nur abstoßend finden -, nur um dann mit den Worten zu enden:

Er pupste! Einfach so, unkontrolliert, laut, und immerhin geruchlos. Und ich? Ich hab gelächelt, ihn auf die Schläfe geküsst und gedacht: Dafür lieb’ ich ihn. Ich freunde mich mit dem Gedanken an, dass das auch umgekehrt der Fall sein könnte…

Ja, wieso denn nicht bitteschön? Es geht doch wohl kein Mann ernsthaft davon aus, dass Frauen keine Verdauung haben, das Bad nur zum Nasepudern benutzen und ansonsten einfach nur perfekt sind? Nichts ist überflüssiger als dieser Perfektionszwang, der von Frauen selbst wie eine Art Kult betrieben wird. Und das bei der guten alten Brigitte

Dank an Mimi für den Link.

Ist PMS nur ein soziales Konstrukt?

Wednesday, October 29th, 2008 von Katrin

Rachel von feministing erklärt, warum sie denkt, dass dem so ist. Eine sehr interessante Auseinandersetzung mit einem sehr sensiblen Thema.

Aufgrund verschiedener Tatsachen, betreffend das Syndrom (beispielsweise die ungeklärte Diagnose, die ca. 150 Symptome, das Auftreten derselben auch bei Männern usw…) und einer bestimmten sozialen Begünstigung biologistischer Erklärungsschemata für weibliches Verhalten, kommt Rachel zu dem Schluss, dass PMS nur ein soziales Konstrukt sein kann, ohne aber die Behauptung aufzustellen, dass alles nur eine Kopfsache sei. Nein: Eigentlich ist es viel verzwickter und vielschichtiger. Eine wirklich hochinteressante Darlegung und Auseinandersetzung, die ich hiermit wärmstens empfehle und ich freue mich auf eine Diskussion darüber.

It’s Sexytime! - Erotik für Frauen (Teil III)

Tuesday, October 28th, 2008 von Katrin

Jungsheft Dieses Mal sollte es also richtig zur Sache gehen: “Porno für Mädchen”, auch bekannt als das Jungsheft, stand auf dem Plan. Und ich muss sagen, ich habe mich schon einige Wochen auf den Erwerb des Heftchens gefreut, über das ich nun schon ziemlich viel in den Medien gelesen hatte. Am Freitag war es dann so weit: Im “Kaufhaus der Berliner”, vertrauensvoller Dealer dieser kleinen Schlüpfrigkeit, erstand ich das aktuellste, gerade frisch eingetroffene Exemplar des Jungsheft (und ein Giddyheft - also Porno für Jungs - gleich mit, es sollen hier zu Hause ja alle Geschlechter auf ihre Kosten kommen!). Und so sieht es aus:

Neben den Fotoreihen nackter Jungs (”Lecker Jungs”) wurde das Problem Blasenentzündung samt möglicher Heilmethoden beleuchtet, es wurde die Band “The Teenagers” interviewt (sie waren leicht verwirrt von dem Blättchen, in dem sie erscheinen würden, aber das nur nebenbei), eine Bordellmanagerin berichte über ihre Lebenserfahrung und ihren außergewöhnlichen Beruf, daneben gab es einen Kalender für 2009 (mit “lecker Jungs” drauf) und dann noch eine Anleitung zum Vagina-Lesen: Was also sagt uns die äußerliche Form unserer Genitalien über unseren Charakter. Nun, man sieht schnell: Eigentlich geht es doch in erster Linie um die nackigen Jungs. Der Rest ist zwar nettes Beiwerk, aber weder intellektuell noch stilistisch noch sonst irgendwie groß bewegend oder tiefgründig. Macht auch nix.

Die “lecker Jungs” sind wirklich ganz lecker, also einer zumindest, die anderen waren leider nicht so recht mein Fall, aber gut. Das ist wohl Geschmacksfrage. Ich habe im Kalender gesehen, dass in der Vergangenheit wohl schon auch leckerere (also eher meinem Geschmack entsprechende) Jungs dabei waren. Insgesamt aber ist das Konzept sehr angenehm, da vor allem ganz normale Jungs, und zwar die, die sich freiwillig dort melden, Jungs, die uns im Supermarkt über den Weg laufen könnten, ohne großen fotografischen Schnickschnack und erst recht ohne Photoshop abgebildet werden. Das ist wahnsinnig sympathisch und tut sehr gut. Das Giddyheft verfolgt das gleiche Prinzip.

Also: Keine große feministische Meisterleistung im Sinne von: “Oh, wie wahnsinnig politisch und intellektuell” aber sehr wohl eine gute Idee, angenehm anzusehen und natürlich. Deswegen, und weil das Giddyheft auch einen Anhänger gefunden hat, werde ich wohl nicht das letzte Mal im “Kaufhaus der Berliner” gewesen sein.

Erotik für Frauen II: Sex - So machen’s die Frauen
Erotik für Frauen I: Alley Cat