Archiv für ‘Klartext’

Schizophrene Politik

Tuesday, December 2nd, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 5 von 7 der Serie Meine Meinung

Na wunderbar, da haben wir’s mal wieder Schwarz auf Weiß: Die Familienpolitik der Großen Koalition ist nichts weiter, als ein Marketinggag. Alles wirkt wahnsinnig fortschrittlich, von der Leyen kommt als die große Retterin der Frauen daher, die es ihnen nun ermöglichen wird, Work und Life unter einen Hut zu bekommen. Doch all die Geschenke aus dem Hause vdL verdecken eine ganz bittere Wahrheit: Sie sind vor allem für Besserverdienende gedacht. Sie richten sich gar nicht an Hartz-IV-EmpfängerInnen (gut, kann man sagen: wozu, die haben ja auch Hartz IV), null an StudentInnen (die haben tatsächlich im schlimmsten Fall: gar nichts mehr, wenn das Elterngeld ausgezahlt ist; eine Kürzung um 50 Prozent im Vergleich zum vorigen Erziehungsgeld) und auch GeringverdienerInnen stehen eher schlecht da. Kinder in die AkademikerInnen-Familien! – Das war ja auch das Ziel. Der Rest: Äh, ja. Vielleicht: Gedöns. Haben wir halt gerade kein Geld für. Pech.

Wie schlimm aber die Lage für Mütter heutzutage tatsächlich ist, wird aus diesem Spiegel-Artikel erkenntlich. Man könnte – nimmt man die allgemeine Stimmungslage rund um die Familienpolitik der Großen Koalition wahr – ja glauben, dass alles besser würde. Nicht perfekt, klar, ein paar Baustellen bleiben über, aber hey: Es wird besser.

Pustekuchen: Tatsächlich arbeiten Mütter weniger, als früher. Je mehr Kinder, desto weniger Arbeitsstunden pro Woche leisten die Mütter. (Übrigens ein umgekehrtes Bild bei den Vätern, was aber auch logisch ist: irgendwoher muss das Geld ja kommen.) Die Schere zwischen Väter- und Mütterarbeitszeit, das aber wird deutlich, hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert.

„Trotz größerer Integration in den Arbeitsmarkt gelangen viele Frauen noch nicht über eine Rolle als Hinzuverdienerin im Haushalt hinaus und bleiben damit finanziell abhängig vom Ehemann”, stellen die Verfasser der Studie fest. Von einer gleichberechtigten Arbeitsaufteilung zwischen den Geschlechtern sei Deutschland noch weit entfernt.“

Heißt es dazu und ich muss sagen, das ist wirklich eine ganz ganz miese, traurige, aber irgendwie gar nicht SO überraschende Bilanz. Feministinnen kritisieren seit Jahren, was auch die Arbeitsforscher mit ihrer Studie nun noch einmal auf den Tisch knallen:

„Auf der einen Seite solle mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und des Elterngeldes die weibliche Beschäftigung gefördert werden. Auf der anderen Seite biete die Politik Anreize für eine geringe Frauenbeschäftigung, etwa durch die Subventionierung von Minijobs oder das Ehegattensplitting, das Paare mit ungleichem Einkommen steuerlich begünstigt.“

Michaela und Simon

Thursday, November 20th, 2008 von Anna

Es mag mein subjektives Empfinden sein, aber in meinem Gefühl haben sich die Fälle von toten Babys, die in Blumenkästen, Gefriertruhen oder Kellern gefunden werden, in den letzten Jahren gehäuft. Vielleicht hat auch nur die Berichterstattung zugenommen. Die Mütter dieser Kinder geben jedenfalls oft an, die Schwangerschaft selbst nicht bemerkt zu haben. Gleiches behauptet selbst das engste Umfeld. Nachbarn, Eltern, ja selbst die Ehemänner und Kindsväter sagen aus, nichts mitbekommen zu haben.

Im neuen Familienmagazin der Süddeutschen Zeitung findet sich ein sehr eindringliches Porträt einer Frau, die ungewollt schwanger wird und die durch die physische und psychische Gewalt ihres Freundes (der nicht der Vater des Kindes ist) so voller Angst ist, dass einfach nicht sein kann, was nicht sein darf. Aus Furcht, ihre beiden Töchter zu verlieren, verschweigt sie die Schwangerschaft. Unterstützung erfährt sie keine, niemand spricht sie auf ihre Schwangerschaft an, nicht die Kollegen, nicht die Schwester, nicht der Freund. So kann sie den Schein, auch vor sich selber, aufrecht erhalten. Doch irgendwann muss sie sich doch den Tatsachen stellen und sich entscheiden. Sie legt ihr passives Verhalten ab, sucht nach Hilfe. In meinen Augen in ihrer Situation und Gefühlslage ein starker und mutiger Schritt. Zu ihrem großen Glück gerät sie an eine verständnisvolle Hebamme, die sie über die Möglichkeit einer anonymen Geburt informiert und die zusammen mit Ärzten und Schwestern – die sich damit alle strafbar gemacht haben – schließlich hilft, den Sohn von „Frau Unbekannt“ gesund auf die Welt zu bringen.

Jetzt auf einmal, wo es schon zu spät sein könnte, wacht das Umfeld endlich auf und nach viel Hin und Her und Gerüchten, wie sie in Dörfern und Kleinstädten so schnell entstehen, wird die Mutter endlich auf das offensichtliche angesprochen.

Schließlich endet alles wie im Märchen: Michaela Vaitl darf ihre Töchter behalten und ihren Simon zu sich holen. Der Vater des Jungen freut sich über sein Kind, entscheidet sich für die junge Familie. Der Ex-Freund hat keinen Einfluss mehr, weder seelisch noch körperlich.

Der Schluss ist es wohl, der diese Geschichte von so vielen unterscheidet. Man kann nur spekulieren, was passiert wäre, wenn Michaela Vaitl nicht den Mut gehabt hätte, sich doch noch Hilfe zu suchen. Was passiert wäre, wenn sie nicht an ebendiese Hebamme geraten wäre. Wenn sie ihr Kind alleine zu Hause im Badezimmer auf die Welt hätte bringen müssen. Und man kann nur spekulieren, was gewesen wäre, wenn sie, und mit ihr alle anderen Frauen in ähnlichen Situationen, von Anfang an von der (illegalen) Möglichkeit einer anonymen Geburt gewusst hätte. Vielleicht hätte sie die entsprechenden Stellen schon früher angerufen, und vielleicht hätte man ihr so z.B. schon früher erklären können, dass sie ihre Töchter nicht verlieren würde.

Auch wenn die Fakten nun bekannt sind, möchte ich dringend raten, den gesamten Artikel zu lesen. Denn er beschreibt sehr intensiv, wie allein viele Frauen sind, die ungewollt schwanger werden (auf der letzten Seite werden außerdem noch mal Zahlen und Hilfsangebote zusammengefasst). Dass auch eine Frau, die schon Mutter ist, schlicht und einfach überfordert sein kann mit der Situation. Es ist sehr wichtig, sich klarzumachen, dass die so oft geschilderte Mutter, die – ganz von ihrer Liebe zum Kind und ihren mütterlichen Instinkten getragen – immer das Richtige tut und sich allen Widerständen in den Weg stellt, ein gefährlicher Mythos ist.

Gefängnisstrafen, egal wie laut der Boulevard sie verlangt und egal wie fassungslos man als Außenstehender auf solche Geschichten reagiert, werden kein getötetes Kind verhindern können. Natürlich sind auch weder anonyme Geburt noch Babyklappe ein Allheilmittel. Die anonyme Geburt bietet allerdings eine wichtige Alternative zur Babyklappe, da die Mutter und das Kind so nicht auf sich selber gestellt sind während der Geburt.

So oder so müssen wir dringend darüber nachdenken, welche Lösungen unsere Gesellschaft Frauen bieten möchte, die alleine keinen Ausweg mehr aus ihrer Situation finden. Und zwar nicht an irgendwelchen theoretischen Überlegungen und moralischen Grundsätzen orientiert, sondern konkret an der Situation der Frauen!

Nicht nur Recht, auch Pflicht

Wednesday, November 12th, 2008 von Susanne

Heute feiert das Frauenwahlrecht in Deutschland seinen 90. Geburtstag. Und wie es alten Damen manchmal so geht, werden sie von allen geachtet und geschätzt, aber leider auch nicht immer für ganz voll genommen.

Wie sonst ist zu erklären, dass die 21- bis 24-jährigen Frauen seltener wählen als jede andere Wählergruppe? Bei der letzten Bundestagswahl gaben nur zwei von drei Frauen in diesem Alter ihre Stimme ab. Was bitte war mit der dritten von ihnen los? 33 Prozent der jungen Frauen gehen einfach nicht wählen – eine erschreckend hohe Zahl, wie ich finde. (In der restlichen Bevölkerung wählten 22 Prozent der Menschen nicht.)

Vielleicht haben junge Frauen das Gefühl, von der Politik nicht repräsentiert zu werden - weil sie ihre Belange nicht vertreten sehen oder auch kaum junge Frauen in der Politik wiederfinden? Aber das kann keine Entschuldigung dafür sein, ein grundlegendes Bürgerinnenrecht nicht wahrzunehmen. So verschenken sie sogar die allerkleinste Chance, das politische Leben in diesem Land zu beeinflussen. Und es muss auch mal klar gesagt werden: Das Wahlrecht ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht.

Geht wählen.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Friday, October 31st, 2008 von Werner
Dieser Text ist Teil 2 von 5 der Serie Neues vom Quotenmann

Es gibt ja angeblich keine dummen Fragen – also wollen wir auch mal diese alte grönemeyerische Frage nicht weiter bewerten. Die Antwort auf solche Fragen kann aber sehr wohl dumm sein! Und genau so eine ist im Juli in der Taz erschienen. Arno Frank schrieb über den schwangeren transsexuellen Mann Thomas Beatie aus Amerika in einer solchen Art und Weise, dass sogar der Presserat eine Missbilligung aussprach – immerhin die zweithöchste Sanktion.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Und das in meinen Augen auch zu Recht! Denn von Transsexualität hat der Autor wohl eher wenig verstanden, sonst würde er nicht solche Vergleiche anstellen:

„Es mag ja sein, dass er sich das wünscht, viel Geld für Operationen ausgegeben und noch mehr Schmerzen erduldet hat. Ebenso gut hätte er sich aber auch statt der Brüste die Beine amputieren, sich Flossen annähen und ein Atemloch in den Rücken stanzen lassen können - um zu behaupten, er wäre fürderhin ein Delfin.“

Eine wohl genauso bescheuerte wie beschämende Gegenüberstellung. Menschen die überzeugt sind, eher dem anderen Geschlecht anzugehören, tun dies nicht wegen Operationen, sondern können jetzt dank Operationen und Geld auch dies ausleben – das hat nichts mit wünschen zu tun, sondern vielmehr mit sein. Es gibt eben nicht den Mann und auch nicht die Frau und es gibt Personen, die sich anders fühlen als sie geboren wurden. (Nebenbei: Das Bildungsministerium geht davon aus, dass zwei von 10.000 Neugeborenen Zwitter sind, die bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres „zwangs-geschlechtert“ werden.) Wenn der Autor sich darüber hinaus sogar noch zu Folgendem herablässt, muss schon gefragt werden, mit welchem Hass er sich hier über transsexuelle Menschen lustig macht:

„Der Kaiser trägt in diesem Fall nicht neue Kleider, sondern ein neues Geschlecht. Das mag ihm glauben, wer will, und derzeit glauben viele Menschen solchen Quatsch sehr gerne …“

Meist ist es eher ein harter denn ein leichter Weg, sich für diesen „Quatsch“ zu entscheiden. Aber der Autor weiß es natürlich am besten, was transsexuelle Menschen sind und er ist sich auch nicht zu schade, seine Abscheu am Ende des Artikels deutlich zu machen:

„Thomas Beatie ist kein Mann, sondern eine schrecklich verstümmelte Frau.“

Schade, dass Arno Frank es nötig hat, für andere zu entscheiden, ab wann ein Mann ein Mann ist.

Pups, I did it again

Thursday, October 30th, 2008 von Susanne

Die Brigitte soll ja früher mal (leider war ich da noch nicht im Lesealter) eine hervorragende und rundum erstzunehmende Frauenzeitschrift gewesen sein. Nun, die Zeiten sind anscheinend vorbei, geht man nach einer Kolumne auf brigitte.de, die man dort seit heute lesen kann: Kolumnistin Kathie Kleff schreibt darüber, ob man als Frau pupsen darf.

Also, wir reden jetzt nicht darüber, in vollgeschmierter Jogginghose, einem Faxe-Bier in der linken und einem Stück Pizza in der rechten Hand auf dem Sofa vor dem Fernseher zu lümmeln, den Angebeteten neben sich und dann volle Karacho einen fahren zu lassen. Nein, die Autorin macht sich  e r n s t h a f t  Gedanken darüber, ihr könnte nachts ein Pupser entweichen:

Wie viele Stunden lag ich in den letzten 34 Jahren schon wach, neben einer neuen, frischen, aufregenden Liebschaft, die selig vor sich hin schnarcht, während ich mich nicht einmal traue, die Augen zu schließen?

Das geht so einige tausend Zeichen lang - Körperfunktionen sind pfui-bäh, das kann ein Mann doch nur abstoßend finden -, nur um dann mit den Worten zu enden:

Er pupste! Einfach so, unkontrolliert, laut, und immerhin geruchlos. Und ich? Ich hab gelächelt, ihn auf die Schläfe geküsst und gedacht: Dafür lieb’ ich ihn. Ich freunde mich mit dem Gedanken an, dass das auch umgekehrt der Fall sein könnte…

Ja, wieso denn nicht bitteschön? Es geht doch wohl kein Mann ernsthaft davon aus, dass Frauen keine Verdauung haben, das Bad nur zum Nasepudern benutzen und ansonsten einfach nur perfekt sind? Nichts ist überflüssiger als dieser Perfektionszwang, der von Frauen selbst wie eine Art Kult betrieben wird. Und das bei der guten alten Brigitte

Dank an Mimi für den Link.

Fazit: Viel zu tun

Tuesday, October 28th, 2008 von Susanne

Ende letzter Woche trafen sich die Gleichstellungsbeauftragten der Länder und Bundesministerin Ursula von der Leyen in Karlsruhe. Sie sprachen unter anderem über „Chancengerechtigkeit durch geschlechtersensible Erziehung, Bildung und Ausbildung“, „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, „Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern“ und „Unterstützung des beruflichen Wiedereinstiegs“. Ergebnis nach zwei Tagen Beratung: Es herrscht Stillstand. Von wahrer Chancengleichheit könne auch nach über 40 Jahren nicht die Rede sein, fasst es tagesschau.de zusammen.

So mag zwar der Eindruck bei manchen Menschen ein anderer sein, denn allerorts gibt es Initiativen, Programme, Fördermaßnahmen für Frauen. Doch bewegen will sich unsere Gesellschaft deswegen noch lange nicht. In Deutschland ist Gleichstellungspolitik leider vor allem Symbolpolitik. Hier ein Initiativchen, dort ein Aktiönchen - anstatt verbindlicher Quoten und wirklich bemerkbarer Änderungen bei der Erziehung in Kindergarten und Schule.

Die Folgen: Viele Männer haben kein Verständnis mehr dafür, dass immer nur Frauen gefördert werden; diese sollen doch jetzt endlich mal aufhören, sich zu beschweren. Viele Frauen führen berufliches oder privates Scheitern nur auf ihr eigenes Unvermögen zurück – denn die Umstände können es ja nicht sein; die sind ja durch all die Initiativen schon so, dass es doch eigentlich jede Frau schaffen müsste.

Eine feine Lose-lose-Situation also.

Mitteilung an Sarah

Tuesday, October 21st, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 23 von 28 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Amerikas Mädchen und junge Frauen melden sich im Wahlkampf zu Wort:

Mannschaftspost: Jetzt mal Klartext!

Wednesday, October 15th, 2008 von Katrin

Liebe LeserInnen und vor allem KritikerInnen,

wir sind mit vielen tollen, sehr intelligenten, frechen, bunten LeserInnen gesegnet, die wir so manches Mal am liebsten knutschen möchten, die uns mit ihren scharfsinnigen und nachdenklich machenden Beiträgen alle weiterbringen. Und genau, weil wir diese so mögen und hoffen, dass sie uns lange erhalten bleiben, hier ein paar grundsätzliche Worte zu Pöbeleien in den Kommenaren und zu “Zensur!”-Vorwürfen uns gegenüber:

Wiederholt treten bei Ansagen, dass wir eine bestimmte Art von Diskussion hier nicht führen wollen und diese woanders besser aufgehoben sei, oder auch beim Löschen einiger Kommentare die Vorwürfe auf, wir seien so eine Art Meinungsdiktatur. Im Namen aller hier mitschreibenden Damen möchte ich sagen: Solche Vorwürfe sind billig und falsch. Was wir mit diesem Blog erreichen möchten ist, dass Feministinnen und Feministen zusammen an einer Idee von zukünftiger Gesellschaft stricken können, dass von Aktionen berichtet wird, dass Gleichgesinnte sich miteinander vernetzen und Informationen unter ihnen ausgetauscht werden.

Wir sind eine klare Interessensgruppe. Offen für viele unterschiedliche Meinungen, aber eben nur solche, die an einem modernen Feminismus interessiert sind. Infragestellungen des Feminismus an sich gibt es im WWW zuhauf. Diverse Foren und Blogs fangen diese Funktion mehr als prima auf. Hier ist ein anderer Raum: Hier ist Raum für Menschen, die gewisse Grundsätze haben, gewisse Ideen vertreten. Indem hier immer wieder gegen diese Idee polemisiert wird, indem zum 500. Mal erklärt wird, warum der Feminismus faschistoid sei und unsere Gesellschaft zerstöre, wird den Menschen mit dieser Meinung ihr Raum verleidet, er wird ihnen weggenommen. Wie das zur immer wieder heruntergebeteten Meinungs-Pluralität passen soll, ist mir schleierhaft.

Hier findet genau das statt, was vielen Frauen im Internet passiert: Sie werden dafür bestraft, dass sie den Mund aufmachen und ihre Meinung formulieren. Frauen, die im Internet den Anspruch auf öffentliche Aufmerksamkeit formulieren oder gesellschaftliche Missstände beschreiben, werden nicht selten aufs Übelste beschimpft - ein misogynes Old-Boys-Network scheint in dieser Hinsicht mehr als gut zu funktionieren. Nicht selten führt das dazu, dass die Webangebote ihre Kommentarfunktion ausschalten oder sich die Bloggerinnen ganz aus dem Internet zurückziehen.

Doch Meinungspluralität bedeutet, dass Interessengruppen in den von ihnen geschaffenen Räumen ihre Ziele entwickeln, ihre Ideen verbreiten und ihre Wege zur Verwirklichung dieser Ideen entwerfen können. Genau solch ein Raum ist diese Webseite. Doch auch hier reißen immer öfter Menschen die Diskussion an sich, deren Kommentare destruktiv sind und nur ansatzweise themenbezogen.

Um wirklich Interessierte nicht durch polemische Debatten zu verschrecken, werden wir diesen Raum in Zukunft noch stärker schützen und rigoros all jene Kommentare von Usern löschen, die gezielt stören und stänkern, mit der Intention, unsere Meinungsäußerungen zu verhindern.

Eure Mädchenmannschaft

Alles nur Hormon-Monster? Oder: Was uns der Spiegel nicht gesagt hat

Wednesday, October 1st, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 4 von 7 der Serie Meine Meinung

Das Titelblatt, das uns letzte Woche (Ausgabe 39/2008) wieder einmal beglückte, machte schnell klar, dass der Spiegel sich erneut anschickte, uns zu erklären, warum die Frauen von der Venus und die Männer vom Mars kommen. Nur diesmal aber mit ganz viel Wissenschaft und Biologie, also mit richtigen Beweisen – ist ja Ehrensache. Okay, ich weiß, ich fange schon wieder ganz schön polemisch an, aber man musste bei der gesamten Aufmachung schon sehr den Eindruck gewinnen, dass es hier wahrscheinlich mehr darum ging, eine angeblich „unbeliebte Wahrheit“ unters Volk zu bringen – ja, gar einen kleinen Skandal! – als darum, differenziert die tatsächlichen Ergebnisse aus Biologie und Neurowissenschaften zu betrachten. Zwar fielen eine Menge Namen und eine Menge Studien, doch dass diese immer noch umstritten und mit Gegenstudien ausgestattet bleiben, das wurde leider nicht erwähnt. Aber wozu gibt es die Mädchenmannschaft? Genau, um die eine oder andere Erkenntnis aus der Neurobiologie, die uns der Spiegel nicht mitgeteilt hat, doch noch mit den werten LeserInnen zu teilen.
Gehirn
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Lollipops zum Vormittags-Kaffee mal langsam

Tuesday, September 23rd, 2008 von Meredith

Zum Thema Männer-Leid mal eine sachliche Liste von Gedanken aus den letzten 24 Stunden:

1. Als Feministin trete ich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Nachdem Frauen - was persönliche, körperliche, finanzielle und gesundheitliche Sicherheit betrifft - strukturell und grundsätzlich schlechter gestellt sind, setze ich mich dafür ein, dass dieser Missstand behoben wird.

2. Als Mensch und Feministin interessiere ich mich für Männer und ihre Probleme. Ich bewundere und respektiere Männer, die sich über Gleichberechtigungsfragen Gedanken machen - wenn sie dieses nicht auf Kosten der Frauen tun.

3. Ich bin der Ansicht, dass Frauen und Männer im Kontext des Feminismus und der Gleichberechtigung zusammenarbeiten können. Ich denke, es ist wichtig, dass sich Frauen für Männer einsetzen und Männer für Frauen.

4. Aber: Nur unter der Voraussetzung, dass sie dieselbe Agenda haben, nämlich eine wirklich gerechte Gesellschaft. Ein Mann, der sagt, er sei Maskulinist, ist entweder nicht Feminist oder er hat nicht verstanden, was der Unterschied ist. Ich vermisse die Männer, die sich von einer liberalen, aufgeklärten Seite öffentlich zur Gleichberechtigung bekennen. Und die anerkennen, dass es noch viel zu tun gibt. Es gibt sie. Aber es sind bisher zu wenige. Solange es nicht mehr werden, sehe ich keinerlei Veranlassung mich als Feministin um die punktuellen Gleichberechtigungsdefizite von Männern aktiv zu kümmern. Dafür reicht die Energie dann auch einfach nicht.

5. Als Feministin ist es mein Anliegen, die Rechte von Frauen zu stärken. Die Rechte der Männer sind gerade mal nicht mein Anliegen. Und ich akzeptiere es nicht, dass die feministische Debatte von dem Argument “Aber wir sollten auch mal an die Männer denken” vereinnahmt wird. Die feministische Debatte dreht sich nun mal nicht um Männer. Männer haben in dieser Gesellschaft nach wie vor große Vorteile, was politische, persönliche und wirtschaftliche Aspekte betrifft, auf Grund ihres Geschlechts. Kein Mensch - auch nicht Meredith Haaf - denkt, dass sie aber kein Recht darauf hätten, auf ihre Probleme hinzuweisen.

6. Organisationen wie MANNdat sind nicht für mehr Gleichberechtigung. Sie manipulieren die Gleichberechtigungsdebatte, indem sie den Mann zum benachteiligten Geschlecht erklären. Sie sabotieren Diskussionen, indem sie Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen, als kryptochauvinistisch bezeichnen.

7. Es ist ein zunehmender Opferdiskurs unter Männerrechtlern zu beobachten. Dieser bezieht sich auf die vorgebliche Entrechtung durch Maßnahmen wie Elterngeld, „Girls Days” oder durch die Präsenz von Fernsehmoderatorinnen. Er arbeitet - noch mal - mit den Instrumenten der Frauenbewegung, indem er sich auf Gleichberechtigung beruft und Frauen auffordert, sich der Gerechtigkeit halber auch die andere Seite anzuhören. Diese Männerrechtler sollen doch heulen, wenn sie denken, sie hätten Probleme.

8. Ich werde nicht aufhören, mich gegen diesen Diskurs zu wehren und mich über ihn zu mokieren. Alle anderen Frauen sollten das auch. Und ich werde mich ganz sicher nicht zum Schweigen bringen lassen von Argumenten wie „arrogant - grabenkämperisch - aggressiv”.

9. Das heißt aber nicht, dass weinende Männer nicht respektiert werden oder dass Männer an sich keine Opfer sein können oder dass die Anliegen und Sorgen von Männern an sich nachrangig sind. Ich denke prinzipiell ohne „an sich’s” aber das kann man ja nicht riechen. Wer bloggt, schreibt schnell und ich vergesse gern mal meine „an sich’s” zu klären.

10. Ein Bild von einem weinenden Mann ist ein Bild von einem weinenden Mann ist ein Bild von einem weinenden Mann. Auf diesem Blog ist ein Bild von einem weinenden Mann zu sehen. Eine Karikatur ist nicht zu sehen.