Archiv für ‘Im Musikbusiness’

Feministische Hiphopper

Sunday, April 20th, 2008 von Susanne

Die aktuelle Emma portraitiert die netteste Hiphop-Band Deutschlands: Fettes Brot. Und die entpuppen sich im Gespräch als Feministen:

„Wir freuen uns, wenn Frauen feministische Ansätze in unserer Musik entdecken. Wir wollen einen respektvollen Umgang zwischen Männern und Frauen propagieren. Alles andere finden wir ekelhaft“, sagt Boris Lauterbach alias König Boris.

In ihren besten Momenten vereinen die drei Bühnenakteure Ausgelassenheit, Sensibilität und Tiefe mit einem grundempathischen Gesellschaftsbild. Dafür mussten sie in ihren 15 Jahren Bandgeschichte trotz wiederholter Hitparadentauglichkeit immer wieder mal Prügel von der Rap-Polizei einstecken. Als „Pop-Schweine“, „Weicheier“, „Muttis Lieblinge“ und „Profeministen“ werden die Fetten Brote beschimpft.

Hiermit sei den Dreien ein deutliches “Feminist des Tages” ins Muttiheft gestempelt.

(Foto: Cover der neuen Platte “Strom und Drang”)

Frauen, die pfeifen

Thursday, April 17th, 2008 von Barbara

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte diese Woche wieder einen Text über Lady Bitch Ray.

“Man muss nicht aussehen wie eine Eule, um für Frauenrechte zu kämpfen”, sagt sie, und dass sie eine Feministin der neuen Generation sei - der nach Alice Schwarzer.

Lady Bitch Ray lobt Charlotte Roches Buch “Feuchtgebiete”. Sie meint, sie lasse sich von keinem Mann etwas sagen. Auch die Münchner Abendzeitung entdeckt Frauen, die derbe sind, Frauen, die auf sich aufmerksam machen, die “pfeifen” - und Frauen, denen dafür nicht der Hals umgedreht wird. Sie kaufen Sexspielzeug und verfassen erotische Manuskripte:

Seit Wochen etwa wird Verlegerin Claudia Gehrke mit Frauen-Manuskripten überschwemmt, die aus schlüpfrigen Emails oder Aufzeichnungen aus Chatrooms bestehen. „Das anonyme Chatten daheim lässt die Schamgrenzen fallen. Plötzlich schreiben Frauen auf, was sie wirklich denken und fühlen“, sagt Gehrke, die seit den 80er Jahren eine erotische Literatursammlung für Frauen („Das heimliche Auge“) herausgibt, „sie formulieren vulgärer, expliziter. Der direkte Zugriff bringt mehr Lust als kuschelige Umschreibungen“.

Und auch die Welt hat die Frau als sexuelles Wesen entdeckt.

Lady Bitch Ray: Wütende Möse auf Highheels?

Thursday, April 3rd, 2008 von Katrin

Highheels

Sie ist überall: Bei Maischberger hat sie diskutiert (wovon u. a. Spiegel Online und die FAZ berichteten), Spiegel Online hat über sie geschrieben und in der Taz war sie auch schon zweimal („Keine ist so krass wie ich“, 2006 und „Ich stehe für vaginale Selbstbestimmung“ 2008). Niemand kommt mehr so richtig an der eigenwilligen Erscheinung der Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray vorbei, die für sich proklamiert, sie vertrete eine neue Art von Emanzipation. „Ich stehe für vaginale Selbstbestimmung,“ ist der Titel des Taz-Interviews vom 1 April. Dabei ist es oft etwas schwierig, zwischen all den Provokationen herauszulesen, was sie wirklich will. Ein bisschen aggressiv kommt sie manchmal rüber:

“Ich habe viel Wut in meiner Möse, und die muss ich rauslassen.“

Doch was steckt hinter solchen Songs wie „Ich hasse dich!“, in dem Jeannette Biedermann und Sarah Connor ihr Fett wegkriegen?

“Die zwei sind oberflächliche Musterfrauen, die ich verachte. Die achten darauf, wie sie reden, wie sie singen, die verhalten sich oberflächlich. Sarah Connor ist unerträglich. Die beiden haben sich doch hochgeschlafen. Ich ertrage diese oberflächliche Gesellschaft nicht.”

Nicht wirklich sympathisch, oder?

Wenn man die Lady Bitch Ray erfassen will, muss man weiter ausholen. Denn im Gegensatz zu Rappern wie Frauenarzt oder King Orgasmus One, die Pornorap berühmt und berüchtigt gemacht haben, hat sie Abitur und sogar ein abgeschlossenes Studium in Germanistik. Ihre Magisterarbeit hatte das Thema „Jugendsprache anhand der Darstellung der Jugendkultur Hiphop“ und wurde wegen ihrer ausgesprochen guten Qualität und vor allem Aktualität in einer Anthologie im Brockmeyer-Universitätsverlag veröffentlicht. Aber: Eine Germanistin, die mit Wörtern wie „Möse“, „Ficken“, „Fotze“ und „Schwänze“ inflationär umgeht, ist einfach nur irritierend. Eine Frau, die irgendwie aus sämtlichen Rahmen purzelt.

Der Ehemann von Sarah Connor, Marc Terenzi, wird dann mal aben als Schwuchtel betitelt und die Taz fragt:

“Das ist ganz schön homophob, was?”

Doch in eben solche Raster (”wer Schwuchtel sagt, ist homophob“) lässt sich Frau Sahin nicht pressen.

“Weil ich Schwuchtel sage? Im Rapkontext ist es ein gängiger Begriff. Ich habe natürlich nichts gegen Schwule, mein Friseur ist schwul. Ich will Marc Terenzi aber einfach niedermachen.“

Sie weiß wovon sie spricht, darüber hat sie ihre Magisterarbeit geschrieben.
Doch in die Köpfe so mancher JournalistInnen (und LeserInnen) will das nicht reingehen. Sie regen sich auf, sie machen sich lustig, sie schütteln ihre Köpfe. Da wird die Lady Bitch Ray mal zu ernst, dann wieder zu wenig ernst genommen. Denn sie ist nicht nur angetreten, um für „vaginale Selbstbestimmung“ zu kämpfen, sie sagt im Taz-Interview auch:

“Mir ist es wichtig, dass das Opferbild der Türkin geändert wird. Ich mache das krasse Gegenteil davon, was von einer Türkin erwartet wird.“

Ob ihr das mit mit Vulgärsprache und körperlich dargestellter Provokation wohl gelingt?

Wahrlich, eine harte Nuss, diese Lady einzuordnen, angesichts so vieler Chiffren, künstlerischer Schnörkel, kühl kalkulierten Provokationen, politisch und sozial komplizierten Hintergründen und psychologischen Selbstzeugnissen wie „ich habe zwar eine Profilneurose und bin Narzisstin …” Als FeministIn kann und muss man einige „Techniken“ dieser Frau kritisieren. Sexuelle Reize werden derart penetrant in den Vordergrund gestellt, dass man sich zwischen Abstoßung und Faszination hin- und hergerissen fühlt. Außerdem bleibt die Frage nach dem Effekt: Kann dies wirklich ein Beitrag zu mehr Geschlechterdemokratie sein? Braucht es dafür nicht ein bisschen mehr Ernst? Ein bisschen mehr “Haltung statt Posen”? Zudem sind die Botschaften oft sehr widersprüchlich – Feminismus paart sich bei Sahin mit heftigen Rollenklischees, wie in den „10 Geboten des Vagina Styles“:

“Du hast einen Grund zu feiern: Du hast eine Möse und du bist eine Frau, die weiß, was sie will.”

- Daumen hoch! Aber dann wieder:

“Wenn du Geld verdienst, sei dir nicht zu geizig für Kosmetika, Klamotten und Highheels, das ist ne clevere Anlage. Dein Körper ist dein Kapital, Baby.”

Puh.

 

(Dank an Kathrin und Timo für die Links.)

New girls on the radio

Thursday, April 3rd, 2008 von Barbara

(c) BR

Der Bayerische Rundfunk sendete gestern auf seiner Jugendwelle, dem “Bavarian Open Radio“, eine Übersicht über junge Frauen in der Musik. Von den Folk-Elfen Joanna Newsom, Alela Diane und Soap and Skin, den Sound-Sisters CocoRosie und Tegan & Sara und den Country-Soul Erbinnen Devon Sproule, Simone White und Duffy wurde erzählt:

Ihr Instrument ist eine Harfe, ihre Stimme die einer Elfe: Joanna Newsom. Über ihr Album “Ys” meinte Spiegel Online, es sei das “bedeutendste und berührendste Album dieses Jahrzehnts”. Letztes Jahr erschien dann “Joanna Newsom and the Y Street Band”. Ablösung der schweißtreibenden Musik von Bruce Springsteen and The E Street Band: Diese US-Amerikanerin klingt nach Kate Bush und ordentlich gescheiteltem Haar, sie verwandelt den Rockschuppen in eine Konzerthalle voller andächtig lauschender Zuhörer.

Das alles unter der Überschrift: “Der Angriff der Alphamädchen im Pop”.

We’re all feminists: Tegan & Sara

Monday, March 31st, 2008 von Barbara

(c) Zündfunk Im Interview mit dem Zündfunk des Bayerischen Rundfunks sprechen die kanadischen Zwillinge und Musikerinnen Tegan and Sara Quin über Frauen in der Musikszene und Feminismus. Sara erklärt ganz wunderbar, warum sie sich als Feministin auf der Bühne sieht:

“Schaut man sich die Definition von Feminismus an, wird klar, dass wir eigentlich alle Feministen sind. Auch die Männer – jeder ist ein Feminist. Ich glaube nicht, dass es viele Menschen gibt, die wirklich meinen, dass Frauen weniger wert sind als Männer. Viele verstehen nur die Bedeutung von Feminismus falsch. Denn: Ich möchte das Recht haben, zu wählen, den Job machen, der mir gefällt. Und mich nachts sicher fühlen. Für diese Dinge steht der Feminismus. Deshalb sind die meisten Menschen Feministen. Sie wissen es bloß nicht.”

Das ganze Interview gibt es zum Nachhören im Zündfunk-Podcast.

“Afghan Star”-Kandidatin erhält Morddrohungen

Wednesday, March 26th, 2008 von Katrin

Das Format von “Deutschland sucht den Superstar” gibt es bekanntermaßen auf der ganzen Welt. Wer aber hätte gedacht, dass es auch in Afghanistan ein Äquivalent zu Bohlens nervigem Eintagsfliegen-Casting gibt? “Afghanistan sucht den Superstar” schreibt die Netzeitung und gefunden wurde dieser auch schon.

Doch viel interessanter als die Nachricht, dass ein 19-Jähriger von hunderten jungen Männern für seinen Sieg bei dieser Show umjubelt wurde, finde ich die Geschichte der 20-jährigen Lima Sahar (im Video), die als erste Kandidatin der nun schon seit drei Jahren existierenden afghanischen Fernsehshow überhaupt unter die besten drei kam: Sie bekam Morddrohungen. Grund dafür ist nicht etwa, dass sie kein Kopftuch trug (das tat sie immer brav), sondern vielmehr dass religiöse Gelehrte des Landes der Meinung sind, Sendungen wie “Afghan Star” trügen zur Untergrabung der Traditionen bei und stärkten die “Unmoral”.

Lima Sahar kommt außerdem aus der afghanischen Provinz Kandahar, die früher eine Hochburg der Taliban war und bis heute extrem konservativ ist: Noch vor sieben Jahren durften Frauen dort nicht ohne ihre Männer auf die Straße und mussten ihre Körper von Kopf bis Fuß verschleiern. Lima Sahar will sich aber nicht unterkriegen lassen: “Ich verliere nicht meinen Mut, denn ich habe den dritten Platz dank der Stimmen meines Volkes erreicht, und ich weiß, ich werde weiter erfolgreich sein.”

Eine weitere Kandidatin, Setara Hussainzada, musste ebenfalls von zu Hause fliehen, weil sie Morddrohungen erhalten hatte. Erschütternd auch die Äußerungen eines Regierungsmitglieds. Die Netzeitung zitiert:

„Ein Regierungsmitglied, das nicht namentlich genannt werden wollte, erklärte, die afghanische Regierung habe nichts gegen Sendungen wie den «Superstar»-Wettbewerb. «Aber wir haben Angst, dass Extremisten dies als Argument benutzen, um den Menschen in ländlichen Gegenden zu zeigen, dass wir westlich geprägte Programme fördern, die sie als unislamisch verurteilen.» “

Feministinnen auf der Bühne

Friday, February 29th, 2008 von Barbara

(c) www.teganandsara.com In der aktuellen Ausgabe des Spiegels gibt es ein kurzes Interview (nicht online verfügbar) mit den beiden kanadischen Musikerinnen Sara und Tegan Quin. Folgende Frage ist irritierend:

Spiegel: Ihre Schwester und Sie treten mit drei männlichen Begleitmusikern auf. Wie passt das dazu, dass Sie als Feministinnen gelten?

Quin: Wir sind Feministinnen. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass wir Frauen lieben. Aber die Tatsache, dass wir Lesben sind, hat mir unserer künstlerischen Arbeit nichts zu tun. Wir haben drei Jungs als Musiker angestellt, weil wir sie mögen und weil es uns gefällt.

Schade, dass der Mensch, der die beiden für den Spiegel interviewt hat (es ist kein Credit angegeben), davon ausgeht, dass Feministinnen nichts mit Männern zu tun haben wollen.

Wunderbare Wesen

Monday, January 7th, 2008 von Barbara

Alicia Keys

In der Zeit vom 27.12.2007 wird die amerikanische Musikerin Alicia Keys zitiert:

“Frauen sind so wunderbare Wesen. Leider vergessen sie oft, dass Schönheit nichts mit nackter Haut zu tun hat.”

Damit kommentierte Keys die Freizügigkeit ihrer Kolleginnen. Recht hat sie.

(Foto: Sony BMG)

GirlPower ist tot tot tot

Friday, December 21st, 2007 von Susanne

Anfang der Neunziger sah es ja mal kurz so aus, als würde es eine dritte Feminismuswelle geben: Die Girlies waren rotzig, fanden es super, Mädchen zu sein und wollten niemandem gefallen. Dann wurden die Medien auf sie aufmerksam, erfanden das Girlie in seiner heute bekannten Bedeutung, und schon war die Welle vorbeigerollt bevor sie auch nur das kleinste Bötchen hätte zum Schwanken bringen können.

Die Spice Girls war die Band, die den Girlism zu Grabe trug. Sie schrieben sich all das auf die Fahnen, was die Girlies auch wollten: Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein, Spaß und Sex und eine große Klappe. Übrig blieb nach einer Runde in der Marketingmaschine aber nur Spaß und Sex - mit viel Glitzer versehen und von immer dünner und affektierter werdenden Sängerinnen präsentiert.

Gestern traten die Spice Girls in Köln auf und taten so als habe es die letzten zehn Jahre nicht gegeben, als hätten sie nicht schon eine halbe Fußballmannschaft Kinder zuhause sitzen und als wäre es total normal, mit Mitte 30 immer noch in Rosa und Glitzer herumzuhüpfen. Und dann schreibt Spiegel Online auch noch an einer Stelle einer sehr langen Konzertkritik:

Wenn auch mit der dünnsten Stimme und den wenigsten Gesangsanteilen ausgestattet, hat sich Victoria Beckham damit als das klügste Spice Girl erwiesen. Sie hat das Girlgroup-Konzept individualisiert und sich als Marke etabliert, die die Schlagzeilen füllt.

Nun ja. Ehrlich gesagt, waren “eine Marke sein und Schlagzeilen füllen” nicht gerade das, wovon die Girlies damals träumten als sie in Rock und Gummistiefeln und grellbunt geschminkt wütend durch die Städte stapften.

(Graffiti über Flickr)

Melissa Etheridge im Interview

Saturday, December 1st, 2007 von Susanne

Im aktuellen SZ am Wochenende gibt es ein gutes Interview mit der Musikerin Melissa Etheridge. Sie spricht über ihre Kindheit, ihr Coming out, ihre Brustkrebserkrankung und über ihr Verständnis von Patriotismus.

(Foto über melissaetheridge.com)