Archiv für ‘Geschmacklosigkeiten aktuell’

Message gesucht

Thursday, August 7th, 2008 von Susanne

Mit Pobacken und gespreizten Beinen verkauft sich alles

Ich weiß, ich weiß, das Thema Sexistische Werbung hatten wir schon oft. Aber wir werden es auch in Zukunft noch oft haben – es gibt ja genug davon.

Und auch bei dieser Anzeige da unten stellt sich mir wieder die Frage: Wo genau ist der Zusammenhang zwischen der Frau links im Bild und dem Angebot der Privaten Krankenversicherung rechts im Bild?

Mein Tipp: Wenn’s um Gesundheit geht, geht’s ja auch darum, dass der Popo gesund ist?

(Anzeige: im Netz gesehen)

Fernsehen macht sauer

Wednesday, August 6th, 2008 von Susanne

Jedes Jahr wird auf dem Herbsttreffen der Frauen in den Medien die “Saure Gurke” verliehen. Das ist eine … nun ja, “Auszeichnung” für den frauenfeindlichsten Medienbeitrag des Jahres.

Auch dieses Jahr soll der Preis auf dem Medienfrauentreffen vom 5. bis 7. September in Wien vergeben werden. Vorher könnt ihr schnell noch eure Vorschläge einreichen. Es sollten Beiträge sein, in denen Frauen gar nicht vorkommen, in denen sie ausschließlich über ihren Körper definiert werden oder in denen den Zuschauerinnen und Zuschauern überidealisierte Rollenmodelle aufgezwängt werden - so die Kriterien der Frauen in den Medien.

Im letzten Jahr wurde übrigens die Kochsendung “Lafer! Lichter! Lecker!” mit einer Sauren Gurke bedacht. Die Begründung der Jury:

(…) Da werden aus weiblichen Gästen schon mal “Täubchen an seiner Seite” oder “nougatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen”. Und Hühnerbrüstchen bekommen eine ganz neue Bedeutung. Der Stammtisch mit seiner klaren Rollenzuteilung hat ein neues Zuhause in der Küche gefunden (…)

Für Mädchen: schön, schlank, sexy

Tuesday, August 5th, 2008 von Barbara

Vor ein paar Wochen schimpfte die Berliner Zeitung mit den Mädchenzeitschriften: Sugar, Bravo Girl! und Mädchen würden die Heranwachsenden konsequent darauf hintrimmen, alles fürs Aussehen zu tun, um sich so einen coolen Typen zu angeln. Nichts Neues, aber dennoch richtig erkannt:

Während junge Frauen in der Pubertät tausende komplizierte Fragen über sich selbst, die Anderen und die Welt beschäftigen, hält die Lieblingszeitschrift einfache Antworten bereit. Sei schön, sei schlank, sei sexy. Denn darauf stehen Jungs.

Der Artikel zitiert auch Doris Katheder, Germanistin und Feministin. Auch sie resümiert das Los der jungen Mädchen:

Wenn sie nun all das tun, was ihnen die Zeitschriften empfehlen, stehen die Chancen vielleicht besser. Und wenn man mit den Jungs zusammen über die Witze der Jungs lacht, befinden sich Mädchen hier schon mal auf der “richtigen”, der chancenträchtigeren Seite. Auch wenn es gegen das eigene Geschlecht geht.

Über die Witze in Bravo Girl! haben wir an anderer Stelle bereits berichtet. Von Doris Katheder erscheint demnächst das Buch “Mädchenbilder in deutschen Jugendzeitschriften der Gegenwart: Beiträge zur Medienpädagogik”.

Was müsste drinstehen, in der Mädchenzeitschrift, die Teenager statt Sugar, Bravo Girl! oder Mädchen kaufen sollen? Wie umgehen mit den schwierigen Themen eigener Körper, Verliebtsein und Wer bin ich eigentlich? Und welches Heft empfehle ich denn nun einem 12-jährigen Mädchen?

Danke Kapitalismus. Endlich dürfen auch Chinesinnen in ihrer Freizeit Stripperin spielen

Saturday, July 26th, 2008 von Meredith

Jawoll. Niemand hält den Westen auf. Der US-amerikanische Dauertrend im Hausfrauen-Fitnessprogramm geht ja bekanntlich seit einigen Jahren um die Stange. Pole Dancing ist das Stichwort, also die erotisierende Kunst, eine Eisenstange anzumachen. Seit ein paar Jahren werden in den Sportzentren und Volkshochschulen ganz Amerikalands Kurse angeboten, wo Frauen genau das tun, um sich fit zu halten. Und sich dabei total sexy zu fühlen, weil das die allerwichtigste Sache beim Sport ist! Ich meine: Joggen, Tennis, Basketball – da schwitzt man ja, und wer will das schon? Denn Schweiss ist NICHT sexy und bringt die eigenen Geschlechtsmerkmale auf keine vorteilhafte Art zur Geltung. Klar haben die meisten dieser Frauen niemals eine Tabledance-Bar betreten und würden ihre Geld nicht im Sex-Gewerbe verdienen. Wie gesagt, sie sind meist Hausfrauen oder Karriereladies, glauben aber, dass Berufsstripperinnen den besten Job und den meisten Spass am Leben haben.

Wer einen guten Abriss zu dem Thema lesen will, schaue in Ariel Levys hervorragendes Buch “Female Chauvinist Pigs”.

Nun schreibt die New York Times heute in einer ausführlichen Reportage, dass sich immer mehr Chinesinnen nicht davon abhalten lassen wollen, halbnackt an Stangen herum zu turnen. Genau wie in USA verlangt die Seele der chinesischen Bankfilalleiterin danach, sich nach Feierabend Lackstiefel und eine kleine Hose zu werfen und eine Stange rauf und runter zu rutschen. Zugegeben – in China gibt es keine Rotlicht-Tabledance-Kultur, weswegen die spreitzbeinige Stangenakkrobatik vielen Chinesen möglicherweise eher seltsam als sexy erscheint. Die Chinesen, schreibt die New York Times, haben traditionell nämlich eine eher repressive Sexualkultur, sie reden und schreiben nicht so gerne vom Geschlechtsverkehr und sie zitieren auch nicht bei jeder noch so miesen Gelegenheit Pornografie. Aber keine Sorgen, das treiben wir ihnen auch noch aus. Chinas Bruttosozialprodukt muss wachsen und es wird wachsen und bald werden wir aus China mit Sicherheit auch die ersten Amateur-Pornos sehen – wenn das mit der Demokratie schon nicht klappt.

P.S.: Ich bitte die fehlenden scharfen S zu entschuldigen, sowas gibt es in USA nicht und da halte ich mich gerade auf. Aber immerhin: Umlaute!

Mittelstandserotik

Friday, July 25th, 2008 von Susanne

Sex sells, na klar! Hat sich auch der Chef des “Fliesenhaus Leipzig” gedacht und schöne Plakate drucken lassen:

(Fotografiert von 21woman)

Schlechter Witz

Friday, July 11th, 2008 von Barbara
Dieser Text ist Teil 1 von 7 der Serie Meine Meinung

Schlimm, dass in Mädchenheften wie Bravo Girl! unter der Rubrik “Darüber lachen Jungs” sexistische Witze wie dieser abgedruckt werden:

Sagt ein Mann zu seinem Freund: Ich habe meiner Frau eine Gasmaske zum Geburtstag geschenkt. Freund: Eine Gasmaske? - Ja, erstens sieht sie damit besser aus und wenn ich den Stöpsel zuhalte, dann zappelt sie so schön beim Sex.

Schlimmer, dass die Leute z. B. bei Neon, in der taz oder von den Grünen, die Proteste gegen diese Veröffentlichung auf der Witzseite geäußert haben, von der Bravo Girl!-Redaktion informiert wurden, die heutige Generation von Mädchen und jungen Frauen sei „emanzipiert und lebensfroh genug“, auch über Witze mit erotischem Inhalt zu lachen.

Noch schlimmer dann die Reaktion des Presserats auf die Beschwerde der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in Nordrhein-Westfalen gegen die Witzseite; es wurde mit der Begründung reagiert, dass „gerade die jüngere Generation von Frauen und Mädchen in ihrer Haltung den Geschlechterrollen gegenüber sehr viel emanzipierter und souveräner als noch die Geschlechter davor“ sei und eine Rüge abgewiesen.

Wer soll nun lachen? Mir fällt niemand ein. Die Jungs, denen ein derart schlechter Humor unterstellt wird? Die Mädchen, die zu Objekten degradiert werden, und das auch noch in den Heften, die extra für sie gemacht werden (Bravo GIRL)? Die als uncool und unzeitgemäß gelten, wenn sie das Lustige an diesem Witz nicht finden wollen. Oder Journalistinnen wie ich, die sich fragen, wofür der Presserat denn überhaupt noch steht, wenn er Emanzipation von jungen Frauen als Ausrede für Sexismus in den Medien anführt. Und die nebenbei von der Beratungsstelle für Mädchen in Wuppertal zur Verantwortung gezogen werden:

Unter dem Deckmantel der Emanzipation würden junge Frauen in das Bild des “Alpha-Mädchens” gedrängt: immer gut drauf, stark und selbstbewusst, mahnte die Beratungsstelle für Mädchen am 10. Juli in Wuppertal an. Reale Erfahrungen wie Gewalt kämen in den Bildern nicht vor. Oft zögen misshandelte Mädchen daraus den Schluss, selbst schuld zu sein.

Weder Emanzipation noch Stärke, weder Selbstbewusstsein noch Feminismus, weder der Begriff “Alphamädchen” noch stärkere Souveränität im Vergleich mit der Müttergeneration rechtfertigen Sexismus. Sexismus ist einfach nur Sexismus. Er wird durch eine Witzverpackung nicht weniger sexistisch, ebenso wenig durch ein jugendliches Umfeld. Und in Kombination mit Gewalt, wie in diesem Witz für Jungs, ist Sexismus einmal mehr einfach nur zum Kotzen.

Wer gerne mit der jungen Grünen Sabine Ponath und mir darüber diskutieren möchte, kann das am Samstagvormittag in Traunstein im Café Bistro Intreff (Lebenshilfe-Café), Leonrodstr. 4a (500m vom Bahnhof entfernt), zwischen 11 und 13 Uhr.

Nachtrag vom 23.9.2008:
In Düsseldorf habe ich die Vertreterinnen der Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. kennengelernt. Sie haben in ihrer offiziellen Pressemitteilung zum Urteil des Presserats mitnichten den Begriff “Alphamädchen” verwendet.

Scheiß des Tages

Sunday, June 15th, 2008 von Susanne

Das hier. Sind Highheels. Für Babys. Kein Witz.

Über Feministing

Update: Ganz Europa ohne Diskriminierung!

Tuesday, June 10th, 2008 von Susanne

Die meisten von euch haben sicher die Aktion für ein starkes Anti-Diskriminierungsgesetz in ganz Europa schon unterstützt. Und wer es noch nicht getan hat: Höchste Zeit, eine Mail an die Bundeskanzlerin zu schicken und den Aufruf zu unterschreiben, am besten noch heute!

Seit dem Start der Initiative hat sich einiges getan, Initiatorin Franziska Brantner informierte uns über die Vorgänge in der Politik:

  • Das Europaparlament nutzte die Verabschiedung am 20. Mai des Fortschrittsbericht zur Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung, um die Kommission zur Vorlage einer umfassenden Rahmenrichtlinie aufzufordern. Dieser (leider unverbindliche) Bericht wurde vorgelegt von der britischen liberalen Abgeordneten Liz Lynne, und wurde mit breiter Mehrheit angenommen. Dabei haben Grüne, Sozialdemokraten und Liberale für den Bericht gestimmt und die konservativen und rechten Parteien mehrheitlich dagegen. Während die Abgeordneten der Liberalen Parteien aus den anderen europäischen Ländern dem Bericht zustimmten, haben bei der Endabstimmung 6 der 7 FDPler gegen den Bericht gestimmt.
  • Die EU-Kommission erwägt nun, zwei Richtlinien einzubringen: eine zu Behinderungen und eine für den “Rest” - und diese getrennt abzustimmen. “Teile und herrsche” - dabei brauchen die Richtlinien Einstimmigkeit. Die Kommission entscheidet außerdem, die Entscheidung darüber um eine Woche zu verschieben: Am 11. Juni entscheidet die Kommission, ob sie für eine starke Richtlinie, keine oder zwei ist. Das soziale Gesamtpaket wird nun erst am 5. Juli verabschiedet.
  • Der verantwortliche EU-Kommissar Spidla nennt in internen Beratungen mit NGOs in Brüssel nochmal direkt die deutsche Bundesregierung als Hauptblockade für eine starke Richtlinie und ruft für eine stärkere Öffentlichkeit zu diesem Thema in Deutschland auf.
  • In Anfrage des Bundestages am 28. Mai gibt die deutsche Justizministerin Zypries indirekt eine deutsche Oppositionshaltung zu. (Sie würde keine “offizielle Opposition” sehen, sagte aber auch nicht, wofür die Bundesregierung eintritt.)
  • In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 2. Juni warnt die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Martina Köppen, vor der EU-Richtlinie - sie wäre ein “Schlag für die Wirtschaft”. Es ist ein unglaublicher Vorgang: Die oberste Wächterin des Bundes über den Schutz vor Diskriminierung wendet sich öffentlich gegen einen wirksameren Schutz vor Benachteiligung auf europäischer Ebene, der deutsches Gesetz widerspiegeln würde. Es liegt letztlich auch im Interesse der deutschen Wirtschaft, wenn europaweit gleiche Antidiskriminierungsregeln gelten. Es grenzt daher an verantwortungslose Panikmache, wenn Frau Köppen über den noch gar nicht vorliegenden Richtlinienvorschlag von einem “Schlag für die Wirtschaft” spricht. Der gesetzliche Auftrag der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist ganz sicher nicht der Widerstand gegen eine Annäherung des europäischen Rechts an das AGG.

Das heißt für euch:
Heute noch trommeln und Freunde und Bekannte bitten, den Aufruf für eine einheitliche Anti-Diskriminierungsrichtlinie in Europa zu unterstützen!

Zu Martina Köppens Äußerungen gegen die Bemühungen der EU-Kommission um mehr Chancengleichheit hat die WDR-Moderatorin und Buchautorin Tanja Busse einen pointierten offenen Brief an die Anti-Diskriminierungsbeauftragte des Bundes geschrieben, den ihr online anhören könnt (ab ca. Minute 10 der Sendung).

Hey, Bock auf einen Blog, der nicht nur banal, sondern auch misogyn ist?

Friday, May 30th, 2008 von Meredith

Na, dann lasst euch nicht davon abhalten, zu flirtblogger.com zu surfen. Hier schreiben “René” und “Nicole” über “Flirten, Dating und mehr”. Und eine sogenannte Flirt-Community finden wir hier auch, in der sich vorwiegende weibliche Online-Personen mit kleinen Scherzen und romantischen Vorstellungen präsentieren. Was an sich ja total legitim und für den Fortgang der Menschheit auch wichtig ist.

Schade nur, dass sowohl Nicole als auch René nullkommanull Respekt vor dem Hauptobjekt der Begierde, nämlich der verfügbaren Frau, haben. Der aktuellste kleine Essay von René behandelt das Thema: Was tu ich, wenn mein “Date” den Roman Feuchtgebiete von Charlotte Roche gut findet? René, gentlemanesk wie er sein muss, rät: Aufstehen und gehen. Weil das nämlich eklig ist.

Klar, ist voll eklig, wenn sich Frauen Gedanken über Körperzwänge machen, ihh, bääh. Gelesen hat René das Buch zwar nach eigenen Angaben nicht, aber er findet es “voll abtörnend”, wenn Mädchen Charlotte Roche nacheifern. Weil die stinken dann alle. Nämlich hat eine Frau in erster Linie die Aufgabe haarlos und wohlriechend zu sein - erst wenn sie diese Kriterien erfüllt hat, soll sie auch Bücher lesen und sich aus ihnen eine Meinung bilden. (Das ist natürlich nur die Interpretation eurer geneigten Autorin.)

Aber gut. René bezeichnet Frauen ja auch als “süße Mäuse” und fände es gut, wenn er weiblichen Bekanntschaften die Nippel messen dürfte, ohne, dass die gleich deswegen “Zickenterror machen”. Insofern ist sein Blog vielleicht auch einfach nur ein Versuch, seine unendliche Einsamkeit zu bekämpfen.

(Danke an maYa für den Link!)

Gezeichnete Sexbomben

Wednesday, May 28th, 2008 von Barbara

Zwei Drittel männlich, ein Drittel weiblich, mit langen Beinen, Wespentaille und dickem Busen. So lautet das Ergebnis einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und der Stiftung Prix Jeunesse, die mehr als 30.000 Charaktere in Trickfilmen und -serien für Kinder aus 24 Ländern untersucht hat.

Geht man davon aus, dass das Fernsehen auch die Entwicklung von Identität beeinflusst, eine traurige Bilanz. Aber selbst in meiner eigenen Kindheit war das schon so: Die Freunde von Biene Maja heißen Willi und Flip, Puck, Max und Alexander. Freundinnen hatte sie wenige; und die anderen Frauenfiguren waren Lehrerin Kassandra oder Spinne Thekla. Doch wenigstens sieht Maja mehr aus wie ein Kind und nicht wie eine sexy Barbiepuppe.

Das Bild hat Claudia Kaiser gezeichnet.