Archiv für ‘Geschmacklosigkeiten aktuell’

Gute Böden

Friday, September 12th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 21 von 26 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Rumtrampeln

(gefunden bei rrho)

Kleiner Service für ArbeitgeberInnen: leichter kündigen mit Barmer

Wednesday, September 10th, 2008 von Katrin

Wie das Handelsblatt heute berichtet, bot die Ersatzkasse Barmer noch bis gestern Abend vorgefertigte Formulare zur einfachen Kündigung von Schwangeren und Schwerbehinderten an. In der Rubrik “Leistungen und Beiträge” wurden diese und andere Musterbriefe zur Verfügung gestellt, die “Arbeitgebern die Korrespondenz mit ihren Mitarbeitern erleichtern”, wie das Handelsblatt schreibt. Spiegel Online hatte die fraglichen Kündigungsvordrucke gefunden und daraufhin bei der Barmer Nachfragen dazu gestellt. Ein Sprecher nannte den “Service” gegenüber des Handelsblattes “unproblematisch” und:

„Wir haben es gut gemeint, aber schlecht gemacht und sind im Nachhinein natürlich nicht glücklich mit den Texten“, sagte Jakob im Gespräch mit Handelsblatt.com. Dienstagabend habe man die beanstandeten Kündigungsvordrucke nach der Anfrage von Spiegel Online daher sofort von der Seite genommen. Trotzdem bedürfen in seinen Augen auch Arbeitgeber eines gewissen Servises [sic!].”

Na dann.

“It’s not a choice - it’s a child”

Tuesday, September 2nd, 2008 von Katrin

Sarah Palin In Amerika ist dieser Tage einiges Los: Nicht genug, dass Hurrikan “Gustav” den Golf von Mexiko erneut in Angst und Schrecken versetzt, nein, er bedrohte auch noch den Erfolg des Parteitags der Republikaner, der unglücklicher Weise gerade heute stattfindet. Aber die Partei weiß auch dieses Unglück für sich zu nutzen, wie Spiegel Online berichtet.

Einen viel größeren Wirbelsturm, nämlich einen der Irritation, löste die Nachricht aus, dass Bristol Palin, 17-jährige Tochter der Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, schwanger sei. Brisant daran ist, dass Palin Senior als erzkonservative Abtreibungsgegnerin bekannt ist, deren Ernennung zur Kandidatin für den Vizepräsidentschaftsposten gerade von den stark religiösen Republikanern mit Freude aufgenommen wurde. Eben diese aber sind nun irritiert.

Doch Familie Palin hat sich schon einen guten Plan ausgedacht, diese Krise sprichwörtlich als Chance zu nutzen: Tochter Bristol werde natürlich das Kind austragen (geht ja auch gar nicht anders bei so konservativen Ansichten) und natürlich den Vater ehelichen. John McCain selbst setzte dem ganzen Schauspiel die Krone auf, indem er verkündete, dies sei ein Beleg für die Bodenständigkeit der Familie Palin, die eben eine “Amerikanische Familie” sei (siehe Spiegel-Artikel).

Noch schöner ist der in einem Bericht des Britischen Guardian veröffentlichte Kommentar einer Sprecherin der Republican National Coalition for Life, Jessica Erchard:

The pregnancy made the family “real” to voters. “It will resonate with women voters because they’ll say, ‘That happened to me, that happened to someone down the street’,” she said.

Die Republikaner schaffen es nicht nur, den Hurrikan für sich auszuschlachten, sie versuchen dies sogar mit dieser absolut privaten Geschichte. Sarah Palin gelingt es dabei sehr gut, das alles unter einen Hut zu bringen, denn Gott sei Dank spielt die Tochter das Schmierentheater brav mit. Palin stolz:

“Our beautiful daughter Bristol came to us with news that as parents we knew would make her grow up faster than we had ever planned. As Bristol faces the responsibilities of adulthood, she knows she has our unconditional love and support.”

Was aber die 17-jährige Bristol von all dem hält, kann man nur vermuten (wie es auch Viktoria in ihrem Blog sehr treffend beschreibt). Ganz nach dem Motto: “Es kann nicht sein, was nicht sein darf” wird ihr sicher zu keiner Sekunde eine eigene Entscheidung offen gestanden haben. Geschweige denn ihrem zukünftigem Ehegatten Levi Johnston: Der verkündete jüngst auf seiner MySpace-Seite (not available anymore), dass er in einer Beziehung sei und keine Kinder wolle. [Achtung Zynismus:] Hoffentlich bekommt er wenigstens ein gutes Sümmchen für sein Parieren. [Zynismus aus]
Das alles ist einfach:

Ohne Worte.

(Bild über Wikimedia Commons)

Na, verklemmt?

Wednesday, August 27th, 2008 von Susanne

Unsere Leserin Yvonne schickte uns dieses Foto eines tollen Aufstellers im Hornbach-Baumarkt:

Also auf in eine neue Runde Message-Raten: Will die Werbung uns sagen, eine lederbekleidete Frau könnte uns bei Unlockerheiten helfen? Klemmt der Reißverschluss da am Dekolletee der Dame und es wäre für den Betrachter schöner, wenn es diese Verklemmtheit nicht gäbe? Wird hier vielleicht sogar für Offenheit gegenüber leder-unterstützten Sex-Praktiken geworben? Oder spielt das Öl eine größere Rolle, die ich übersehe? Oder die 20 Prozent mehr Inhalt?

Weltneuheit

Saturday, August 23rd, 2008 von Anna

Unsere Leserin Christiane hat uns auf eine sehr schöne Anzeige aus dem „Pro Idee“ Katalog aufmerksam gemacht, es geht um eine Sonnenbrille mit eingebauter Kamera:

(Textauszug: „Jetzt gelingen Ihnen einzigartige Aufnahmen. Beim Biken, Klettern, Skaten, Drachenfliegen … Wahre Live-Mitschnitte von Ihren spektakulärsten Abenteuern – ganz ohne aufwändige Montage und immer aus dem perfekten Blickwinkel.“)

Für welchen Zweck die Katalogmacher (Erfinder? Werber?) die Brille allerdings am geeignetsten halten, lässt sich unschwer auf dem Bild erkennen. (Wobei es sich bei der Frau bestimmt um eine feindliche Spionin o.ä. handelt, denn: „Auch im professionellen Security-Bereich ist das Interesse an dieser genialen Erfindung groß.“)

Sexismus des Tages

Wednesday, August 13th, 2008 von Susanne

Here we go again … Diesmal schickte uns unsere Leserin Irina den Scan dieser Anzeige in einer Motorradzeitschrift:

Das „Aktionsbündnis Zwangsheirat“: Wirklich „Hand in Hand gegen Zwangsheirat“?

Tuesday, August 12th, 2008 von Anna

In der FAZ vom 29. Juli findet sich ein interessanter Artikel von Necla Kelek. Kelek ist Sozialwissenschaftlerin und hat 2005 das Buch „Die fremde Braut“ veröffentlicht, in dem sie die These aufstellt, dass islamische Religiosität ein Hindernis für eine gelungene Integration darstellen kann. Unter anderem begründet sie dies mit der Tradition der arrangierten Ehe bzw. Zwangsheirat.

Im FAZ-Artikel kommentiert und kritisiert Kelek nun die Rotterdamer Initiative „Hand in Hand gegen Zwangsheirat“, die am 15. Juli im Kreuzberg Museum vorgestellt wurde und zugleich Auftaktveranstaltung des „Aktionsbündnis Zwangsheirat“ ist. Unterstützt wird diese von Tariq Ramadan (einem „Vordenker für einen europäischen Islam“) angestoßene Initiative unter anderem vom Berliner Integrationsbeauftragten.

„Hand in Hand gegen Zwangsheirat“ will muslimischen Frauen und Mädchen eine muslimische Beratung in Sachen Zwangsheirat anbieten. Doch während die Unterstützer vor allem erfreut darüber sind, dass das Thema in der „islamischen Community“ nicht mehr tot geschwiegen wird, kritisiert Kelek die Initiative scharf. So gebe es eine muslimische Beratung nur, damit die Frauen, so Kelek, nicht mehr in Frauenhäuser flüchten „und so Allah verloren gehen“:

„Unter dem Motto ‘Gegen Zwangsheirat’ wird also schlicht islamische Eheberatung betrieben. Dabei wird ausdrücklich die arrangierte Ehe als Modell gepriesen, auch wenn eingestanden wird, dass dabei oft Zwang im Spiel ist. (…) Vor Mischehen wird gewarnt: ‘Ein muslimischer Junge kann zwar ein christliches Mädchen heiraten, aber ein muslimisches Mädchen darf nicht einen christlichen Jungen heiraten.’“

Sie kritisiert unter anderem die Definition von Familie, die nicht die klassische Kernfamilie wäre, sondern „der Stamm“. Eine (Zwangs-)heirat ist immer die Verbindung zweier Familiengruppen, die Ehepartner werden entsprechend gewählt:

„Ramadan und seine Schüler versuchen, die Grundrechte und Werte der europäischen Zivilgesellschaft umzudeuten. Sie sprechen dem Einzelnen das Selbstbestimmungsrecht ab, definieren den Menschen als Sozialwesen und nicht als Individuum, befürworten das System der ‘Schamgesellschaft’ mit einem fatalen Ehrbegriff. Nirgendwo in dem Büchlein (Anm. d. A.: die Info-Broschüre des Vereins) wird dem Einzelnen das Recht eingeräumt, selbst zu entscheiden, ob er überhaupt heiraten will. ‘Die Familie bildet den Kern der islamischen Gesellschaft, und die Ehe ist im Islam die einzige gestattete Weise, Familien zu gründen.’ Seine eigene Sexualität zu leben, ist nicht statthaft.“

Kelek fordert:

„Die Initiative ist deshalb ein Etikettenschwindel. Es muss der Grundsatz gelten: Ehen von Jugendlichen unter achtzehn Jahren sind grundsätzlich als Zwangsehen zu ächten. Jedem jungen Menschen, der in die Lage kommt, von seinen Eltern gegen seinen Willen verheiratet zu werden, muss der Schutz der Gesellschaft gewährt werden.“

Message gesucht

Thursday, August 7th, 2008 von Susanne

Mit Pobacken und gespreizten Beinen verkauft sich alles

Ich weiß, ich weiß, das Thema Sexistische Werbung hatten wir schon oft. Aber wir werden es auch in Zukunft noch oft haben – es gibt ja genug davon.

Und auch bei dieser Anzeige da unten stellt sich mir wieder die Frage: Wo genau ist der Zusammenhang zwischen der Frau links im Bild und dem Angebot der Privaten Krankenversicherung rechts im Bild?

Mein Tipp: Wenn’s um Gesundheit geht, geht’s ja auch darum, dass der Popo gesund ist?

(Anzeige: im Netz gesehen)

Fernsehen macht sauer

Wednesday, August 6th, 2008 von Susanne

Jedes Jahr wird auf dem Herbsttreffen der Frauen in den Medien die “Saure Gurke” verliehen. Das ist eine … nun ja, “Auszeichnung” für den frauenfeindlichsten Medienbeitrag des Jahres.

Auch dieses Jahr soll der Preis auf dem Medienfrauentreffen vom 5. bis 7. September in Wien vergeben werden. Vorher könnt ihr schnell noch eure Vorschläge einreichen. Es sollten Beiträge sein, in denen Frauen gar nicht vorkommen, in denen sie ausschließlich über ihren Körper definiert werden oder in denen den Zuschauerinnen und Zuschauern überidealisierte Rollenmodelle aufgezwängt werden - so die Kriterien der Frauen in den Medien.

Im letzten Jahr wurde übrigens die Kochsendung “Lafer! Lichter! Lecker!” mit einer Sauren Gurke bedacht. Die Begründung der Jury:

(…) Da werden aus weiblichen Gästen schon mal “Täubchen an seiner Seite” oder “nougatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen”. Und Hühnerbrüstchen bekommen eine ganz neue Bedeutung. Der Stammtisch mit seiner klaren Rollenzuteilung hat ein neues Zuhause in der Küche gefunden (…)

Für Mädchen: schön, schlank, sexy

Tuesday, August 5th, 2008 von Barbara

Vor ein paar Wochen schimpfte die Berliner Zeitung mit den Mädchenzeitschriften: Sugar, Bravo Girl! und Mädchen würden die Heranwachsenden konsequent darauf hintrimmen, alles fürs Aussehen zu tun, um sich so einen coolen Typen zu angeln. Nichts Neues, aber dennoch richtig erkannt:

Während junge Frauen in der Pubertät tausende komplizierte Fragen über sich selbst, die Anderen und die Welt beschäftigen, hält die Lieblingszeitschrift einfache Antworten bereit. Sei schön, sei schlank, sei sexy. Denn darauf stehen Jungs.

Der Artikel zitiert auch Doris Katheder, Germanistin und Feministin. Auch sie resümiert das Los der jungen Mädchen:

Wenn sie nun all das tun, was ihnen die Zeitschriften empfehlen, stehen die Chancen vielleicht besser. Und wenn man mit den Jungs zusammen über die Witze der Jungs lacht, befinden sich Mädchen hier schon mal auf der “richtigen”, der chancenträchtigeren Seite. Auch wenn es gegen das eigene Geschlecht geht.

Über die Witze in Bravo Girl! haben wir an anderer Stelle bereits berichtet. Von Doris Katheder erscheint demnächst das Buch “Mädchenbilder in deutschen Jugendzeitschriften der Gegenwart: Beiträge zur Medienpädagogik”.

Was müsste drinstehen, in der Mädchenzeitschrift, die Teenager statt Sugar, Bravo Girl! oder Mädchen kaufen sollen? Wie umgehen mit den schwierigen Themen eigener Körper, Verliebtsein und Wer bin ich eigentlich? Und welches Heft empfehle ich denn nun einem 12-jährigen Mädchen?