Archiv für ‘Geschmacklosigkeiten aktuell’

Na, verklemmt?

Wednesday, August 27th, 2008 von Susanne

Unsere Leserin Yvonne schickte uns dieses Foto eines tollen Aufstellers im Hornbach-Baumarkt:

Also auf in eine neue Runde Message-Raten: Will die Werbung uns sagen, eine lederbekleidete Frau könnte uns bei Unlockerheiten helfen? Klemmt der Reißverschluss da am Dekolletee der Dame und es wäre für den Betrachter schöner, wenn es diese Verklemmtheit nicht gäbe? Wird hier vielleicht sogar für Offenheit gegenüber leder-unterstützten Sex-Praktiken geworben? Oder spielt das Öl eine größere Rolle, die ich übersehe? Oder die 20 Prozent mehr Inhalt?

Weltneuheit

Saturday, August 23rd, 2008 von Anna

Unsere Leserin Christiane hat uns auf eine sehr schöne Anzeige aus dem „Pro Idee“ Katalog aufmerksam gemacht, es geht um eine Sonnenbrille mit eingebauter Kamera:

(Textauszug: „Jetzt gelingen Ihnen einzigartige Aufnahmen. Beim Biken, Klettern, Skaten, Drachenfliegen … Wahre Live-Mitschnitte von Ihren spektakulärsten Abenteuern – ganz ohne aufwändige Montage und immer aus dem perfekten Blickwinkel.“)

Für welchen Zweck die Katalogmacher (Erfinder? Werber?) die Brille allerdings am geeignetsten halten, lässt sich unschwer auf dem Bild erkennen. (Wobei es sich bei der Frau bestimmt um eine feindliche Spionin o.ä. handelt, denn: „Auch im professionellen Security-Bereich ist das Interesse an dieser genialen Erfindung groß.“)

Sexismus des Tages

Wednesday, August 13th, 2008 von Susanne

Here we go again … Diesmal schickte uns unsere Leserin Irina den Scan dieser Anzeige in einer Motorradzeitschrift:

Das „Aktionsbündnis Zwangsheirat“: Wirklich „Hand in Hand gegen Zwangsheirat“?

Tuesday, August 12th, 2008 von Anna

In der FAZ vom 29. Juli findet sich ein interessanter Artikel von Necla Kelek. Kelek ist Sozialwissenschaftlerin und hat 2005 das Buch „Die fremde Braut“ veröffentlicht, in dem sie die These aufstellt, dass islamische Religiosität ein Hindernis für eine gelungene Integration darstellen kann. Unter anderem begründet sie dies mit der Tradition der arrangierten Ehe bzw. Zwangsheirat.

Im FAZ-Artikel kommentiert und kritisiert Kelek nun die Rotterdamer Initiative „Hand in Hand gegen Zwangsheirat“, die am 15. Juli im Kreuzberg Museum vorgestellt wurde und zugleich Auftaktveranstaltung des „Aktionsbündnis Zwangsheirat“ ist. Unterstützt wird diese von Tariq Ramadan (einem „Vordenker für einen europäischen Islam“) angestoßene Initiative unter anderem vom Berliner Integrationsbeauftragten.

„Hand in Hand gegen Zwangsheirat“ will muslimischen Frauen und Mädchen eine muslimische Beratung in Sachen Zwangsheirat anbieten. Doch während die Unterstützer vor allem erfreut darüber sind, dass das Thema in der „islamischen Community“ nicht mehr tot geschwiegen wird, kritisiert Kelek die Initiative scharf. So gebe es eine muslimische Beratung nur, damit die Frauen, so Kelek, nicht mehr in Frauenhäuser flüchten „und so Allah verloren gehen“:

„Unter dem Motto ‘Gegen Zwangsheirat’ wird also schlicht islamische Eheberatung betrieben. Dabei wird ausdrücklich die arrangierte Ehe als Modell gepriesen, auch wenn eingestanden wird, dass dabei oft Zwang im Spiel ist. (…) Vor Mischehen wird gewarnt: ‘Ein muslimischer Junge kann zwar ein christliches Mädchen heiraten, aber ein muslimisches Mädchen darf nicht einen christlichen Jungen heiraten.’“

Sie kritisiert unter anderem die Definition von Familie, die nicht die klassische Kernfamilie wäre, sondern „der Stamm“. Eine (Zwangs-)heirat ist immer die Verbindung zweier Familiengruppen, die Ehepartner werden entsprechend gewählt:

„Ramadan und seine Schüler versuchen, die Grundrechte und Werte der europäischen Zivilgesellschaft umzudeuten. Sie sprechen dem Einzelnen das Selbstbestimmungsrecht ab, definieren den Menschen als Sozialwesen und nicht als Individuum, befürworten das System der ‘Schamgesellschaft’ mit einem fatalen Ehrbegriff. Nirgendwo in dem Büchlein (Anm. d. A.: die Info-Broschüre des Vereins) wird dem Einzelnen das Recht eingeräumt, selbst zu entscheiden, ob er überhaupt heiraten will. ‘Die Familie bildet den Kern der islamischen Gesellschaft, und die Ehe ist im Islam die einzige gestattete Weise, Familien zu gründen.’ Seine eigene Sexualität zu leben, ist nicht statthaft.“

Kelek fordert:

„Die Initiative ist deshalb ein Etikettenschwindel. Es muss der Grundsatz gelten: Ehen von Jugendlichen unter achtzehn Jahren sind grundsätzlich als Zwangsehen zu ächten. Jedem jungen Menschen, der in die Lage kommt, von seinen Eltern gegen seinen Willen verheiratet zu werden, muss der Schutz der Gesellschaft gewährt werden.“

Message gesucht

Thursday, August 7th, 2008 von Susanne

Mit Pobacken und gespreizten Beinen verkauft sich alles

Ich weiß, ich weiß, das Thema Sexistische Werbung hatten wir schon oft. Aber wir werden es auch in Zukunft noch oft haben – es gibt ja genug davon.

Und auch bei dieser Anzeige da unten stellt sich mir wieder die Frage: Wo genau ist der Zusammenhang zwischen der Frau links im Bild und dem Angebot der Privaten Krankenversicherung rechts im Bild?

Mein Tipp: Wenn’s um Gesundheit geht, geht’s ja auch darum, dass der Popo gesund ist?

(Anzeige: im Netz gesehen)

Fernsehen macht sauer

Wednesday, August 6th, 2008 von Susanne

Jedes Jahr wird auf dem Herbsttreffen der Frauen in den Medien die “Saure Gurke” verliehen. Das ist eine … nun ja, “Auszeichnung” für den frauenfeindlichsten Medienbeitrag des Jahres.

Auch dieses Jahr soll der Preis auf dem Medienfrauentreffen vom 5. bis 7. September in Wien vergeben werden. Vorher könnt ihr schnell noch eure Vorschläge einreichen. Es sollten Beiträge sein, in denen Frauen gar nicht vorkommen, in denen sie ausschließlich über ihren Körper definiert werden oder in denen den Zuschauerinnen und Zuschauern überidealisierte Rollenmodelle aufgezwängt werden - so die Kriterien der Frauen in den Medien.

Im letzten Jahr wurde übrigens die Kochsendung “Lafer! Lichter! Lecker!” mit einer Sauren Gurke bedacht. Die Begründung der Jury:

(…) Da werden aus weiblichen Gästen schon mal “Täubchen an seiner Seite” oder “nougatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen”. Und Hühnerbrüstchen bekommen eine ganz neue Bedeutung. Der Stammtisch mit seiner klaren Rollenzuteilung hat ein neues Zuhause in der Küche gefunden (…)

Für Mädchen: schön, schlank, sexy

Tuesday, August 5th, 2008 von Barbara

Vor ein paar Wochen schimpfte die Berliner Zeitung mit den Mädchenzeitschriften: Sugar, Bravo Girl! und Mädchen würden die Heranwachsenden konsequent darauf hintrimmen, alles fürs Aussehen zu tun, um sich so einen coolen Typen zu angeln. Nichts Neues, aber dennoch richtig erkannt:

Während junge Frauen in der Pubertät tausende komplizierte Fragen über sich selbst, die Anderen und die Welt beschäftigen, hält die Lieblingszeitschrift einfache Antworten bereit. Sei schön, sei schlank, sei sexy. Denn darauf stehen Jungs.

Der Artikel zitiert auch Doris Katheder, Germanistin und Feministin. Auch sie resümiert das Los der jungen Mädchen:

Wenn sie nun all das tun, was ihnen die Zeitschriften empfehlen, stehen die Chancen vielleicht besser. Und wenn man mit den Jungs zusammen über die Witze der Jungs lacht, befinden sich Mädchen hier schon mal auf der “richtigen”, der chancenträchtigeren Seite. Auch wenn es gegen das eigene Geschlecht geht.

Über die Witze in Bravo Girl! haben wir an anderer Stelle bereits berichtet. Von Doris Katheder erscheint demnächst das Buch “Mädchenbilder in deutschen Jugendzeitschriften der Gegenwart: Beiträge zur Medienpädagogik”.

Was müsste drinstehen, in der Mädchenzeitschrift, die Teenager statt Sugar, Bravo Girl! oder Mädchen kaufen sollen? Wie umgehen mit den schwierigen Themen eigener Körper, Verliebtsein und Wer bin ich eigentlich? Und welches Heft empfehle ich denn nun einem 12-jährigen Mädchen?

Danke Kapitalismus. Endlich dürfen auch Chinesinnen in ihrer Freizeit Stripperin spielen

Saturday, July 26th, 2008 von Meredith

Jawoll. Niemand hält den Westen auf. Der US-amerikanische Dauertrend im Hausfrauen-Fitnessprogramm geht ja bekanntlich seit einigen Jahren um die Stange. Pole Dancing ist das Stichwort, also die erotisierende Kunst, eine Eisenstange anzumachen. Seit ein paar Jahren werden in den Sportzentren und Volkshochschulen ganz Amerikalands Kurse angeboten, wo Frauen genau das tun, um sich fit zu halten. Und sich dabei total sexy zu fühlen, weil das die allerwichtigste Sache beim Sport ist! Ich meine: Joggen, Tennis, Basketball – da schwitzt man ja, und wer will das schon? Denn Schweiss ist NICHT sexy und bringt die eigenen Geschlechtsmerkmale auf keine vorteilhafte Art zur Geltung. Klar haben die meisten dieser Frauen niemals eine Tabledance-Bar betreten und würden ihre Geld nicht im Sex-Gewerbe verdienen. Wie gesagt, sie sind meist Hausfrauen oder Karriereladies, glauben aber, dass Berufsstripperinnen den besten Job und den meisten Spass am Leben haben.

Wer einen guten Abriss zu dem Thema lesen will, schaue in Ariel Levys hervorragendes Buch “Female Chauvinist Pigs”.

Nun schreibt die New York Times heute in einer ausführlichen Reportage, dass sich immer mehr Chinesinnen nicht davon abhalten lassen wollen, halbnackt an Stangen herum zu turnen. Genau wie in USA verlangt die Seele der chinesischen Bankfilalleiterin danach, sich nach Feierabend Lackstiefel und eine kleine Hose zu werfen und eine Stange rauf und runter zu rutschen. Zugegeben – in China gibt es keine Rotlicht-Tabledance-Kultur, weswegen die spreitzbeinige Stangenakkrobatik vielen Chinesen möglicherweise eher seltsam als sexy erscheint. Die Chinesen, schreibt die New York Times, haben traditionell nämlich eine eher repressive Sexualkultur, sie reden und schreiben nicht so gerne vom Geschlechtsverkehr und sie zitieren auch nicht bei jeder noch so miesen Gelegenheit Pornografie. Aber keine Sorgen, das treiben wir ihnen auch noch aus. Chinas Bruttosozialprodukt muss wachsen und es wird wachsen und bald werden wir aus China mit Sicherheit auch die ersten Amateur-Pornos sehen – wenn das mit der Demokratie schon nicht klappt.

P.S.: Ich bitte die fehlenden scharfen S zu entschuldigen, sowas gibt es in USA nicht und da halte ich mich gerade auf. Aber immerhin: Umlaute!

Mittelstandserotik

Friday, July 25th, 2008 von Susanne

Sex sells, na klar! Hat sich auch der Chef des “Fliesenhaus Leipzig” gedacht und schöne Plakate drucken lassen:

(Fotografiert von 21woman)

Schlechter Witz

Friday, July 11th, 2008 von Barbara

Schlimm, dass in Mädchenheften wie Bravo Girl! unter der Rubrik “Darüber lachen Jungs” sexistische Witze wie dieser abgedruckt werden:

Sagt ein Mann zu seinem Freund: Ich habe meiner Frau eine Gasmaske zum Geburtstag geschenkt. Freund: Eine Gasmaske? - Ja, erstens sieht sie damit besser aus und wenn ich den Stöpsel zuhalte, dann zappelt sie so schön beim Sex.

Schlimmer, dass die Leute z. B. bei Neon, in der taz oder von den Grünen, die Proteste gegen diese Veröffentlichung auf der Witzseite geäußert haben, von der Bravo Girl!-Redaktion informiert wurden, die heutige Generation von Mädchen und jungen Frauen sei „emanzipiert und lebensfroh genug“, auch über Witze mit erotischem Inhalt zu lachen.

Noch schlimmer dann die Reaktion des Presserats auf die Beschwerde der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in Nordrhein-Westfalen gegen die Witzseite; es wurde mit der Begründung reagiert, dass „gerade die jüngere Generation von Frauen und Mädchen in ihrer Haltung den Geschlechterrollen gegenüber sehr viel emanzipierter und souveräner als noch die Geschlechter davor“ sei und eine Rüge abgewiesen.

Wer soll nun lachen? Mir fällt niemand ein. Die Jungs, denen ein derart schlechter Humor unterstellt wird? Die Mädchen, die zu Objekten degradiert werden, und das auch noch in den Heften, die extra für sie gemacht werden (Bravo GIRL)? Die als uncool und unzeitgemäß gelten, wenn sie das Lustige an diesem Witz nicht finden wollen. Oder Journalistinnen wie ich, die sich fragen, wofür der Presserat denn überhaupt noch steht, wenn er Emanzipation von jungen Frauen als Ausrede für Sexismus in den Medien anführt. Und die nebenbei von der Beratungsstelle für Mädchen in Wuppertal zur Verantwortung gezogen werden:

Unter dem Deckmantel der Emanzipation würden junge Frauen in das Bild des “Alpha-Mädchens” gedrängt: immer gut drauf, stark und selbstbewusst, mahnte die Beratungsstelle für Mädchen am 10. Juli in Wuppertal an. Reale Erfahrungen wie Gewalt kämen in den Bildern nicht vor. Oft zögen misshandelte Mädchen daraus den Schluss, selbst schuld zu sein.

Weder Emanzipation noch Stärke, weder Selbstbewusstsein noch Feminismus, weder der Begriff “Alphamädchen” noch stärkere Souveränität im Vergleich mit der Müttergeneration rechtfertigen Sexismus. Sexismus ist einfach nur Sexismus. Er wird durch eine Witzverpackung nicht weniger sexistisch, ebenso wenig durch ein jugendliches Umfeld. Und in Kombination mit Gewalt, wie in diesem Witz für Jungs, ist Sexismus einmal mehr einfach nur zum Kotzen.

Wer gerne mit der jungen Grünen Sabine Ponath und mir darüber diskutieren möchte, kann das am Samstagvormittag in Traunstein im Café Bistro Intreff (Lebenshilfe-Café), Leonrodstr. 4a (500m vom Bahnhof entfernt), zwischen 11 und 13 Uhr.